Anne POV:
Ich versuchte meine Haare zu richten, während ich durch vielen Gänge lief und jemanden ganz bestimmten suchte. Ich hatte zwar keine Ahnung, wo er sich aufhalten könnte, aber vielleicht fand ich ja seinen Bruder. Und wo Elrohir war, da musste Elladan auch in der Nähe sein, da die beiden sich nie wirklich trennten. Ich schob einfach mal die nächste beste Tür auf und wollte sie schon wieder schließen, als ich Fili entdeckte. Jetzt war doch mein Interesse geweckt und ich machte die Tür wieder etwas weiter auf und lugte um die Ecke. Fili stand vor einem großen Spiegel und machte irgendwelche komischen Verrenkungen.
Was ist das denn jetzt schon wieder? Zwergenyoga?
Doch dann grinste der blonde Zwerg in den Spiegel und setzte einen Hundeblick auf. Ey, übte er da gerade, wie man flirtete?
Ich presste mir die Hand auf den Mund, um nicht laut loszulachen und huschte schnell weiter. Nachdem ich um die nächste Ecke gebogen war, gackerte ich los und stütze mich mit einer Hand an der Wand ab. Das erzählte ich lieber nicht den anderen, die würden Fili dann nur damit foltern, das wollte ich ihm lieber nicht antun...
Im nächsten Moment rannte mal wieder jemand in mich hinein, und ich wusste auch ohne hinzusehen, wer es war.
Elladan, wie immer...
„Huch, Anne! Was lachst du denn so?", fragte der Elb mit der Blume im Haar.
„Ach, nichts", winkte ich ab, da ich schon wieder in seinen braunen Augen versank.
Blaue Augen bewundert man, auf die Grünen ist man eifersüchtig und in die Braunen verliebt man sich, überlegte ich und runzelte die Stirn.
„Anne...?"
„Äh, ja?", sagte ich schnell.
„Ich hatte gefragt, wieso du alleine bist?", wiederholte Elladan etwas lauter, als wäre ich schwerhörig.
„Ich wollte dich eigentlich suchen. Die anderen haben ja die Elbenschwerter aus einer Trollhöhle mitgebracht und vielleicht kannst du uns ein paar Übungen im Kämpfen zeigen?", ich sah ihn fragend an.
„Ja, natürlich! Dann sehen wir uns in fünfzehn Minuten auf dem Trainingsplatz, ist das okay?"
„Ja, klar!", ich grinste ihn breit an und hüpfte dann fröhlich davon.
*„Man, Anne, was ist denn los? Wieso bist du denn so nervös?", fragte Franzi und wedelte mit ihrem Schwert in der Luft herum, als würde sie gegen einen unsichtbaren Gegner kämpfen.
„Nichts. Es ist alles gut", wich ich aus. Dann blitzte Erkenntnis in Franzis Augen auf und sie begann zu grinsen. Innerlich verdrehte ich die Augen. Ich wusste, was jetzt kam...
„Ach, ne! Wartest du etwa auf jemanden? Zum Beispiel auf ein Typ mit einer Blume im Haar? Och, ist das süß!", neckte sie mich.
„Ey, wenn du noch sowas von dir gibst, mach ich dich platt!"
Ich schwang mein Schwert bedrohlich über meinem Kopf.
„Haha, das kannst du doch gar nicht!"
„Aber selber!", entgegnete ich.
Im nächsten Moment kamen auch noch Lea und Emmi mit einigen Zwergen auf die Wiese, um zu trainieren. Ich unterdrückte ein Lachen, als ich Lea mit der Bratpfanne in der Hand sah. Sie hatte sich wohl schnell damit angefreundet. Kili zeigte Emmi gerade, wie sie am besten Abblocken konnte, wenn jemand sie angriff und Franzi versuchte gerade wie bekloppt Thorin fertig zu machen, was aber irgendwie ein bisschen in die Hose ging.
Dann verdunkelte sich die Welt um mich herum, als mir jemand die Hände vor die Augen legte.
„Wer bin ich?", flüsterte mir jemand ins Ohr und ich bekam eine Gänsehaut.
„Hm, ich denke, du bist Elrohir!"
„Das hast du extra gemacht! Du weißt genau, wer ich bin..."
Mit diesen Worten wurde ich zu Elladan umgedreht und er nahm wieder die Hände von meinen Augen. Elrohir war mit ihm gekommen und ging sofort auf Lea zu, weil er wahrscheinlich nicht mehr mit ansehen konnte, wie sie mit der armen Bratpfanne umging.
„Also, wollen wir anfangen? Was willst du als erstes lernen?"
„Ich weiß nicht...Welche Waffe, denkst du denn, wäre für mich geeignet?", fragte ich etwas unschlüssig.
Der Elb musterte mich einmal mit zusammengekniffenen Augen und runzelte dann die Stirn.
„Wir...könnten es mal mit Pfeil und Bogen probieren", überlegte er vor sich hin.
„Klingt gut!", sagte ich zustimmend.
„Ich denke, für den Anfang reicht ein einfacher Kurzbogen."
Elladan gab mir einen Bogen aus dunklem Holz und ein paar Pfeile. Erst erklärte er mir, wie ich am besten stehen musste und wie ich den Bogen halten sollte. Dann liefen wir ein Stück von den anderen weg zu ein paar Bäumen, auf den Zielscheiben aufgemalt waren, die ganz anders aussahen, als ich sie kannte.
Der erste Pfeil ging so was von daneben. Er landete irgendwo im Unterholz und Elladan gab es nach fünf Minuten auf, ihn zu suchen. Der zweite Versuch war schon etwas besser. Der Pfeil flog knapp neben einem Baum vorbei und landete im Gras. Während Elladan lässig zu den Bäumen joggte, um den Pfeil wieder zu holen, gesellte sich Franzi zu mir.
„Und schon irgendwelche Fortschritte?"
Einen Moment sah ich sie etwas entgeistert an, da ich dachte, dass sie wieder auf Elladan anspielte, aber dann verstand ich, was sie eigentlich meinte.
„Nicht wirklich, wie du siehst...", antwortete ich und hob die Hand an die Stirn, damit mich die Sonne nicht mehr blendete.
„Ich versuch das jetzt auch mal. Thorin wollte mich nicht mehr haben, weil er lieber mit Lea trainieren will. Ey, du weißt nicht, was der zu mir gesagt hat! Ich sei, wie Smaug höchst persönlich, nur dass ich überhaupt nicht kämpfen kann. Das ist echt eine Frechheit! Der wird noch sehn, wo er bleibt, wenn er fast von Azog abgeschlachtet wird...", meckerte sie vor sich hin und ich hörte ihr schon nach den ersten zwei Sätzen nicht mehr zu. Elladan war nämlich gerade viel spannender, der den Pfeil zwischen den Fingern hin und her drehte und wieder leichtfüßig zu mir trabte. Bei Elben sahen die Bewegungen immer so flüssig und einfach aus, auch wenn sie die schwierigsten Sachen machte. Jaja, ein Elb müsste man sein...
„Das war schon gut! Versuch es noch einmal", forderte mich Elladan auf und ich wagte einen neuen Versuch. Wir übten weiter, bis ich es sogar einmal schaffte, dass ein Pfeil im Baum stecken blieb. Elladan korrigierte währenddessen immer wieder meine Haltung und zeigte mir dabei ein paar Tricks, wie ich sicherer wurde.
Gerade visierte ich wieder eine Zielscheibe an, als mich eine Bewegung aus dem Augenwinkel ablenkte. Ich drehte meinen Kopf zur Seite und beobachtete, wie Kili auf Franzi zu stapfte.
„Nein, nein, nein! Du musst das anders machen! Warte, ich helfe dir."
Ich traute meinen Augen kaum, als sich der braunhaarige Zwerg hinter meine Freundin stellte und mit beiden Armen um sie griff, um dann seine Hände auf ihre zu legen, damit er ihre Haltung korrigieren konnte. Zwischen die beiden hätte noch nicht mal mehr ein Zentimeter Luft gepasst und zu meiner Verwunderung ließ Franzi dies sogar zu. In diesem Moment wurde mir klar, dass da vielleicht mehr sein könnte, als nur normale Freundschaft.
„So, jetzt zielen und..."
Der Zwergenprinz ließ den Satz in der Luft hängen und als Franzi die Sehne losließ, zischte der Pfeil durch die Luft und blieb direkt in der Mitte der Zielscheibe stecken. Ich stutze.
Wie ging das denn jetzt bitte?
Ich war so auf Franzi und Kili fixiert, dass ich mich total erschreckte, als Elladan mich plötzlich an der Schulter berührte. Im nächsten Augenblick ließ ich aus Versehen die gespannte Sehne los und der Pfeil schoss sofort in irgendeine Richtung.
„Oh, nein!", brachte ich noch hervor.
Der Pfeil steuerte direkt auf Elladans Zwillingsbruder zu, der plötzlich aus einem unerklärlichem Grund zwischen den Zielscheiben rumtaperte.
Mit einem „Argh!", krümmte sich Elrohir zusammen und hielt sich die Hand, in der nun der Pfeil steckte.
„Scheiße!", rief ich aus und schlug mir geschockt die Hand vor den Mund. Franzi neben mir lachte los.
„Gut gezielt, Anne!", gackerte sie und auch Kili konnte sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen. Der Einzige, der das nicht witzig fand, war Elrohir selber. Ich lief sofort los und warf dabei den blöden Bogen auf den Boden. Elladan war schon längst bei seinem Bruder und untersuchte seine Hand.
„Oh mein Gott, Elrohir, das tut mir so leid! Ich hab dich nicht gesehen und war abgelenkt", stammelte ich immer noch etwas erschrocken. Dieser verzog das Gesicht, brachte aber ein leichtes Grinsen zustande.
„Schon gut, wenigstens weiß ich jetzt, dass ich mich niemals mit einer unaufmerksamen Anne anlegen sollte..."
Puh, er ist nicht sauer, dachte ich erleichtert.
„Ich muss den Pfeil raus ziehen, Elrohir. Es ist besser, wenn ich es gleich mache", erklärte Elladan und sein Bruder nickte.
„Mach ruhig. Ein Elb kennt keinen Schmerz!"
Bei diesem Spruch musste ich kurz auf lachen, besonders weil Elrohir wie ein Kleinkind jammerte, als Elladan den Pfeil mit einem Ruck aus seiner Hand zog. So viel dazu, ein Elb kannte keinen Schmerz...
*Emmi hielt sich vor Lachen den Bauch und Lea war lag längst am Boden, weil sie so sehr vor sich hin gackerte. Ich hatte den beiden gerade bei dem Abendessen von meinem kleinen 'Missgeschick' am Mittag erzählt. Franzi neben mir futterte fröhlich mit den Zwergen um die Wette und betrank sich mit irgendeinem Wein.
„Ich hätte zu gern sein Gesicht gesehen", gluckste Lea, während sie sich wieder aufrichtete.
„Alter, für mich war das gar nicht so lustig", meinte ich und knabberte an einem Stück Brot, das so ähnlich wie ein Fladen mit Kräutern war. Natürlich alles voll gesund hier, wie immer.
Dann starrte ich ins Lagerfeuer, was die Zwerge schon vor Stunden angezündet hatten. Thorin hatte vor dem Essen angekündigt, dass sie bald weiter ziehen würden und das machte mir Sorgen. Ich hatte mich immer noch nicht entschieden. Natürlich, ich würde lieben gern hier bleiben, besonders weil Elladan so in meiner Nähe war, aber andererseits waren Emmi, Franzi und Lea meine Freundinnen und ich konnte sie nicht einfach so links liegen lassen. Ich meine, wir waren in Mittelerde! Da mussten wir doch einfach zusammen halten. Ich seufzte. Auch wenn es mir schwer fallen würde, ich musste mit Elladan sprechen und mich von ihm verabschieden. Jetzt plötzlich appetitlos, legte ich das Elbenbrot wieder auf den Teller zurück und stand auf.
„Ich bin gleich wieder da", sagte ich zu den anderen.
Mit schnellen Schritten entfernte ich mich von dem Lagerfeuer und lief zu einem der kleineren Gärten. Sofort umhüllte mich ein süßer Blumenduft und ich wurde wieder ruhiger. Hier war es friedlicher als bei den Zwergen, die durchgehend laut zu sein schienen. Ich war halt einfach kein Zwergentyp und fragte mich, wie meine Freundinnen das solange mit denen aushielten.
„Ist alles in Ordnung?"
Ich zuckte kurz zusammen, als Elladans Stimme plötzlich hinter mir ertönte.
Wieso muss er gerade jetzt auftauchen? Das macht alles nur noch viel komplizierter!
Ich konnte ihn einfach nicht ansehen und blickte stur auf einen kleinen, bunten Vogel, der am Boden nach Würmen pickte.
„Hör zu. Wenn du immer noch Schuldgefühle wegen Elrohir hast, dann..."
„Darum geht's doch gar nicht!", unterbrach ich ihn etwas zu forsch. Jetzt blickte ich ihn doch an und er hob ein wenig verwundert eine seiner geschwungenen Augenbrauen in die Höhe.
„Tschuldigung, es ist nur...ich...", versuchte ich zu erklären und fuchtelte etwas hilflos mit den Händen in der Luft herum.
„Ich muss mit dir reden", brachte ich schließlich hervor.
Er entgegnete nichts und schob mich zu einer Bank, auf die wir uns setzten. Dann sah er mich erwartungsvoll an.
„Schieß los."
„Also...ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie ich anfangen soll...Du weißt, dass die Zwerge und somit auch meine Freundinnen nicht für immer hier bleiben werden", fing ich an. Er runzelte die Stirn und sah mich ernst an. Dieses Gespräch nahm wohl für ihn eine Wendung, die er gar nicht hören wollte.
„Und ich finde das auch nicht schön, aber ich muss mich langsam entscheiden, ob ich mit ihnen gehen will. Elladan, sie sind meine besten Freundinnen, ich kann sie nicht einfach so gehen lassen! Ich...ich denke, dass wir nicht mehr viel Zeit miteinander verbringen können. Es wird Zeit...", ich schluckte schwer, „...sich auf den Abschied vorzubereiten."
Ich verstummte und sah ihn an. Er musste das alles erstmal noch verarbeiten. Eine Weile sagte er nichts, doch dann murmelte er leise: „Ich verstehe..."
„Ich mag dich...wirklich. Ich mag dich sehr, aber ich würde es nicht übers Herz bringen, die anderen einfach ziehen zulassen", versuchte ich es noch einmal.
Der Elb richtete sich auf, er hatte einen kühlen Blick aufgesetzt und ich wusste, dass er sich gerade distanzierte.
„Tja, das wär's dann wohl..."
Mit diesen Worten ließ er mich einfach stehen, oder eher sitzen und ich blickte ihm unglücklich hinterher.
„Elladan! Warte...", rief ich noch, doch er drehte sich noch nicht einmal mehr um.
Kurz gesagt, ich hatte mal so richtig verkackt.
Na, wunderbar. Toll gemacht, Anne.
DU LIEST GERADE
Vier Bekloppte in Mittelerde
FanfictionVier Bekloppte schaffen es das Leben in Mittelerde komplett umzukrempeln. Sie halten den krassesten Typen für schwul, spielen ihm Streiche, zerstören eine komplette Frisur und schießen andauernd Selfies. Sie machen mehr kaputt, als irgendwie zu hel...
