It Is All Gone
Haymitch und ich folgen dem Flur, der von der Intensivstation zurück ins Foyer führt. Früher hatten wir ein ähnliches Schritttempo, sodass keiner Mühe hatte, mit dem anderen mitzuhalten. Jetzt ist es Haymitch, der sich an meine langsamen Schritte anpasst. Es scheint ihn nicht zu stören. Die Seitenblicke die er mir alle paar Sekunden zuwirft zeugen von einer fast ängstlichen Sorge. Er ist gut darin, seine Gefühle zu verstecken, aber er scheint zu merken, dass diese Angewohnheit mir gegenüber kontraproduktiv sein wird. Er muss wissen, dass sie uns auch in der Vergangenheit eine Menge Ärger hätte ersparen können.
Haymitch hat vorgeschlagen, dass wir uns in die Kantine der Krankenstation zurückziehen. Um diese Uhrzeit ist das Frühstück bereits vorbei, sodass wir dort auf niemanden stoßen sollten. Zurück in mein eigenes Zimmer wollte ich nicht. Die Atmosphäre würde mich wahrscheinlich zu sehr an unser letztes Gespräch erinnern und ich denke nicht, dass uns das weiterhelfen wird. Da ich keinen anderen Ort in diesem Distrikt kenne, habe ich zugestimmt, in die Kantine zu gehen.
Wir haben das Foyer beinahe erreicht, als Haymitch mit einem Schritt auf den anderen stehen bleibt. Ich bin bereits mehrere Meter weitergelaufen, bis mir sein abruptes Halten auffällt. Verwirrt drehe ich mich zu ihm um und schaue ihm das erste Mal, seit wir Johannas Zimmer verlassen haben direkt in die Augen. Der Konflikt in ihnen lässt mich unwillkürlich zurückweichen, aber ich zwinge mich, ruhig zu bleiben und seinem Blick nicht auszuweichen. Man kann ihm ansehen, dass er verloren ist; dass er nichts mit der Situation anzufangen weiß, in der wir uns befinden; dass ihn die Szenen aus Johannas Krankenzimmer verstört haben.
Johanna hatte recht: Die Station muss unterbesetzt sein, denn wir sind allein im Flur. Bisher sind wir keiner Menschenseele begegnet und die Stille, die uns umgibt, lässt mich frösteln. Haymitch steht mitten im Gang, seine Schultern zusammengesackt und mit zusammengepressten Lippen, als wären sie das Einzige, das ihn davon abhalten könnten, laut loszuschreien. In all den Jahren, in denen wir dabei zugesehen haben, wie wir Kind um Kind in den Spielen verloren, habe ich ihn nie so betroffen gesehen wie jetzt. Seine übliche Reaktion auf Schmerz war stets Wut.
Haymitch ballt seine linke Hand zur Faust, drückt sie gegen seine Stirn und seine Augen wandern von mir zu seinen Fingern. Er kann mich nicht ansehen, als er seinen Gedanken in Worte fasst. „Was kann ich tun, um dir zu helfen?"
Eine Weile lang sage ich gar nichts und starre, genauso wie er, auf seine zur Faust geballten Hand. Dieser Haymitch ist mir fremd. Ich bin an einen Haymitch gewöhnt, der sich hinter einer unüberwindbaren Mauer verbirgt, nichts und niemanden an sich heranlässt und seine Sorgen einfach wegtrinkt. Ist es der fehlende Alkohol, der ihn verändert hat, weil er sich seinen Dämonen nun stellen muss?
„Sei ehrlich zu mir", flüstere ich in die Distanz zwischen uns und frage mich, ob er mir überhaupt helfen kann. Ich ziehe in Betracht, meine Antwort mit diesen vier mickrigen Worten zu beenden, als eine leise Stimme in meinem Kopf mich zurechtweist. Wenn du seine Ehrlichkeit willst, dann solltest du genauso ehrlich zu ihm sein. Gib ihm eine Chance. Also spreche ich weiter. „So vieles geht mir im Moment durch den Kopf. Diese Welt ist mir fremd und ich brauche Zeit, um mich anzupassen. Die Dinge, die ich durchlebt habe, hindern mich daran. Mein Trauma-" Ein bitteres, trauriges Lachen verlässt meine Kehle. „Ich weiß nicht einmal, ob das alles hier wirklich real ist, oder nur ein weiterer Trick des Kapitols. Es wäre nicht das erste Mal, dass sie meine Wahrnehmung der Realität verändern."
„Ich werde versuchen, dir die Dinge recht zu machen. Der Distrikt ist groß, viel größer als Zwölf ..." Haymitch zögert und seine Schultern sacken nach unten. Der Blick in seinen Augen wirkt für den Bruchteil einer Sekunde unglaublich distanziert, als hätte seine Seele seinen Körper kurz verlassen. „Frag mich was du willst, ich werde ehrlich sein. Aber wenn du merkst, dass es dir zu viel wird, dann musst du das sagen."
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Figure It Out (Hayffie)
Fanfiction[Hayffie Fanfic] Effie Trinket, nur ein weiteres Schoßhündchen des Kapitols. Das Jubeljubiläum beginnt und plötzlich zeigt sich, dass doch nicht so sehr vom Kapitol besessen ist, wie vorerst angenommen. Die Revolution kommt ins Rollen und Haymitch...
