Kapitel 10: Offenbarung

136 4 0
                                        

„Ich war seit fünf Jahren nicht mehr da", sagte ich schließlich, „und die fünf Jahre davor auch nur sehr unregelmäßig. Seit meiner Verwandlung." Die Rothaarige sagte nichts, sie wusste, dass sie meinen Redefluss gerade besser nicht unterbrach. „Ich war mit dem Abi fertig und ging für ein Jahr nach Finnland arbeiten. Ich war am Flughafen, um nach einem Jahr endlich nach Hause zurückzugehen, als er explodierte. Das Nächste, an dass ich mich erinnere, ist, dass ich aufwache, unter einem Steinhaufen begraben und dass um mich herum große schwarze Flügel sind, die dafür sorgen, dass ich nicht von den Steinen erdrückt werde. Irgendwann wurde ich gefunden und geborgen, angeblich zwei Tage nach der Explosion. Meine Flügel waren irgendwie verschwunden, sobald sie sie hätten sehen können. Sie gaben mich in ärztliche Behandlung in Finnland. Ich rief meine Familie an, um zu sagen, dass alles gut war, aber ich merkte, dass alles anders war. Ich fand raus, dass ein Terrorist den Flughafen gesprengt hatte und beschloss, dass ich niemanden dasselbe Schicksal zumuten will wie mir selbst. Also begann ich kämpfen zu lernen. Ich war bei vielen verschiedenen Personen, wollte alles können was es gibt. Daheim habe ich allein mit meinen Flügeln trainiert und illegal hacken gelernt sowie spionieren und alles, was mir nützlich schien. Meine ersten Terroristen waren Einzelgänger und bei ihnen lief alles glatt, so beschloss ich, mich an eine größere Gruppe ranzutrauen. Ich hatte mich überschätzt, sie nahmen mich gefangen und", mir versagte die Stimme und ich schluchzte kurz auf.

Arme legten sich um mich, führten mich zum Bett und hielten mich. Ich legte meinen Kopf auf Natashas Schulter und redete weiter: „Sie folterten mich. Von ihnen weiß ich alles, was ich weiß. Ich weiß genau, wie sich jede einzelne Foltermethode anfühlt, die ich unseren Gefangenen habe zukommen lassen." Ihre Arme schlossen sich etwas fester um mich, um zu zeigen, dass sie für mich da war. Ich blickte ihr in die Augen und sah den Schmerz über das, was ich durchmachen musste. „Bloß, dass sie es mir so oft antaten, wie sie wollten, da alles irgendwann wieder verheilt war", fuhr ich leise fort, „Nach einem gefühlten Jahrhundert, dass, wie ich später herausgefunden hatte, in Wirklichkeit nur eineinhalb Jahre waren, bekam die staatliche Polizei sie zu fassen und befreite mich. Ich hatte dort gelernt, meine Gefühle zu verstecken und dass sich mein Geist von meinem Körper teilweise trennen lässt..., dass ich auch einfach körperliche Schmerzen abschotten oder weniger präsent machen kann. Von da an ging ich vorsichtiger vor. Und ich hatte angefangen meine Gefangenen auch zu foltern, wenn ich schnell an Informationen kommen musste. Ich redete es damit gut, dass ich dadurch hunderten von Menschen das Leben rettete, aber es war nur eine Ausrede. Trotzdem machte ich weiter... und mache es offensichtlich immer noch", ich verstummte nun. Ich hatte am ganzen Körper angefangen zu zittern und Nats Pulli war schon ganz nass von meinen Tränen.

Nat Pov

Ich hörte das erste Mal Maries ganze Geschichte. Viele konnte ich mir schon denken, manches hatte sich auch schon öfters angedeutet, aber so viel über ihre Vergangenheit hatte sie noch nie geredet. Ich hatte es verstanden, ich redete auch nicht gern über meine Vergangenheit, über den Red Room. Als sie nun endete musste ich mich bemühen, nicht mit ihr zu weinen, dass hätte ihr nicht geholfen. Es brach mir das Herz sie so zu sehen. Sie war immer so fröhlich, hatte immer ein Lächeln und einen dummen Spruch auf den Lippen und jetzt wirkte sie so verletzlich, fast schon gebrochen. Ich schwieg und suchte nach passenden Worten: „Es tut mir so leid, Marie. Wenn ich gewusst hätte", brachte ich hervor und kam kurz ins Stocken, „Ich hätte niemals zugelassen, dass du das tust, dass du das alles nochmal durchleben musst." Sie schmiegte sich noch enger an mich: „Doch, weil du mich akzeptierst mit meinen Entscheidungen und dafür liebe ich dich", sagte mein schwarzer Engel. Ich strich ihr eine Strähne, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatte, hinter die Ohren. „Ich werde nicht zulassen, dass dir sowas nochmal passiert", sagte ich und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.

Nach einer Weile lösten wir uns wieder und packten unsere Sachen fertig, da wir schon bald mit dem Quinjet starten würden und zu ihr nach Hause fliegen würden. Ich war gespannt, dass alles kennenzulernen, in ihr Leben vor ihrer Verwandlung Einblick zu erhalten und vielleicht sogar ihre alten Freunde und Familie kennenzulernen.

Black AngelGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt