Haymitch schaut von Katniss zu Prim und schweift dann über die Hawthornes. Sie schlafen alle. Posy, Hazelles Jüngste, liegt in Prims Schoß. Keine Spur von Gale. Distrikt 13 hat aus ihm einen Vorzeigesoldaten gemacht. Er hat sich sehr schnell hochgearbeitet und verbringt die meiste Zeit oben bei Coin im Kommandobereich. Haymitch kann Katniss ansehen, dass es ihr nicht gefällt. Ihre klare Abneigung der Präsidentin gegenüber ist kein Geheimnis und scheint mit jedem weiteren Tag nur stärker zu werden.
Finnick scheint von der gesamten Rebellion nicht ganz so mitgenommen. Zumindest oberflächlich. Die meiste Zeit ist er mit seinen Knoten beschäftigt. Er hat Katniss auch einen Faden gegeben, um sie zu beschäftigen, wofür Haymitch dankbar ist, weil er keine Ahnung hat, wie er das Mädchen davon abhalten soll, den Verstand zu verlieren. Finnick schläft nur einige Betten von Katniss entfernt und wenn er vorbeikommt, um die Lage zu überprüfen, spricht er meistens über Annie und dass ihr das Kapitol sicherlich furchtbare Angst einjagt.
„Das Kapitol würde eine labile Person wie sie doch niemals foltern, oder Haymitch?", fragt der Junge und schaut ihn mit seinen großen grünen Augen an. Er hat nichts mehr mit dem charmanten, überschwänglichen Sieger gemein, den das Kapitol bewunderte.
Haymitch weiß noch ganz genau, wie er Finnick ein Jahr nach seinem Sieg das erste Mal im Kapitol traf. Zuerst hielt er ihn für einen kleinen Playboy, aber seine enge Verbindung zu Mags sicherte ihm einen Vertrauensvorschuss. Eine Freundschaft mit ihm aufzubauen war aufgrund seines Humors, seiner offenen Neckereien und seiner freundlichen Art ein Kinderspiel gewesen. Kein Kinderspiel war es gewesen, dabei zuschauen zu müssen, was das Kapitol selbst vor seiner Volljährigkeit mit Finnick anstellte. Er hatte sich dem Jungen von Anfang an verpflichtet gefühlt. Wie eine Art Vater ...
Natürlich verneint er Finnicks Frage, wenn auch nur aus dem einfachen Grund, ihn zu beruhigen. Und ein klein wenig Anspannung scheint sich tatsächlich von seinen Schultern zu lösen. Doch die Wahrheit würde Haymitch ihm in dieser Situation sicher nicht sagen. Alles hier ist zu verzwickt. Diese Rebellion fordert jeden Einzelnen von ihnen heraus und lässt sie jeden Tag aufs Neue zittern. Dabei hat jeder von ihnen genug schlimme Dinge erlebt. Wie könnte Haymitch ihm auch die Wahrheit sagen? Er kann die Wahrheit ja selbst kaum verkraften. Denn ein Regime, das Jahr für Jahr unschuldige Kinder in den Tod schickt, macht sicher auch keinen Halt davor, eine psychisch kranke Frau zu quälen.
oOo
Die Normalität kehrt nach Ende des Angriffs so schnell in Distrikt 13 zurück, dass Haymitch mehr als einmal innehalten und sich fragen muss, ob er überhaupt tatsächlich geschehen ist oder ob sein ausgelaugtes Hirn ihm nur einen Streich gespielt hat. Die Menschen hier wurden Jahre lang auf diese Rebellion gedrillt und vorbereitet. Wenn er sie während der Essensausgabe betrachtet, wirken sie auf ihn genauso kalt wie Coin. Nichts kann sie aus der Bahn werfen. Jeder von ihnen ist Teil von etwas Größerem. Jeder von ihnen hat gelernt, seine persönlichen Interessen unterzuordnen. Und weil sie alle eine perfekte Einheit, eine perfekte Armee aus perfekten Soldaten bilden, tun sie auch genau das. Es bereitet Haymitch Unbehagen.
Es dauert keine 24 Stunden, bis Präsidentin Coin ein weiteres Propo anordnet. Sie will das Kapitol wissen lassen, dass Distrikt 13 ihren Bomben ohne Verluste getrotzt hat. Es kommt ihm wie ein Kräftemessen zwischen Snow und Coin vor. Keine Schwäche zeigen, der Gegner muss eingeschüchtert werden. Aber früher oder später wird einer von beiden zusammenbrechen und versagen. Um ihrer aller Wohl hofft Haymitch, dass es nicht Coin sein wird, auch wenn er nichts für diese Frau übrighat.
Die Ankündigung des Propos lässt Haymitchs Wut nur größer werden. Katniss bekommt nicht einmal einen ganzen Tag, um sich auszuruhen. Er muss ihr nur ins Gesicht schauen, um zu wissen wie erschöpft sie ist. Dunkle Ringe liegen unter ihren Augen und selbst wenn das Team um Cressida mehrere Schichten von Puder aufgetragen hat, ist der müde Ausdruck in ihren Augen nicht zu übersehen.
DU LIEST GERADE
Figure It Out (Hayffie)
Fanfiction[Hayffie Fanfic] Effie Trinket, nur ein weiteres Schoßhündchen des Kapitols. Das Jubeljubiläum beginnt und plötzlich zeigt sich, dass doch nicht so sehr vom Kapitol besessen ist, wie vorerst angenommen. Die Revolution kommt ins Rollen und Haymitch...
