Am nächsten Morgen wachte ich auf, obwohl mich niemand und nichts weckte. Ich wachte auf, weil ich ausgeschlafen war. Zufrieden streckte ich mich und seufzte.
„Guten Morgen.", hörte ich eine raue Stimme neben mir. Ich sah nach rechts, wo Harry auf der Seite lag und mit geschlossenen Augen lächelte. Wie er legte ich mich auf die Seite, zog die Decke etwas höher und betrachtete ihn. Er sah süß aus, wenn er so verschlafen war. Seine Haare standen in eine Richtung ab.
„Würdest du vielleicht aufhören, mich anzustarren?"
Ich lachte und drehte mich auf den Rücken. Gleich darauf spürte ich Harrys Hand an meinem Bauch. Er strich sanft über ihn, zog dann seine Hand weg und stand auf. Ich verfolgte ihn mit seinem Blick, da er nichts weiter als seine Unterwäsche trug. Sein Rücken war unglaublich muskulös und attraktiv.
An der Tür zum Bad blieb er stehen und drehte sich um.
„Ich geh jetzt duschen, möchtest du mitkommen?", fragte er und zwinkerte mir zu. Wir gingen beide an zu lachen, da wir die Antwort kannte. Während er duschte, stand ich auf und zog mir ein T-Shirt von Harry über. Ich wollte in die Küche gehen und Kaffee kochen, doch dann sah ich, dass Harry die Tür nicht geschlossen hatte. Ich hörte ihn leise singen und kam nicht darum, einen Blick zu riskieren. Die Duschwand war zwar gläsern, leider aber beschlagen, sodass ich nur Harrys Kopf und den Umriss seines Körpers erahnen konnte. Meiner Neugierde tat das nicht ab; ganz im Gegenteil.
Um unentdeckt zu bleiben zog ich die Tür leise wieder etwas ran und schlich dann in die Küche. Nachdem ich Sammy gefüttert hatte, startete ich die Kaffeemaschine und sah im Kühlschrank nach, was wir hatten.
Jetzt dachte ich schon von Harry und mir als Einheit. Gruselig.
Vor allem, wenn man bedachte, was gestern Abend passiert war. Verträumt fasste ich an meine Lippen. Ob sie es waren, oder nicht, sie fühlten sich geschwollen an. Auch etwas empfindlicher. Sie erinnerten mich ab Harrys Lippen. Wie sie meine berührt hatten, wie sie meinen Hals hinab küssten und wie sie lächelten, bei jedem Blickkontakt.
„Ich liebe Kaffee am Morgen." Ich zuckte zusammen, als ich Harrys stimme hinter mir vernahm. Schnell nahm ich meine Hand wieder runter und drehte mich zu ihm um.
Leider stand er nicht, wie ich erhofft hatte, nur mit einem Handtuch bekleidet. Stattdessen trug er eine kurze Jogginghose und ein T-Shirt. Harry nahm zwei Tassen aus dem Regal, füllte sie mit Kaffee und reichte mir eine. Dankend nahm ich sie entgegen und kippte einen Schluck Milch hinein.
„Möchtest du heute etwas unternehmen?", fragte Harry an den Schrank gelehnt. Ich versuchte, seinen Blick zu deuten, doch dieses Mal fiel es mir nicht so leicht. Es schien etwas zwischen Unsicherheit und Distanz. Ja, er wirkte distanziert. Ich wusste nur nicht, wieso.
„Ich weiß nicht, an was hattest du denn gedacht?" Harry befühlte sich eine Schale mit Cornflakes und Milch und drehte sich dann zurück zu mir.
„Ich weiß nicht, ich dachte wir überlegen uns etwas. Oder wir bleiben einfach hier, wie du möchtest.", sagte er und lächelte schief. Ich schmunzelte und stellte meine Tasse auf die Anrichte. Als ich grade sagen wollte, dass ich vorerst nach Hause wollte, kam Harry eine Idee.
„Lass uns zum London Eye fahren. Ich war seit Jahren nicht mehr dort und es war immer so schön." Er lächelte breit, löffelte seine Schale leer und stellte sie in die Spüle. Ich dachte kurz über seinen Vorschlag nach und nickte dann schließlich.
„In Ordnung. Aber ich würde noch nicht jetzt gleich dort hin fahren, sondern vorerst noch kurz im Krankenhaus den Scheck abgeben. Wenn das für dich ok ist.", sagte ich. Harry machte einen Schritt auf mich zu und als ich grade dachte, dass er mich küssen würde, küsste er mich lediglich auf den Kopf und fing dann an, die Küche aufzuräumen.
„Wie du möchtest. Das heißt, wir müssen vorher noch zu dir, richtig?" Ich betrachtete ihn beim abwaschen und wunderte mich, dass er so abweisend war.
„Ja, aber ich brauche nicht lange." Harry nickte.
Ich ging ohne ein weiteres Wort ins Schlafzimmer und sammelte meine Anziehsachen zusammen. Ich zog mir Harrys Shirt über den Kopf und warf es auf den Stuhl in der Ecke. Dann zog ich mir mein Oberteil über und bückte mich nach meiner Hose. Ich schlüpfte hinein und schloss sie. Dann drehte ich mich um, um zurück zu Harry zu gehen, doch er stand bereits vor mir in der Tür. Er schien sich erst sammeln zu müssen, bevor er reagierte und vor mir aus dem Raum ging. Ich fragte mich, was in ihm vorging. Nicht, dass ich sonderlich viel erwartet hatte, aber nach der letzten Nacht hatte ich wenigstens gehofft, dass er unsere Beziehung als verändert ansehen würde und das nicht ins Negative, wie er es momentan mit seinem Verhalten zeigte. Wir hatten uns nicht bloß geküsst und es war nicht bloß Begierde gewesen. Irgendetwas war zwischen mir und Harry. Sonst hätten wir uns anstelle von Sex wohl kaum für stundenlanges Anstarren und intime Gespräche entschieden.
„Ich muss nur noch kurz ins Bad, dann können wir los.", sagte er und ging, ohne mich eines Blickes zu würdigen, an mir vorbei ins Bad. Ich seufzte und setzte mich auf die Kante der Couch. Kurz darauf zog ich mich an und wartete an der Tür auf Harry. Er kam und zog sich ebenfalls an. Wir fuhren schweigend zu mir, wobei mich die Stille fast um den Verstand brachte. Wir waren keine zwölf mehr und ich verstand einfach nicht, wieso Harry sich so verhielt. Es war zum Verzweifeln.
Schnell zog ich mich um, holte den Scheck und lief zurück zu Harry, der im Wagen wartete. Dann fuhren wir zum Krankenhaus. Schwester Lucy begleitete uns zum Krankenhausleiter und überreichte das Geld mit uns. Während des ganzen Gesprächs hielt Harry sich im Hintergrund und schwieg. Während er mir sonst ein Gefühl von Sicherheit verlieh, verunsicherte er mich in diesem Fall. Ich spürte seine Blicke, war mir seiner Anwesenheit bewusst und wollte nicht, dass er sich so verhielt.
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Roses (II)
FanficAls ich zu ihm aufsah, begegnete ich seinem Blick. Harry blieb stehen und atmete tief durch. „Ich habe wirklich versucht, mich von dir fern zu halten, doch das ist schwerer, als ich gedacht hätte. Ich habe schon lange gespürt, dass da etwas zwischen...
