Emmi POV:
Es dauerte nicht lange, bis in Esgaroth Tumult ausbrach. Die Stille der Nacht, die hier vorher geherrscht hatte, wurde von Rufen und aufgeregten Stimmen von Wachen abgelöst. Und ich wusste, dass es jetzt Ernst wurde.
Die Zwerge und Tauriel wurden derweil auch immer unruhiger und dann riss Franzi plötzlich die Tür auf und stürmte ins Haus. Fili war dicht hinter hier, ich hatte zwar keine Ahnung, was die beiden da draußen gemacht hatten, aber ich fragte lieber nicht weiter nach, wir hatten gerade ganz andere Probleme.
„Verdammt, er kommt!", brachte meine Freundin hervor und alle sahen auf.
„Wer kommt?", fragte Tilda etwas ängstlich und Bain strich ihr beruhigend über die Haare.
„Smaug", entgegnete ich etwas verbittert, hatte aber auch gleichzeitig Angst um meine zwei anderen Freundinnen. Ob es ihnen wohl gut geht?
Ich hoffte einfach mal, dass Thorin Lea und ausnahmsweise auch noch Anne beschützen würde.
„Uns bleibt keine Zeit. Wir müssen fort", entschied die rothaarige Elbin und ich musste ihr wohl oder übel Recht geben.
„Franzi, hilf mir mal", bat Fili und zusammen hievten die beiden Kili hoch, der noch ziemlich wackelig auf den Beinen stand, aber wieder viel besser aus sah.
Ich fing an alles halbwegs Brauchbare in einen Beutel zu stopfen...okay, ich gebs zu, das meiste davon war essen. Dann streifte ich mir schnell etwas wärmeres über. Alle machten sich fertig, nur Bain protestierte und wollte nicht ohne seinen Vater gehen.
„Wenn ihr bleibt, würden eure Schwestern sterben. Würde euer Vater das wollen?", konterte Tauriel und drehte sich zu dem Jungen mit den Locken um.
„Und wir anderen würden auch alle drauf gehen...nur so als kleine Anmerkung", rief ich dazwischen und murmelte den letzten Teil in meinen nicht vorhandenen Bart.
Bain zögerte und sagte schließlich: „Gut, wir können das Boot meines Vaters nehmen."
Die Elbin nickte ernst und gab dann ein paar Anweisungen. Mir missfiel das ziemlich und murrend lief ich die Treppe runter, zu dem kleinem Steg unter dem Haus. Zusammen mit Franzi verstaute ich die Sachen.
„Okay, Emily. Egal, was passiert, wir bleiben immer zusammen, ja?", sagte die Schwarzhaarige. Auch wenn sie von außen vielleicht total lässig aussah, merkte ich doch an ihrer Stimme, dass sie ebenfalls nervös war. Ich nickte und dann kamen die anderen und wir stiegen alle in das kleine Boot, das für meinen Geschmack viel zu sehr schwankte. Natürlich bekam ich es auch gleich zu spüren und verlor fast das Gleichgewicht. Franzi griff nach meinem Arm und sagte: „Nicht reinfallen. Ich sag dir aus Erfahrung, das Wasser ist sowas von arschkalt."
Ich warf ihr nur einen Blick zu und half dann Sigrid ins Boot. Als alle drin saßen, fingen Bofur und Fili an zu paddeln. Kurz war ein dunkler Schatten über uns und ich zog automatisch den Kopf ein.
„Ich hab Angst", flüsterte Tilda mit großen Augen und ihre große Schwester zog sie näher zu sich heran und murmelte ihr etwas zu.
Und dann fing das Chaos an. Smaug gab seine erste Ladung Feuer ab und die Schreie wurden lauter.
„Paddelt verdammt nochmal schneller!", keifte Franzi und nahm sich jetzt auch ein Stück Holz. Und irgendwann versuchte auch ich das Boot vorwärts zu bekommen.
Hinter uns wurde es ganz hell und Tilda fing an ohrenbetäubend zu kreischen, sodass ich fast einen Hörsturz bekam. Die Häuser hinter uns standen in Flammen.
Im nächsten Moment rammten wir irgendwas großes und ich wurde nach hinten gerissen und knallte gegen Oin.
„Sorry", murmelte ich noch, doch er starrte nur nach vorne und ich wusste eh schon, wer dort war.
„Diese kleinen Schisser!", sagte ich, als ich das ganze Gold sah und ganz oben drauf Alfrid und den Bürgermeister.
Franzi zeigte ihnen einfach den Mittelfinger, was sie natürlich nicht verstanden, aber egal, es geht ums Prinzip.
„Mein Gold!", jammerte der Bürgermeister und sein Berater antwortete: „Wir sind zu schwer beladen."
„Ne, ihr seid einfach nur zu fett!", brüllte Franzi, damit auch jeder es hörte und ich konnte mir ein Grinsen einfach nicht verkneifen. Zu meiner Verwunderung war der Bürgermeister ebenfalls der Meinung und schubste im nächsten Moment einfach Alfrid von Bord. Und wir lachten uns tot.
Dann fuhr das Boot an uns vorbei und ich sah sie nicht mehr.
„Los, weiter. Weiter!", rief Tauriel und wir paddelten wieder los.
Ich hab im Nachhinein keine Ahnung mehr, wie wir es unbeschadet so weit schafften, doch irgendwann kamen wir an dem Wachturm an und die Kinder entdeckten Bard.
„Vater!", riefen sie immer wieder, aber natürlich konnte der Bogenschütze die drei nicht hören. Etwas unauffällig wollte ich zu Bain rutschen, damit ich ihn festhalten konnte, doch da war es schon zu spät. Er ergriff ein Seil und schwang sich fast so wie Tarzan auf einen der Stege. Fili sprang auf und fiel fast ins Wasser, als er nach dem Jungen greifen wollte, was er natürlich nicht schaffte.
„Komm zurück!", rief er, doch Bain ließ sich nicht mehr aufhalten. Er lief über einen der Stege und verschwand dann zwischen den Häusern.
„Lasst ihn! Wir können nicht umkehren.", sagte Tauriel und ich konnte einfach nicht zu Sigrid und Tilda blicken. Ich wollte nicht die Angst in ihren Gesichtern sehen.
„Boha, ganz ehrlich jetzt. Scheiß doch drauf!"
Mit diesen Worten sprang Franzi einfach ins Wasser und schwamm zu dem Steg, auf dem Bain vorher gelandet war.
„Was machst du denn?!", brüllte Fili entsetzt und ich zögerte einen kurzen Moment. Ich hatte es versprochen. Egal, was passierte, wir würden zusammen bleiben. Ich warf Tauriel kurz einen bösen Blick zu und legte dann mein Paddel wieder ins Boot.
„Wir holen Bain zurück", sagte ich zu den beiden Mädchen, kniff dann die Augen zusammen und machte eine Arschbombe in das eiskalte Wasser. Es fühlte sich auf meiner Haut, wie tausend kleine Nadelstiche an, aber wenigstens musste ich dann nicht mehr diesen beißenden Gestank riechen, der wegen des Feuers in der Luft lag.
„Seid ihr jetzt vollkommen verrückt geworden?", rief Kili gerade, als ich wieder auftauchte und nach Luft schnappte.
Ich fing an zu schwimmen und entgegnete noch: „Du hast da was wichtiges vergessen, Kili! Wir waren schon immer vollkommen verrückt!"
*
„Das war echt ne Scheißidee von dir, Franzi!", murrte ich vor Kälte zitternd und sah mich um. Aus dem Gedanken, Bain zu retten, war jetzt uns selber retten geworden. Denn wir hatten uns hoffnungslos verlaufen.
„Ich dachte, er wäre hier lang gerannt", protestierte meine Freundin etwas beleidigt und ich verdrehte die Augen. Ich blickte hoch in den Himmel, sah aber nur Rauch und Feuer.
„Und was machen wir jetzt?", fragte ich und Franzi entgegnete: „Keine Ahnung."
„Na toll", sagte ich und dann standen wir beide einfach nur da.
„Wir müssen an den Rand der Stadt! Da sind wir sicherer!", sagte sie dann plötzlich.
„Okay, wir haben ja eh nichts mehr zu verlieren."
„Außer unser Leben!", fügte ich dann noch hinzu, doch das hörte sie nicht mehr, weil sie schon vor lief. Ich joggte ihr hinterher. Wir rannten zwischen verbrannten Häusern und Leichen entlang, immer in der Hoffnung, dass Smaug möglichst weit weg von uns war.
„Hier lang!", brachte meine Freundin hervor und wir bogen um eine Ecke und hatten endlich den See vor uns. Wir blieben stehen und ich stützte meine Hände auf den Oberschenkeln ab, um keuchend wieder Luft in meine Lungen zu pumpen. Hier war der Rauch nicht ganz so schlimm.
„Und jetzt?", fragte ich und Franzi wedelte mit einer Hand in der Luft herum, um mir so zu sagen, dass sie noch ein bisschen brauchte, bis sie wieder reden konnte.
Doch eine Antwort konnte sie mir nicht mehr geben, denn ein gewaltiges Beben erschütterte gefühlt die ganze Welt und ich landete auf meinem Hintern. Dabei hörte ich ein ohrenbetäubendendes Krachen und war für kurze Zeit ganz taub. Schnell hielt ich mir die Ohren zu und brüllte so laut ich konnte: „JAP, DAS WAR SMAUG!"
Franzi sah mich nur verständnislos an und schrie dann irgendwas zurück, doch ich verstand es nicht. Ich hoffte einfach nur, dass mein Trommelfell danach noch in Takt war.
Wieder rief Franzi irgendwas und deutete etwas panisch auf mich. Ich sah sie verwirrt an und kapierte erst gar nicht, was sie von mir wollte, bis ich merkte, dass es an meinem linken Arm viel zu warm war...
„Mach es weg! Mach es weg!", schrie ich und hüpfte im Kreis herum, um irgendwie die Flammen an meinem Ärmel zu löschen. Ich merkte, wie das Feuer sich durch den Stoff brannte und wusste, dass in ein paar Sekunden meine Haut dran war.
Doch dann packte mich plötzlich jemand und zum zweiten Mal an diesem Tag landete ich im Wasser. Mit einem Zischen verschwanden die Flammen und ich seufzte erleichtert auf.
„Danke!", sagte ich zu Franzi und versuchte, kein Wasser in meinen Mund zu bekommen, da der See total aufgewühlt war. Dann kletterte ich wieder nach oben auf den Steg und schüttelte meine nassen Haare einmal.
„Also, wie sieht dein Plan aus?", fragte ich und Franzi sagte nur: „Ähm..."
„Achso, ja. Den find ich auch gut."
Meine Freundin boxte mir leicht in die Seite.
„Ich hatte gerade noch einen, aber jetzt hab ich ihn vergessen, weil du so einen Aufstand gemacht hast wegen ein bisschen Feuer."
Ich warf ihr nur einen Dein-Ernst?-Blick zu und sah zum anderen Ufer des Sees. Dort waren ein paar Lichtpunkte und dann fiel mir der einzige Weg ein, wie wir hier weg kommen könnten.
„Ich weiß was! Wir schwimmen rüber, da werden dann auch die anderen sein und Bain und Bard kommen da auch hin."
„Schwimmen...", sagte meine Freundin und ich hörte deutlich den Sarkasmus in ihrer Stimme.
„Hast du ne bessere Idee?"
„Ne, aber du weißt, wie kalt das ist? Und bis zum anderen Ufer ist es ein ganz schönes Stück."
„Dann halt nicht. Dann werden wir hier weiter gebrutzelt und erfrieren, weil uns niemand hilft, aber okay, alles cool...", fing ich an und Franzi unterbrach mich: „Ist ja gut. Du hast mich überzeugt."
„Geht doch", sagte ich zufrieden und dann schubsten und zogen wir uns gegenseitig ins Wasser. Hoffen wir einfach mal, dass wir es bis zur anderen Seite schafften.
DU LIEST GERADE
Vier Bekloppte in Mittelerde
FanfictionVier Bekloppte schaffen es das Leben in Mittelerde komplett umzukrempeln. Sie halten den krassesten Typen für schwul, spielen ihm Streiche, zerstören eine komplette Frisur und schießen andauernd Selfies. Sie machen mehr kaputt, als irgendwie zu hel...
