Wie man Spiegelei macht...

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Lea POV:
„Hier ist der Tee. Passt auf, dass ihr euch nicht verbrennt. Er muss noch abkühlen."
Bilbo reichte mir eine Tasse, die sofort meine Hände wärmte, als ich sie entgegen nahm. Obwohl es draußen relativ warm war, frierte ich trotzdem, sodass der kleine Hobbit, gutmütig wie er war, sofort einen Tee machte und mir einen Haufen Decken brachte, in die ich mich auch sofort einkuschelte. Eigentlich war ich ja nicht so der Teetrinker, aber jetzt war er durchaus hilfreich. Dann setzte ich mich noch vor den alten Kamin im Wohnzimmer und mir wurde langsam wärmer. Ich hatte immer noch die Sportsachen vom Training an, woraufhin mich Bilbo manchmal neugierig von der Seite her ansah.
„Also, jetzt erzählt mal. Wie heißt ihr denn? Und wo kommst du her, wenn ich du sagen darf? Du siehst nämlich nicht so aus, als würdest du aus der Nähe stammen", fing dann Bilbo das Gespräch an. Ich lächelte ihm freundlich zu, soweit das in diesem absurden Umstand überhaupt klappte.
„Natürlich kannst du mich mit du ansprechen. Ich bin Lea und lebe eigentlich in Deutschland, eher gesagt am Rande von Berlin."
Der Hobbit runzelte nachdenklich die Stirn und schien zu überlegen. Doch nach einem kurzen Augenblick schüttelte er den Kopf.
„Verzeih mir, aber diese Gegend kenne ich nicht."
„Kein Problem. Das hatte ich mir schon gedacht. Hm...wie soll ich das erklären? Also, du lebst ja im Auenland. Das ist bei mir so ähnlich wie Deutschland und Berlin ist so wie Hobbingen, nur dass Berlin sehr beliebt ist und viele Leute dahin reisen wollen."
Bilbo nickte verstehend, fragte dann aber: „Wie kommt das, dass du nicht von hier kommst, aber so viel über meine Heimat weißt?"
Jetzt war ich es, die keine Antwort wusste. Ich könnte ihm ja jetzt nicht ernsthaft sagen, dass er eigentlich nur eine ausgedachte Figur war, von der ich mal in einem Buch gelesen hatte. Ich druckste etwas herum und lenkte das Gespräch dann schnell auf ein anderes Thema.
„Weißt du, wie spät es ist?"
Bilbo kramte in seiner Jackentasche und zog eine silberne Taschenuhr hervor.
„Kurz nach neun."
Ich nickte und nippte an meinem Tee. Dann muss Gandalf jeden Moment hier sein...
Der kleine Hobbit stand auf und legte noch einen Holzscheit nach, sodass das Feuer im Kamin knisterte und ein paar Funken in den Raum flogen.
„Ich geh mal nach draußen. Wenn du irgendwas brauchst, ruf nach mir."
Ich dankte ihm und nachdem er verschwunden war, grinste ich los. Heute wird sich also das Leben von Bilbo Beutlin komplett ändern...
Ich wickelte mich aus den vielen Decken aus und stellte die leere Tasse auf einen kleinen Tisch, der neben meinem Sessel stand. Dann lief ich zu einem kleinen runden Fenster und spähte hinaus. Gandalf war noch nicht zu sehen, müsste aber auch bald hier ankommen. Bilbo saß auf der mir allzu bekannten Bank und pustete Rauchringe in die Luft. Wenn ich mal die Chance dazu hab, will ich das auch mal ausprobieren. Nicht dass ich jetzt irgendwie gerne rauchen würde, aber das wär bestimmt schon cool, wenn man so wie Gandalf Schiffe oder so was aus dem Rauch machen könnte.
Ich sah mich etwas in dem Arbeits- und Wohnzimmer um. Über dem alten Kamin hingen drei Portraits und ich konnte mich dunkel daran erinnern, dass es irgendwelche Verwandten von Bilbo waren. Es gab ein großes, rundes Fenster vor dem ein Schreibtisch mit einer Bank und zwei Stühlen stand. Auf dem Tisch lagen viele Stapel Bücher und mehrere Pergamentblätter. Während ich eine Schreibfeder nahm und sie in meiner Hand hin und her drehte, überflog ich kurz die Titel der Bücher.
Die Abenteuer der Tuk's...Munkin's wunderbare Reisen durchs Wunderland...Der richtige Umgang mit...Steinen...? Okay, hier hat man wohl einen anderen Geschmack in Sachen „Bücher"...
Ich lief weiter in den Flur und blieb schließlich vor der berühmten, grünen Tür stehen. Ich stand auf einem bunten, weichen Teppich und über mir hing der Kronleuchter, an dem sich Gandalf immer den Kopf stieß. Vielleicht sollte ich Bilbo empfehlen, ihn heute Abend ab zuhängen. Wenn ich jetzt wirklich hier stand, fiel mir auf, dass Gandalf ein Riese sein musste. Vielleicht lag es auch nur daran, dass ich mit meinen 1, 45 Metern nicht sehr groß war. Wenn ich neben Anne stand, kam ich mir manchmal wie ein kleiner Gnom vor, da sie mit 1, 60 die Größte von uns war.
Klar, Bilbo war auch kleiner als ich, aber sogar ein paar Zwerge mussten größer als ich sein, wenn ich den Maßstäben im Film glauben sollte. Bei dem Gedanken daran, dass hier in ein paar Stunden dreizehn Zwerge auf der Matte stehen würden, wurde ich immer nervöser. Ich konnte das alles immer noch nicht glauben.
Ich bin hier, verdammt! Ich bin wirklich hier!
Ein dämliches Grinsen breitete sich auf meinem Gesicht aus. Wenn ich das den anderen erzählen könnte! Wie oft hatten wir vier uns vorgestellt, wie es wäre, einmal in Mittelerde zu sein. Oh ja, wenn Anne, Franzi und Emmi hier sein könnten, wäre das alles viel cooler. Und ich weiß noch nicht einmal, wieso ich hier bin oder ob ich einmal wieder nach Hause komme...
Stimmen von draußen schreckten mich auf und ich ging wieder zu einem Fenster, wobei ich fast eine Kerze umriss, die ich schnell wieder an ihren Platz stellte.
Als ich Gandalf das erste Mal sah, hätte ich einmal durch die ganze Hobbithöhle tanzen können, obwohl ich so miserabel im Tanzen war, wie kein anderer. Ich wollte unbedingt mit ihm sprechen, wollte jetzt aber auch nicht hysterisch kreischend, wie ein Fangirl raus rennen.
Der graue Zauberer stützte sich auf seinen Stab und redete auf Bilbo ein, der daraufhin wild mit den Armen in der Luft herum wedelte. Der Arme musste auch in den nächsten Stunden so viel aushalten, da durfte er sich auch mal über jemanden aufregen, wo er sonst immer so höflich war. Der kleine Hobbit nahm die Post aus seinem Briefkasten und wollte schon die Treppen zu seiner Höhle hoch gehen, als Gandalf noch einmal etwas sagte. Mitten in der Bewegung erstarrte er und drehte sich wieder zu seinem Gesprächspartner um. Ich wusste, dass er jetzt erkannte, wer da gerade vor ihm stand. Doch er war in diesem Moment so gar nicht so gastfreundschaftlich, wie es Hobbits immer nachgesagt wurde. Denn er drehte sich wieder um und lief schnell zur Tür. Gleich darauf wurde sie auch schon geöffnet, Bilbo trat herein, machte sie schnell wieder hinter sich zu und verriegelte sie. Ich sah ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an.
„Gibts Probleme?"
„Nur ungebetene Gäste", antwortete er etwas nervös und wuselte an mir vorbei ins Wohnzimmer. In diesem Moment erschien plötzlich ein großes, blaues Auge in dem Fenster, aus dem ich raus geguckt hatte. Ich erschrack füchterlich und stolperte ein paar Schritte zurück, sodass ich mir an der gegenüberliegenden Wand den Kopf anstieß.
„Aua! Fuck, das hatte ich ganz vergessen", murrte ich und rieb mir die schmerzende Kopfhaut, während ich Gandalf böse ansah, der mich wiederum anstarrte. Man ey, was glotzt dieser Opa so? Hab ich irgendwas nicht mitbekommen und der ist zum Stalker geworden?
Der Zauberer runzelte die Stirn und verschwand dann wieder. Ich atmete erleichtert aus und lief dann Bilbo hinter her. Dieser vergewisserte sich gerade, ob Gandalf wirklich weg war. Ich muss schon sagen, es ist nicht leicht ein Bilbo zu sein...
„Hast du Hunger?", fragte der kleine Hobbit schließlich.
„Geht so...", log ich. Ich hatte seit heute Morgen nichts mehr gegessen und hatte eigentlich einen Mordshunger, aber da ich bei anderen immer viel zu zurückhaltend war, lehnte ich meistens lieber höflich ab.
„Na, wir gucken einfach mal, ob wir etwas finden."
Ich nickte und wir liefen zusammen in die große Speisekammer, die, wie ich wusste, in ein paar Stunden völlig leer sein würde. Wir durchstöberten die Regale und entschieden uns schon einmal für Bratkartoffeln, die der Hobbit Tüfften nannte und Spiegelei. Plötzlich fuchtelte Bilbo mit dem Zeigefinger vor meinem Gesicht herum.
„Da fällt mir soeben ein. Ich war gestern auf dem Markt und hab zwei Forellen gekauft, die ich eigentlich heute zum Mittag machen wollte, aber ich hab die Zeit, bei dem schönen Wetter lieber draußen verbracht. Magst du Fisch?"
„Ja, klar. Das klingt gut."
Ich war zwar eher der Fleischesser, aber ab und zu aß ich auch mal Fisch, besonders Lachs zog ich vor. Bilbo zeigte mir die kleine Küche, die ich erstmal ausgiebig betrachtete.

*

„Okay, dann wollen wir mal anfangen", meinte ich und schob die Ärmel meiner Trainingsjacke bis zu den Ellenbogen. Dann sah ich den Hobbit erwartungsvoll an, der mir auch gleich Aufgaben verteilte.
„Gut, dann kannst du schon mal die Eier in der Pfanne machen, währenddessen bereite ich die Kartoffeln vor. Den Fisch müssen wir dann nur noch braten, da er schon ausgenommen wurde."
Ich nickte und machte mich an die Arbeit. Dass ich eher nicht so toll kochen konnte, verschwieg ich lieber. Ein paar Spiegeleier würde ich wohl noch hinkriegen.
Erstmal hatte ich überhaupt keine Ahnung wie ich diesen kleinen Mittelalterherd anmachen sollte, bis mir Bilbo ein Streichholz in die Hand drückte. Nachdem ich diese Hürde gemeistert hatte, nahm ich einfach Butter, statt Öl. Sowas gab es hier wohl noch nicht, aber die Butter reichte auch aus. Dann nahm ich die zwei Eier und schlug sie am Pfannenrand auf, sodass ich das Innere dann nur noch in die Pfanne schütten musste. Ich machte es sogar so schwungvoll, dass das Eigelb dabei nicht kaputt ging. Bilbo warf mir währenddessen immer wieder einen prüfenden Blick über die Schulter und gab mir ein paar Tipps, damit das Ei noch besser wurde.
„Und jetzt musst du es hochwerfen, sodass es sich in der Luft dreht, wie beim Eierkuchen, wenn du so etwas kennst?"
„Natürlich kenn ich Eierkuchen! Das hab ich fast jeden Tag gegessen als ich klein war. Und dazu noch Apfelmus...hmm lecker", kam ich ins Schwärmen und mein neuer Freund nickte grinsend.
„Okay, aber jetzt wieder zum Ernst des Lebens. Ich muss das jetzt hochwerfen, damit ich es umdrehen kann?"
„Genau, versuch's einfach!"
Ich stellte mich so hin, als wäre ich irgendein Sportler, der gleich den Ball in ein Tor werfen würde und atmete einmal tief durch. Dann zog ich die Pfanne mit einem Ruck nach oben, sodass die beiden Eier wirklich in die Luft flogen, nur leider in völlig verschiedene Richtungen. Panisch fuchtelte ich mit der Bratpfanne in der Luft herum, und bekam so wirklich eines zu fassen. Das andere landete irgendwo hinter mir. Naja, wenigstens eines! Ich stieß einen kleinen Triumphschrei aus.
„Bilbo, hast du das grad gesehen? Ich hab wirklich eins ge...", ich hatte mich, während ich sprach, zu dem Hobbit umgedreht, stoppte aber sofort, als ich ihn erblickte. Erst sah ich ihn etwas verdutzt an, dann breitete sich auf meinem Gesicht ein Grinsen aus, bis ich laut los lachte.
„Du hahahast da was!", gackerte ich und zeigte auf seinen Kopf, auf dem das Spiegelei gelandet war. Außerdem war dabei das Eigelb geplatzt, das ihm jetzt die Schläfe hinunter lief. Sein Blick, ey! Ich kann nicht mehr!
Ich hielt mir den Bauch, der schon vor lauter Lachen wehtat, während Bilbo wie ein begossener Pudel vor mir stand und mich leicht säuerlich ansah.
Nachdem ich mich halbwegs beruhigt hatte und Bilbo verschwunden war, um sich das Ei aus den Haaren zu waschen, fühlte ich mich irgendwie schuldig. Also machte ich das Essen fertig und packte dann alles auf zwei Teller. Auf den einen legte ich das verbliebene Ei für Bilbo, so zusagen als Entschädigung, dass ich ihn ausgelacht hatte. Dann balancierte ich die beiden Teller ins Wohnzimmer zu einem Tisch und es war wirklich ein kleines Wunder, dass ich dabei mal nicht stolperte oder irgendwas kaputt machte. Dann setzte ich mich schon mal auf den einen Stuhl und wartete auf Bilbo.
„Lea?", ertönte es dann gleich darauf aus der Küche.
„Ich bin hier", rief ich und schon kam ein Hobbit im bunten Morgenmantel und nassen Haaren ins Wohnzimmer. Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er sah, dass ich alles fertig gemacht hatte. Puh, er war mir also nicht mehr böse...
„Ich dachte schon, du hättest dich aus dem Staub gemacht."
Verwundert sah ich ihn an.
„Wo sollte ich denn hin? Ich würd mich hoffnungslos verlaufen!"
Und jetzt geh ich ganz bestimmt nicht, wo es doch gleich spannend wird...
Bilbo zuckte mit den Schultern uns setzte sich mir gegenüber. Er streute noch etwas Pfeffer auf die Kartoffeln und nahm dann das Silberbesteck in die Hand.
„Na, dann. Piep, piep, piep, wir haben uns alle lieb. Guten Appetit!", sagte ich begeistert, woraufhin mich der Hobbit anguckte, als hätte ich ein Rad ab. Ich winkte schnell ab.
„Ach, vergiss es einfach..."
Ich wollte mir gerade den ersten Bissen in den Mund schieben, als es laut an der Tür klingelte. Die Hand mit der Gabel stoppte kurz vor meinen Lippen und ich ließ sie langsam wieder sinken. Bilbo seufzte und stand auf.
Ich schluckte schwer und meine Hände fingen vor Aufregung an zu zittern.
Oh, Gott! Jetzt geht es wirklich los!

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt