Obwohl es erst fünf Uhr morgens war, war an einschlafen nichtmehr zu denken. Ich lag immer noch geschwitzt in den Armen meiner Freundin. „Können wir in unser Zimmer gehen?", fragte ich sie, nachdem ich schon viel zu lange probiert hatte, das Krankenzimmer nicht mit meinem Folterzimmer zu vergleichen. „Du musst dich noch ausruhen und die Ärzte müssen dich regelmäßig checken, ich glaube nicht, dass es gut wäre zu gehen", antwortete mir die Russin. „Nat...", ich zögerte kurz, bevor ich ihr in die Augen schaute, „Es erinnert mich so sehr an das Zimmer, es sieht so ähnlich aus..." Ich vergrub meinen Kopf in ihrer Halsbeuge um die Bilder abzuhalten, die sich gerade hochdrängten. Was soll ich sagen... es klappte nicht. Sie blitzten vor meinem innerem Auge auf und ich verspannte mich unwillkürlich. „Bitte", flüsterte ich und merkte, wie eine einsame Träne meine Wange hinunterrollte. Es war zu viel für mich. Natasha schien das jetzt auch zu verstehen, denn sofort sagte sie: „Ja, wir gehen." Behutsam stand sie auf und legte einen Zettel auf das Bett für die nächste Person, die hier reinkommen wird. Dann nahm sie mich im Brautstil hoch und ich klammerte mich wie ein verängstigtes Äffchen an sie, dass ich ja auf gewisser Weise auch war.
Zehn Minuten später legte mich die Spionin auf dem Bett ab und ich versank in der weichen Matratze. Ich hatte mich unterwegs wieder etwas beruhigt indem ich mich einfach nur auf das Atmen und den Sandelholzgeruch konzentriert habe. Langsam hievte ich mich nach hinten, um mit dem Rücken gegen die Wand gelehnt dasitzen zu können. Natasha war ein Glas Wasser holen und ich starrte aus der großen Fensterfront. Die Sterne glitzerten am Himmel und am Horizont war bereits eine leichte Verfärbung zu erkennen. Ich mag es normalerweise, wenn es so früh hell wird und dann auch lange hell bleibt, aber gerade beobachte ich lieber die Sterne. Der große Wagen stand noch genauso wie mein Leben lang am Himmel. So unbedeutend ist ein menschliches Leben im Vergleich dazu. So unbedeutend ist unser Sonnensystem im Vergleich zu der bloßen Anzahl der Sonnen, die allein in unserer Galaxie existieren. So unendlich ist das Universum, so nichtig das einzelne Lebewesen. Und doch sitze ich jetzt hier, auf jede Hilfe angewiesen. Geplagt von der Vergangenheit und doch nicht fähig mich von ihr zu lösen. Mein Leben, ein Wimpernschlag für die Zeit, meine Vergangenheit noch weniger.
Ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als ich meinen Namen hörte. Die rothaarige Schönheit hob mir ein Glas Wasser entgegen. Dankend nahm ich es und nippte daran. Die Flüssigkeit rann meine trockene Kehle hinunter und befüllte mich wieder mit etwas Leben. „Kannst du mir bitte die Fernbedienung geben", fragte ich Nat. Sie reichte sie mir, dann setzte sie sich neben mich und deckte uns zu. Ich lehnte mich leicht an sie und begann zu zappen. Um halb sechs morgens läuft nichts Gescheites. Irgendwann blieb ich bei einer Reality Serie hängen und legte die Fernbedienung weg. Es interessierte mich nicht wirklich, aber es lenkte mich ab und das reichte mir gerade.
Eine Stunde später wurde mir auch das Langweilig und ich drängte Nat dazu, mich in die Küche zu bringen, damit ich was frühstücken kann. Sie wollte erst natürlich nicht und hätte mir lieber was hochgebracht, aber ich konnte sie überzeugen. Das wäre ja schließlich auch mal was, dass ich den ganzen Scheiß überlebt habe, nur um dann an Langeweile zu sterben. So gingen wir Schritt für Schritt Richtung Küche. Ich stützte mich schwer auf meine Freundin und an der Wand ab, wollte jedoch unbedingt wenigstens ein Stück selbst laufen. Die Nacht hat mir schon gutgetan und Dank dem Essen und Trinken, regeneriert sich mein Körper jetzt auch wieder etwas schneller. Das heißt keineswegs, dass ich keine Schmerzen mehr habe, es heißt nur, dass ich jetzt aus der lebensgefährlichen Phase draußen sein müsste. Schwer atmend kam ich die Treppe runter und blieb dann aber erstmal stehen um mich auszuruhen. Man sah Nat an, dass sie mir helfen wollte, doch wusste sie besser, dass ich es allein schaffen wollte. Die 30 Meter bis zu Küche sollte ich ja wohl noch schaffen. Langsam durchquerte ich den Flur, jetzt nur noch auf Natasha gestützt, da es hier keine Wand gab. Ich setzte meinen rechten Fuß ab und merkte, dass dort die Knochen immer noch gebrochen waren. Ich unterdrückte den Schmerz und hebte meinen linken Fuß an, um den nächsten Schritt zu tun, als mein Rechter einfach wegknickte. Mit einem Aufkeuchen wartete ich auf den Aufprall, der nie kam, da meine Freundin mich aufgefangen hatte. „Ich trag dich jetzt den Rest, ob du willst oder nicht", meinte diese mit grummeliger Stimme und hob mich hoch. Ich legte meine Beine um ihre Taille und meine Arme um ihren Hals. „Danke", meinte ich nur, da ich erst jetzt merkte, wie ausgelaugt ich wirklich war. Mein Fuß pochte, meine Lunge und der salzige Schweiß in den Wunden brannten.
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Black Angel
FanfictionMarie ist nun seit etwa einem Jahr Teil der Avengers und fast genauso lang auch schon mit Natasha Romanoff zusammen. Sie sind gerade bei Clint angekommen, als sie angegriffen werde. Als sich herrausstellt, dass die Angreifer aufgrund Maries Vergange...
