Nasse Landung im Blumenbeet

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Lea POV:
Ich  hasste es. Ich hasste es, wenn der Regen in meinen Nacken lief. Jedes  Mal bekam ich eine Gänsehaut und ich hasste es, wenn es dazu auch noch  kalt war. Ich drehte die Musik noch lauter auf, sodass man sie  wahrscheinlich auch als Außenstehender hören könnte. Dann zog ich den  Reißverschluss meiner dünnen Jacke höher und schüttelte meine  haselnussbraunen Haare einmal.
Wer kommt auch auf die bescheuerte Idee, es im Sommer regnen zu lassen? Man, ey...
Kurz warf ich einen Blick auf die Anzeigetafel. Noch eine Minute, das würde ich jetzt auch noch aushalten.
„Now  I see fire, inside the mountain...", dudelte Ed Sheeran aus meinen  Kopfhörern. Für einen Moment schloss ich die Augen und versuchte mich zu  entspannen. Mein Tag war eine einzige Katastrophe gewesen und ich war  froh, mich endlich mal beim Sport abreagieren zu können. Die Uni wurde  gerade einfach zu viel, obwohl ich gerade erst angefangen hatte zu  studieren, mir reichte es jetzt schon. Ich seufzte, öffnete die Augen  wieder und setzte mich in Bewegung. Als ich in den Bus einstieg, wurde  mir klar, wieso das solange gedauert hatte. Dieser eine alte Busfahrer  kam immer zu spät, das kannte ich schon. Ich zeigte kurz meine Fahrkarte  vor und wollte eigentlich noch fragen, wann er denn endlich in Rente  ging, doch wie so oft, traute ich mich nicht. Es gab viele Dinge, die  ich Leuten sagen wollte, es aber dann doch nicht tat. Dafür war ich viel  zu zurückhaltend Fremden gegenüber.
Ich  setzte mich auf den erstbesten Platz und positionierte meine  Sporttasche auf dem Sitz neben mir. Kaum war der Bus los gefahren,  brummte mein Handy. Schnell schaltete ich die Musik aus und nahm den  Anruf auf Skype entgegen. Das Fenster wurde geöffnet und im Gruppenchat  erschienen mir drei allzu vertraute Gesichter. Sofort breitete sich auf  meinem Gesicht ein Lächeln aus und ich winkte meinen drei Freundinnen  einmal zu. Franziska, von uns Franzi genannt, warf ihre schwarzen Locken  nach hinten und grinste. Für viele wirkte sie befremdlich, was auch  verständlich war, da sie zwei unterschiedliche Augenfarben hatte. Das  rechte war dunkelblau, das andere grün, doch für uns war das schon  längst nicht mehr komisch und auch Franzi hatte gelernt, damit zurecht  zu kommen, sie war sogar eigentlich die von uns, die am meisten  Selbstbewusstsein hatte.
„Hey, ihr!", sagte sie und bekam sofort eine Antwort von Emmi: „Huhu!", lachte diese.
„Leute,  für heute Abend ist alles vorbereitet, aber könnte einer von euch  vielleicht noch Popcorn mitbringen? Ich hab keins mehr", mischte sich  nun meine andere Freundin Anne ein. Wie jeden Freitag, machten wir auch  heute Abend einen Filmabend, dieses Mal bei Anne.
„Jo, das mach ich", meldete sich nun Emmi wieder zu Wort.
„Gut dann wäre das geklärt", sagte Franzi und ich hörte wie bei ihr leise im Hintergrund Musik lief.
Ich  blickte kurz von meinem Handy auf und erschrak, weil ich gar nicht  bemerkt hatte, dass ich bei der nächsten Station aussteigen musste.
„Leute, ich muss Schluss machen. Muss gleich aus dem Bus raus", sagte ich hektisch und die anderen nickten.
„Dann bis heute Abend", sagte Anne.
„Ja, bis heute Abend", bestätigte Franzi.
„Macht's gut Leute und viel Spaß beim Training, Lea."
„Jaja, danke Emmi. Tschau Leute."
Schnell  stopfte ich mein Handy wieder in die Jackentasche und sprang dann vom  Sitz auf. Der Bus hielt an und ich hüpfte förmlich auf den Asphalt. Ich  war schon wieder zu spät dran und das alles nur wegen diesem blöden  Busfahrer. Die letzten Meter zu meinem Verein rannte ich und versuchte  dabei, nicht meine Sporttasche zu verlieren. Dabei stolperte ich einmal  und packte mich fast hin, als ich kurz vor der Auffahrt zum Vereinshaus  war. Gerade noch konnte ich mich mein Gleichgewicht wieder finden und  fluchte einmal leise. Jaja, mit dem Gleichgewicht hatte ich es nicht so,  ich war ziemlich tollpatschig und konnte wirklich an den unmöglichsten  Orten hinfliegen.
Meine  Gedanken schweiften wieder zu meinen drei Freundinnen ab und ich musste  an Franzi denken, die immer so leichtfüßig über die Flure an der  Universität tänzelte, manchmal dachte ich echt, dass sie über den Boden  flog. Auch wenn wir vier so unterschiedlich wie Tag und Nacht waren,  wenn wir alle zusammen waren, verhielten wir uns genau gleich. Laut,  lustig, überdreht und einfach nur bescheuert. Es war jetzt schon viele  Jahre her, seit wir uns kennengelernt hatten und mit der Zeit waren wir  immer engere Freundinnen geworden. Ich war echt froh, so tolle Mädchen  an meiner Seite zu haben, mit denen wurde einem wirklich nie langweilig.

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt