Teil 38 - Der letzte Tropfen

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  „Harry ist in der Küche." Ich ging an ihr vorbei und fand Harry an der Spüle.
„Sehr reizend von dir, diese Aufgabe zu übernehmen.", sagte ich. Harry drehte grinsend seinen Kopf zu mir.
„Komm her und hilf mir." Ich trat neben ihn und nahm mir ein Tuch zum abtrocknen, doch weit kam ich damit nicht. Harry griff nach dem Tuch, trocknete sich die Hände ab und drückte mich dann mit seinem Körper gegen die Anrichte. Sein Gesicht war meinem sehr nah und ich roch den Wein in seinem Atem.
„Du machst es mir nicht leicht, nicht über dich her zu fallen. Beinahe wäre ich über den Tisch gesprungen, nur um dich zu küssen." Ich kicherte und spürte, wie meine Wangen sich röteten. Langsam legte ich meine Arme um seinen Hals und zog ihn zu mir. Gierig presste Harry seine Lippen auf meine und seufzte. Es fühlte sich zu gut an.  Seine Hand fuhr meine Seite hinunter zu meinem Oberschenkel, während die andere mich an ihn drückte.
"Ups, sorry! Bin schon weg." Erschrocken drehten Harry und ich uns zur Seite. Ich sah nur noch, wie Gemma zurück in Richtung Wohnzimmer ging. Harry seufzte. Ich blickte zu ihm, legte meine Hand an seine Wange und lächelte ihn an, als er meinen Blick erwiderte.
"Du weißt, dass sie das jetzt jedem erzählen wird.", sagte er. Ich zuckte mit den Schulter und richtete sein Haar.
"Ist doch nicht schlimm. Sie hat eben mit mir geredet."
"Worüber?", fragte Harry und zog mein Oberteil herunter. Dabei bewegte er sich keinen Millimeter von mir weg. Ich legte meine Hände auf seine Brust, genoss das Gefühl seinen Körper zu spüren und antwortete dann.
"Sie hat mir gesagt, wie sehr du dich durch mich verändert hast und dass ich dich ja nicht verlassen soll." Ich blickte zu ihm auf und lächelte. Harry sah ernst aus, als er seine Hand an meine Wange legte, einen Kuss auf meine Stirn hauchte und sich dann leicht von mir entfernte.
"Das selbe sage ich dir seit Monaten.", sagte er und lachte. Harry widmete sich wieder dem Abwasch und ich begann abzutrocknen. Hin und wieder warf ich ihm einen Blick zu, während wir Roses summten. Anschließend folgte Harry mir zurück ins Wohnzimmer, wo die anderen gemütlich vor dem Kamin saßen und sich unterhielten. Ich setzte mich neben Anne, die mich fröhlich anlächelte.
"Danke, dass ihr den Abwasch übernommen habt.", sagte sie.
"Nichts zu danken, Mum." Harry legte seinen Arm um meine Schultern, was an sich nichts Außergewöhnliches war, doch vor seiner Familie machte mich das etwas nervös. Sicher hatte Gemma ihnen schon von der Sache in der Küche berichtet.
"Gut, ich denke wir machen uns dann mal auf den Weg. Luke muss morgen wieder früh aufstehen.", sagte Gemma und begab sich in den Flur.
"Dann machen wir uns auch auf den Weg.", entschied Harry. Ich war etwas überrascht aber einverstanden, also nickte ich nur leicht. Wir zogen uns an und an der Tür verabschiedeten wir uns alle von Anne und voneinander.
"Es war ein wirklich sehr schöner Abend.", sagte ich zu Anne.
"Das war es. Schön, dich endlich kennengelernt zu haben." Sie drückte mich, dann nahm sie Harry in den Arm. Wir stiegen in den Wagen und winkten zum Abschied. Dann fuhren wir nach Hause. Wir schwiegen beide. Bei mir lag es definitiv an der Situation mit Gemma. Bei Harry wusste ich es nicht.
"Meinst du, Gemma hat es den anderen erzählt?", fragte ich. Harry sah stur geradeaus und zuckte mit den Schultern.
"Ich denke nicht. Mum hätte sonst nicht so ruhig dagesessen. Aber John wird sie es sicher erzählen, wenn sie zuhause sind." Er sah zu mir und schmunzelte, doch wieder erreichte es nicht seine Augen. Außerdem wirkte es wieder, als würde er auf Abstand gehen. Und das gefiel mir nicht. Kurz darauf hielten wir mal wieder vor meiner Wohnung. Ich seufzte und sah zu Harry, doch er sah in die entgegengesetzte Richtung.
"Hast du Lust, noch einen Kaffee zu trinken?", fragte er und drehte sich zu mir. Ich lächelte unsicher und nickte. Jede Sekunde mit Harry war besser, als eine alleine und einsam. Ich stieg also aus und folgte Harry über die Straße, wo er mir die Tür zum Café aufhielt. Dankend betrat ich es und suchte nach einem Platz.
"Lass uns ans Fenster.", sagte er. Dieses Mal folgte ich Harry. Wir bestellten uns jeweils einen Kaffee bei der Bedienung. Sarah war heute nicht da und irgenwie war ich froh darüber. Es dauerte nicht lange, da kamen unsere Getränke. Da Harry sich nicht bemühte, ein Gespräch anzufangen, tat ich es.
"Ich mag deine Familie.", sagte ich. Harry nickte und sah wieder aus dem Fenster. Ich folgte seinem Blick und betrachtete den Regen. Er wurde immer stärker und doch hatte er etwas Beruhigendes. Doch auch das half nicht gegen die Wut, die sich in diesem Moment in mir sammelte.
"Sie haben sich heute wirklich benommen." Ich sah wieder zu Harry. Sein Verhalten ergab für mich keinen Sinn. Erst stürzte er sich auf mich und machte mir Komplimente und im nächsten Moment behandelte er mich, als wäre ihm meine Anwesenheit unangenehm. Ich stieß mit meinem Fuß gegen sein Bein, doch er ignorierte mich. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Ich schloss meine Jacke, stand auf und verließ das Café. Sollte Harry doch bleiben, wo der Pfeffer wächst. Ich ging durch den Regen und es war mir egal, dass ich nass wurde.
"Mary!", rief Harry, doch ich reagierte nicht. Auf der anderen Straßenseite erreichte er mich und hielt mich am Arm fest. Wütend funkelte ich ihn an.
"Jetzt warte doch mal! Was ist denn los?"
"Was los ist?", schrie ich.
"Seit Tagen verhältst du dich so, wie heute. Erst küsst du mich, machst mir Komplimente und lässt mich glauben, da wäre noch mehr als eine enge Freundschaft zwischen uns und dann änderst du deine Meinung und behandelst mich, als wäre ich jemand fremdes oder als wäre meine Gesellschaft dir unangenehm. Ich kann das nicht mehr, Harry! In diesen Momenten, wo nur wir zwei existieren und du mein Herz zum Rasen bringst, bin ich das glücklichste Mädchen auf der Welt und dann machst du alles wieder zunichte!" Ich schlug ihm gegen die Brust, bis er meine Hände festhielt. Ich blinzelte, wusste nicht ob es Tränen oder der Regen war. Harry sah mich traurig an, doch antwortete nicht. Stattdessen küsste er mich.

Roses (II)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt