Ich zeige euch, was Rache ist!

1.4K 92 4
                                        

Lea POV:
„Ihr könnt doch hier nicht einfach rum stehen, wenn die da unten gebrutzelt werden. Bitte!", ich sah Thorin flehend an, der sich mit Dwalin zusammen wie zwei Bodygards vor der Tür aufgebaut hatte.
„Ich muss...da...rein", schnaufte ich und versuchte Dwalin weg zu schieben, doch er ließ sich keinen Millimeter bewegen.
„Boha ey."
Beleidigt verschränkte ich die Arme vor der Brust und sah die beiden wie ein kleines Kind an, das etwas nicht bekommen hatte. Wieder ertönte ein lautes Brüllen aus dem Berg und alles erzitterte. Dwalin sah Thorin zögernd an. Ich wusste, dass er daran zweifelte, dass es das richtige war, ihnen nicht zu helfen, aber er würde sich niemals gegen seinen König stellen.
„Dwalin, willst du die da drinnen wirklich sterben lassen? Wir haben jetzt schon so viel zusammen durchgestanden und jetzt am Ende, wo es am wichtigsten ist, zusammen zu halten, wollt ihr Bilbo nicht helfen?", redete ich auf den großen Zwerg ein.
„Ich hätte echt gedacht, ich kann auf euch zählen...", sagte ich leise und alle Zwerge schwiegen betreten. Und dann hatte ich keinen Bock mehr und brüllte los: „VERDAMMT NOCHMAL. DANN LASST MICH WENIGSTENS ALLEINE DA REIN, WENN ICH VON EUCH KEINE HILFE ERWARTEN KANN!"
Ich schrie so laut, wie ich noch nie geschrien hatten und alle, sogar Thorin, sahen mich überrascht an.
„Thorin, Lea hat Recht. Wir müssen Bilbo helfen", stimmte mir jetzt endlich Balin zu und ich atmete erleichtert aus.
„Du fürchtest dich", stellte Thorin fest.
„Ja! Ich fürchte mich...Ich fürchte um dich. Dieser Schatz ist von einer Krankheit befallen. Sie hat deinen Großvater in den Wahnsinn getrieben."
„Ich bin nicht mein Großvater", stellte sich der Zwergenkönig gegen Balin.
„Du bist nicht du selbst. Der Thorin, den ich kenne, würde nicht zögern, hinein zu gehen..."
„Ich riskiere dieses Unternehmen nicht für das Leben eines...Diebes", das letzte Wort spuckte Thorin förmlich aus.
„Sein Name ist Bilbo!", schrie ich ihn fast an und er sah wieder zu mir. Ich hielt seinem Blick stand und dann zog er endlich sein Schwert und verschwand im dunklen Gang.
„Na endlich. Danke", sagte ich zu Balin und folgte Thorin. Es war zwar ein bisschen dämlich, ohne Waffe darein zu gehen, aber in diesem Moment dachte ich gar nicht daran.
Je weiter ich in den Berg lief, desto wärmer wurde es und ein goldener Schein erhellte die Wände. Ich musste direkt auf die riesigen Mengen Gold zu laufen. Thorin sah ich nicht mehr, aber hinter mir hörte ich die anderen Zwerge den Gang entlang trampeln.
Man, im Film dauert das aber nicht so lange, da hin zu laufen...
Langsam kam ich ins Keuchen und überlegte schon, ob ich mich vielleicht irgendwo verlaufen hatte, doch dann hörte ich die Stimmen von Thorin, Anne und Bilbo.
Als ich endlich bei ihnen ankam, konnte ich gerade noch sehen, wie der Zwergenkönig das Schwert auf den Halbling gerichtet hielt, bevor mit einem Brüllen Smaug auftauchte. Für diese unendlich große Halle, die über und über mit dem Schatz gefüllt war, hatte ich gerade keinen Nerv.
„Man, wieso habt ihr denn so lange gebraucht?", brüllte mir meine Freundin über den Lärm hinweg zu.
„Weil der da...", ich zeigte etwas verärgert auf Thorin, „...mich nicht durchgelassen hat!"
Und im nächsten Moment rannte Nori voll in mich rein, als er mit den anderen raus gestürzt kam.
„Ach du Scheiße!", rutschte es mir raus, als der erste Drache, den ich je in meinem Leben real gesehen hatte, brüllend auf uns zu kroch. Die Zwerge richteten ihre Schwerter gegen ihn und erst jetzt fiel mir auf, dass ich nichts zum Verteidigen hatte.
Na, toll. Ich muss schon sagen, ich bin echt schlau...
„Ihr werdet brennen!", drohte Smaug mit seiner tiefen Stimme, sodass mir ein eisiger Schauer über den Rücken lief. Erst jetzt wurde mir klar, wie gefährlich das hier alles war und wieso Thorin mich nicht durchgelassen hatte. Ich könnte sterben und wenn ich jetzt nicht gleich irgendetwas machte, werde ich sterben.
Thorin rief noch irgendetwas, was ich nicht mehr verstand und im nächsten Moment wurde ich von irgendjemandem die Treppe runter geschubst. Ich rutschte auf den Goldmünzen aus und rollte weiter runter. Es wurde unerträglich heiß und über mir sah ich die Flammen, die von dem Drachen stammten. Rot vermischte sich mit Gelb und für einen Moment war ich wie hypnotisiert. Ich mochte kein Feuer, hatte schon immer Angst davor gehabt und konnte noch nicht mal ohne einen Sicherheitsabstand eine Kerze anzünden.
Jemand packte mich am Arm und zog mich wieder hoch, dann stolperte ich in irgendeinen Raum, in dem ein Tisch und ein paar Essensvorräte standen. Wieder spuckte Smaug Feuer und Thorin, der als Letzter zu uns stieß oder besser gesagt auf dem Boden zu uns wälzte, wurde ein bisschen durchgebraten. Bevor die Flammen nach seinen Haaren greifen konnten, streifte er sich die braune Weste ab und befreite sich somit vom Feuer. Dwalin trampelte auf dem Kleidungsstück herum, bis die Flammen erstickten und Thorin rappelte sich wieder auf. Offensichtlich hatte er sich nicht verletzt und befahl: „Los, weiter!"

*Ich hatte schon bald keine Ahnung mehr, wo wir lang liefen und war froh, dass die Zwerge bei uns waren. Wenn ich hier alleine rumlaufen müsste, hätte ich mich hoffnungslos verlaufen. Der Erebor musste so viele Gänge, Treppen, Brücken und Räume haben, dass es wirklich wie eine unterirdische Stadt wirkte.
Wir verhielten uns so leise, wie es ging und Thorin führte uns durch viele Gänge bis wir an einer langen Brücke ankamen. Hier herrschte eine, für meinen Geschmack, viel zu gruselige Stille. Überhaupt fühlte sich hier alles wie ein Grab an, weil der Stein mit einer dicken Schicht Staub bedeckt war und nirgendwo ein Licht brannte. Also, wenn ich so etwas träumen würde, hätte ich es für irgendeinen Alptraum gehalten.
„Wir haben ihn wohl abgeschüttelt", sagte Dori triumphierend, doch Dwalin schüttelte den Kopf.
„Nein, dafür ist er viel zu gerissen."
„Und wohin jetzt?", flüsterte Bilbo.
„In die westliche Wachkammer. Dort gibt es vielleicht einen Ausgang!", entgegnete Thorin.
„Die liegt zu hoch, das schaffen wir nie!", mischte sich Balin ein.
„Das ist unsere einzige Möglichkeit! Wir müssen es versuchen...", mit diesen Worten trat der Zwergenkönig auf die Brücke hinaus.
„Ich finde, dass das nicht so eine gute Idee ist", versuchte ich ihn noch aufzuhalten, doch er hörte mich gar nicht mehr. Ich sah zu Anne und diese zuckte nur die Schultern.
Also musste wohl auch ich über die Brücke gehen, auch wenn ich totale Angst hatte, runter zu fallen. Hatten die kein Geld mehr gehabt, oder wieso hatten die keine Geländer gebaut? Hatten die vielleicht auch mal daran gedacht, dass es hier Leute gab, die dazu neigten, immer auf die Fresse zu fliegen?
Plötzlich klirrte etwas und alle Blicke flogen zu Bilbo, vor dem eine silberne Münze lag. Langsam hob ich den Kopf und wurde fast von einer weiteren Münze getroffen. Smaug kroch über uns entlang und ich erstarrte.
Würde er uns bemerken? Ich hatte den zweiten Film nicht mehr so gut im Kopf, wie den ersten, sodass ich nur ungefähr wusste, was passierte.
„Man, hat der einen Schwabbelbauch", flüsterte Anne und wurde gleich damit bestraft, dass ihr eine Münze voll in die Fresse flog. Thorin warf ihr einen scharfen Blick zu und winkte uns weiter. Wir rannten jetzt fast und schafften es alle sicher auf die andere Seite. Smaug hatte uns wohl immer noch nicht bemerkt.
Wir eilten weiter und dann erblickte ich das, was ich eigentlich nie sehen wollte. Die westliche Wachkammer, wie Thorin sie nannte, war voll mit Zwergenleichen, die von einer Schicht Spinnenweben und Staub bedeckt waren. Sie mussten qualvoll und grausam zu Tode gekommen sein.
„Oh Gott", hörte ich es leise von meiner Freundin.
Als ich ein Skelett sah, dass ein anderes fest in den Armen hielt, was früher mal ein Baby gewesen sein musste, stiegen mir Tränen in die Augen. Ich presste mir die Hand auf den Mund und stolperte ein paar Schritte zurück, sodass ich gegen Thorin stieß. Dieser schob mich hinter sich, damit ich dieses grausame Bild nicht mehr sehen musste.
„Hier endet es. Es gibt keinen Weg hinaus", sagte Dwalin düster, als er den eingestürzten Gang sah, der auch schon den Toten zum Verhängnis geworden war.
Fast hörte ich ihre Schreie und drehte mich schnell weg. Ich bekam nicht mit, was Balin sagte, weil ich versuchte nicht zu würgen. Gott, dieses Bild würde für immer in meinen Träumen umher wandeln...
„So werde ich nicht sterben. Kauernd, nach Atem ringend...Wir gehen zu den Schmieden!", hörte ich Thorin, doch Dwalin hielt dagegen: „Er wird uns sehen, todsicher."
„Nicht, wenn wir uns aufteilen."
„Thorin, das schaffen wir nie", zweifelte nun auch Balin, doch der schwarzhaarige Zwerg ließ sich nicht beirren.
„Ein paar von uns vielleicht doch. Lockt Smaug zu den Schmieden, wir töten den Drachen...Wenn es schon in Feuer endet, dann werden wir gemeinsam untergehen!"
„Ähm...", meldete sich jetzt Anne. „Hast du vielleicht auch mal daran gedacht, dass es hier ein paar von uns gibt, DIE NICHT IM FEUER ENDEN WOLLEN?!"
Die Stimme meiner Freundin wurde mit jedem Wort lauter und hysterischer.
„Schhh!", machte Dwalin. „Wir haben keine andere Wahl oder fällt dir etwas besseres ein?"
Anne schüttelte den Kopf und musste sich geschlagen geben.
„Gut, Balin, Bilbo und Lea. Ihr kommt mit mir. Anne, du gehst mit Dwalin und Nori. Gloin geht mit Bifur. Und dann bleiben noch Dori, Bombur und Ori übrig. Dwalin, Nori und Anne gehen als erstes", teilte uns Thorin schnell ein und alle nickten zustimmend.
Anne umarmte mich kurz zum Abschied und verschwand dann.
„Alles okay, Lea?", fragte Thorin leise und ich wischte mir eine einzelne Träne weg, die es geschafft hatte, sich den Weg über meine Wange zu bannen.
„Geht schon irgendwie", murmelte ich und sah ihn an. Er berührte mich kurz an der Schulter und wandte sich dann wieder den anderen zu. Dann liefen wir zusammen mit Balin und Bilbo auf eine weitere Brücke.
Smaug erschien und brabbelte irgendwas vor sich hin. Wir stoppten und dann ertönte die Stimme von Dori: „Hinter dir!"
Mit einem wütendem Schnauben wandte sich Smaug von uns weg und wir eilten weiter. Dann wurden fast Dwalin, Nori und Anne zermatscht und jetzt sah ich den Drachen nicht mehr, weil wir in einen Gang abbogen.
„Hier entlang, wir müssen hier entlang. Kommt schon!", rief Balin und ich stolperte fast über meine eigenen Füße, als ich zu ihm lief.
„Thorin!", rief Bilbo den Zwerg zurück und dieser drehte sich wieder zu uns um. Doch im nächsten Moment sah ich Smaug, der sein Maul öffnete, um uns in Flammen zu hüllen.
„Geht mit Balin", war das Letzte, das ich von Thorin hörte, bevor er hinter dem Feuer verschwand. Ich wusste, dass er sich retten konnte, doch der kleine Hobbit war völlig außer sich.
„Bilbo, Dwalin wird ihm helfen. Jetzt komm, wir sind gleich da!", beschwichtigte ich ihn und er ließ sich zerstreut von mir mit ziehen.

*Ich sollte Recht behalten. Nach fünf Minuten warten in den Schmieden, tauchte Thorin zusammen mit Dwalin, Nori und Anne auf. Erleichtert fiel ich meiner Freundin um den Hals und drückte sie einmal.
„Okay, Lea. Das wird ein bisschen zu viel Gekuschel", brachte sie hervor und ich ließ sie grinsend los.
Doch dann kam schon das nächste Problem. Wir hatten nichts, um die riesigen Öfen anzufachen.
Thorin, krass wie er war, hatte aber trotzdem eine Idee.
„Ich hätte nicht gedacht, dass du so leicht zu überlisten bist! Du bist langsam geworden und fett...Du bist altersschwach...Du Schnecke!"
„Uuuh, voll gedisst", sagte ich und Anne trällerte die Melodie von Ice Age: „Wenn du ausgestorben bist, und dich keiner mehr vermisst!"
„In Deckung", rief Thorin und ich stellte mich hinter Anne.
„Hey, ich will kein Spanferkel sein!"
Sie schob mich vor sich und ich lief wieder hinter sie. So ging es immer hin und her, bis wir Smaug vor uns sahen. Dann liefen wir laut kreischend hinter eine Säule.
Wir wurden zwar immer noch zu halben Spanferkeln, aber kratzten wenigstens nicht ab. Und jetzt sah ich zum ersten Mal, wie der Erebor erleuchtet aussah, da die riesigen Öfen brannten.
In den nächsten Minuten standen Anne und ich ein bisschen dumm rum, weil alle irgendwo rum liefen und ihrer Aufgabe nach gingen, die Thorin ihnen zugeteilt hatte. Ich nutzte die Zeit, um einmal durchzuatmen und mich irgendwo hinzusetzen.
„JETZT!", brüllte Thorin und im nächsten Moment wurde Smaug, der es geschafft hatte das Tor zu den Schmieden zu schrotten, mit Wasser übergossen. Eine Woge warmer Wasserdampf schlug mir entgegen und benetzte meine Kleidung und die verstrubbelten Haare.
„Ernsthaft jetzt? Der ist ja immer noch da!", grummelte ich und fing mit den anderen Zwergen an, mit irgendwelchen Beuteln zu werfen, die dann explodierten, wenn sie gegen Smaug prallten. Doch ihn schien das nicht sonderlich zu stören und er lief weiter auf Thorin zu. Dann verhedderte er sich aber in den Seilbahnen und drehte sich wie bekloppt im Kreis.
Jemand hatte die Öfen geöffnet und jetzt floss flüssiges Gold in Bächen über den Boden.
„Lockt ihn in die Ahnenhalle der Könige!", befahl Thorin, der neben uns aufgetaucht war. Dann kam er mit seiner krassen Schublade und machte erstmal ein Spaßbad aus den goldenen Flüssen. Anne winkte ihm wild hinterher, als er in einem Gang verschwand und ich klatschte mir mit der offenen Hand gegen die Stirn. Meine Freundin kicherte und wir liefen einfach den anderen Zwergen hinterher. Smaug hatte es auf Bilbo abgesehen, der auch in Richtung dieser komischen Ahnenhalle Dingsdabums lief.
„Anne, Lea. Kommt mit, sie werden unsere Hilfe brauchen!", sagte Dori und wir nickten.
Die Halle war wirklich riesig und Smaug passte auch ohne Mühe rein. Meine Freundin und ich platzierten uns hinter der großen Zwergenstatue und hörten zu, wie Bilbo mit dem Drachen redete. Gerade wollte er nach Seestadt aufbrechen als Thorin auf der Schulter des Riesenzwerges erschien und rief: „Hier! Du einfältiger Wurm."
Abrupt stoppte Smaug in seiner Bewegung und wirbelte herum.
„Du..."
„Ich hole mir zurück, was du gestohlen hast!"
„Du wirst mir gar nichts nehmen, Zwerg! Ich habe eure Krieger einst nieder gestreckt. Ich habe die Völker in Angst und Schrecken versetzt. Ich bin der König unter dem Berge!", erklärte Smaug, während er auf Thorin zu watschelte.
„Dies ist nicht dein Königreich. Dies ist Zwergenland. Dies ist Zwergengold und wir bekommen unsere Rache!"
Dann rief Thorin irgendwas auf Zwergisch und das war wohl das Stichwort für uns, weil die Zwerge an den Ketten zogen und auch wir halfen mehr oder weniger mit.
Die Ketten zerbrachen und Thorin brachte sich in Sicherheit, bevor der Stein runter fiel und eine riesige, goldene Zwergenstatue frei gab. Smaug war völlig fasziniert davon und merkte erst gar nicht, dass sie anfing zu schmelzen.
Die Zwerge fingen laut an zu jubeln, als er unter dem geschmolzenem Gold begraben wurde und für einen Moment schien alles gut zu werden. Jedenfalls hoffte ich das...
Mit einem gewaltigem Brüllen tauchte Smaug wieder auf und sah wunderschön aus, wenn er nicht gerade die ganze Zeit „Rache!", rief, da er über und über mit Gold bedeckt war.
Er lief Richtung Ausgang des Erebors und sagte etwas, was mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.
„Ich zeige euch, was Rache ist!"

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt