Tante Lissi hatte bei uns im Haus geschlafen und wir waren am nächsten Tag wieder ins Krankenhaus gefahren. Es war der Tag, an dem wir uns von meinem Dad verabschiedeten. Sogar Harry sagte ein paar Worte. Doch die meiste Zeit war er einfach nur für mich da. Er hatte alle seine Termine verschoben und würde bis nach der Beerdigung mit mir bleiben. Bis es meiner Mutter etwas besser gehen würde...
Nachdem wir uns verabschiedet hatten, saßen wir in der Cafeteria des Krankenhauses. Der Tee war nicht lecker, aber er genügte. Meine Ansprüche waren in diesem Moment nicht sehr hoch.
„Wo ist Harry?", fragte meine Tante. Ich blickte von meinem Tee auf, um ihr zu antworten.
„Harry muss zuhause ein paar Dinge regeln, aber er sollte in einer Stunde wieder da sein.", antwortete ich. Ohne Harry an meiner Seite fühlte ich mich verloren. Egal, ob meine Tante und meine Mutter hier bei mir waren, ohne Harry fehlte einfach etwas.
Harrys POV
„Ich melde mich sofort, wenn ich wieder in London bin.", versicherte ich Calum.
„Alles klar. Dann teile Mary bitte noch mal unser Beileid mit und wir hören voneinander."
„Das werde ich. Bis dann.", sagte ich und legte auf. Es war erschreckend, wie schnell das Leben in London weiter lief, ohne meine Anwesenheit zu benötigen. In den letzten Jahren hatte ich von Tag zu Tag gelebt; nichts zu organisieren gehabt. Ich konnte ohne Probleme für Tage und Wochen verschwinden. Doch so gefiel es mir besser. Ich spürte, dass ich wichtig war.
Das Klingeln meines Handys riss mich aus den Gedanken an meine wundervolle und doch so traurige Freundin.
„Hallo, Mum."
„Harry, endlich erreiche ich dich. Hast du die letzten zwei Stunden telefoniert?", fragte sie und klang tatsächlich schockiert. Ich seufzte.
„Ja, Mum. Ich musste einiges zuhause klären. Wer weiß, wann wir zurück nach London fahren."
„Oh mein Spatz. Wie geht es Mary? Ist ihr Vater schon...?", fragte sie. Ich strich mir über das Gesicht. Meine Augen fielen vor Erschöpfung fast zu.
„Nein, er lebt noch. Doch sie wollen wahrscheinlich heute die Geräte abschalten. Mary ist mit ihrer Tante und ihrer Mutter im Krankenhaus bei ihm.", erklärte ich.
„Dann solltest du aber schnellstmöglich dort hin. Mary wird dich sicher brauchen."
„Ich fahre gleich wieder hin. Wie geht es euch allen, Mum?", fragte ich.
„Uns geht es allen gut. Luke freut sich auf sein kleines Geschwisterchen und Gemma merkt man die Hormone schon jetzt an. Harry? Hast du den Ring noch?", fragte sie plötzlich. Doch woher...?
„Gemma hat es dir gesagt, oder?", harkte ich nach. Vor den beiden könnte man wirklich nichts geheim halten. Früher war das sehr nachteilig für mich gewesen.
„Du solltest ihn ihr geben. Sicher hat sie etwas Trost nötig.", bekam ich anstelle einer Antwort auf meine Frage. Ich seufzte und griff in meine Hosentasche, doch sie war leer. Erschrocken stand ich auf und sah mich in Marys Schlafzimmer um.
„Ich werde ihn ihr geben, wenn der Moment dafür gekommen ist, Mum. Keine Sorge. Mary wird kriegen, was sie verdient.", sagte ich und durchsuchte meine Wäsche.
„Dessen bin ich mir sicher, mein Schatz. Ich werde jetzt Luke abholen, grüß Mary von mir und drück sie bitte."
„Natürlich Mum. Bis dann.", sagte ich und legte auf.
Oh fuck. Wo war dieser bescheuerte Ring? Auch wenn ich nicht wusste, wann ich ihn benutzen würde, musste ich wenigstens wissen, wo er war. Ich durchsuchte das Zimmer und fand nichts. Ratlos setzte ich mich auf das Bett und nahm mein Handy hervor. Ich hatte bereits vier Nachrichten von Mary. Ich schrieb, dass ich mich beeilte, jedoch noch etwas zu erledigen hatte. Dann ging ich die letzten Tage in meinen Gedanken durch. Wir waren einkaufen gewesen, hatten ihrer Mutter im Garten geholfen und das letzte mal hatte ich den Ring gehabt, als ich kurz davor gewesen war, ihr einen Antrag zu machen. Da waren wir an der Klippe-
DIE KLIPPE!
Ich sprang auf und lief die Treppen hinunter, aus dem Haus hinaus und den Weg entlang, den Mary und ich an dem Tag gegangen waren. Dabei hatte ich ihre Stimme in meinem Kopf, wie sie mir von ihrem Vater erzählte.
An der Klippe angekommen warf ich mich auf den Boden und suchte mit den Händen nach der kleinen Schachtel. Die Wiese war größer, als ich sie in Erinnerung hatte und so dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis ich endlich fand, was ich gesucht hatte. Erleichtert küsste ich die kleine Schachtel und ließ mich auf den Rücken fallen. Mein Puls raste noch immer, doch die Anspannung ließ nach. Jetzt konnte ich den Rest des Tages entspannter angehen.
Ich setzte mich auf, öffnete die kleine Schachtel und betrachtete den Ring. Nur zu gut konnte ich mit vorstellen, wie er an ihrem Finger blitzen würde. Die kleinen Edelsteine in der filigranen Fassung an ihrem zarten Finger.
Dann würde sie mir gehören. Wenn sie ja sagt, gehört sie mir - für immer.
Mein Handy vibriert, weshalb ich die Schachtel schloss und in meine Tasche steckte. Der Anruf war von meiner Freundin.
„Harry? Wo bist du? Ist alles ok?", fragte sie aufgewühlt. Sofort begann mein Herz vor Besorgnis zu rasen.
„Babe, ich bin auf dem Weg, mach dir keine Sorgen.", sagte ich und stand auf.
„Du warst so lange weg da habe ich mir Sorgen gemacht. Mein Dad er...". Ihre Stimme verklang. Ich wollte ihren Satz nicht beenden.
„Nein, Mary ich bin auf dem Weg, mach dir keine Sorgen. Ich bin in wenigen Minuten bei dir!", versicherte ich ihr.
„Beeil dich.", sagte sie. Ich hörte, dass sie weinte. Ich steckte mein Handy in meine Jackentasche und lief los. Am Haus angekommen sprang ich in meinen Wagen und startete ihn. Meine Hände zitterten, als ich während des Fahrens stumm betete, dass Marys Dad noch lebte. Ich wollte nicht, dass er starb und wenn er es tat, dann wenigstens wenn Mary mich hatte. Ich wollte sie stützen. Vor dem Krankenhaus parkte ich irgendwo und rannte hinein.
Kennt ihr diese Momente in Filmen, wenn der Protagonist in Zeitlupe läuft, um die Situation noch spannender zu machen? So fühlte es sich an, als ich die Treppen nach oben in den dritten Stock und den Gang entlang lief. Aus einer Tür am Ende trat Mary und blieb mit dem Rücken zu mir stehen. Ich flüsterte ihren Namen, doch sie schien es gehört zu haben. Mit verweinten Augen sah sie mich an. Zeitgleich liefen wir los. Sie landete in meinen Armen und ich hielt sie. Ich hielt sie so fest ich konnte. Hinter ihr tauchten ihre Tante und ihre Mutter auf.
„Ist er...?", fragte ich leise. Die beiden schüttelten den Kopf. Ich ließ Mary etwas los. Sie sah sofort zu mir auf. Ich liebte sie so sehr, dass ich nicht mehr warten wollte. Es mochte nicht der passendste Moment sein, doch ich musste es tun.
„Ich liebe dich mehr, als alles und jeden anderen Menschen auf dieser Welt.", sagte ich, ihr Gesicht in meinen Händen.
„Du hast mich gerettet und tust es jeden Tag von Neuem. Du erfüllst mein Leben mit Liebe und gibst ihm einen Sinn. Ich weiß, dass jetzt eine schwere Zeit auf uns zukommt, doch auch das werde wir meistern, wie alles andere bisher. Mit dir an meiner Seite, schaffe ich alles. Ich möchte dich nie wieder verlieren, Mary. Du bist meine wahre Liebe. Und deswegen-„, sagte ich und nahm die Schachtel aus meiner Tasche. Ich klappte sie auf, kniete mich hin und blickte zu der Liebe meines Lebens auf.
„Deswegen möchte ich dich, Mary-Jane Hensley, fragen, ob du mich heiraten möchtest?" Mary hatte die Hände auf ihren Mum gepresst und sah mich überrascht und mit Tränen in den Augen an. Ich ließ ihr Zeit und betete derweil, dass sie nicht nein sagen würde. Sie senkte ihre Hände, es sah aus, als würde sie etwas sagen wollen, doch es kam nichts heraus. Ihr Blick ging über meinen Kopf hinweg, wie hypnotisiert und eine Träne lief ihre Wange hinunter.
„Nein...", war das einzige, was über ihre Lippen kam und meine Welt zerbrechen ließ.
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So, liebe Leute...
Das war's mit dem zweiten Teil.
Ich hoffe er hat euch gefallen und ihr seid genauso gespannt auf den nächsten Teil, wie ich es bin :D
Ich fange mit den Updates an, sobald ich einige Kapitel für euch parat habe und hoffe, dass das sehr bald sein wird.
Bis dahin,
Verlasst mich nicht, denn ich brauche euch.
Eure Ana ❤️
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Roses (II)
FanfictionAls ich zu ihm aufsah, begegnete ich seinem Blick. Harry blieb stehen und atmete tief durch. „Ich habe wirklich versucht, mich von dir fern zu halten, doch das ist schwerer, als ich gedacht hätte. Ich habe schon lange gespürt, dass da etwas zwischen...
