Franzi POV:
„Okay, also...", fing ich an und wartete auf eine Antwort.
„Also...", seufzte Fili, fuhr aber nicht fort. Keiner von uns beiden sagte jetzt ein Wort und wir starrten nur aneinander vorbei.
„Ich höre euch nicht reden!", brüllte Lea durch die Tür und ich verdrehte die Augen. Fili lächelte leicht, als er das sah und ich lächelte vorsichtig zurück.
„Ich höre immer noch nichts", rief Lea und ich seufzte.
„Okay, also...warum warst du so?", fragte ich und Fili runzelte die Stirn. Er schien zu überlegen, was er sagen sollte.
„Ich war nicht sehr nett, oder?", stellte er schließlich fest und ich schnitt eine Grimasse.
„Nein, nicht so unbedingt", antwortete ich und Fili nickte leicht.
„Ich...ich denke...ich war wütend.", murmelte Fili und ich zog eine Augenbraue hoch.
„Wütend?", fragte ich und Fili nickte abermals.
„Und warum?", fragte ich weiter. Fili wendete sich von mir ab und starrte zur Decke hoch.
„Ich hatte gedacht, dass wir uns gut verstehen...und dann...", fing er an, führte seinen Satz aber nicht zu Ende.
Ey, dem muss man echt alles aus der Nase ziehen, dachte ich und fragte dann: „Und dann?"
„Dann hab ich dich mit meinem Bruder gesehen...wie ihr euch umarmt habt und du meintest zu Lea, dass ihr über euch geredet habt...und dann dachte ich...naja...", sagte Fili und ich fing an zu lachen.
„Lach nicht!", fuhr Fili mich an und sofort hörte ich auf.
„Tut mir leid, aber ich kann nicht glauben, dass ich was mit deinem Bruder haben soll.", entschuldigte ich mich. Fili nickte zögerlich und ich kicherte wieder...aber nur kurz.
„Du warst eifersüchtig.", sagte ich und ein Grinsen huschte über mein Gesicht als Fili anfing, alles abzustreiten. Aber ich brauchte auch keine Bestätigung. Ich sah es an den leicht geröteten Wangen und wusste, dass nur die Leute alles abstritten, die eifersüchtig gewesen waren. Würde ich auch tun.
„Okay, ist dann alles wieder in Ordnung?", fragte ich nach einem kurzen Moment des Schweigens. Fili nickte und dann öffnete Lea endlich die Tür.
„Ich geh jetzt mal...", murmelte Fili schnell dann war er weg. Lea grinste mir zu und ich zog eine Grimasse.
„Hör auf, so zu grinsen.", sagte ich und sie grinste noch ein bisschen breiter.
„Ich grins doch gar nicht.", antwortete sie und ich zog eine Augenbraue hoch.
„Tust du doch.", sagte ich und schob mich an meiner Freundin vorbei aus dem Raum raus, auf den Gang.
„Okay, vielleicht ein kleines bisschen.", murmelte Lea und ich nickte.
Ich hatte das Gefühl, als würde ich über den Boden fliegen. Zwischen mir und Fili war wieder alles okay und obwohl ich Lea für ihren Streich hasste, liebte ich sie auch dafür, weil Fili und ich uns endlich hatten aussprechen können. Wer hätte glauben können, dass er mich und Kili gesehen hatte und das völlig falsch verstanden hatte, als wir über diese Sache zwischen uns geredet hatten?
Ich war so in meine Gedanken vertieft, dass ich beinahe gegen einen Pfeiler gelaufen wäre, wenn Lea mich nicht im letzten Moment zurück gehalten hätte.
„Man Franzi, du solltest echt mal aufpassen.", sagte sie, doch ich hörte das Lachen in ihrer Stimme. Sie wusste ganz genau, warum ich so unaufmerksam gewesen war.
„Sorry, ich war mit meinen Gedanken woanders.", murmelte ich und Lea zog eine Augenbraue hoch, sagte jedoch nichts.
„Komm, die anderen müssen hier irgendwo sein. Wir sollten die ganz dringend aufmuntern, sonst springen sie noch den Wall runter, bevor Thorin das Startsignal gibt.", sagte Lea und zog mich mit sich.
„Und was schwebt dir da so vor? Ich werde mich nämlich nicht zur Verfügung stellen, wenn du mit denen 'Ich sehe das nicht, was du nicht siehst' spielen willst."
„Erstens: Das heißt 'Ich sehe was, was du nicht siehst' und zweitens: Niemals! Eher springe ICH den Wall runter.", sagte meine Freundin und erschauderte.
„Okay, und was hast du dann vor?", fragte ich und ahnte schlimmes.
„Wir werden sie mit ihrer Lieblings-Beschäftigung zufrieden stellen.", meinte Lea.
„Und was meinst du, wäre das?", fragte ich und biss mir auf die Unterlippe.
„Wir werden uns die Haare flechten lassen.", sagte Lea und ich blieb stehen.
„Kannst du vergessen, denn dieses WIR, heißt ICH. Und ICH werde die unter keinen Umständen an meine Haare lassen.", rief ich und drehte mich um. Ich war gerade mal um die nächste Ecke gebogen, als Lea mich einholte und mich zum Stehen zwang. Sie war echt schneller geworden, bei den fünf oder sechs Mal, wo wir wegen Thorin um unser Leben rennen mussten.
„Nein, mit WIR, meine ich auch wir.", sagte Lea und ich zog eine Augenbraue hoch.
„Was willst du denn jetzt noch bitte mit deinen Haaren machen?", fragte ich und zupfte an einer von Leas kurzen Strähnen.
„Ich wette, ich könnte meine Haare so kurz wie ein Junge tragen und die wüssten immer noch eine Methode, die irgendwie zu flechten.", erwiderte Lea und ich nickte. Die würden selbst bei einer Glatze irgendwie ein Muster drauf malen, damit es hübsch aussah.
„Okeee...", sagte ich gedehnt und stöhnte bereits innerlich auf. Ich wollte gar nicht wissen, wie sehr die Zwerge sich erstmal aufregen würden, bevor sie meine Haare in ein Kunstwerk verwandeln würden, das ich dann nicht mehr anfassen dürfte.
„Was hast du denn jetzt schon wieder?", fragte Lea und ich schüttelte nur den Kopf.
„Dann los.", fuhr Lea fort und ich ließ mich von ihr in meinen Untergang führen.
*„Also, du solltest dich wirklich mehr um deine Haare kümmern.", meinte Nori und kämmte noch mehr Staub aus meinen Haaren.
Die Zwerge hatten sich geradezu auf diese Aufgabe gestürzt und zusammen zwei Teams gebildet. In Leas Team waren Ori, Bombur, Oin und Gloin. In meinem waren Dori, Nori, Bifur und Bofur.
Ich hatte keine Ahnung, warum man jeweils vier Zwerge brauchte, um sich um ein paar Haare zu kümmern, aber ich sprach diesen Gedanken lieber nicht aus.
Tja, und was das Beste daran war, war, dass die Zwerge unsere Haare dann nicht mal flechten würden. Sie bereiteten sie nur vor, wuschen sie, kämmten sie mit vier verschiedenen Bürsten und rieben dann irgend so ein Zeug rein, das wohl dafür sorgen sollte, dass die Zöpfe später besser hielten. Nori hatte sich die erste Bürste geschnappt und aus meinen Haaren alle Knoten entfernt. Dann hatte er sich die zweite Bürste genommen und angefangen, allen Staub raus zu kämmen. Ich hatte schon Kopfschmerzen, aber er schien immer zufriedener zu werden, da er zur dritten Bürste griff und damit begann, meine Haare ganz gerade zu kämmen, was einerseits gut klappte, anderseits total aussichtslos war. Als er dann auch noch nach einer Schere griff, umklammerte ich die Armlehnen meines Stuhls und biss mir auf die Zunge, um nichts zu sagen. Zum Glück schnitt er nur die Spitzen und ließ meine Haare mit diesem fünfzig Jahre alten Ding in Ruhe. Sie sollten ruhig so schön lang bleiben, wie sie gerade waren. Mit der vierten Bürste kämmte er nur noch einmal drüber und überließ mich dann seinem Bruder Dori, der mit einer ziemlich großen Schale Wasser kam, um mir die Haare zu waschen. Er stellte sie auf einen kleinen Tisch, hinter meinem Stuhl und forderte mich dann auf, meinen Kopf in den Nacken zu legen. Ich folgte der Anweisung und versuchte nicht zu verkrampft da zu sitzen, aber als Dori vorsichtig begann meine Haare mit einer gut riechenden Seife einzureiben, entspannte ich mich. Es war, als würde er die Kopfschmerzen, die sein Bruder vorher verursacht hatte, wieder verschwinden lassen. Ich seufzte leise und genoss das warme Wasser, die Seife und ja auch irgendwie Doris Hände, die meine Haare wuschen, sehr.
„Okay, jetzt musst du bitte mit Lea den Platz tauschen.", meinte Dori plötzlich und ich öffnete die Augen. Lea grinste mich an und widerwillig erhob ich mich von meinem Stuhl.
„Komm, setzt dich zu mir.", rief Balin mich zu ihm und ich ließ mich neben ihm am Kamin nieder. Mein Super-Frisuren-Zwergen-Team folgte mir und fuhr werkte noch weiter an meinen Haaren, während Balin mir ein Buch in den Schoß legte und ich vorsichtig mit den Fingern über den Einband fuhr.
Das Buch war sehr alt und trug die Spuren vergangener Zeit mit sich. Der Einband war aus braunem Leder, auf dessen Einband man in goldenen Buchstaben etwas geschrieben hatte. Der Buchrücken war kunstvoll verziert und auch die Buchstaben waren kleine Kunstwerke.
„Was ist das für ein Buch?", fragte ich und versuchte die goldene Schrift auf dem Buchdeckel zu entschlüsseln.
„Es erzählt die Entstehung von Mittelerde, wie wir sie kennen.", erklärte Dwalin und lächelte mir zu. Ich lächelte zurück und schlug vorsichtig die erste Seite des Buches auf. Das Blatt war an den Rändern vergilbt und die Schrift war kaum lesbar, aber ich liebte dieses Buch sofort. Nach kurzem Zögern reichte ich Balin das Buch.
„Könntest du mir vorlesen, was da steht?", fragte ich und mit einem Lächeln fing Balin an zu lesen.
Mit warmer Stimme erzählte er von einem uralten Schöpfer, der den Zwergen die Macht über die Erde und alle ihre Schätze gab, den Elben die der Luft, den Menschen die des Wassers und den Dunkelelben, von denen viele später Orks wurden, die Macht des Feuers. Während Balin vorlas, stellte ich mir bescheuerter Weise vor, wie Thorin als Schöpfer Mittelerde erschuf. Er schuf die Menschen und Elben, die Tiere und die Zwerge, die Berge und die Wälder und das Wasser und den leise flüsternden Wind. Und dann schenkte er all diesen Dingen, den vier größten Völkern der Welt und bewahrte so das Gleichgewicht.
Die Entstehungsgeschichte Mittelerdes von den Zwergen erzählt, war so ähnlich wie die der Elben im Buch 'Das Silmarillion', mit ein paar Abweichungen und mit anderen Namen der Valar, aber ansonsten kam mir vieles bekannt vor.
Balin war ein guter Vorleser und irgendwann gesellte sich auch Lea zu uns und lauschte Balins Erzählungen. Als er schließlich endete und das Buch zu klappte, lächelte ich. Mir war egal, ob diese Geschichte stimmte oder nicht, sie war einfach wunderschön.
„Ihr solltet jetzt weiter machen.", meinte Balin und ich und Lea nickten. Unsere Haare waren vom Feuer getrocknet worden und wir setzten uns wieder auf unsere Stühle. Nori stellte sich wieder hinter mich und begann wieder mit der ersten Bürste meine Haare zu kämmen. Ich schloss irgendwann die Augen und blendete alles aus, ließ Nori seine Arbeit machen und versuchte wieder zu entspannen. Es klappte auch ganz gut, bis Bifur mit irgendeiner neuen stinkenden Flüssigkeit ankam und anfing sie in meine schönen Haare zu schmieren. Ich hielt mir die Nase zu und schielte zu Lea, die wohl auch nicht so sonderlich begeistert über dieses Zeug zu sein schien.
„Wofür genau ist das gut?", fragte ich und hörte jemanden leise lachen. Da ich mir die Nase zu hielt, konnte ich dieses Lachen nur allzu gut verstehen, denn ich hörte mich an, als hätte ich gerade eine ganze Flasche Helium eingeatmet.
„Das bekommen unsere Kinder beim ersten Mal in die Haare, damit die Frisuren gut halten.", erklärte Gloin und kippte Lea noch mehr von diesem Zeug auf den Kopf.
„Das heißt, eure Kinder werden nicht gleich zum Friseur gebracht, wenn sie die ersten Haare bekommen?", fragte Lea und ich wusste sofort, dass die Zwerge nicht wussten, was ein Friseur war. Doch sie übergingen dieses Fremdwort und Bofur erklärte: „Nein. Es gibt eine Zeremonie am fünften Geburtstag eines Zwerges und an diesem Tag bekommt er seine erste Frisur."
„Ach so, und damit ihre Haare sich daran gewöhnen, schmiert ihr ihnen dieses Zeug in die Haare?", sagte ich und erntete dafür von Bifur ein Nicken.
„Wenn sie dann alt genug sind, wird eine weitere Zeremonie durchgeführt, und man nimmt sie in den Kreis der Erwachsenen auf. An diesem Tag bekommen sie eine neue Frisur und ihre Haare werden mit einem anderen Öl eingeschmiert. Die meisten behalten diese Frisur dann für immer, aber manche verändern sie auch immer mal", fuhr Bofur fort.
„Wie alt muss man bei euch sein, um als erwachsen zu gelten?", fragte Lea ängstlich und ich sah sie bereits mit rechts und links zwei Zöpfen und einem Schnuller im Mund.
„Fünfzig. Aber bei euch machen wir eine Ausnahme, da ihr Menschen seid und in eurer Welt bereits als ausgewachsen gilt.", sagte Nori und setzte sich in einen Sessel nah am Feuer.
„Ich weiß jetzt nicht, ob ich das eben als Kompliment oder als Beleidigung auffassen soll, aber was ich verstehe ist, dass ich Lea leider nicht mit einer Baby-Frisur sehen werde.", meinte ich und kurz darauf traf mich etwas von diesem stinkenden Zeug an der Wange.
„Das war für die Baby-Frisur.", rief Lea und ich wischte mir mit einem Lappen, den mir Balin reichte, die Wange ab.
„Okay, wir sind quitt.", sagte ich und blickte zu Lea hinüber, die etwa widerwillig nickte. Doch meine Aufmerksamkeit wurde von etwas anderem erregt, denn in diesem Moment kamen Kili und Fili mit zwei großen Tabletts, voll beladen mit Essen, rein. Ich wollte schon nach einer Sache greifen, als Kili mir auf die Finger schlug.
„Erst die Arbeit und dann das Vergnügen.", sagte er und ich zog beleidigt die Hand zurück.
„Sei doch nicht so streng.", zog Fili seinen Bruder auf und schob sich zwischen mir und Kili hindurch zu einem Tisch. Dass er dabei einen Apfel in meine Hand legte, fiel niemandem auf.
Bifur war fertig mit seiner Prozedur und dann kam als aller letzter noch Bofur. Auch er hatte so eine Art Öl dabei, nur das seins nicht schlecht roch und mich ziemlich stark an Honig erinnerte.
Es war der letzte Schritt und ich war erleichtert als wir endlich fertig waren. Während das Zeug in unsere Haare einzog, futterten wir uns durch das Essen, das Kili und Fili mitgebracht hatten und ich freute mich wieder einmal, nicht bei den Elben zu sein. Sie würden ihre Servierten mit Spitze raus holen und sich von Kopf bis Fuß in Folie einpacken, um ja nicht einen Fleck auf ihre kostbare Kleidung oder ihre tollen Haare zu bekommen. Bei den Zwergen konnte man mit Fingern essen, laut rülpsen und sich über die unanständigen Witze seines Tischnachbarn amüsieren. Denn Leute, diese Witze...solltet ihr niemals hören...
Wir saßen wahrscheinlich so zwei Stunden zusammen und redeten über dies und das, bis Ori vorsichtig eine Hand ausstreckte und Leas Haare berührte. Das Zeug, was auch immer es gewesen war, war eingezogen und unsere Haare waren wie durch ein Wunder trocken. Ich fuhr mit den Fingern durch ein paar schwarze Strähnen und ließ die butterweichen Haare durch meine Finger gleiten.
„Okay, was auch immer das für ein Zeug war, ich liebe es.", rief ich und grinste breit. Die Zwerge lachten, während ich weiter meine Haare streichelte, als wären sie mein bester Freund.
„Das ist ja der Wahnsinn.", murmelte Lea und strich über ihre Haare. Zum ersten Mal schienen sie nicht in alle Richtungen abzustehen und in sanften Wellen ihr Gesicht einzurahmen. Sie lächelte mir zu und zog an einer ihrer Haarsträhne, wie, um zu testen, dass sie nicht gleich ausfallen würden.
„Dann können wir ja jetzt anfangen.", meinte Kili und krempelte seine Ärmel hoch.
„Oh, vergiss es sofort wieder. Nur über meine Leiche lass ich dich an meine Haare ran.", meinte ich und legte schützend meine Hände auf meinen Kopf.
„Weshalb denn die Angst? Du kennst mich im Thema Frisuren doch gar nicht.", sagte Kili und schob wie ein kleines Kind die Unterlippe vor.
„Jaaa, aber ich kenne mich und das reicht.", fuhr ich fort und wich einen Schritt vor Kili zurück.
„Okay Lea, dann musst du mit mir klar kommen.", seufzte Kili und drehte sich zu meiner Freundin um, die kurz irgendwas von arme Haare und Glatze stotterte, sich dann aber geschlagen gab.
„Tja, dann musst du wohl mich nehmen.", flüsterte mir jemand ins Ohr und ich drehte mich zu Fili um, der mich angrinste. Ich wurde leicht rot und setzte mich dann aber ohne Widerworte auf meinen Stuhl zurück und schloss die Augen. Ich behielt meine Augen die ganze Zeit zu, während Fili vorsichtig meine Haare in mehrere Strähnen aufteilte und sie dann mit geübten Fingern in Form brachte. Es ziepte nicht einmal und ich hatte schon beinahe vergessen, dass Fili meine Haare machte, bis...
„Ich bin fertig.", sagte er leise und ich öffnete ein Auge um in die Gesichter der umstehenden Zwerge zu blicken. Alle schienen irgendetwas anderes zu denken, denn Nori guckte erstaunt, sein Bruder schien darüber nachzudenken, wie meine Haare wohl so geworden waren, wie sie jetzt sind, Bifur runzelte die Stirn und Bofur grinste breit. Ich machte das Auge wieder zu und stöhnte leise.
„Sehe ich schlimm aus?", fragte ich und hörte Lea lachen.
„Ja, ganz doll. Geht gar nicht. Deine Haare sehen viel zu schön aus.", meinte sie und ich riss die Augen auf.
„Das ist wirklich sehr gut geworden, Fili.", lobte Balin den jüngeren Zwerg und führte mich dann zu einem Spiegel, der ungefähr meine Größe hatte und an einer Wand hing. Ich biss mir auf die Unterlippe und schielte vorsichtig in den Spiegel. Meine Haare waren wunderschön geworden und mir klappte die Kinnlade runter als ich sie sah. Meinen Pony hatte Fili in drei Teile geteilt und ihn dann rechts und links an meinem Kopf vorbei geflochten. Sie wurden an meinem Hinterkopf von Schmuckschließen zusammen gehalten und alle drei Zöpfe waren in einer Linie miteinander verbunden. Die restlichen Haare waren in einen Fischgrätenzopf geflochten und reichten mir noch immer bis knapp zur Hüfte.
„Wow.", murmelte ich leise und strich sanft mit den Fingerspitzen über eine der Strähnen.
„Gefällt es dir?", fragte Fili, der etwas nervös neben meinem Stuhl stand.
„Ja, es ist toll.", antwortete ich und lächelte Fili zu.
„Normalerweise flechtet ein Zwerg seiner frisch angetrauten Frau die Haare, um ihr seine Liebe zu beweisen.", erklärte Balin und ich erstarrte.
„Oh Kili, du willst mir aber nicht gerade sagen, dass du mich liebst?", fragte Lea erschrocken den braunhaarigen Zwerg, der immer noch ein paar ihrer Haarsträhnen flechtete.
„Aber Lea, das war mein Anliegen bei der ganzen Sache", erklärte Kili erstaunt und sehr ernst und meine Freundin schluckte schwer.
„Das war ein Scherz.", rief Kili lachend und Lea stieß die Luft aus, die sie bis dahin angehalten hatte.
„Man ey, ich dachte schon...", murmelte sie und tat so, als würde sie sich den Schweiß von der Stirn wischen. Alle brachen in schallendes Gelächter aus und Lea wurde rot.
Ich hatte die ganze Szene im Spiegel beobachtet und ließ jetzt meinen Blick weiter über die anderen Zwerge schweifen, bis er bei Fili hängen blieb, der mich ebenfalls anguckte und dann schnell weg schaute als er bemerkte, dass ich ihn ansah. Er wurde leicht rot und ich lächelte in mich hinein.
„Okay, jetzt bin ich aber dran.", rief Lea und lief hinüber zum Spiegel, wobei sie beinahe hingefallen wäre, wäre Dwalin nicht gerade rein gekommen und hätte sie noch rechtzeitig aufgefangen.
„Immer schön aufpassen.", sagte der glatzköpfige Zwerg und stellte meine Freundin wieder auf die Füße.
„Ja, danke.", murmelte Lea etwas nervös und lächelte Dwalin kurz an. Dann lief sie zu mir und verpasst mir einen Klaps gegen die Schulter, weil ich angefangen hatte zu kichern. Als sie sich dann im Spiegel anguckte, blieb auch ihr die Spucke weg. Kili hatte die Haare hinter ihrem Ohr und ihren Pony in zwei Zöpfe geflochten und sie dann wie bei mir am Hinterkopf zusammengefasst. Eine einzelne Strähne aus ihrem Pony hatte er jedoch draußen gelassen und die fiel ihr in einem sanften Bogen in die Stirn. Ihre restlichen Haare waren offen und waren lediglich manchmal von kleinen Zöpfen untersetzt.
„Cool.", murmelte sie und beugte sich leicht vor, um sich genauer begutachten zu können.
„Tja Lele, dein Kompliment von vorhin kann ich nur zurück geben. Deine Haare sind viel zu schön und Kili ich hätte das da niemals von dir gedacht.", sagte ich lachend und deutete auf Leas Kopf. Doch während ich mich zu Kili umdrehte, sah ich Balin und Dwalin, die sich leise miteinander unterhielten und dabei nicht gerade glücklich aussahen. Ich wusste sofort, dass es um Thorin gehen musste, denn er war der Einzige, der nicht hier war. Ich versuchte angestrengt zu lauschen, doch die andern waren zu laut, sodass ich kein Wort verstehen konnte.
„Ich hab eine Idee.", rief ich und zog Lea zu einem kleinen Schreibtisch, der ganz nah bei Dwalin und Balin stand. Ich suchte in den Schubladen schnell nach einem Fässchen schwarzer Tinte und nahm dann noch eine Feder vom Tisch.
„Hinsetzten.", forderte ich Lea auf und sie setzte sich ohne ein Wort. Ich ließ mich neben sie fallen und schraubte das kleine Tintenfass auf. Ich hatte keine Ahnung, wie stabil die Tinte hier war und hoffte einfach das Beste.
„Hand.", sagte ich und Lea reichte mir ihre Hand. Ich legte sie mit der Handfläche nach unten auf den Tisch und tauchte dann die Feder in die Tinte. Mit gezielten Strichen malte ich ein Muster auf Leas Handrücken, das sich in feinen Schlangenlinien ihre Finger hochzog und dort Blumen bildete. Ich war eine Zeit lang ganz verrückt nach Henna-Tattoos gewesen und hatte mir dutzende Bilder aus dem Internet runter geladen und sie selber auf ein Papier und meine Hände gemalt. Niemand achtete auf mich und Lea und so spitze ich die Ohren und konnte endlich verstehen, über was sich Balin und Dwalin unterhielten.
„Er dreht völlig durch. Der Krieg, der vor unseren Toren herrscht, ist ihm völlig egal. Er denkt nur an das Gold, und wie er es noch weiter unten im Berg vergraben könnte.", flüsterte Dwalin und ich sah aus dem Augenwinkel, wie Balin enttäuscht seinem Bruder lauschte.
„Das heißt, nicht mal der Krieg kann ihn dazu bewegen, endlich etwas zu unternehmen?", fragte der weißhaarige Zwerg seinen Bruder und Dwalin schüttelte den Kopf.
„Das ist nicht mehr der Thorin, den ich einst kannte und respektierte. Er hat sich verändert.", murmelte er und legte seinem Bruder eine Hand auf die Schulter.
„Wir müssen etwas machen.", murmelte Balin und ich blickte zu Lea. Ihre Hand war fertig, nur musste ich dieses Gespräch weiter verfolgen. Auch Lea schien den beiden zu lauschen und griff ohne zu zögern nach der Feder und deutete auf den Tisch. Ich ließ sie machen und lauschte weiter.
„Er hat gedroht, mich zu töten.", flüsterte Dwalin.
„Sehr unwahrscheinlich, dass man da noch was machen kann."
„Wir müssen es wenigstens versuchen. Er ist unsere letzte Hoffnung, Dáins letzte Hoffnung, nicht vor unseren Toren für nichts zu sterben.", widersprach Balin und blickte seinen Bruder hoffnungsvoll an.
„Jemand müsste ihn wach rütteln, ihm zeigen, dass Gold nicht wichtiger ist, als das Leben seiner Brüder. Der ihm zeigt, dass er kämpfen muss.", murmelte Dwalin und ich sah förmlich, wie er sich den Kopf zermarterte.
„Aber wer? Wenn nicht mal du es schaffst, wer denn dann?", fragte Balin und blickte sich im Raum nach einer geeigneten Alternative um, bis sein Blick bei mir und Lea hängen blieb.
„Kein Zwerg wird dies jemals schaffen.", sagte Dwalin hoffnungslos, doch Balin war da anderer Meinung.
„Vielleicht kein Zwerg, aber ein Mensch.", murmelte er und deutete dann auf Lea und mich. Dwalin schien kurz verwirrt, doch dann nickte er und die beiden kamen auf Lea und mich zu. Sie nahmen sich beide einen Stuhl und setzten sich zu uns. Ich wollte schon etwas sagen, doch Balin hob die Hand.
„Ich weiß, das ihr alles gehört habt.", sagte er und warf mir einen wissenden Blick zu. Ich zog eine Grimasse und klappte den Mund wieder zu.
„Glaubt ihr, dass ihr uns helfen könntet, Thorin wieder zu dem zu machen, der er vorher war?", fragte Dwalin uns und ich schüttelte den Kopf.
„Eher nicht. Thorin und ich...verstehen uns nicht so sonderlich gut...", erwiderte ich und deutete dann mit einem Kopfnicken auf Lea, die gerade mit feinen Strichen eine Rose auf mein Handgelenk malte.
„Aber frag mal die, vielleicht kann sie euch helfen.", sagte ich und Balin und Dwalin wandten sich sofort an meine Freundin.
„Also?", fragten sie gleichzeitig und Lea blickte von meiner Hand auf. Ich sah Widerwillen in ihrem Blick und hatte das Gefühl, als würde sie kurz an etwas zurück denken, was vor kurzem passiert war.
„Ich...ich...", fing sie an und blickte in die hoffnungsvollen Gesichter der beiden Zwerge. Ich sah, dass sie mit sich rang, sah, dass sie drauf und dran war, nein zu sagen, doch sie konnte es nicht.
„Okay, ich versuch's. Aber wenn es nicht klappt, seid ihr mir was schuldig.", grummelte sie und zeichnete das letzte Blütenblatt. Dann legte sie die Feder auf den Tisch und stand auf.
„Wo ist er denn?", fragte sie und Dwalin erhob sich.
„Ich bring dich hin.", meinte er und ging Lea voraus aus dem Raum. Als die Tür hinter den beiden ins Schloss fiel, seufzte Balin leise.
„Ich hoffe nur, dass es funktioniert.", flüsterte er leise und ich erwiderte: „Das tun wir doch alle."
Ich betrachtete meine Hand. Lea hatte mir auf den Handrücken eine kunstvolle Uhr gemalt und diese mit Schnörkeln und Symbolen, die sie hier gesehen hatte, verziert. Die Zeiger waren kleine Blumen und um mein Handgelenk hatte Lea ein Armband aus Rosen gemalt. Auch auf den Ringfinger hatte sie eine Kette von Rosen gezeichnet und um die anderen Ranken, die von der Uhr aus in alle Richtungen wanderten. Die beiden Zeiger standen beide auf der Zwölf und ich hatte das Gefühl, Lea wollte mir damit eine Botschaft hinterlassen und sie hatte Recht.
Unsere Zeit war abgelaufen...
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Vier Bekloppte in Mittelerde
Hayran KurguVier Bekloppte schaffen es das Leben in Mittelerde komplett umzukrempeln. Sie halten den krassesten Typen für schwul, spielen ihm Streiche, zerstören eine komplette Frisur und schießen andauernd Selfies. Sie machen mehr kaputt, als irgendwie zu hel...
