Teil 80 - Etwas steht immer im Weg

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Zwei Stunden später fuhr ich mit meiner Mum vor dem Haus vor. Sie schien sehr müde zu sein, weshalb ich sie hinein führte und sie gleich ins Schlafzimmer ging.
Harry fand ich im Wohnzimmer.
„Hey, wie war's?", fragte er. Ich ließ mich erschöpft neben ihn nieder und lehnte meinen Kopf an seine Schulter.
„Anstrengend. Und bei dir?" Er küsste meinen Kopf und legte seinen Arm um mich.
„Etwas langweilig ohne dich, aber ich habe deine alte Gitarre gefunden und etwas auf ihr gespielt.", sagte Harry. Ich lachte und da fiel mir das Instrument neben dem Sessel auf. Dem Sessel, auf dem mein Dad immer gesessen hatte.
„Mein Dad hat sie mir zu meinem 12. Geburtstag geschenkt. Irgendwann habe ich sie wohl vergessen.", gestand ich.
„Sie spielt immer noch gut. Möchtest du etwas essen?", fragte Harry. Ich nickte leicht und folgte ihm dann in die Küche. Wir setzten uns an den Küchentisch und Harry erzählte mir von seiner neuen Musik.
„Wir haben ein paar Termine verschoben, aber das ist nicht schlimm. Cam meinte nur, dass sie sich dann besser auf die Zusammenarbeit mit mir vorbereiten könnte.", sagte Harry und lachte. Es tat gut ihn so zu sehen. Endlich hatte er den Weg zurück zur Musik und zu sich selber gefunden. Ich war so froh, dass er das geschafft hatte.
Harry lächelte mich an, als ich seine Hand ergriff und sie drückte.
„Was ist?", fragte er.
„Nichts. Ich liebe dich."
„Ich liebe dich auch.", sagte Harry. Dann räumte ich den Tisch ab, da ich vor Müdigkeit kaum noch einen Bissen runter bekam. Harry folgte mir nach oben in mein altes Zimmer. Es war verrückt hier zu schlafen.
„Ich mag dein altes Zimmer.", sagte Harry, als er sich das Shirt über den Kopf zog.
„Ich fand es immer etwas klein." Ich schmiss meine Sachen auf den Stuhl in der Ecke und ließ mich auf das Bett fallen.
„Ich finde genau das macht es so gemütlich.", sagte Harry. Er kam zu mir und ich kuschelte mich an ihn.
„Möchtest du noch etwas über deinen Vater reden?", fragte Harry. Ich sah leicht zu ihm auf, während er an die Decke blickte.
„Nein, ich bin zu müde um mir noch mehr Sorgen zu machen." Harry lachte leicht, verstummte jedoch schnell wieder.
„Ich finde es wirklich schade, dass all das mit deinem Vater geschieht, doch ich bin froh, dass wir uns nicht mehr streiten.", sagte er.
„Ich auch. Das Streiten war so anstrengend."
„Und gar nicht nötig. Wir brauchen uns über nichts streiten, was es nicht gibt. Zumindest noch nicht.", sagte Harry. Ich nickte und strich über Harrys Brust.
„Meinst du, wir kriegen irgendwann Kinder?", flüsterte ich. Harry legte seine Hand auf meine und küsste sie.
„Natürlich. Ganz viele kleine blonde Mädchen und Jungen die dann mit Windeln durch das Haus laufen, was wir dann haben werden." Ich kicherte bei der Vorstellung von kleinen Kindern mit Harrys Augen und meinen Haaren. Eine sehr süße Vorstellung.
„Wie kannst du dir da so sicher sein?", fragte ich. Harry verstand, dass ich nicht anzweifelte, dass wir einmal Kinder haben würden, mir jedoch nicht 100% sicher war.
„Egal wie toll deine Eltern sind, nichts ist so schön, wie eine Schwester oder ein Bruder. Ich möchte später wenn ich alt bin nicht alleine sein und genau so soll es unseren Kindern gehen." Harrys Worte rührten mich zu Tränen, was ihm nicht entging, da sie auf seiner Brust landeten.
„Hey, wieso weinst du?", fragte er besorgt. Ich setzte mich auf und lächelte Harry an.
„Es ist so schön, wie du darüber redest. Als wüsstest du genau, dass uns nichts im Weg stehen wird." Harry wischte die Tränen weg und nahm mein Gesicht in seine Hände. Ich sah ihn an und er lächelte aufmunternd zurück.
„Ich weiß nicht, was uns im Weg stehen wird. Ich weiß nur, dass es nichts gibt, was wir nicht aus dem Weg schaffen könnten, um das Leben zu leben, was wir verdienen. Diesen Glauben hast du mir zurück gebracht. Mit dir an meiner Seite fühle ich mich unaufhaltbar." Eine weitere Träne fand den Weg über mein Gesicht. Ich wischte sie weg und küsste Harry. Er legte seine Arme um mich und hielt mich fest.
„Ich liebe dich so sehr und will dich niemals verlieren.", sagte ich, meine Stirn an seine gelehnt.
„Ich liebe dich auch, Babe. Mehr als alles andere auf der Welt und ich verspreche dir, dass ich dich niemals gehen lassen werde." Ich küsste Harry und sah ihm tief in die Augen. Es war wie ein Versprechen und das gab mir Kraft.
„Lass uns schlafen, morgen wird sicher nicht einfacher als die letzten Tage.", sagte Harry. Ich nickte und kuschelte mich wieder an ihn. Es dauerte tatsächlich nicht lange, bis ich einschlief. In dieser Nacht träumte ich erneut von der Zukunft. Doch nicht wie letztes Mal von einem kleinen Mädchen, dass im Garten spielte, sondern von Harry und mir, wie wir alt und zerbrechlich spazieren gingen. Immer noch zusammen, nach all den Jahren. Der Traum endete damit, dass wir unsere Kinder trafen. Sie sahen unverwechselbar wie Harry aus.
Als ich am nächsten Morgen aufwachte, streckte ich mich lächelnd der Morgensonne entgegen. Das Bett neben mir war leer, doch der unverkennbare Geruch von Pancakes zeigte mir, dass das Frühstück wohl bald fertig war.
Ich band meine Haare zusammen und ging runter in die Küche. Harry stand singend am Herd und wendete die Pancakes. Ich kuschelte mich von hinten an ihn und ließ mich im Takt der Musik mitbewegen.
„Guten Morgen, mein Engel. Setz dich doch. Ich habe frischen Orangensaft gepresst. Deine Mum duscht grade und kommt dann auch.", sagte er. Ich küsste ihn dankbar und setzte mich an den Tisch. An diese Art von Morgen würde ich mich nur allzu schnell gewöhnen.
Harry stellte die Pancakes auf den Tisch und im gleichen Moment kam meine Mum. Sie lächelte uns an und setzte sich an den Tisch. Dass ihr Lächeln nicht ihre Augen erreichte, war seit Tagen Tatsache. Wer könnte es ihr verübeln?
„Ich habe beschlossen, dass wir die Geräte früher abschalten.", sagte meine Mum plötzlich.

Roses (II)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt