Kapitel 73: Funktionen

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Nachdem wir uns durch den Verkehr von New York gequetscht hatten, kamen wir endlich auf einem Feld an, wo niemand zu sehen war. Nat parkte den Wagen am Rand des Feldwegs und wir stiegen aus. Es wehte etwas Wind und die Wolken über uns zogen schnell vorbei. Ich ging ein paar Schritte vom Auto weg auf das Feld. „Anzug aktivieren", sagte ich und die Stimme antwortete mir: „Anzug wird aktiviert." Kurz danach hatte ich wieder die Brille auf. „Dann wollen wir mal gucken, was du alles kannst", grummelte ich vor mir hin. Ich fuhr meine Flügel aus und spürte, wie der Wind an ihnen zerrte. Das hatte ich schon sehr vermisst. „Übertreib es nicht. Der Anzug kann dich zwar angeblich abfangen, wenn dir da oben was passiert, aber ausprobieren muss man das trotzdem nicht unbedingt", meinte meine Freundin mit einem warnendem Ton in der Stimme, ich konnte allerdings hören, dass sie sich fast genauso sehr freute wie ich. „Natürlich nicht, Babe", meinte ich und zwinkerte ihr zu bevor ich abhob. Die Brille scannte meine Umgebung, aber sonst passierte nicht. Hm, Tony hätte mir echt eine Bedienungsanleitung mitgeben müssen. Außer natürlich, die Bedienungsanleitung ist in der KI mit eingebaut. „Äh, gibt es eine Bedienungsanleitung?", fragte ich laut. „Wollen Sie, dass ich Ihnen meine Optionen aufliste?", stellte die KI die Gegenfrage. Ich weiß zwar nicht so ganz, was sie damit meint, aber ok. „Ja", meinte ich und sofort antwortete sie mir. „Sie können ein Flugziel einstellen, Wärmebildkamera aktivieren, an etwas heran zoomen, jemanden anrufen, Videos aufnehmen, Flugdaten einsehen, ein Ziel einstellen, dass Sie anvisieren oder verfolgen wollen, ...", begann sie, doch ich unterbrach sie: „Danke, das reicht fürs Erste denke ich. Zeig mir die Flugdaten." Links in meinem Sichtfeld blinkte eine Anzeige auf. Ich befinde mich anscheinend gerade sieben Meter über dem Boden und bin mit 0 km/h unterwegs. Außerdem schaue ich gerade Richtung Nordost und bin bereits seit knapp drei Minuten in der Luft. Interessant.

Zehn Minuten später habe ich vieles so grob ausprobiert und lande neben Natasha. Ich merke, dass ich morgen Muskelkater in den Flügeln haben werde. „Und?", fragte die Russin. Ich lächelte breit. „Ich habe keine Ahnung, wie viele Funktionen Tony eingebaut hat, aber die wenigen, die ich jetzt schon etwas kenne sind echt cool. Ich habe da drüben ein Nest von einem Falken oder so gesehen," antwortete ich in Richtung einer kleinen Baumgruppe zeigend, „das hätte ich nie gesehen ohne die Brille. Und ich weiß jetzt, wie schnell ich fliege, ich muss demnächst mal gucken, was meine Maximalgeschwindigkeit ist. Und..." Ihre weichen Lippe trafen meine. Ich sah sie kurz überrascht an, bevor ich den Kuss erwiderte. Sie löste sich von mir uns hatte ein fettes Grinsen im Gesicht. „Tut mir leid, ich wollte dich nicht unterbrechen, du warst grad nur so süß, dass ich nicht anders konnte, als dich zu küssen", erklärte sie entschuldigend. „Das ist nichts, was dir leid tun muss", meinte ich mit roten Gesicht und legte meine Lippen sanft auf ihre. „Ich liebe dich", flüsterte sie gegen meine Lippen. Mein Lächeln wuchs, sofern das noch möglich war. „Ich liebe dich auch", meinte ich und gab ihr einen letzten kurzen Kuss. Ein Hund bellte etwas entfernt und wir gingen wieder etwas auseinander, da die Medien noch nichts von unsere Beziehung wussten und wir uns hier in der Öffentlichkeit befanden, auch wenn gerade niemand zu sehen war.

„Ich will einen Hund", sagte ich plötzlich. Sie sah mich etwas irritiert an. „Woher kommt das denn plötzlich?", fragte sie. Ich zuckte die Schulter. "Ich wollte schon mein Leben lang einen Hund, habe aber immer gedacht, dass ich ihn mir erst hole, wenn ich einen festen Beruf habe, damit ich dann auch wirklich Zeit für ihn habe. Dann ist das", ich hob meine Flügel an, die noch immer draußen waren, „dazwischen gekommen und seitdem hatte ich gefühlt auch nie wirklich Zeit, da ich immer allein unterwegs war und den Hund nicht auf eine Mission mitnehmen kann." Sie sah mich an und zuckte die Schultern: „Und wenn wir uns einen holen?" Nun war ich die, die irritiert guckte. „Einfach so", fragte ich. Sie nickte bestätigend: „Wir haben eine große Familie und irgendwer wird sich schon finden, um auf ihn aufzupassen, wenn wir auf eine Mission müssen. Und ich hätte mir zwar nicht unbedingt einen geholt, da es mir zu viel Aufwand ist, mich allein um einen Hund zu kümmern, aber zu zweit... Hunde sind nun mal schon coole Tiere." Ich blickte sie mit großen Augen an. „Du... wirklich?!", fragte ich und spürte schon, wie sich eine große Freude in mir ausbreitete. Das ist echt der beste Tag meines Lebens. Sie nickte nur und schon hatte ich sie in eine feste Umarmung geschlossen. Etwas stupste mich auf Kniehöhe an und ich löste mich von Nat und sah runter. Ein Hund schnüffelte an mir und Nat, bevor er sich abwand und über das Feld rannte. Ich blickte wieder auf und sah den Besitzer zehn Meter entfernt stehen, das Handy ausgepackt und auf und gerichtet. Filmt der uns gerade? Ich warf meiner Freundin eine Blick zu und war plötzlich froh, dass ich sie nicht geküsst hatte, da das vielleicht auch auf dem Video mit drauf wäre. Die Spionin blickte etwas wütend auf das Handy und dann dessen Besitzer ins Gesicht. „Lass uns gehen, Marie", meinte sie nur und ging Richtung Fahrerseite. Ich nickte knapp, fuhr meine Flügel ein und schloss mich ihr an. Der Motor brummte auf und wir fuhren davon. Ohne Zweifel würden wir bald das Video im Internet finden.

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