Nur ein Traum?

997 80 0
                                        

Emmi POV:
Ich blickte noch immer an die weiße Zimmerdecke meines Wohnzimmers, konnte das geschehene noch nicht ganz einordnen.
Eben war ich doch noch im Kampf mit Bolg an der Seite des Elbenprinzen gewesen, oder?
Das ist doch passiert, ich irre mich doch nicht...oder?

Das waren Fragen, auf die ich keine Antwort wusste. Während ich mich weiter umsah, um zu merken, dass ich wirklich zu Hause war, setzte ich mich langsam auf, musste jedoch zusammenzucken, als sich ein stechender Schmerz in meinem Hinterkopf breit machte. Gedankenverloren führte ich meine Hand an die schmerzende Stelle, die irgendwie klebrig war. Als ich meine Hand wieder wegnahm, waren meine Finger rot.
Ich war....gestürzt und...hatte mir den Kopf aufgeschlagen, war das alles etwa doch nur ein Traum? Ich wollte nicht, dass es ein Traum war. In Mittelerde schien alles so real und ich war...glücklich.
Warum? Was war wirklich passiert?
Als ich mich langsam umdrehte, sah ich den dunkelroten Blutfleck auf dem weißen Wohnzimmerteppich und daneben Pauli, meine Katze, der seelenruhig schlief. Also er hat die Ruhe weg, ich kratz hier fast ab und der schläft erst mal...echt...nett.
Aber zurück zum Thema, immer noch versuchte ich herauszufinden, ob ich wirklich in Mittelerde gewesen war oder ob es doch nur...
Die Kopfschmerzen machten es mir jedoch nicht gerade einfach, der pochende Schmerz klang nicht etwa ab, nein, er wurde nur immer stärker.
Langsam, um nicht vorne über zu kippen, richtete ich mich auf, hielt mich an allem fest, was ich finden konnte und schleppte mich an der Wand entlang zum Badezimmer hin, um eine Kopfschmerztablette zu holen. Hin und wieder verschwamm meine Sicht und ich sackte leicht zusammen, hielt mich jedoch recht wacker auf den Beinen.
Endlich im Bad angekommen, galt mein erster Blick meinem Spiegelbild, welches mich völlig fertig, mit müden Augen, blasser Haut, welche generell schon sehr blass war, und zerzausten Haaren, ansah.
Alter Schwede, seh ich schlimm aus, dachte ich.
Währenddessen bediente ich mich jedoch erst mal einer Schmerztablette. Dann versuchte ich das Blut aus meinen Haaren zu waschen, während ich wartete, dass das Medikament wirkte.
Um mich noch etwas auszuruhen, schleppte ich mich danach zurück ins Wohnzimmer, wo mir der schwarze Kater auch gleich schnurrend entgegen kam, und ließ mich aufs Sofa fallen. Der kleine Flauscheball sprang auch auf die Couch und ließ sich auf meinem Schoß nieder.
Während ich so nachdachte, streichelte ich ihn ein wenig. Pauli hatte immer so weiches Fell und ich mochte es, wie es immer so schön glänzte. Die Farbe war ebenfalls eine besondere, denn so würde man sagen, er wäre eine einfache schwarze Katze, aber wenn man sein Fell manchmal im Sonnenschein sieht, wenn sie direkt auf ihn scheint, dann erkennt man die ganzen verschiedenen Facetten von rot und braun.
Weiterhin kreisten meine Gedanken um das Geschehene und ich begann mich immer mehr zu wundern: Warum hatte es sich alles so real angefühlt? Wie kann es sein, dass ich noch lebe, bei der Zeit, die ich geschlafen habe oder generell wie viel Blut ich verloren habe?
Fragen über Fragen und auf keine davon gab es eine Antwort.
Naja, sei's drum, ich hatte noch genug Zeit darüber nach zu denken, jetzt wollte ich erstmal hier aufräumen und das ganze Blut wegwischen.
Schwermütig setzte ich mich in Bewegung, da ich mich so fühlte, als hätte mein Körper schon seit einer langen Zeit keinen weichen Untergrund mehr gespürt, jedoch ließ ich mich davon nicht weiter beirren.
Um die Putz-Utensilien zu holen, begab ich mich nun also in die Küche und kehrte kurze Zeit später wieder ins Wohnzimmer zurück. Die Kopfschmerzen waren mittlerweile dank der Tablette komplett abgeklungen und ich konnte ganz in Ruhe den Teppich reinigen.
Doch mitten in der Arbeit machte sich mein leerer Magen bemerkbar und so beschloss ich nach getaner Arbeit etwas zu essen zu machen, sonst könnte ich nie zu Antworten kommen.
Nach ungefähr einer weiteren halben Stunde harter Arbeit, sah der Teppich nicht mehr ganz nach einem Massaker aus und es würde reichen, bis ich einen neuen besorgt hatte.
Also ging ich mit all den Putzsachen wieder in die Küche und sah in den Schränken nach etwas Essbarem. Am Ende machte ich mir ganz simpel Reis mit etwas Gemüse, und Pauli stellte ich auch gleich neues Futter hin, immerhin war es schon abends, die Sonne war jedenfalls untergegangen.
Als ich dann da so saß und nachdachte, fielen mir meine Freunde ein, immerhin waren sie ja auch in Mittelerde gewesen...oder auch nicht. So beschloss ich, sie gleich morgen früh anzurufen, um mich zu erkundigen, ob sie auch so etwas komisches geträumt hatten. Völlig in meinen Gedanken versunken, vergaß ich die Zeit, sodass die Uhr bereits 01:00 anzeigte und ich merkte, wie müde ich eigentlich war. Also lief ich ins Bad, um mich bettfertig zu machen.
Als ich mich während des Zähneputzens genauer im Spiegel betrachtete, fiel mir plötzlich auf, dass meine Haare länger geworden waren. Sie reichten mir jetzt bis knapp über die Schulter und die Farbe war auch schon fast raus gewachsen, obwohl ich sie mir erst vor einer Woche schneiden und färben lassen habe, als ich noch in Japan war. Das erschien mir sehr merkwürdig, immerhin ist das wirklich nicht mal annähernd lange her, auch wenn es mir wie ganze Jahre vorkam.

*Am nächsten Morgen begann der Tag mit dem stressigen Miauen von Pauli, der unbedingt was zu essen brauchte, um nicht zu 'verhungern', sprich es war nicht wirklich schön so geweckt zu werden, vor allem wenn man gerade von einem gutaussehenden blonden Elben geträumt hatte.
Ja, er ging mir seit gestern aus irgendeinem Grund nicht mehr aus dem Kopf.
Beim erneuten Gedanken an ihn zog sich mein Herz etwas zusammen und ich spürte wieder diese weichen Lippen auf meinem...
Es hatte sich so real angefühlt, aber trotzdem war es nur ein Traum.
Ich schälte mich also aus der warmen Bettdecke hervor und der schwarze Kater sprang schon freudig vom Bett und lief schon mal vor in die Küche.
Nachdem er versorgt war, machte ich mir auch ein Toast, mit leerem Magen kann ich nämlich nicht denken und futterte es gemütlich mit einer Tasse Tee am Tisch sitzend auf.
Danach lief ich ins Bad und zog mich um. Am Ende trug ich fast dasselbe wie vorher: schwarze kurze Hose, an welcher ich Hosenträger befestigte, diese aber runter hängen ließ, ein blaukarierter dünner Pulli, sowie schwarze Kniestrümpfe. Ja, mir war heute nicht nach Farben.
Als ich dann endlich das Bad verließ, warf ich noch einen letzten Blick in den Spiegel, das mit meinen Haaren war mir immer noch nicht ganz geheuer, aber gut.
Ich begab mich also wieder ins Wohnzimmer und wollte jetzt erst Mal bei den anderen anrufen. Erst wählte ich Annes Nummer, doch niemand ging ran, dann versuchte ich es auch bei Lea und Franzi, was genauso erfolglos war.
Seufzend ließ ich das Telefon wieder sinken. Wieso ging jetzt bitte keiner von den dreien ran?
Doch plötzlich ertönte ein Klingeln und ich nahm schnell ab.
„Hallo?", fragte ich.
„Guten Morgen, hier ist die örtliche Polizei..."
Und in diesem Moment wusste ich, dass etwas schlimmes passiert sein musste.

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt