Smudo's Sicht
Ich stand noch immer in der Ecke des Raums. Die Hände in den Taschen, der Blick fest auf den Boden gerichtet. Alles in mir war angespannt, verkrampft – ich fühlte mich wie eine tickende Zeitbombe, kurz davor zu explodieren.
Emely lag da. Regungslos. Blass. So zerbrechlich wie nie zuvor.
Und Samu saß an ihrem Bett. Tränen liefen ihm über die Wangen, und er hielt ihre Hand, als wäre nichts. Als wäre er der aufrichtige, verzweifelte Freund, der einfach nur seine große Liebe zurückhaben will.
Ich sah ihm dabei zu und es kochte in mir. Die Art, wie er ihre Hand hielt. Wie er sie ansah. Wie er flüsterte, dass er sie liebe.
Ich konnte nicht mehr. Ich konnte einfach nicht mehr schweigen.
Ich trat einen Schritt vor und sah ihn scharf an. Meine Stimme kam heiser, brüchig – und voller aufgestauter Wut.
„Sag mal, was ziehst du hier eigentlich für eine Show ab?"
Samu sah erschrocken zu mir hoch, die Tränen noch nicht einmal weggewischt. Michi drehte sich ebenfalls um, verwirrt, mit einem Stirnrunzeln im Gesicht.
„Was meinst du?", fragte Samu langsam, blinzelte, als hätte ich ihn aus einem Traum geweckt.
Ich lachte bitter, ein Laut ohne jede Freude. „Du weißt ganz genau, was ich meine." Ich ging einen Schritt näher, mein Blick bohrte sich in seinen. „Wie kannst du hier sitzen und so tun, als wäre alles in Ordnung? Als hättest du nie in deinem Leben einen Fehler gemacht?"
Samu starrte mich an. Ich sah, wie Unsicherheit in seinen Blick kroch. Wie er nach Worten suchte, aber keine fand.
„Ich mach's dir leicht", sagte ich und beugte mich leicht nach vorn. „Ein Wort reicht. Ein Name." Ich ließ eine Sekunde vergehen. „Angelina."
In dem Moment veränderte sich etwas in Samus Gesicht. Er wurde still. Seine Lippen öffneten sich leicht, als wollte er etwas sagen, aber es kam nichts. Kein Wort. Kein Laut. Nur Schweigen. Und das sprach lauter als alles andere.
Michi sah verwirrt von mir zu ihm. „Was... was ist los? Was redet ihr da?"
Ich wandte mich langsam Michi zu. Mein Herz schlug wie wild in meiner Brust, aber ich wusste, dass ich das jetzt aussprechen musste.
„Ich hab ihn gesehen, Michi", sagte ich rau. „Ich hab Samu gesehen. Mit ihr."
„Mit Angelina?", fragte Michi fassungslos.
Ich nickte. „Und sie haben nicht nur geprobt, Michi."
Stille. Schwer. Greifbar.
Michi blinzelte, dann drehte er sich langsam zu Samu. „Du hast... WAS?!"
Samu hob die Hände, wollte irgendwas sagen, aber es kam nur Gestammel. „Es war nicht so... Ich... Wir haben... Es war nur—"
„Hör. Auf.", sagte ich kalt und scharf. „Hör auf, dich rauszureden, Samu." Ich trat noch einen Schritt näher. „Du warst schon mit ihr zugange, bevor Emely überhaupt hier angekommen ist. Ich hab's gesehen. Wie du mit Angelina gelacht hast, wie du sie berührt hast. Und das war nicht einfach nur ein Flirt. Du hast Emely betrogen. Und dann, als wäre nichts gewesen... hast du so getan, als hättest du auf sie gewartet. Als wärst du der liebe, treue Freund."
Ich sah, wie Michi den Kopf schüttelte. Als hätte er Angst, das zu glauben. Oder sich weigerte. Aber in seinem Blick spiegelte sich genau das, was auch in mir war: Entsetzen. Enttäuschung.
„Und dann", fuhr ich fort, „hast du sie auch noch entjungfert, Samu. Nach all dem. Nach dem, was du getan hast. Du hast sie angelogen. Du hast ihr was vorgespielt. Und jetzt sitzt du hier, mit Tränen in den Augen, als wärst du der große, gebrochene Held."
Samu stand auf, panisch. „Ich liebe sie, verdammt noch mal!", rief er. „Es hat nichts bedeutet mit Angelina, das war—"
„Laber mich nicht voll!", brüllte ich zurück. „Du hast nicht aus Versehen jemanden geküsst. Du hast mit ihr geschlafen! Und dann hast du dich in Emelys Leben geschlichen, als hättest du nie was getan. Du hast nicht einen einzigen Moment an das gedacht, was das mit ihr machen würde, wenn sie es erfährt!"
Der Raum bebte vor Spannung. Michi stand inzwischen ebenfalls, stützte sich schwer auf die Bettkante, völlig blass im Gesicht.
„Ich kann nicht glauben, dass du das getan hast...", murmelte er. „Emely... sie hat dir vertraut."
Samu atmete hektisch. „Ich... ich wollte es ihr sagen. Aber es war zu spät. Dann kam der Unfall und—"
„Nein.", unterbrach ich ihn. „Du hattest viele Chancen. Aber du hast dich für die Bequemlichkeit entschieden. Du hast es ihr nicht gesagt, weil du wusstest, dass sie dich verlassen würde."
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I Want You
FanfictionEmely, ein 16 Jähriges Mädchen fährt mit ihrer klasse nach Berlin auf „Klassenfahrt". Dies ist jedoch keine normale Klassenfahrt. Während der Zeit in Berlin lernt sie viele neue Leute kennen, die ihr in kürzester Zeit ziemlich schnell ans Herz wach...
