Ich versuchte das schrille Geräusch aus meinem Kopf zu verbannen. Ich hielt mir Kissen an den Kopf und versuchte an etwas anderes zu denken, doch es half nicht.
Wieder und wieder spielte sich die Szene vor meinen Augen ab, als wäre ich noch immer im Krankenhaus; als würde ich noch immer versteinert vor Lillys Zimmer stehen. Als würden die Schwestern und Ärzte weiterhin wild gestikulierend, Namen von Medikamenten rufend um mich herum laufen und versuchen, dem kleinen Mädchen das Leben zu retten.
Es dauerte fast 20 Minuten, bis sich alles wieder normalisiert hatte. Während eine der Schwestern mit Lillys Mutter telefoniert hatte, konnte ich aufschnappen, was genau passiert war. Lilly hatte eine Art Schock erlitten, der mit geringer Wahrscheinlichkeit Schäden hinterlassen würde. Da sie ihr ein starkes Beruhigungsmittel gegeben hatten, war ich nachdem ich wusste, dass es Lilly gut ging, nach Hause gefahren und jetzt saß ich hier, in den Gedanken bei dem kleinen Mädchen. Paralysiert, als hätte ich den Schock erlitten. Jetzt konnte ich auch nachempfinden, wieso Lillys Mutter so selten in Krankenhaus war. Es musste schrecklich für sie sein.
„Mary?" Harry steckte seinen Kopf in das Zimmer und lächelte mich an.
„Alles ok, du sitzt schon seit Stunden hier drinnen?" Ich sah ihn an und alles, was ich die letzten Stunden zurück gehalten hatte, brach aus mir heraus. Tränen liefen über meine Wangen und ich begann zu schluchzen. Harry kam zu mir geeilt, legte seine Arme um mich und strich mir über den Rücken.
Keine Ahnung, wie lange ich an ihn gepresst auf dem Bett saß und weinte, doch es fühlte sich gut an. Ich dachte dabei an Lilly und all die anderen Kinder, die ihr Schicksal teilten; an ihre Verwandten und Freunde, die darunter litten und hilflos zusehen mussten.
Irgendwann zwischen meinen Gedanken hatte Harry uns hingelegt. Jetzt lag ich an ihn gekuschelt auf dem Bett und sah an die Wand.
„Ich hab heute Gemma gesehen.", platzte es leise aus mir heraus. Ich spürte, wie Harry sich anspannte.
„Sie war mit Luke im Krankenhaus und hat mir erzählt, was los ist." Harry schwieg. Ich drängte ihn nicht zu antworten. Nach einer Weile hob ich meinen Kopf an, drehte mich und sah ihn an. Er wich meinem Blick nicht aus. Zum ersten Mal sah ich die Trauer und die Müdigkeit in seinen Augen. Sanft strich ich mit meiner Hand über seine Wange und lächelte leicht.
Harry nahm meine Hand in seine und küsste sie.
„Ich wollte es dir sagen, doch ich wusste nicht wie. Nicht, dass ich dir nicht vertrauen würde, es is mir nur so schwer gefallen, selber damit klar zu kommen.", sagte er. Ich setzte mich in einen Schneidersitz und nahm Harrys Hand in meine.
„Das hat Gemma mir auch gesagt. Ich bin dir nicht böse, nur froh, dass ich es jetzt endlich weiß.", sagte ich und lächelte Harry an.
„Das ist doch aber nicht der Grund, dass du den ganzen Tag hier drinnen verbracht hast, oder?" Ich schüttelte den Kopf und sah auf meinen Schoß und unsere Hände. Ich wusste, dass es besser werden würde, wenn ich mit Harry darüber sprach, doch das fiel mir nicht leicht.
„Es gibt in der Lesegruppe ein kleines Mädchen. Sie ist schwer krank und doch das liebenswürdigste kleine Menschlein, dass ich je gesehen habe.", schwärmte ich von Lilly. Ihr Gesicht erschien vor meinen Augen; lächelnd. Kurz darauf rückten die Erinnerungen an den Vorfall zurück in den Vordergrund. Ich spürte Harrys Arme um mich, wie sie mich an ihn drückten.
„Sie hatte heute einen Anfall." Mehr sagte ich nicht, doch Harry schien auch so zu verstehen, was in mir vorging.
„Luke hatte auch mal einen. Es war, bevor wir die Diagnose bekamen. Ich kann mir also vorstellen, was du durchgemacht hast...", flüsterte er. Ich atmete tief durch und setzte mich dann wieder auf.
„Wir müssen dafür sorgen, dass die Gala ein Erfolg wird! Ich möchte, dass die reichsten und einflussreichsten Menschen, die du kennst, eingeladen werden! Ich werde gleich Liam anrufen, damit er uns hilft und dann legen wir los!", entschied ich. Harry grinste mich an und schüttelte leicht den Kopf dabei.
„Was!", fragte ich.
„Du bist süß, wenn du so motiviert und in Rage bist.", sagte er und stand auf. Ich folgte ihm ins Wohnzimmer, wo er aus einer der Kommoden ein kleines Büchlein hervor holte.
„Ich denke, da werden wir einige finden.", sagte er und lachte. Ich sah auf die Nummern und Namen. Es waren viele sehr wichtige und berühmte Menschen. Zufrieden nickte ich und machte mich ebenfalls ans telefonieren. Nach Stephenie rief ich Liam an, der mir versicherte, dass er und Cheryl sich ebenfalls sofort ans Telefon setzen würden, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Dann rief ich Haley an und schilderte ihr die Situation. Sie war begeistert und hilfreich zugleich.
„Das ist eine wundervolle Idee, Mary! Ich werde dir sofort die Nummer unseres Veranstaltungsassistenten schicken. Er kann dann mit dir die Location, das Catering und alles drumherum organisieren."
„Wow, Danke Haley! Ich bin schon so aufgeregt! Sagst du Hank, dass er natürlich auch eingeladen ist?", fragte ich und grinste Harry breit an.
„Sicher. Hältst du uns auf dem Laufenden?"
„Natürlich! Bis die Tage!", verabschiedete ich und legte auf. Gleich darauf erhielt ich die Nachricht von Haley, mit der Nummer vom Veranstaltungsassistenten und wählte diese.
Mr. Smith, so hieß der Gute, wollte sich gleich morgen mit mir und Harry treffen. Auch wenn es etwas berufliches war, schlug ich den Club in Westend vor. Er stimmte zu und verabschiedete sich.
„Und, hast du wen erreicht?", fragte Harry.
„Jap. Wir haben dank Haley jetzt einen Veranstaltungsassistenten, der sich morgen Abend mit uns in Westend trifft.", sagte ich und strahlte Harry an. Er blickte erstaunt drein, überwand die Distanz zu mir und hob mich hoch. Er drehte uns und lachte dabei.
„Das ist ja wundervoll! Du bist so ein toller Mensch, Mary.", sagte er und ließ mich langsam runter. Ich stand nun direkt vor ihm, meine Hände auf seiner Brust und seine an meiner Hüfte. Sanft strich er mein Haar hinter mein Ohr.
„Ich bin so froh, dich kennen gelernt zu haben."
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Roses (II)
FanficAls ich zu ihm aufsah, begegnete ich seinem Blick. Harry blieb stehen und atmete tief durch. „Ich habe wirklich versucht, mich von dir fern zu halten, doch das ist schwerer, als ich gedacht hätte. Ich habe schon lange gespürt, dass da etwas zwischen...
