Kapitel 85: Geständnis

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„Ich liebe dich, vergiss das bitte nie", sagte meine Freundin und gab mir einen kurzen Kuss auf die Wange ehe ich durch die Tür schritt. Das Blitzlichtgewitter traf mich und ich lief halb blind zu meine Platz und erst als ich saß schienen sie sich wieder zu beruhigen. „Marie Schwarz?", fragte mich ein Mann, den ich auf Ende Fünfzig schätzen würde. Ich nickte. „Schwören Sie, und die Wahrheit zu sagen?", fragte er weiter. „Ich schwöre", sagte ich und ich merkte, wie meine Stimme trotz der Maske etwas zitterte. Er nickte zufrieden und setzte sich wieder auf sein etwas erhöhtes Podest. Ich fühlte mich wie vor Gericht kurz bevor ich als schuldig befunden werde. Meine Augen durchstreiften den Saal und glitten über die ganzen Kameras und Journalisten hinweg bis sie an einem rotem Schopf hängen blieben. Meine Freundin hatte sich lässig an die Wand gelehnt, aber ich konnte sehen, dass ihre grünen Augen mich besorgt musterten. Dann wurde aufgefordert alles zu erzählen und das tat ich, angefangen bei dem Überfall auf Natasha und mich als wir Clint besucht haben. Warum wir beide da allein waren, wurde zum Glück nicht gefragt. Vieles ließ ich bewusst weg, da manches nicht auf ganz legalen Wegen geschah.

Relativ schnell kam ich zu meiner Entführung und als ich erzählte, wieso Letizia mich gefangen nahm, hörte ich ein paar Keucher unter den Zuschauern. Nun, ab heute ist es wohl kein Geheimnis mehr, dass ich schon vorher von ihren Leuten gefoltert wurde. Und anscheinend wussten auch viele nicht, dass ich schon bevor ich zu den Avengers kam Terroristen gejagt habe. Ich erzählte möglichst knapp von der Folter und der weißhaarige Mann unterbrach mich ab und zu um eine Frage zu stellen oder zu bestätigen, dass eine bestimmte Verletzung in meinem medizinischem Bericht eingetragen war. Ich kam schließlich zu der Stelle, in der mir weißgemacht wurde, dass sie Nat haben und sie folterten. Ich spürte, wie sich ein Kloß in meinem hals bildete und probierte ihn runterzuschlucken. Ich sah, dass der Mann, der die Befragung durchführte, erstaunt war, dass mich die Folter von der Schein-Natasha am meisten aus der Bahn warf, sagen tat er jedoch nichts. Als ich schließlich erzählte, dass sie sie umgebracht hatten, lief mir sogar eine kleine Träne die Wange runter, die ich verstohlen probierte wegzuwischen. Mein Blick blieb auf den Mann geheftet, ich hatte Angst, dass wenn ich jetzt gewissen grünen Augen begegnete, zusammenbrechen würde. Ich erzählte, wie die Welt für mich in den Hintergrund rückte und konnte Mitleid in seinen Augen sehen. Dann hatte ich es geschafft. Ich sagte nur noch, dass ich befreit worden bin, dazu aber nicht mehr sagen kann, weil ich mich nicht erinnere. Es herrschte absolute Stille im Saal. Provokant blickte ich über die Menge und sah direkt in Furys Augen. Er nickte mir leicht zu, als ob alles gut wäre und ich unterdrückte die Wut, die dabei in mir hochkam.

„Miss Schwarz", sprach mich der Mann jetzt an. Ich begegnete wieder seinem Blick. „Wie sind Sie wieder zu sich gekommen, wo Sie sich doch so... von ihren Sinnen abgeschirmt haben?", fragte er mich. Eine gute Frage. Eine gefährliche Frage. Eine Frage, die mich zwingt, noch mehr von mir zu offenbaren. „Es war ein vertrauter Geruch, der mich wieder hoffen ließ. Und mit der Hoffnung kam auch alles andere zurück. Ebenso wie die Schmerzen", erwiderte ich bloß. „Könnten Sie diesen Geruch bitte noch weiter ausführen", bat er mich. Was hat das mit Letizia zu tun? Hier soll es doch um sie gehen und nicht um mich! Ich war gerade dabei meine Gedanken genauso wiederzugeben, als ich Furys warnenden Blick auffing. Ich warf ihn einen wütenden Blick zurück bevor ich meinen Kopf etwas weiterdrehte und mein Blick ihre grünen Augen traf. Sie nickte mir einmal ermutigend zu. Ich seufzte leise. Was bleibt mir schon viel übrig? „Es war Natashas Geruch", sagte ich dann simpel. Die Augenbrauen des Mannes zogen sich verwirrt zusammen: „Und warum gibt Ihnen Natashas Geruch Hoffnung?" Er scheint echt verwirrt zu sein. Mein Blick ruhte auf Natasha, als ich ihm antwortete: „Weil ich sie liebe." Im Saal brachen Unruhen aus und alle reckten sich um jetzt auch ein Bild von ihr zu machen und ihre Reaktion auf mein Liebesgeständnis zu filmen. Sie lächelte mir zu, sagte aber nichts. Aber ich wusste auch so, was sie mir mittels Mimik zu übermitteln versuchte und ich lächelte ebenfalls zu ihr rüber.

Black AngelWo Geschichten leben. Entdecke jetzt