Irgendwie haben wir alle einen an der Klatsche...

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Emmi POV:
„Das ist gruselig...", sagte Lea und betrachtete das dichte Gestrüpp vor uns, wo kein Lichtstrahl durchzukommen schien.
„Ich find's cool", sagte ich interessiert und linste über Franzis Schulter, um auch einen Blick auf den Düsterwald zu werfen. Ich war hier ja schon mal gewesen, kurz nachdem mich Gandalf gefunden hatte, aber so sehr auf den Wald geachtet, hatte ich jetzt auch nicht. Einerseits freute ich mich, weil ich vielleicht endlich mal auf Legolas treffen würde, aber andererseits wollte ich den Spinnen nicht begegnen, die da zwischen den Bäumen auf uns warteten.
Blöde Spinnenphobie...
Nachdem wir uns von Beorn verabschiedet hatten, waren wir mit seinen Pferden die ganze Zeit in einem schnellen Tempo bis hier her geritten. Ich wurde ziemlich doll durchgeschüttelt und bekam schon Angst, dass ich runter fallen würde, aber immer wieder hörten wir ein Heulen, dass von einem Warg stammen musste und dann war ich doch eher froh darüber.
Gandalf war schon vom Pferd gesprungen und begutachtete das Elbentor während wir anderen immer noch auf den Ponys saßen und in der Gegend rum guckten.
„Keine Orks zu sehen, das Glück ist auf unserer Seite", meinte Dwalin und ich wechselte einen Blick mit Anne. Also, von Glück würde ich hier ja jetzt nicht gerade sprechen...
Wir ließen auf Gandalfs Befehl hin die Ponys frei und packten unsere Sachen, damit wir für den Düsterwald gerüstet waren. Doch plötzlich ließ Gandalf verlauten, dass er uns verlassen müsse und wir ihn erst wieder beim Erebor sehen würden. Ich fand das nicht so toll, weil das hieß, dass wir mit den Zwergen alleine bleiben mussten, doch der alte Zauberer ließ sich nicht davon abbringen. Er gab uns noch ein paar Ratschläge, die, wie ich wusste, wir eh nicht befolgen würden und stieg wieder auf sein Pferd. Fast zeitgleich fing es an zu regnen und ich murrte.
„Irgendwie gibt es in dieser Gegend immer schlechtes Wetter", sagte ich zu Franzi und sie zuckte nur mit den Schultern. Wir sahen Gandalf noch kurz hinterher, wie er davon ritt und folgten dann den Zwergen in den Wald hinein. Schon nach fünf Schritten verschwand die Sonne und wich einem dämmrigen Licht, was dem Düsterwald wohl den Namen gegeben hatte. Ich merkte, wie meine Freundinnen neben mir erschauderten und grinste. Ich fand so etwas gruseliges schon immer interessant und hatte nicht wirklich Angst, aber Lea, Franzi und Anne sah eher anders aus.
„Na dann, auf ins dunkle Verderben!", sagte ich gut gelaunt und stapfte los.

*„Luft! Ich krieg keine Luft!", sagte Ori und Bofur antwortete: „In meinem Kopf schwimmt alles!"
„Und ich ich hab mega große Füße", kicherte Franzi und ich musste lachen. Wir konnten nicht verhindern, dass der Wald unseren Verstand vernebelte. Anne, die vor mir lief, hatte Hasenohren und komischerweise kam es mir so vor, als würde ich durch Wasser waten, weil meine Beine immer schwerer wurden. Waren wir eigentlich schon vom Weg abgekommen? Ich wusste es nicht, ich wusste gar nichts mehr. Irgendwann kamen wir an eine Brücke, die aber in der Mitte ein großes Loch hatte, sodass wir nicht rüber kamen. Vielleicht bildeten wir es uns auch ein, aber wir mussten trotzdem einen anderen Weg finden, weil wir nicht rüber schwimmen konnten. Zwerge hassten Wasser und dieses hier war dazu auch noch vergiftet. Lea fiel fast von der Brücke, weil sie fast jede zwei Schritte stolperte und hin flog und ich konnte sie gerade noch fest halten.
„Aufpassen", nuschelte ich und schüttelte meinen Kopf einmal, um so diesen Druck loszuwerden, den ich die ganze Zeit spürte. Aber er verschwand nur kurz.
„Diese Äste sehen stark genug aus!", rief Kili plötzlich, doch Thorin hielt ihn davon ab, darauf zu klettern.
„Wir schicken den leichtesten voraus."
„Und wer ist das?", fragte Franzi und alle guckten zu Bilbo.
„Als wären wir richtig fett oder so", murmelte Anne leise.
Aber schließlich musste doch der kleine Hobbit als erstes rüber klettern. Er fiel zwar ein paar Mal fast ins Wasser, schaffte es dann aber auf die andere Seite.
„Irgendwas stimmt hier ganz und gar nicht...Bleibt, wo ihr seid!", brüllte er.
„Oh.", machte er nur noch, weil wir alle schon an den Ästen hingen.
„Huuuiiii!", machte Franzi und hüpfte zu einem weiteren Stamm. Lea klammerte sich hilflos an einen Ast und starrte hypnotisiert aufs Wasser.
„Lealiiii", säuselte ich und zerrte sie weiter.
„Woooow!", kam es dann von Anne und ich blickte auf. Am anderen Ufer sah ich einenschneeweißen Hirsch, der uns beobachtete.
„Schöööön!", sagte die Asiatin und ich schrie los, sodass das Tier verschwand und Thorin nicht auf den Hirsch schießen konnte, der schon den Bogen gespannt hatte. Er sah mich böse an und hasste mich wahrscheinlich noch mehr, als sowieso schon. Plötzlich gab es ein lautes Platschen und Bombur lag schnarchend im Wasser.
„Yaay!", sagte ich und lachte wie bekloppt los, keine Ahnung wieso. Mit vereinten Kräften wuchteten wir den tief schlafenden Zwerg auf die andere Seite und bauten eine Trage, sodass
wir ihn transportieren konnten. Dann ging es weiter.
Wir torkelten irgendwo lang, bis jemand nach einer Verschnaufspause verlangte. Ich ließ mich irgendwo nieder und versuchte das Schwindelgefühl loszuwerden. Mir war kotzübel und ich bekam nicht mehr mit, wie die anderen über die Uhrzeit diskutierten. Leise summend wankte ich vor und zurück und hörte, wie Franzi mit Gloin flirtete.
Oh, man. Wir haben echt einen an der Klaaaaatscheeee!
„Mir ist schlecht", murmelt ich und Lea antwortete: „Ich will schlafen."
Ich rüttelte an ihrer Schulter, sodass sie ihre Augen wieder auf machte. Wir durften hier auf keinen Fall das Bewusstsein verlieren. Thorin schubste uns beiseite und ich fiel auf den Hintern.
„Wir müssen...da lang", sagte der Zwergenkönig und wir rappelten uns irgendwie auf. Bilbo rief uns ir-gendwas hinterher, doch seine Stimme wurde in meinem Kopf tausendmal wiederholt, sodass ein gewaltiges Echo entstand.
Ich schrie auf und hielt mir die Ohren zu, damit es aufhörte. Nach ein paar Augenblicken wurden die Stim-men leiser und ich torkelte gegen irgendjemanden, der mich wieder von sich schob.
„Lalalalala...", machte ich die ganze Zeit, wie eine Geisteskranke und lief irgendwohin. Irgendwann merkte ich, dass wir die ganze Zeit im Kreis liefen und setzte mich auf einen Baumstumpf.
„Ich will nicht mehr", murmelte ich und sah den anderen zu, die immer wieder an mir vorbei kamen. Jede Runde, ließ sich jemand neben mich fallen, bis nur noch Thorin im Kreis lief und etwas vor sich hin quaselte, was sich sehr nach Erebor und Arkenstein anhörte.
„Seht doch", sagte Ori und hielt etwas hoch.
„Ein Tabaksbeutel. Es gibt Zwerge in diesem Wald", entgegnete sein Bruder Dori und Bofur nahm den Beutel an sich.
„Zwerge aus den Blauen Bergen sogar. Der sieht genauso aus wie meiner."
„Es ist ja auch deiner", sagte Bilbo genervt.
„Wir laufen im Kreis. Wir haben uns verirrt", brachte Lea langsam hervor.
„Haben wir nicht. Wir gehen weiter nach Osten", mischte sich Thorin ein.
„Und wo ist Osten? Wir haben die Sonne verloren."
Dwalin entgegnete noch irgendwas, doch ich verstand es nicht mehr.
„Thoriiiiin?", flötete Lea und ließ sich gegen den Zwerg fallen.
„Wir haben dich alle ganz doll lieb", kicherte die Braunhaarige und tätschelte seine Wange.
„Musst du ihn hier so begrapschen?", fragte Franzi und zog sie von dem Zwergenkönig weg, der sich zweimal im Kreis drehte.
„Ich will nach Hause!", heulte Anne plötzlich los und warf sich auf den Boden. Eine Prügelei entstand unter den Zwergen, bis Thorin ein Machtwort sprach und schrie: „DAS REICHT JETZT! SEID STILL, ALLE!"
Die Zwerge verstummten und man hörte nur noch Anne leise wimmern.
„Wir werden beobachtet", sagte Thorin und ich verzog das Gesicht.
Nein, bitte nicht!, dachte ich.
„Wir...müssen...hier...weg...", brachte Balin langsam hervor.Irgendetwas knackte und ich wirbelte herum. Dabei stieß ich mit Franzi zusammen und wir rollten zusammen einen Abhang hinunter. Für einen Moment drehte sich alles um mich herum und mir wurde kurz schwarz vor Augen. Dann knallte ich gegen einen Baum und blieb neben meiner Freundin liegen.
„Was...?", murmelte ich und rieb mir den Kopf. Dann setzte ich mich auf und sah mich um.
„Fuck!", stieß ich hervor. Wir hatten die anderen verloren!
Erst jetzt merkte ich, dass ich nicht mehr so benebelt war und wieder klar denken konnte. Erleichtert rüttelte ich an Franzi, die kurz ohnmächtig gewesen war.
„Man, wach auf, verdammt!"
Ich sah keine andere Möglichkeit und gab ihr eine Ohrfeige, sodass sie ruckartig hochfuhr.
„Au! Man, Emmi!", keifte sie und hielt sich die schmerzende Wange.
„Sorry. Wusste nicht, wie ich dich sonst wach kriegen soll", sagte ich und zupfte mir ein paar Blätter aus den Haaren.
„Hey, ich bin nicht mehr bekloppt!", stellte die Schwarzhaarige fest und ich sah sie skeptisch an.
„Also, ich weiß ja nicht..."
Franzi boxte mir in die Seite und ich grinste.
„Dafür haben wir jetzt ein anderes Problem. Ich hab keine Ahnung, wo wir sind."
„Aber die anderen müssen doch ganz in der Nähe sein!", sagte meine Freundin und wir standen auf. Plötzlich ertönte lautes Gekreische von weiter weg und man hörte, wie Waffen auf irgendwas einschlugen.
„Hm, ich denk mal, wir haben sie gefunden", sagte Franzi und stapfte in die Richtung, wo die Geräusche her kamen.
„Denkst du wirklich, dass das so eine gute Idee ist?", fragte ich zweifelnd und sie blieb stehen.
„Wieso sollte es keine sein?"
„Naja...Spinnen?"
Franzi fing an zu grinsen.
„Du hast immer noch Angst vor ihnen, oder?"
„Was?! Nein! Ich doch nicht!", rief ich schnell und sagte dann nach einem kurzen Moment: „Ja."
Franzi lachte und klopfte mir auf die Schulter.
„Kein Problem, Emmichen. Ich hatte auch nicht vor, direkt zwischen die Zwerge und Spinnen zu laufen. Ich wollte nur zugucken, wie sie abkacken. Also, kommst du jetzt mit oder nicht?"
„Hab ich eine Wahl?", fragte ich.
„Nö."
„Na toll.", ich verdrehte die Augen, lief aber Franzi hinterher. Wir folgten dem Geschrei und fanden schnell das Schlachtfeld. Wir konnten gerade noch beobachten, wie die Zwerge, Anne und Lea gegen diese ekelhaften Viecher verloren und in Spinnenweben eingewickelt wurden. Ich verzog das Gesicht und sah angewidert zu.
„Wollen wir nicht helfen?", fragte ich, doch Franzi hörte mir gar nicht mehr zu und schnappte sich die Kamera, die ich um meinen Hals gehangen hatte. Plötzlich lief direkt über unseren Köpfen eine riesige, fette, schwarze Spinne lang, ohne, dass sie uns bemerkte. Ich hätte aufgeschrien, wenn Franzi mir nicht im letzten Moment den Mund zugehalten hätte. Sie zischte irgendetwas von leise sein und ich sah mit weit aufgerissenen Augen zu, wie die Spinne an uns vorbei krabbelte und dann verschwand. Doch das Schlimmste war, dass ich jedes einzelne Detail dieses Vieches gesehen hatte, von den langen, haarigen Beinen, bis zu den kleinen, vielen, schwarzen Augen.
Kaum war die Spinne verschwunden, sprang ich auf und lief im Kreis herum, um mich irgendwie von diesem Anblick zu erholen, der für immer in meinem Gedächtnis eingebrannt sein würde.

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt