...natürlich rein freundschaftlich

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Anne POV:
Er war hier. Elladan war hier!
Mein Herz raste und ich wäre am liebsten diesen beschissenen Wall runter gesprungen. Hatte er Mupfel mitgebracht und wenn ja, wo war er? Thorin stieg gerade die steinerne Treppe wieder hoch und schaute Bard hinterher, der sich bereits auf sein Pony gesetzt hatte und nun den Rückweg antrat. Nur Elladan saß etwas unschlüssig auf seiner Stute Niquesse und schaute zu mir hoch. Ich schaute zu Lea und Franzi und versuchte ihnen durch den Augenkontakt eine Frage zu stellen. Lea verstand mich und schüttelte wild den Kopf. Franzi war zu doof und zog bloß eine Augenbraue hoch. Sie machte das andauernd, wenn sie was nicht verstand oder skeptisch war. Ich versuchte es erneut und deutete mit einem Kopfnicken zu Elladan runter. Franzi schien einen aha-Moment zu haben, machte dann aber wieder ihr hä-Gesicht. Ich deutete nach unten und meine Freundin schielte über den Stein. Tja, und wie nicht anders zu erwarten, begann Franzi wild zu winken und brüllte: „Hallo, Elli!"
Emmi hatte sich den Namen ausgedacht und ich hasste ihn. Er hieß Elladan und nicht Elli.
„Noch auffälliger ging's wohl nicht, oder?", fragte Lea, denn alle Zwerge guckten jetzt zu dem armen Elben, der immer noch unentschlossen vor den Toren stand.
„Sorry, ich hatte mein Leuchtschild vergessen.", sagte Franzi und machte ein trauriges Gesicht.
„Was gibt es denn da zu gucken?", fragte Thorin, der es endlich die Treppe hoch geschafft hatte. Ich war echt begeistert, da er ja nicht nur seine wahrscheinlich hundert Kilo da hoch kriegen musste, sondern auch noch den Mantel und seine sonst noch so königlichen Sachen.
„Nichts.", sagte ich und stellte mich Thorin in den Weg, damit der nicht den armen Elli...äh, ich meinte Elladan zu Kleinholz verarbeitete.
Thorin wollte sich an mir vorbeischieben, doch gerade noch so rettete Bilbo mir den Arsch.
„Was tust du? Du kannst doch keinen Krieg führen.", sagte der kleine Hobbit und lenkte Thorins Aufmerksamkeit auf sich.
„Vom Hobbit gerettet.", flüsterte Lea mir ins Ohr und ich schnitt eine Grimasse. Ich schielte über das Steingeländer-Dings, wenn man das so nennen konnte, und gab Elladan ein Zeichen, dass er auf mich warten sollte. Er nickte und schenkte mir eines seiner unglaublich schönen Lächeln, die nur für mich bestimmt waren.
„Das geht dich nichts an.", antwortete Thorin und drehte sich zu Bilbo um.
„Entschuldige, aber falls du es noch nicht bemerkt hast, ein Elbenheer steht da unten vor dem Tor.", fing der kleine Hobbit an und jetzt wandten sich alle Zwerge zu ihm um.
„Ganz zu schweigen von hundert zornigen Fischern...Wir sind deutlich in der Unterzahl.", fuhr der Halbling fort und atmete ein paarmal tief durch, um sich wieder zu beruhigen.
„Nicht mehr sehr lange.", sagte Thorin und lächelte sein tolles, geheimnisvolles Lächeln.
Bilbo verstand nur Bahnhof...oder doch eher...Beutelsendhof? Naja, egal...
Er zog die Augenbrauen zusammen, öffnete den Mund, schloss ihn wieder, öffnete ihn noch einmal und machte ihn dann wieder zu. Und dann, beim dritten Mal, fragte er endlich: „Was soll das bedeuten?"
Thorin lächelte, ja er LÄCHELTE wirklich leicht und ging dann auf den kleinen Hobbit zu.
„Das heißt, Meister Beutlin, dass man Zwerge niemals unterschätzen sollte.", sagte der krasse King und legte dem Halbling eine Hand auf die Schulter.
„Wir haben den Erebor zurück...nun verteidigen wir ihn.", fuhr Thorin fort und richtete seine Worte an alle Zwerge...und auch an uns...denk ich Mal. Er drehte sich wieder zur Treppe und schritt langsam die Stufen hinab. Ich fragte mich gerade, warum er sich, nach dem Gespräch mit Bard die Mühe gemacht und wieder hier hoch gekraxelt war, als Lea mich an der Schulter packte und mich zu Franzi schob. Meine schwarzhaarige Freundin hatte sich, fragt nicht woher, ein Seil geschnappt, hatte es um einen Felsen gewickelt und es dann über die Mauer geworfen.
„Du musst los, sonst ist Elli weg.", sagte Lea und drückte mir das Seil in die Hand.
„Gib Elli ein Küsschen von mir...natürlich rein freundschaftlich...", meinte Franzi und ich schnaubte.
„Nein? Tja, dann geb ich ihm halt selber eins, wenn ich ihn mal wieder sehe.", fuhr Franzi fort und ich verpasste ihr einen Schlag gegen die Schulter...natürlich rein freundschaftlich.
„Man Leute, ich hab euch ganz doll lieb und ihr müsst mir versprechen, dass wir uns spätestens bei der Schlacht wieder sehn.", sagte ich und drückte meine Freundinnen ganz fest. Dann kletterte ich auf die Mauer und guckte kurz nach unten.
Tja, großer Fehler, wie sich heraus stellte.
„Du schaffst das.", ermutigte mich Lea und Franzi rief: „Ja, und wenn nicht, werden wir deine Überreste von den Steinen kratzen."
Ich hörte sie lachen, als ich vorsichtig die ersten Meter runter kletterte.
„Das ist nicht beruhigend.", brüllte ich nach oben und sofort endete das Lachen. Ich könnte mir vorstellen, dass Lea Franzi einen Schlag gegen die Schulter verpasst hat...natürlich rein freundschaftlich.
Ich schaffte es heil bis nach unten und winkte den beiden noch ein letztes Mal zu, bevor ich mich umdrehte und sofort Elladan gegenüber stand.
„Hallo.", flüsterte er leise und ich lächelte.
„Hey.", murmelte ich und dann zog Elladan mich in eine feste Umarmung.
„Ich hab dich vermisst.", hauchte er in meine Haare und ich vergrub mein Gesicht an seiner Schulter. Lächelnd atmete ich tief durch und wünschte mir einen Moment, dass die Zeit stehen bleiben würde. Zu schade, dass es sowas nicht gibt...
Elladan küsste mich sanft und griff dann nach meiner Hand.
„Komm, wir sollten los.", sagte er und ich folgte ihm zu Niquesse.
„Hey, Süße.", murmelte ich leise und streckte Niquesse meine flachen Hand entgegen. Die Stute beschnupperte sie und schnaubte dann leise. Ich streichelte sanft ihre Nase und klopfte ihr vorsichtig auf den Hals.
„Darf ich?", fragte Elladan leise und deutete auf den Sattel. Ich nickte zaghaft und er hob mich hoch um mich VOR den Sattel zu setzten. Ich war etwas beleidigt, da ich dachte, er würde, ganz Gentleman, mich im Sattel sitzen lassen, aber ich hatte mich wohl getäuscht. Dann stieg er selber auf, und plötzlich fand ich es gar nicht mehr so schlimm vor ihm zu sitzen. Elladan legte vorsichtig seine Arme um mich und griff nach den Zügeln. Ich lehnte mich gegen seine Brust und wusste, dass er lächelte. Wie lange hatte ich auf diesen Moment gewartet?
„Gut fest halten. Wir wollen ja nicht, dass du nochmal runter fällst.", flüsterte er und ich nickte. Vorsichtig griff ich in Niquesse Mähne und hielt mich an einigen Strähnen fest.
„Na, dann wollen wir mal.", murmelte Elladan und schnalzte leise mit der Zunge, damit Niquesse sich in Bewegung setzte. Langsam ging sie los, bis Elladan sie traben ließ und schließlich galoppierten wir über den sandigen Weg.
Als wir endlich an den Toren von Tahl ankamen, wo Thranduil gerade mit Bard redete, tat mein Hintern weh und meine Hände waren ganz verkrampft.
„Das mit dem Reiten müssen wir wohl noch üben.", meinte Elladan grinsend und ich nickte.
„Mit ihnen zu verhandeln ist müßig. Sie verstehen nur das Eine.", sagte Thranduil gerade und zog seine silbern schimmernde Elbenklinge. Ich wollte mir lieber nicht vorstellen, wie viele Gegner dieses Schwert bereits getötet hatte, also betrachtete ich Thranduils Hirsch. Sein braunes Fell schien einen unnatürlichen Glanz zu haben und das Geweih des prächtigen Tieres wirkte eher wie eine Krone, obwohl ich wusste, dass es auch töten konnte.
„Wir greifen bei Sonnenaufgang an.", sagte der Elbenkönig und drehte seinen Hirsch um. Langsam ritt er zurück zum Tor und rief noch über seine Schulter: „Seid ihr an unserer Seite?"
Ich wusste nicht genau, ob auch ich und Elladan damit gemeint waren, aber vorerst war es mir egal.
„Komm, ich will dir was zeigen.", flüsterte Elladan und zusammen mit Bard ritten wir durch das schmiedeiserne Tor, rein nach Tahl.
Die Häuser rund um waren zerstört und verbrannt und machten einen bedrohlichen Eindruck. Nicht einmal der Wind schien hier in den verlassenen Häusern leise sein Lied zu singen. Es war wahrlich Smaugs Einöde.
Je weiter wir jedoch vordrangen, desto lebendiger wurde die Stadt. Frauen liefen durch die Straßen, suchten nach Dingen, die nicht durch das Feuer verbrannt worden waren und verteilten Essen an die Alten und Kinder. Verletzungen wurden verbunden und Krankheiten bekämpft.
Die Männer trainierten mit dem Schwert oder redeten mit einigen Elben über diverse Kampftechniken, deren Namen ich noch nie gehört hatte. Elladan ließ Niquesse neben einem Brunnen halten und stieg dann ab. Vorsichtig half er mir runter und lachte, als ich leise stöhnte.
„Also, was wolltest du mir zeigen?", fragte ich und sah mich neugierig zwischen den ganzen Menschen um. Es freute mich, mal wieder von meines gleichen umgeben zu sein, und doch fand ich es schade, ich hatte mich gerade so an die Anwesenheit der Zwerge gewöhnt. An Thorins ruppige Befehle, an Kilis und Filis Durchgeknalltheit und an Balins...Oprichkeit?
„Komm, es ist da hinten.", sagte Elladan geheimnisvoll und zog mich mit sich Richtung...irgendwo.
„Okay...", sagte ich lang gezogen und folgte dem dunkelhaarigen Elb einige Straßen entlang und durch ein paar Gassen. Wir redeten mit ein paar Leuten, die uns begegneten und erfuhren eine ganze Menge. Zum Beispiel, das Thranduil ein riesen Idiot mit zu großem Ego war, was ich bereits wusste oder das keiner kapierte, was wirklich los war. Sie wussten, dass man sich auf einen Kampf vorbereitete, aber niemand glaubte wirklich an einen Krieg.
„Wir sind fast da.", meinte Elladan und zog mich um eine weitere Ecke und dann sah ich ihn. Mupfel.
Er war jetzt bestimmt so groß, wie ich und spielte mit den Kindern. Seine Augen waren riesig geworden und als er mich sah, jumpte er auf mich zu und tschipte ganz laut.
„Mupfel!", rief ich und legte meine Arme um den fetten Vogel, was nicht ging. Ich knuddelte ihn ganz doll und tätschelte ihm den Schnabel.
„Ich hätte nicht gedacht, dass du mal so groß wirst.", sagte ich und betrachtete Mupfel stolz.
„Euer Mupfel hier ist eine ganz seltene Art, die eigentlich vor mehr als zweitausend Jahren ausgestorben sein sollte.", erklärte mir Elladan und ich riss die Augen auf.
„Ehrlich?", fragte ich und Elladan nickte.
„Damals wurden solche Tiere für den Krieg ausgebildet. Die Gelehrten meinten, dass er auch noch nicht seine volle Größe erreicht hat und sich mit dem richtigen Training prächtig im Krieg machen würde.", fuhr Elladan fort und ich lächelte.
„Und offenbar lieben ihn die Kinder.", meinte ich und deutete lachend auf einen kleinen Jungen, der sich an Mupfels Flügel hochzog und auf seinen Kopf kletterte. Dann breitete er die Arme aus und drückte Mupfel.
Wir blieben noch ein bisschen bei Mupfel und den Kindern, doch irgendwann war es Zeit für's Essen und mein Magen verlangte schon seit ein paar Stunden nach Nahrung.
Wir gingen zurück zum Marktplatz, wo sich die Hauptlebensquelle der Menschen befand und suchten uns zwei Plätze. Die Frauen liefen umher und riefen einander Dinge zu, sie schienen wohl zu wenige zu sein. Ich griff nach dem Arm einer Frau, um sie zum Anhalten zu bringen und fragte: „Kann ich euch vielleicht helfen?"
Die Frau nickte lächelnd und ich schloss mir ihr an, um zu helfen. Erst nachdem die Sonne bereits unter gegangen und man die Feuer angezündet hatte, waren alle versorgt. Ich ließ mich neben Elladan fallen und schloss für einen Moment die Augen.
Als mir ein leckerer Duft in die Nase stieg, öffnete ich sie wieder und lächelte Elladan dankbar an, der mir eine Schüssel Suppe reichte.
„Ich bin sehr stolz auf dich.", murmelte er und ich wurde leicht rot. Schweigend löffelten wir unsere Suppe und als wir aufgegessen hatten, brachte Elladan mich zu einem großen Zelt etwas abseits, das denen von Thranduil sehr ähnlich war. Ich war zu müde, um zu fragen, warum er so ein Zelt hatte und ließ mich ins Innere führen.
Der Innenraum war von Kerzen erhellt und an zwei Wänden standen, zwei Pritschen. Ich ging zu einer hinüber und schlüpfte unter die Decke. Elladan kniete sich neben mich und strich mir vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
„Wieso bist du eigentlich hier?", fragte ich ihn das, was ich schon den ganzen Tag lang wissen wollte.
Er grinste und sagte: „Ich sollte etwas für Thranduil von meinem Vater überbringen und als ich dann mitbekam, dass er Ärger mit Zwergen hatte, wusste ich, dass du hier auch irgendwo sein musst und ich hab es sowieso fast nicht mehr ohne dich ausgehalten. Dann hab ich mich dem Elbenkönig angeschlossen und bin so bis hier her gekommen."
Ich lächelte glücklich und schloss dann die Augen. Ich war einfach nur froh, dass er wieder hier bei mir war.
„Ich liebe dich", meinte ich schläfrig und kuschelte mich weiter unter die Decke.
„Le melin. Fuin vaer, baneth.*", flüsterte er leise und küsste mir sanft auf die Schläfe. Mit meinen wenigen Elbisch-Kenntnissen, wusste ich nur, dass er irgendwas von gute Nacht oder so gesagt hatte.
„Schlaf gut.", murmelte ich und driftete ab ins Land der Träume.

*„Ich liebe dich. Gute Nacht, Schönheit."

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt