Franzi POV:
Balin hatte meine Finger mit irgend so einem Zeug eingeschmiert und sie verbunden, aber das Zeug stank.
Die aufgerissene Haut heilte ziemlich schnell, nur gegen Herzschmerz hatte der alte Zwerg leider kein Mittel. Sein Bruder Dwalin war so etwas wie mein persönlicher Leibwächter geworden und ließ eigentlich nur noch Lea zu mir. Ich fühlte mich wie ein Roboter, der lächelte, wenn er es musste, der nickte oder den Kopf schüttelte, wenn er etwas gefragt wurde und zum ersten Mal wortlos Thorins Befehle entgegen nahm. Mich hatte dieser Roboter in eine Ecke gesperrt und versucht, den Platz, den ich einnahm, noch zu verringern.
Der Wind strich sanft über meine Wange und sang sein ganz eigenes, kleines Lied. Die Elben unten vor den Toren schauten mit versteinertem Gesicht geradeaus und ich wette, dass still und heimlich in einer Ecke ein Wettbewerb ausgetragen wurde, wer am wenigsten blinzeln konnte. Dwalin neben mir schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln, was der Roboter erwiderte.
Ich sagte doch, er funktioniert gut. Ich ließ meinen Blick wieder über die Elben gleiten und suchte nach Fehlern. Eine Haarsträhne, die nicht unter dem Helm steckte, ein Zucken von einem Finger, der zeigte, dass sie den Wind bemerkten, aber da war nichts. Ich kniff die Augen zusammen und lehnte mich etwas weiter nach vorne, um genauer hingucken zu können.
„Franzi, was machst du da?", fragte Dwalin neben mir und ich blickte zu ihm hoch.
„Ich suche Fehler an den Elben. Leider finde ich keine.", antwortete ich mechanisch und wandte mich dann wieder meiner Suche zu.
„Der Elb da, mit dem Schwert.", sagte Dwalin und deutete auf einen etwas kleineren Elben, der den Griff um seine Lanze immer wieder änderte.
Ich lächelte und nickte Dwalin zu: „Super!"
In diesem Moment teilten sich die Elben und Thranduil und Bard erschienen auf der Bildfläche. Neben ihnen Elladan und Anne und zu meiner großen Freude auch Mupfel. Das fette Federvieh war jetzt wahrscheinlich so groß wie ein...naja, er hatte die ungefähre Größe eines kleinen Autos und seine Augen erinnerten mich an Fußbälle. Aber es war ganz eindeutig Mupfel. Er wackelte ein bisschen mit seinen zu kleinen Flügeln und glubschte zu uns hoch.
„Franzi, guck mal, da ist Mupfelchen.", rief Lea und ich grinste.
Lea freute sich riesig ihr kleines Vogel-Eulen-Mupfel-Dings-Pflegekind wieder zu sehen und auch Mupfel hüpfte jetzt etwas schneller auf uns zu. Dass er dabei leicht die umstehenden Elben anmatschte, war ihm wohl egal. Anne streichelte Mupfelchen über den Kopf, obwohl ich nicht so genau sagen kann, wo der Kopf endete und der Körper anfing. Ich freute mich, meine Freundin zu sehen. Sie lächelte kurz und wir winkten uns gegenseitig zu.
„Oh, bei meinem Barte, bitte nicht.", hörte ich Thorin flüstern und grinste nur noch mehr. Er erinnerte sich wahrscheinlich nur zu gut an Mupfel. Genauso wie Fili, ich hoffte, Mupfel würde ihm das nächste Mal den Finger abbeißen. Ich wusste nicht mal, was ich gemacht hatte, sodass er so wütend auf mich war.
Thranduil saß auf seinem braunen Hirsch, Bard ritt auf einem weißen Pony und Elladan und Anne teilten sich Elladans Stute...hab vergessen wie sie hieß.
Ich hörte das vertraute Geräusch von einem Bogen, der gespannt wurde und im nächsten Moment schoss ein Pfeil durch die Luft und traf haarscharf vor den Hufen von Thranduils Hirsch den Boden.
„Der nächste trifft euch zwischen die Augen.", rief Thorin und zog einen weiteren Pfeil. Die Zwerge begannen zu brüllen und zu jubeln, doch ich wollte nicht. Thranduils Blick verfinsterte sich und er nickte lediglich leicht mit dem Kopf und schon zogen zehn Reihen von Bogenschützen ihre Waffen und zielten. Alle Zwerge, außer Thorin, duckten sich weg, und auch dieses mal hatte ich keine Lust. Der Roboter war für die groben Sachen da, wie reden und so, doch wenn es um schnelle Dinge ging, dann war er fehlerhaft.
Mit einer kurzen Handbewegung seitens Thranduil steckten die Elben ihre Waffen wieder weg und der Elbenkönig erhob die Stimme.
„Wir sind gekommen, um euch zu sagen, dass die Begleichung eurer Schuld angeboten und angenommen wurde."
„Welche Begleichung? Ich habe euch nichts gegeben!", brüllte Thorin, den Bogen noch immer auf Thranduil gerichtet.
„Wir haben das hier.", rief Bard und zog den Arkenstein aus seiner Jacke. Er schimmerte im Licht der aufgehenden Sonne und machte seinem Namen alle Ehre.
„Sie haben den Arkenstein.", keuchte Kili und ich murmelte leise: „Nein, sie tun nur so."
Das war etwas von den Dingen, die ich selbst übernahm.
„Diebe! Wie kommt das Erbstück unseres Hauses in eure Hände? Dieser Stein gehört dem König!", brüllte Kili und schlug mit seiner flachen Hand auf den Stein.
„Und der König soll ihn bekommen, mit unserem Wohlwollen!"
Bard warf den Arkenstein in die Luft, fing ihn geschickt wieder auf und steckte ihn dann zurück in seine Jacke.
„Aber zuerst muss er zu seinem Wort stehen."
Thorins Wut wallte durch die Reihen und jagte mir einen kleinen Schauer über den Rücken.
„Sie wollen uns zum Narren halten. Das ist nur eine List. Eine dreckige Lüge.", flüsterte Thorin und dann brüllte er: „Der Arkenstein liegt in diesem Berg versteckt. Es ist eine Täuschung!"
Anne verzog das Gesicht und schnitt dann eine Grimasse. Ich kicherte leise, doch dann schob sich Bilbo neben mir nach vorne und richtete sein Wort an Thorin.
„Nein, nein, das ist keine Täuschung. Der Stein ist echt. Ich hab ihn ihnen gegeben.", der kleine Hobbit stand tapfer vor Thorin, während dieser sich umdrehte und ihn gehässig musterte.
„Du!", flüsterte Thorin und dieses Mal verzog Lea das Gesicht. Sie stand bei Balin und verdrehte die Augen.
„Er ist ein durchgeknallter Irrer.", sagte sie durch Lippenbewegung und ich nickte.
„Ja und uralt.", fügte ich noch hinzu und sie kicherte.
„Ich hab ihn als meinen vierzehntel Anteil genommen.", sagte Bilbo und ballte die Hände zu Fäusten.
Es war mutig was er da tat, mutig und sehr dumm.
Alle anderen waren wie erstarrt und blickten zwischen dem König und dem Hobbit hin und her. Ich blickte zwischen ihnen umher und schließlich blieb mein Blick an Fili hängen.
Er hatte dunkle Ringe unter den Augen und wirkte sehr müde. Um seine Lippen hatte sich ein harter Zug gelegt und er beachtete seinen Bruder nicht mal.
Was hast du plötzlich, Fili?, fragte ich mich und zog die Schultern hoch. Irgendwas stimmte mit ihm nicht und ich wollte wissen, was. Sein Blick wanderte zu mir und ich versank im hellen eisblau seiner Augen. Er wirkte traurig und für einen kurzen Moment schien es wieder der Fili zu sein, den ich bis vor kurzem gekannt hatte. Doch dann wurde sein Blick hart und er wendete den Kopf ab. Ich bemerkte zu spät, dass mich dieser kurze Moment aus meiner Ecke geholt hatte und eine einzelne Träne über meine Wange rollte. Ich wischte sie schnell weg und spürte den rauen Stoff des Verbandes, als er über meine Wange strich.
„Du hast ihn mir gestohlen.", Thorins Stimme war leise, aber bedrohlich. Es war ein Wunder, dass der Hobbit nicht schon zurück gewichen war.
„Dir gestohlen? Nein! Nein, mag sein, dass ich ein Dieb bin, aber doch ein Ehrlicher, behaupte ich.", sagte Bilbo und zuckte leicht mit den Schultern.
„Ich bin bereit, dafür auf meine Ansprüche zu verzichten.", fuhr der kleine Hobbit fort und schaute sich hilfesuchend um. Ich rückte einen Schritt auf den Hobbit zu, doch Thorin sprach weiter und Bilbo wandte sich wieder ihm zu.
„Auf deine Ansprüche...", diese Worte kamen abfällig, beinahe beleidigend.
„Deine Ansprüche. Du hast keine Ansprüche an mich, du elender Wurm."
„Ich wollte ihn dir schon geben. Viele Male wollte ich es, aber...", fing Bilbo an, doch seine Stimme brach ab und ich konnte mir vorstellen, wie Bilbo sich den Thorin vorstellte, den er damals in Beutelsend kennengelernt hatte und jetzt den, der vor ihm stand.
„Aber was?", knurrte Thorin und machte einen Schritt nach vorne. Ich ging diesen Schritt ebenfalls und stand jetzt beinahe bei Bilbo. Ich würde ihm helfen und nicht im Stich lassen. Schließlich waren wir daran beteiligt gewesen.
„Du hast dich verändert, Thorin. Der Zwerg, den ich in Beutelsend kennenlernte, hätte sein Wort niemals gebrochen. Hätte nie an der Treue der seinen gezweifelt.", sagte der kleine Hobbit und ich sah Trauer in seinen Augen, als er sich kurz zu mir umdrehte. Auch Thorin glitzerten Tränen in den Augen, aber ich konnte nicht sagen, ob vor Wut oder weil er glaubte, sein bester Freund hätte ihn belogen. Ich denke, es war ein bisschen von beidem.
„Du sprichst nicht zu mir, von Treue...werft ihn den Wall hinunter.", fauchte Thorin und jetzt schob ich mich schützend vor Bilbo, aber niemand krümmte auch nur einen Finger.
„Tut es!", brüllt er und packte Fili, damit er es tat. Kili griff nach seinem Bruder und auch Balin und Lea versuchten Thorin von Fili weg zu bekommen.
Bilbo hinter mir war einen Schritt zurück gewichen, aus Angst, was Thorin tun wollte.
„Dann mach ich es selbst.", knurrte Thorin und ging einen Schritt auf den Hobbit zu. Alle anderen wollten Thorin packen, doch er schüttelte sie nur ab und packte mich an der Schulter.
„Geh mir aus dem Weg.", seine Stimme war wie ein Messer, doch das konnte ich toppen. Ich legte all meinen Hass und meine Wut in meine Worte und fauchte dann: „Mach Bilbo nicht für deine eigene Blindheit verantwortlich! Er wollte dir etwas Gutes tun, Thorin. Er wollte dich vor der Krankheit retten, die deinen Großvater befallen hat."
„Ich bin nicht...", fing der Zwergenkönig an, doch ich unterbrach ihn: „Oh doch, du bist wie dein Großvater! Guck dich doch mal an. Du würdest alles dafür tun, um diesen Stein wieder zu bekommen. Du würdest das Leben jedes einzelnen von uns opfern, um das zu bekommen, was du willst. Ist dieser Stein dir wirklich mehr Wert, als deine Ehre, als dein Gewissen, als deine Freunde und als wahre Liebe, Thorin?"
Thorin hatte meine Schulter los gelassen und war einen Schritt zurück gewichen.
„Dir ist der Arkenstein also wichtig? Du willst die, die dich betrogen haben tot sehen?", fragte ich und Thorins Blick sprach Bände.
„Schön.", sagte ich und trat einen Schritt beiseite.
„Das darfst du nicht.", brüllte einer der Zwerge, doch Thorin beachtete den Tumult nicht. Er schoss vor, packte den Hobbit und hätte ihn beinahe den Steinwall runter geworfen, wenn ich nicht noch etwas gesagt hätte.
„Dann musst du mich und Lea mit runter werfen.", Thorin erstarrte und verspannte sich.
„Wir wussten es. Wir wussten es die ganze Zeit und wir haben es dir nicht gesagt. Außerdem haben wir den Arkenstein mit Bilbo zusammen zu Bard und Thranduil gebracht", ich trat einen Schritt auf Thorin zu und kletterte dann ebenfalls auf den Wall.
„Genau.", bestätigte Lea und hievte sich unter einigen Schwierigkeiten auch neben mich. Thorins Blick wanderte zu Lea und ich sah die Trauer in seinen Augen.
„Du hast es auch gewusst?", fragte er leise und meine Freundin nickte mit hoch erhobenem Kopf. Ich sah den Stolz in ihrem Blick, als sie das tat und lächelte.
„Ich...", murmelte Thorin und schaute zu Lea.
Ich wusste, dass er mich ohne mit der Wimper zu zucken hier runter geschubst hätte, doch bei Lea war das was anderes. Ganz gleich, was zwischen den beiden vorgefallen war, er würde nicht zulassen, dass sie den Wall runter fiel.
„Nein, sie wussten nichts davon.", log Bilbo und ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu.
„Sie wollen mich nur retten.", sagte der kleine Hobbit und das reichte Thorin schon als Ausrede, um Lea...und mehr oder weniger auch mich, von der Mauer zu bekommen.
„Holt sie da runter.", sagte er zu den anderen Zwergen und sofort wurden Lea und ich von der Mauer gehoben. Wir wehrten uns gegen den festen Griff und versuchten wieder zu Bilbo zu kommen, denn jemand fehlte. Wo war Gandalf?
„Lass mich los.", rief ich und riss an den beiden Händen, um sie dazu zu verleiten, mich endlich frei zu lassen.
„Kann sie mal jemand festhalten.", knurrte Kili und Dwalin griff nach meinen Armen.
„Lass ihn in Ruhe, Thorin. Ich hab es auch gewusst. Ich hab dich angelogen. Ich hab dir deinen beschissenen...", aber weiter kam ich nicht, denn Balin legte mir eine Hand auf den Mund und brachte mich damit zum Stillschweigen. Ich hasste es, wenn mir jemand die Hand auf den Mund legte.
„Thorin, bitte.", flüsterte Lea leise und strampelte wild, um von Nori frei zu kommen, doch der King hörte ihr gar nicht mehr zu. Er packte den kleinen Hobbit und dann schallte endlich Gandalfs Stimme über das Feld.
„Wenn du mit meinem Meisterdieb nicht zufrieden bist, dann tue ihm bitte nichts. Gib ihn mir zurück.", brüllte er und ich bemerkte, wie ich nach Luft schnappte. Mir war gar nicht aufgefallen, dass ich die Luft angehalten hatte.
Thorin ließ Bilbo los und der kleine Hobbit wich sofort vor ihm zurück. Bofur zog ihn beiseite und machte Thorin den Blick auf Gandalf frei, der jetzt neben Elladan und Anne stand und den beiden ein Lächeln schenkte.
„Bis jetzt machst du als König unter dem Berge keine besonders gute Figur, nicht wahr, Thorin, Sohn von Thrain?", rief Gandalf den Wall hinauf.
„Ich will nichts mehr zu schaffen haben mit Zauberern und AUENLAND-RATTEN!", brüllte der ach so tolle König unter dem Berge und bespuckte dabei wahrscheinlich alle Umstehenden.
Bilbo, der von Bofur dirigiert wurde, kletterte schnell den Steinwall hinunter in Sicherheit.
„Sind wir uns einig? Die Rückgabe des Arkensteins, gegen das was versprochen war.", fragte Bard plötzlich. Eine grausam lange Stille entstand. Eine Stille, in der man eine Stecknadel hätte fallen hören können.
„Gebt uns eure Antwort. Wollt ihr Frieden...oder Krieg?", fragte Bard und meine Hoffnungen schwanden immer weiter, dass man diese Angelegenheit diplomatisch lösen konnte, denn Thorins Blick glitt suchend zu einer Anhöhe und dann war da dieser beschissene schwarze Rabe.
Krächzend flog er über die Köpfe der Umstehenden hinweg zu Thorin und setzte sich dann vor ihm auf den grauen Stein. Er schüttelte sein glänzendes Gefieder und krächzte leise.
Wir waren alle verloren.
„Ich will Krieg!"
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Vier Bekloppte in Mittelerde
FanfictionVier Bekloppte schaffen es das Leben in Mittelerde komplett umzukrempeln. Sie halten den krassesten Typen für schwul, spielen ihm Streiche, zerstören eine komplette Frisur und schießen andauernd Selfies. Sie machen mehr kaputt, als irgendwie zu hel...
