Nerve niemals eine schlecht gelaunte Franzi

2.2K 118 20
                                        

Franzi POV:
Mir war langweilig...und zwar EXTREM langweilig.
Naja, war ja auch kein Wunder. Gandalf hatte uns vor drei Tagen, mit den Worten und ich zitiere: „Morgen Abend sollte jemand vorbeikommen und euch holen, also seid bitte geduldig und wartet", verschwunden und hatte uns noch nicht einmal gesagt, wer kommen würde.
„Warten und Tee trinken", das hatte mal irgendwer Schlaues gesagt...glaube ich zumindest. Auf jeden Fall war Warten eine der Eigenschaften, die ich nicht besaß. Ich hasste es, nur rum zu sitzen und nichts zu tun, besonders wenn die große Reise jeden Moment anfangen könnte und ich und Emmi dann noch in Bree wären und den ganzen Spaß verpassen würden.
Vor zwei Tagen war ein Brief, für uns von Gandalf gekommen und er hatte geschrieben, dass das mit dem Besuch doch noch etwas länger dauern könnte. Ich hatte bereits überlegt allein loszuziehen, um auf eigene Faust zu Bilbo zu gelangen. Aber Emmi hatte mich davon abgehalten und gesagt, dass Gandalf uns schon nicht alleine lassen würde.
Und ich war so blöd gewesen und hatte ihr geglaubt.
Das Kartenspiel, welches wir uns geliehen hatten, lag seit gestern unbenutzt in einer Ecke und ich hatte das Gefühl, jedes Buch in Bree zu kennen.
Emmi sah immer so aus, als wäre sie total entspannt, aber ich wusste es besser. Sie war mir vom Charakter her sehr ähnlich und ich wusste, dass sie genau wie ich darauf brannte, endlich los zu ziehen. Naja, auf jeden Fall war heute Donnerstag...oder Freitag?
Fuck, das mit dem Einschätzten der vergangenen Zeit hat aber auch schon mal besser geklappt, grübelte ich und schob mir noch ein Stück Brot in den Mund. Emmi saß mir gegenüber, an einem kleinen Holztisch und schob ihr Essen ein wenig lustlos von einer Ecke des Tellers zur anderen. Zwischendurch nahm sie einen Bissen und hielt dann kurz inne. Während Emmi so gut wie gar nichts aß, futterte ich fröhlich vor mich hin und hatte noch nicht einmal einen Gramm zugenommen, worüber sich Lea und Emmi immer lautstark beschwerten.
Jetzt hatte sie aufgehört ihr Essen zu massakrieren und rutschte auf ihrem Stuhl hin und her. Ich warf ihr einen genervten Blick zu, und sie hörte sofort auf damit. Meine Laune war etwas, dass niemand vorhersehen konnte. Von einer Sekunde auf die andere konnte ich von happy zu mies wechseln und so jedem in meiner Umgebung die Stimmung versauen. Meine Freundin Anne hatte ich einmal einen ganzen Tag lang ignoriert, weil sie meinte, dass ich doof aussehen würde. Ich probierte seitdem meine Launen für mich zu behalten und die drei versuchten im Gegenzug, meine Stimmung nicht zu sehr zu strapazieren.
„Man, Franzi. Können wir nicht langsam mal aufstehen? Mir ist echt langweilig", maulte Emmi und ich schloss für einen Moment die Augen.
Tief ein und aus atmen, sagte ich mir und schlug dann wieder die Augen auf.
„Klar, steh ruhig auf. Ich bleib noch hier", sagte ich und konzentrierte mich voll und ganz darauf nicht aus zu flippen.
„Okay, ich werde mal auf den Markt gehen", erwiderte Emmi und ich nickte nur. In den letzten zwei Tagen hatte Emmi ganz Bree auf den Kopf gestellt und jeden noch so kleinen Winkel erkundet. Meine Freundin hüpfte fröhlich grinsend davon und für einen Moment überlegte ich, meinen Kopf auf die Tischplatte zu schlagen, ließ es dann aber doch lieber bleiben.
Zwanzig Minuten und ein Weinglas später, entschied ich mich auf Emmis und mein Zimmer zu gehen und ein wenig zu schlafen. Mein Kopf brummte, und ich hatte gerade die Vorhänge zugezogen und mich hingelegt, als Emmi in den Raum gestürmt kam und mich durchschüttelte.
„Franzi, Franzi, Franzi, du wirst niemals glauben, wen ich...", fing sie an, doch weiter kam sie nicht, denn ich hatte mich losgerissen und funkelte sie wütend an. Jetzt half auch kein ein und aus atmen mehr, die ganze angestaute Langeweile und Wut bekam jetzt Luft.
„Emmi, es ist mir scheiß egal, wen du getroffen hast. Selbst wenn es der Weihnachtsmann wäre, würde ich ihn hochkant aus dem Fenster schmeißen und wenn du jetzt nicht sofort deine Klappe hältst, passiert mit dir dasselbe", schnauzte ich sie an und Emmi stand für einen Moment wie verdattert da... klappte dann den Mund auf und plapperte einfach weiter.
„Jaja, aber das, was ich dir jetzt sage, ist wichtig. Ich habe...", sagte sie und in diesem Moment hatte ich das Gefühl zu explodieren.
„RAUS!", brüllte ich und schmiss Emmi aus dem Zimmer, vor dem zwei Typen warteten, die mich seltsam ansahen. Ich funkelte sie ebenfalls wütend an und hatte das Gefühl, sie würden ein kleines Stück die Köpfe einziehen. Dann schmiss ich die Tür wieder zu und schloss sie von innen ab.

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt