Nach Itachis Gespräch mit Tsunade schien der Uchiha entspannter zu sein. Er hatte ihr von den wahren Gründen des Massakers erzählt, sie jedoch gebeten keinen der Ältesten zu konfrontieren. Immerhin würde dies auch für sie vorerst Nachteile bringen, da die Organisation bisher noch als hochrangig gefährlich galt.
Kakashi brachte uns in einer Herberge unter. Wir hatten unsere Mäntel und Stirnbänder in einer Schriftrolle versiegelt und so mitgenommen. Obito, in seinem derzeitigen Alter, und ich wahren unbekannte Gesichter im Dorf. Deshalb erschuf ich einfach eine Illusion um meine Augen, sodass sie normal aussahen. Der älteste Uchiha setzte eine Sonnenbrille auf und Itachi musste sich wohl oder übel mit einem Jutsu in eine beliebige Person verwandeln.
So stand mein Freund nun buchstäblich als neuer Mensch vor mir. Keine Ahnung, ob er diesen Typen jemals in seinem Leben gesehen hatte, oder ob er einer zufälligen Eingebung folgte. Er war auf jeden Fall etwas kleiner als sonst, hatte kurze braune Haare, ein stark konturiertes Gesicht und grüne Augen. Also, nicht mein Itachi. Der Uchiha lachte etwas auf, als er meinen nicht sehr begeisterten Gesichtsausdruck sah.
Zum Glück hatte er sich in unserem Zimmer wieder in seine normale Form gewandelt. Er verschwand kurz im Bad, währen ich mich auf das Bett setzte und meditieren wollte. Ich versuchte regelmäßig mein Chakra zu regulieren, sodass ich es gezielter und besser einsetzten konnte. Dies machte ich nun schon über mehrere Jahre und es gelang mir echt gut.
Nach ein paar Minuten spürte ich, wie das Bett auf der anderen Seite etwas sank."Kairi?", sagte Itachi ungewohnt zögerlich. Es klang auch eher wie eine Frage.
"Hm?"
"Tsunade hat mir von deiner Bitte erzählt.", sagte er. Ich hatte sie nie darum gebeten es geheim zu halten, aber irgendwie verblüffte es mich trotzdem, dass sie es ihm erzählt hatte. "Irgendwann beinhaltet, dass wir zusammen hier bleiben.", erinnerte er mich. Es amüsierte mich, dass wir für diese Vorstellung ein Wort wie 'irgendwann' verwendeten. Und doch wussten wir, was gemeint war. "Warum würdest du dich da raus nehmen?", fragte er. Ich konnte hören, dass es ihm nicht passte.
"Über sowas machst du dir Gedanken, wenn du pinkeln gehst?", neckte ich ihn. Er sollte wieder etwas lockerer werden.
"Darüber habe ich mir generell Gedanken gemacht.", antwortete er zum Teil genervt und ich konnte das Augenrollen förmlich hören. Doch auch das leichte Schmunzeln hörte ich raus.
"Ich möchte, dass ihr glücklich seid. Ich möchte, dass du glücklich bist. Solange man euch wieder im Dorf aufnimmt, habe ich schon einen guten Job gemacht.", erklärte ich ihm. Meine Augen waren noch immer geschlossen und ich saß auch weiterhin im Schneidersitz auf dem Bett.
Plötzlich spürte ich, wie Itachi mein Kinn leicht ergriff und meinen Kopf drehte. Ich öffnete meine Augen und sah direkt in seine. Sein Gesicht war nicht sehr weit von meinem entfernt und er sah mich völlig ungläubig an. Hatte ich etwas falsches gesagt?
"Damit ich richtig glücklich sein kann, musst du schon mitkommen.", sagte er, als wäre es das selbstverständlichste der Welt. "Deswegen habe ich Tsunade darum gebeten, dir eine Chance zu geben. Sollte sie sich tatsächlich dazu entscheiden Obito, Sasuke und mich wieder aufzunehmen, dann soll dir genauso ein Platz in Konoha zustehen.", erzählte er mit fester Stimme, als würde er mich gerade für irgendetwas tadeln. Statt ihm zu antworten, verpasste ich ihm erstmal einen kleinen Kuss auf die Nasenspitze.
"Arigato.", hauchte ich ihm mit einem Lächeln entgegen. Es war einfach schön, dass er sich für mich genauso einsetzte, wie ich mich für ihn. Es fühlte sich gut an, gab mir noch mehr Selbstbewusstsein und Motivation. Ich wusste nicht, wann ich das letzte Mal so viel Positivität verspürt hatte. Irgendwie konnte ich es selbst kaum fassen. Trotzdem durfte ich meinen Sinn für die Realität nicht verlieren.
Itachi sah mich einige Sekunden an, bevor auch er lächelte. Eigentlich konnte man keinem erzählen, wie eklig süß wir waren, wenn wir Zeit zu zweit verbrachten. Der Überlebende Todes-Zwilling und der Uchiha-Clan-Mörder, die verliebt miteinander turtelten. Was für eine bescheuerte Vorstellung.
Ich drehte mich nachdenklich von ihm weg. Irgendwie überkam mich ein plötzliches Gefühl des Zweifels. War es richtig, was ich hier machte? Es fühlte sich richtig an. Natürlich bedeuteten meine Entscheidungen, dass ich mich verändern würde oder sogar bereits verändert hatte. Es war schon etwas beunruhigend einen neuen Weg einzuschlagen.
Bisher kannte ich nur Trauer, Leid und Distanz. All das gab mir Sicherheit, denn so konnte mir kein Schmerz zugefügt werden. Jetzt pellte ich mich aus dieser sicheren Schale und war dabei sie hinter mir zu lassen. Ich fragte mich, ob es nicht vielleicht eine dumme Entscheidung war das gewohnte hinter mir zu lassen.
Ich vernahm Itachis Blicke deutlich, als ich vom Bett aufstand und zum Fenster ging. Die Sonne ging bereits unter und tränkte das Dorf in einem orangenen Schimmer. Es sah wunderschön aus, wie die Gebäude unterschiedlich hoch standen und das seichte Licht die Straßen flutete.
Würde ich immer noch die Überhand behalten, wenn ich mich weiterhin öffnete? Natürlich würde ich das, schließlich änderte es nichts an meinen Fähigkeiten und meiner Kraft. Vielleicht bot es eine Chance mich angreifen und aus der Reserve locken zu können, doch dazu würde ich es niemals kommen lassen.
Warum also versuchte ich mich in der Sicherheit der Gewohnheit zu wiegen? Es war doch vollkommen logisch, dass Veränderungen auch gewisse Risiken mit sich brachten. Doch ich war auf einem guten Weg. Zudem konnte ich mir sicher sein, dass es der richtige war. Schließlich wäre es das, was Yami getan hätte - was sie gewollt hätte.
Itachi stand ebenfalls vom Bett auf und stellte sich neben mich. Wir standen nun also wie zwei ältere Menschen da und starrten aus dem Fenster.
Alles fing mit ihm an. Itachi Uchiha. Der sonst so souveräne Typ, der sich bei mir beim besten Willen nicht zurückhalten konnte. Er machte sich die Mühe und schickte mir einen Doppelgänger hinterher und lernte mich später tatsächlich näher kennen. Der Schwarzhaarige erweckte in mir eine Seite, die ich längst vergessen geglaubt hatte. Wäre er nicht gewesen, dann wäre mir Nagatos Plan wahrscheinlich egal gewesen und ich hätte weiter gemacht, wie bisher. Was für eine Katastrophe das ausgelöst hätte.
Ich sah zu dem Uchiha. Sein Blick war stets nach draußen gerichtet und ich glaubte einen nostalgischen Ausdruck auf seinem Gesicht erkennen zu können. Natürlich, es war sein Dorf, seine Heimat. Nach so vielen Jahren hatte er mal wieder die Chance es in Ruhe zu betrachten, statt von der Ferne aufzupassen. Seine Aura sendete etwas aus, dass ich so noch nicht an ihm gesehen hatte. Als wäre es auf den letzten Metern eines Wettrennens und hätte es bald geschafft.
Ich seufzte und richtete mich ebenfalls wieder auf die Straßen und das Dorf."Konohagakure ist ein schönes Dorf.", sprach ich und unterbrach somit die Stille. "Es regnet deutlich weniger hier. An die Temperaturen werde ich mich gewöhnen müssen.", fügte ich beiläufig an. Itachi entfuhr ein kleines schnaufen. Dies reichte mir schon.
Yami, ich werde dich stolz und Itachi glücklich machen. Von nun an unterstehe ich niemandem mehr.
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𝙋𝙧𝙚𝙩𝙩𝙮 𝙀𝙮𝙚𝙨 {𝙄𝙩𝙖𝙘𝙝𝙞 𝙐𝙘𝙝𝙞𝙝𝙖 𝙁𝙁}
FanfictionKairi bedeutet Ozean. Das passte zu ihr, denn ihre Seele und ihr Leben erschienen in einem pechschwatzen zu ertrinken. ••• ❗️GENERELLE SPOILERWARNUNG❗️ (Zusatz: Das Alter der Charaktere ist anders als im Anime/ Manga) ••• DISCLAIMER: Naruto/ Narut...