Heinzelein-Bernd

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Franzi POV:
„Ich glaube, ich bekomme eine Panikattacke!", sagte Emmi und lief weiter im Kreis. Das tat sie schon eine Weile. Seit sie die Spinnen gesehen hatte. Diese riesigen Spinnen mit ihren schwarzen Augen und langen Beinen...wartet, das kann man noch besser beschreiben. Diese angsteinflößenden, tot bringenden Spinnen, mit ihren gefährlichen acht schwarzen Augen, die alle ins Leere zu starren schienen, und ihren langen behaarten acht Beinen, die sich im Einklang bewegten, um den fetten Körper mit dem unheilvollen rotorangenen Kreuz geradewegs zu ihrer Beute zu tragen. Kurzum, ich fand sie total cool.
„Man Emmi, wenn du weiter so rumrennst, bekomme ich kein gutes Foto hin.", fauchte ich, nachdem ich schon wieder ein verwackeltes Bild geschossen hatte. Emmi blieb stehen und da sah ich meine Chance. Ich visierte eine neue Spinne an, blieb einen Moment vollkommen ruhig und schoss dann das perfekte Foto.
„Bähm!", sagte ich und grinste.
„Okay, ich glaube ich muss...mich mal hinsetzten.", sagte Emmi, und ließ sich auf den Boden fallen. Ich ging zu ihr und hockte mich vor sie.
„Emmi, ganz tief durch atmen. Denk an Leggi, er wird hier auch jeden Moment auftauchen und diese Dinger platt machen. Also, ganz ruhig bleiben. Oder willst du wie Anne und Lele eingewickelt da oben an einem Baum hängen?", fragte ich und deutete auf die Bäume über uns. An den dicksten Ästen konnte man gerade so noch irgendwelche Dinger erkennen, die Kopfüber, wie ich wusste, in Spinnenweben eingewickelt hingen und nur darauf warteten, gerettet zu werden. Emmi wurde ganz blass und ich wusste, dass ich mal wieder das Falsche gesagt hatte.
„Franzi, wir müssen sie retten.", rief sie und wollte schon aufspringen, doch ich hielt sie zurück.
„Nein, das ist Bilbos Job.", erwiderte ich, doch Emmi zog nur eine Augenbraue hoch.
„Ich bezweifle, dass das er einzige Grund ist."
„Stimmt."
„Und was ist es dann?", fragte Emmi, doch ich hatte ihr jetzt keinen Bock zu erklären, dass ich Tauriel in den Arsch treten wollte, wenn ich sie sah. Und außerdem hatte ich Hunger.
„Komm, lass uns hier weg gehen. Am Ende entdecken sie uns doch noch.", sagte ich stattdessen und Emmi kicherte leise. Sie kannte mich halt zu gut. Ich half Emmi auf die Füße und dann machten wir einen Abgang.
„Ich finde es hier ja eigentlich ganz nett. Abgesehen von den Spinnen natürlich.", sagte Emmi, nachdem wir einen großen Abstand zwischen uns und die Spinnen gebracht hatten.
„Hmmm...", macht ich und warf ihr einen bedeutungsvollen Blick zu. Emmi wurde rot und jetzt kicherte ich.
„Was glaubst du, wie weit die wohl sind?", fragte sie dann und ich runzelte die Stirn.
Was genau wollte sie jetzt von mir?, überlegte ich. Emmi hatte meine Verwirrung wohl bemerkt, denn sie verdrehte die Augen und sagte dann ganz langsam: „Was glaubst du, was Bilbo wohl gerade macht? Ob die Zwerge schon frei sind? Oder ob er schon seinen Ring aufgesteckt hat? Oder..." Jetzt hatte ich sie verstanden und lächelte.
„Ich glaube, dass sie gerade...", doch weiter kam ich nicht, den ich hörte eine Geräusch, das sich anhörte wie ein Ast, der gegen einen Baum schlug. Und dann war es da. Dieses leise Zischen, dieses Geräusch, das nur ein Lebewesen in Mittelerde machen konnte. Nur leider war es nicht nur eins.
„Emmi, mach die Augen zu. Und die Ohren am besten auch gleich.", sagte ich und drehte mich schnell um. Ich hatte meinen Bogen gezogen, und spannte die Sehne mit dem Pfeil. Den Bogen hatte ich von Beorn bekommen und Kili hatte kleine Muster rein geschnitzt, obwohl er zu mir gesagt hatte, ich sei die Tochter eines Orks, nachdem er erfahren hatte, dass ich ihn nur verarscht hatte, als er mir gezeigt hatte, wie man Bogen schießt.
„Was ist los?", fragte Emmi mich und dann fiel ein dicker Ast vor uns auf den Boden.
„Bitte sag mir, dass das nicht das ist, was ich glaube, was es ist.", sagte Emmi und wich vor dem Ast zurück, als wäre er ein widerwärtiges Insekt, das sie gleich anspringen könnte.
„Naja...", fing ich an, doch da sah ich sie bereits. Mindestens zwölf riesige Spinnen, die sich geradewegs auf uns zu bewegten.
„PANIK!", kreischte Emmi und ihre Stimme schoss zwei Oktaven in die Höhe. Ohne zu zögern ließ ich die Sehne los und beobachtete wie die erste Spinne zusammenbrach, aus den Bäumen fiel und reglos am Boden liegen blieb.
„Volltreffer!", sagte ich und zog den nächsten Pfeil. Tja, der Zweite ging leider daneben. Diese Dinger waren wohl schlauer geworden.
„Emmi...jetzt können wir nur noch eines machen.", sagte ich und ging langsam rückwärts, bis ich vor meiner Freundin stand.
„Und das wäre?", fragte sie mich.
„Wir machen jetzt einen auf Leggi, okay?", fragte ich und griff nach Emmis Hand.
„Okay.", sagte sie und dann rannten wir los.
Der Boden war trocken und staubig, weshalb ich keine Sorge hatte auszurutschen. Nur leider...leider, leider...waren überall Wurzeln und Spinnenweben. Ich sprang über eine Wurzel und wollte einen Ast packen, doch ich bekam ihn nicht und blieb stattdessen in einem Netz hängen.
„Scheiße!", fluchte ich und zog mit aller Kraft an meinem Ärmel.
„Man Franzi, pass doch auf!", schnauzte mich Emmi an und schnitt mich mit ihrem Schwert los. Nur dass sie auch einen Stück von meinem Ärmel mit weg schnitt. Dann rannten wir weiter. Vorbei an riesigen Bäumen und weg von unseren Freunden.
„Okay, ich habe eine Idee.", sagte ich.
Ich war schnaufend stehen geblieben und hatte Emmi nur mit viel Mühe überreden...nein, mit viel Ziehen dazu bringen können ebenfalls stehen zu bleiben.
„Deine Ideen sind meistens nicht unbedingt die besten.", sagte Emmi. Auch sie schnaufte wie eine Dampflock und war rot im Gesicht.
„Okay, du rennst auf mich zu und ich schmeiß dich in die Luft!", sagte ich und stützte mich auf meine Knie.
„WAS? Wo hast du das denn er?", fragte Emmi.
„Hab ich mal in einem Film gesehen.", erwiderte ich und Emmi verdrehte wieder die Augen.
„Ich hab eine bessere Idee.", sagte sie nach einem kurzen Moment des Schweigens „Der Ast da ist tief genug. Wenn wir eine Räuberleiter machen, kommen wir da rauf."
„Okay.", sagte ich und hängte mir meinen Bogen, den ich während des Laufens die ganze Zeit in der Hand gehabt hatte, wieder über die Schultern.

*Ich hatte die Hände ineinander verschränkt und drückte gerade Emmi in die Höhe. Meine Freundin stand mit einem Fuß in meinen Händen und klammerte sich an den Ast.
„Hast du es?", fragte ich und dann war ihr Gewicht plötzlich weg. Ich blickte nach oben, und sah Emmi, die auf dem Ast lag und mir eine Hand entgegen streckte, um mich hoch zu ziehen. Ich wollte gerade danach greifen, als Emmi zu Seite sah und ein: „Oh, oh!", ausstieß. Von rechts sah man mehrere Spinnen auf uns zu kommen. Nein, sie krochen eher.
„Fuck!", rief ich und blickte dann wieder zu Emmi.
„Ähm...Planänderung! Du läufst über die Bäume und machst sie mit deinem Schwert fertig und ich...ich schieße die Dinger ab, die dir zu nahe kommen, okay?"
Emmi nickte und rappelte sich dann auf. Sie zitterte leicht, als sie ihr Schwert zog und ich warf ihr ein aufmunterndes Lächeln zu.
„Wir schaffen das!", sagte ich und Emmi wiederholte: „Wir schaffen das."
Dann rannten wir wieder los. Man, langsam wurde diese ganze Rennerei echt nervig. Ich zog Pfeil und Bogen und genau im selben Moment trafen Emmi und ich auf die Spinnen. Das, was danach kam, war nicht unbedingt sehr schön. Denkt euch ein riesiges Gemetzel mit zwei ganz normalen Mädchen und ein paar übergroßen Spinnen. Ihr könnt euch ja denken wer gewonnen hat, oder? Genau! Obwohl es extrem widerlich war und Emmi und ich bedeckt waren von gelbem Blut, apropos, wusstet ihr, dass Spinnen gelbes Blut haben?, saßen wir am Ende auf unerklärliche Weise auf dem Rücken von so einem Ding und ritten zurück. Was ich dazu noch sagen will, diese Spinne war eigentlich voll nett...und sie hatte keine andere Möglichkeit gehabt. Oh, und wir hatten sie Heinzelein-Bernd genannt. Also...
Naja, jedenfalls saßen wir da jetzt und, ja, wir trällerten ein Lied.
„Probier's mal mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit
jagst du den Alltag und die Sorgen weg.
Und wenn du
stets gemütlich bist und etwas appetitlich ist, dann nimm es dir egal von welchem Fleck.
Was soll ich woanders, wo's mir nicht gefällt?
Ich gehe nicht fort
hier, auch nicht für Geld.
Die Bienen summen in der Luft, erfüllen sie mit Honigduft,
und schaust
du unter den Stein, erblickst du Ameisen, die hier gut gedeih'n.
Probier mal zwei, drei, vier.
Denn mit Gemütlichkeit kommt auch das Glück zu dir!
Es kommt zu dir!
Probier's mal mit Gemütlichkeit,
mit Ruhe und Gemütlichkeit
vertreibst du deinen ganzen Sorgenkram. Und wenn du
stets gemütlich
bist und etwas appetitlich ist, dann nimm es dir egal woher es kam.
Na und pflückst
du gerne Beeren und du piekst dich dabei,
dann lass dich belehren: Schmerz geht bald vorbei!
Du musst bescheiden aber nicht gierig im Leben sein, sonst tust du dir weh,
du bist verletzt und zahlst
nur drauf, darum pflücke gleich mit dem richt'gen Dreh!
Hast du das jetzt kapiert? Denn mit Gemütlichkeit
kommt auch das Glück zu dir!
Es kommt zu dir!", sagen wir beide, und ja ich weiß, es passt so gar nicht in diese Situation. Naja, aber wir hatten Spaß, und Heinzelein-Bernd auch. Er wippte bei jedem Schritt und machte komische Geräusche, als ob er mitsingen würde. Zusammen summten wir noch eine bisschen die Melodie und dann waren wir da. Okay, so gut wie. Wir konnten die Zwerge erahnen, die gerade gegen Heinzelein-Bernds Freunde und Familie kämpften.
„Wir sind bald da.", sagte Emmi erleichtert und ich nickte. Noch ein kurzer Moment und dann...sackte Heinzelein-Bernd zusammen und Emmi und ich kullerten von seinem Rücken runter.
„Heinzelein-Bernd!", rief ich und rannte zu der übergroßen Spinne. Aus seinem Kopf ragte ein Pfeil und ich wusste genau, wer diesen Pfeil abgeschossen hatte.
„KILI! Du kleiner Schisser. Bist du eigentlich gehirnkrank, oder lebensmüde oder sonst was? Wie kommst du darauf einfach Heinzelein-Bernd ab zu knallen?", fauchte ich den braunhaarigen Zwerg an, der jetzt neben Emmi stand und sie schnell von oben bis unten musterte, um sicher zu sein, dass ihr nichts passiert war. Als er hörte, was ich gesagt hatte, riss er die Augen auf.
„Was?", fragte er und ich fauchte: „Du hast mich schon verstanden. Er war ein Freund!"
Kilis Kinnlade klappte runter, doch dann wurde sein Blick hart.
„Ich konnte ja nicht wissen, dass du dich mit dem Feind angefreundet hast, Franziska! Barzûl!", fauchte er und ich schnaubte.
„Komm mir jetzt nicht mit sowas, Kili! Wenn du mal die Augen aufgemacht hättest und nicht nur...keine Ahnung. Denk das nächste Mal nach.", schnauzte ich zurück.
„Wie wäre es eigentlich mal mit einem danke? Zum Beispiel: Danke Kili, dass du mir das Leben gerettet hast. Oder: Danke, ich kann verstehen, dass du dir Sorgen gemacht hast und mir nur helfen wolltest!", brüllte mich der Zwerg an.
„Das Leben gerettet? Nicht mal ansatzweise. Ich kann es dir ja nochmal sagen, damit es in dein kleines Hirn reinpasst. Heinzelein-Bernd war ein Freund!", brüllte ich zurück. Keiner von uns beiden achtete darauf, dass um uns herum immer noch die Fetzten flogen und Emmi mich mit diesem Muss-das-jetzt-sein-Blick anguckte.
„Konnte ich doch nicht wissen!", konterte Kili.
„Konnte ich doch nicht wissen.", imitierte ich seine Stimme und verdrehte dann die Augen. „Nachdenken, Kili!"
„Hört endlich auf!", brüllte Emmi jetzt neben uns und gleichzeitig drehten wir uns zu ihr um und sagten: „Misch dich da nicht ein!"
Dann drehten wir uns wieder einander zu, und feuerten Beleidigungen aller Art ab. Tja, und wir beide verletzten den anderen. Kili verletzte mich, in dem er meinte, ich wäre doch nur ein Mensch. Man, Leute, das hatte weh getan. Ich weiß, jetzt so hört es nicht so schlimm an, aber in den letzten Tagen hatte ich wirklich das Gefühl gehabt, dass Kili in mir mehr sehen würde als nur den Menschen. Und dann hatte ich etwas gesagt, was ich bis heute gerne zurück nehmen will.
„Kümmere dich lieber um deinen hässlichen Bart, als um MEINE Angelegenheiten."
Naja, und das hatte gesessen, denn Zwerge fühlten sich sofort beleidigt, wenn man auch nur ein falsches Wort über ihren Bart sagte. Und da besonders Kili sehr empfindlich in diesem Thema war, weil sein Bart nicht gerade dem Standard entsprach...ja...
Kili wich vor mir zurück. Seine Augen waren groß und spiegelten blanken Hass wieder.
„Hast auch mal daran gedacht, dass ich nicht wollte, dass dir etwas geschieht? Dass ich Angst um dich hatte? Nein, bestimmt nicht!", sagte er leise. Seine Stimme war eiskalt und schnitt mir ins Herz wie ein Messer. Ich konnte ihm keine Antwort geben, denn genau in diesem Moment ließ die Wut in mir nach, und ich spürte, wie mir eine Träne über die Wange rollte. Ich weiß, normale Mädchen würden sich jetzt weg drehen, das war auch mein erster Reflex, doch ich blieb stehen und hob den Kopf noch ein Stück höher. Mädchen durften weinen, Jungs aber nicht. Als Kili meine Tränen sah, wurde er ein bisschen blass. Ich wusste, dass er sich jetzt schuldig fühlte, weil er mich verletzt hatte.
„Franzi...", fing er an, doch er stockte. Seine Stimme war jetzt leise und verzweifelt, doch ich ging nicht drauf ein.
„Nein, daran habe ich nicht gedacht.", sagte ich, nachdem ich mich ein bisschen beruhigt hatte. Meine Stimme war schneidend und ich wischte mir die Träne weg.
„Es tut mir leid.", flüsterte Kili, doch auch das ließ mich kalt. Ich wandte mich von ihm ab und stolzierte weg.
Das letzte, was ich hörte, bevor ich mich in den Kampf stürzte, war Emmi, die zu Kili sagte: „Man Kili, jetzt hast du aber verkackt."
Ich schlug auf alles ein, was sich mir in den Weg stellte, um all meine Wut los zu werden. Als ich mich der nächsten Spinne widmete, schoss ein Pfeil haarscharf an mir vorbei. Nur, dass es nicht derselbe Pfeil war, wie vorhin. Er war schmaler, eleganter geschnitten und die Spitze war nicht aus grau-schwarzem Stein, sondern aus silbernem Metall, wie ich feststellte, als ich den Pfeil aus der jetzt toten Spinne zog.
Die Elben kommen! Endlich...

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Lyrics: Probier's mal mit Gemütlichkeit-Edgar Ott

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