Kapitel 77: Central Park

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Wie konnte es nur soweit kommen, ich bin doch sonst nicht so jähzornig, so unbeherrscht. Und woher kommt dieser krasse Stimmungswechsel? Nur, weil sie meinte, dass ich noch nicht mal das Ziel war, als sie mich zu dem gemacht hat, des ich heute bin? Dabei fand ich es bis jetzt nie schlimm, dass ich besondere Fähigkeiten habe. Auch wenn ich mich schon ein paar Mal gefragt hatte, woher sie kommen. Aber auch dass, konnte mir die Giraffe nicht sagen. Wofür war sie eigentlich nützlich, wenn nicht dafür, die Leben von Tausenden Menschen zu zerstören? Ich kauerte mich enger zusammen und schlang meine Arme um die Knie. Meine Flügel dunkelten alles ab und tauchten meine Welt in ein mattes Schwarz ohne lästige Geräusche. Ich saß einfach nur da, dachte nach bei dem Versuch nicht nachzudenken und weinte vor mich hin. Irgendwann hatte ich keine Tränen mehr und meine Augen brannten, aber selbst da blieb ich einfach weiter sitzen. Ich wollte gerade gar nichts, hatte auf gar nichts Lust. Selbst das nichts tun war mir zu viel. Mein Magen knurrte, aber ich fand keine Motivation aufzustehen und mir etwas zu essen zu holen. Ob die anderen gerade am Abendessen sind? Falls ja, wird es wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, bis sie mich suchen gehen. Ich will gerade nicht gefunden werden, aber aufstehen will ich auch nicht... entweder oder, Marie.

Nach weiteren fünf Minuten hievte ich mich hoch und ging zum Aufzug. Erneut hatte ich Glück und niemand stieg zu, bis sich die Aufzugtüren auf dem Dach öffneten. Ich verließ ihn und schickte ihn zurück zu einem der mittleren Stockwerke, alias das 63. Die Sonne nährte sich dem Horizont und ich bewunderte einen Moment ihre Schönheit, bevor ich meine Flügel ausfuhr uns vom Dach abhob. Hier oben würden sie mich nämlich definitiv auch suchen. Ich machte mich auf dem Weg zum Central Park, da es mir zu lange dauert, irgendwo hin außerhalb von New York zu fliegen. Dort angekommen suchte ich mir eine Versteckten Platz mir Sicht auf einen der kleineren Seen. „Natasha ruft an", sagte Lin plötzlich und ich zuckte zusammen. „Sag ihr, dass ich gerade nicht kann", meinte ich tonlos, „Ich muss gerade allein sein." Die KI tat, was ihr geheißen und riss mich direkt danach wieder aus meinen karusellfahrenden Gedanken: „Sie fragt, was passiert ist, damit du gerade allein sein musst." Ich seufzte auf: „Der letzte Teil war eigentlich für dich und nicht für sie bestimmt." „Oh, das tut mir leid, dass hatte ich falsch verstanden", entschuldigte sie sich. Ich zuckte nur mit den Schultern und hing wieder meinen Gedanken nach. Lin sollte sich selbst überlegen, was sie Nat sagen soll.

Die Sonne verschwand hinter der Skyline und es wurde immer dunkler. Ich hatte meine Flügel um mich geschlungen, sowohl um mich zu wärmen, auch wenn des dank dem Anzug eigentlich nicht mehr nötig war, wie auch, um mit dem Schatten besser zu verschmelzen. Ich lehnte mich an den Baumstamm und beobachtete die paar Sterne, die durch die Zweige schienen. Sie beruhigen mich immer wieder. Milliarden von Lichtjahren entfernt und doch immer wieder bei mir, wenn ich sie brauche.

Ein Geräusch schreckte mich auf. Ich war offensichtlich eingeschlafen, inzwischen war tiefste Nacht. „Marie", rief eine männliche Stimme. Steve. Ich blieb sitzen und rührte keinen Muskel. Vielleicht würde er mich nicht sehen und einfach weiter laufen. „Marie", rief er nochmal, diesmal war er näher. Ich hörte, wie Zweige unter seinem Schuh knackten und er schließlich keine fünf Meter von mir entfernt stehen blieb. „Oh, verdammt, Marie", seufzte er und sah sich suchend um, entdeckte mich aber nicht, „Was soll ich denn Natasha sagen, wenn ich dich nicht gefunden habe. Sie ist schier verrückt vor Sorge, was ich irgendwie auch verstehen kann. Es ist noch nicht lange her, dass du, als du das letzte Mal unauffindbar warst, entführt und gefoltert wurdest. Verdammt, lass es diesmal nicht wieder der Fall sein." Ich erstarrte, als er anfing mit sich selbst zu reden. Mist, ich hatte gar nicht daran gedacht, dass die anderen befürchten könnten, ich sein wieder entführt worden. Das wollte ich nicht, ich wollte nicht, dass sie sich Sorgen um mich machen. Wieso habe ich ihnen keine Nachricht hinterlassen, wie konnte ich nur so dumm sein. „Steve", sagte ich leise. Sofort drehte er sich um und versuchte etwas in dem Schatten, in dem ich saß zu erkennen. Ich nahm die Flügel vor mir weg und richtete mich etwas auf. Sein Blick fixierte mich nun und er kam mit schnellen Schritten auf mich zu. „Marie", sagte er erleichtert und nahm mich in den Arm. „Steve", sagte ich und spürte, wie meine Augen feucht wurden, „Das wollte ich nicht. Ich wollte nicht, dass ihr euch Sorgen macht. Ich brauchte nur etwas Zeit für mich. Es tut mir so leid." „Hey, alles gut. Heb dir die Entschuldigung lieber für später auf. Natasha wird dir die Hölle heiß machen", beruhigte er mich mehr oder weniger und ließ mich los, „Komm, wir gehen nach Hause." Sanft zog er mich hinter ihm her zu seinem Motorrad.

Black AngelGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt