Warum alleine, wenn nicht zu zweit?

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Emmi POV :
Bevor wir den Düsterwald verließen, machte ich noch ein paar Bilder für meine Freunde. Auch wenn sie den Prinzen nicht leiden konnten, mochten sie doch den Wald an sich. Gut, abgesehen von den Spinnen, aber da war ich echt schlimm. Mit einer Spinnenphobie in einem Wald voller Spinnen aufwachen...echt super.
Langsam liefen wir den Weg entlang, den Gandalf vorgeschlagen hatte. Ich kannte mich in Mittelerde nicht so gut aus, also musste ich wohl oder übel auf den grauen Mann vertrauen. Sicher war ich mir zwar immer noch nicht, ob er wirklich Gandalf der Graue war, aber wenn ich nicht allein verrecken wollte, musste ich mit.
In den Filmen sah man ja immer, dass es so schönes Wetter war, ne? Pustekuchen, nix da! Es regnet und regnet. Kaum waren wir aufgebrochen, fing es an. Wenn ich mich nicht täuschte, liefen wir schon seit ein paar Stunden. Meine Haare klebten in meinem Gesicht und ich wünschte mir nichts sehnlicher, als wieder Zuhause zu sein, in meinem Bett und mit meinem Kater Pauli auf dem Schoß. Dem Magier jedoch klebten weder die Haare im Gesicht, noch war er am Zittern. Sein großer Hut hielt den meisten Regen von ihm ab und er trug so viel Stoff, dass ihm gar nicht kalt sein konnte. Auf der anderen Seite fragte ich mich, wie er im Sommer nur so viel Kleidung tragen konnte. Missmutig sah ich in den Himmel. Es schien nicht so, als würde der Regen bald aufhören.
Innerlich fragte ich mich, ob wir nicht mal Radagast einen Besuch abstatten könnten, damit er Sonnenschein herbei zaubern könnte. Diesen Gedanken verwarf ich jedoch schnell wieder. Als ob der Zauberer vor mir nur wegen ein „bisschen" Regen einen Umweg gehen würde, also lief ich still weiter.
In welcher Zeit bin ich eigentlich gelandet? Im Hobbit oder vielleicht in Herr der Ringe?
„Gandalf, welches Zeitalter haben wir eigentlich?", fragte ich ihn.
„2941. Warum fragst du?"
„Ähm...nur so."
Wusste ich's doch. Der ist auf dem Weg zu Bilbo und dann kommen die Zwerge, dachte ich und freute mich riesig darauf.
„Und wie lange dauert es, bis wir bei Beorn sind?", fragte ich ihn keine fünf Minuten später.
„Drei Tage vielleicht, wenn wir in diesem Tempo laufen."
„Okay.", antwortete ich und grinste vor mich hin. Der Regen prasselte weiterhin unaufhörlich auf den Boden. Der Himmel war grau gefärbt und der Regen nahm einem die Sicht. Normalerweise mochte ich Regen ja, aber dann war ich meistens zu Hause in meinem Zimmer und zeichnete oder schaute einen Anime.
„Schau, da vorne ist ein hohler Baum, da wird es trocken sein und wir können Rast machen", wies er mich an. Ich steuerte auf die alte Eiche zu und krabbelte hinein. Gandalf kam auch dazu und nun saßen wir nebeneinander. Der Zauberer kramte in seiner, genauso grauen Tasche und übergab mir etwas Brot. Ich bedankte mich und nahm es an mich. Wir aßen beide unser Brot auf und er bat mich, noch etwas zu schlafen.
„Wir werden nicht viele Pausen machen", hatte er noch gesagt. Ich tat dies und versuchte es mir in diesem Baum so gemütlich, wie möglich zu machen.
Langsam tauchte ich in das Land der Träume ein.

*

Nach viel zu kurzer Zeit wurde ich geweckt.
„Hey, Leute! Wisst ihr was, ich hatte gerade voll den komischen Traum, ich war in Mittelerde und Gandalf hat mich gefunden. Er wollte mich mit zu Beorn nehmen." 
„Das hast du nicht geträumt", sagte eine männliche Stimme.
Sofort war ich hellwach und sah in das lächelnde Gesicht des alten Zauberers. Och, ne...
„Wie jetzt? Das war Wirklichkeit? Ich bin nicht Zuhause?", fragte ich ihn sichtlich überfordert.
„Ja, so ist es", gab er zurück. „Komm, wir gehen weiter."
Ich folgte ihm an die frische Luft und streckte mich erstmal. Welch ein Wunder, dachte ich. Es hatte aufgehört wie aus Kübeln zu schütten und die Sonne strahlte leuchtend hell am blauen Himmel. Es war schon schön die Sonne wieder auf meinem Gesicht zu spüren. Ich schloss die Augen und genoss den Moment.
„Emmi, kommst du?", fragte mich der Alte aus einiger Entfernung. Ich öffnete erneut meine Augen und sah, dass Gandalf schon vorgegangen war. Ich rannte ihm also hinterher und ging nun neben ihm. Jetzt konnte ich die Landschaft begutachten. Es war sehr schön hier, grüne Wiesen, soweit das Auge reicht, selten sah man auch einen Baum und es war sehr ruhig. Kein Autolärm oder ähnliches. Wunderschön, ging es mir durch den Kopf.
Irgendwann wurde es langweilig, nur zu laufen und die Umgebung änderte sich auch nicht und Gandalf fing ein Gespräch an.
„Erzähl mir doch etwas über dieses Deutschland, ja?", bat mich der grau gekleidete Mann neben mir. Er schien bemerkt zu haben, dass mir langweilig wurde. Ich antwortete mit einem „Ja", und begann zu erzählen.
„Also, Deutschland ist ein Land und die Hauptstadt ist Berlin. Dort leben meine Freundinnen und ich. Ich glaube es gibt circa zweiundachtzigtausend Menschen, die dort leben. Es gibt viele Städte in Deutschland, genauso wie Dörfer. Um von einem Ort zum anderen zu kommen, reiten wir nicht mehr, sondern fahren Auto. Ein Auto ist eine Kutsche aus Stahl und fährt von alleine, auch ohne Pferde.
In Deutschland gibt es auch keinen König oder Königin mehr, sondern die Kanzlerin. Eine Vielzahl von Menschen ist unsere Regierung und das Volk darf mitbestimmen. Das nennt man Demokratie. Elben, Zwerge, böse Mächte und richtige Zauberer gibt es auch nicht. Das sind alles Fabelwesen und erfundene Figuren. Jedes Kind in Deutschland geht in die Schulen..."
Ich erzählte ihm noch eine Menge über Deutschland und kaum hatte ich meinen kleinen Vortrag beendet, redete ich weiter über meine Freundinnen. Wie sie so waren und so. Lange redete ich und es wurde langsam, aber sicher Abend. Erneut machten wir Rast und setzten uns. Wir aßen wieder etwas Brot und schliefen ein bisschen.
Die Sonne war nicht mal aufgegangen, da wurde ich schon wieder geweckt. Der Zauberer schmunzelte etwas, was man aber wegen dem langen Bart nicht sehen konnte. Ich gab nur ein Grummeln von mir und stand auf. Heute war der dritte Tag und wir würden bei Beorn ankommen...hoffentlich.
Wieder begann ich zu erzählen und Gandalf hörte mir zu. Mir fiel ein, dass ich ja die Kamera dabei hatte und machte sie an. Der übliche kurze Anmach-Sound war zu hören und der Zauberer sah neugierig über meine Schulter.
„Was ist das?", wollte er wissen.
„Das ist eine Kamera. Damit kann man Bilder machen, man drückt nur auf diesen Knopf. Außerdem kann man sich die Bilder danach auch noch angucken.", erklärte ich.
Die Augen des erstaunten, alten Mannes wurden größer und größer, schienen schon fast aus dem alten Schädel zu plumpsen. Dieser Anblick war einfach nur toll und ich musste laut los lachen. Irritiert sah er mich an, wusste aber, dass ich wahrscheinlich nur lachte, weil er so interessiert geguckt hatte.
Ich zeigte ihm ein paar Fotos von meinen Freundinnen und mir. Begeistert sah er zu, doch ein lautes Kreischen ließ uns aufschauen. Ein Ork erschien auf einem kleinen Hügel und hinter ihm zehn andere.
„Scheiße!", murmelte ich und Gandalf zog mich schnell mit sich. Für einen Mann seines Alters konnte er noch recht schnell laufen. Die Ork-Meute folgte uns. Zum Glück haben sie keine Warge, dachte  ich und lief schneller.
Meine Annahme bewahrheitete sich zum Glück und sie rannten nur hinter uns her. Die schnellsten waren sie jetzt nicht gerade, aber bis an die Zähne bewaffnet. Angst machte sich in mir breit und trieb mich weiter an. Neben uns waren ein paar Baumgruppen zu sehen und ich wurde dorthin gelotst. Im Lauf schnappte ich mir einen großen Ast der am Boden lag und versteckte mich hinter einem Baum. Gandalf tat es mir gleich und die Orks rannten an uns vorbei.
Drei von ihnen waren leider schlauer, als gedacht und sahen uns. Mit gezückten Waffen gingen zwei auf Gandalf zu und einer auf mich. Sofort schlug ich, wie eine Irre mit dem Stock um mich und hatte es auch irgendwie geschafft meinen Gegner zu entwaffnen. Sein verdutzter Blick war einfach zu schön, um wahr zu sein. Mit dem Stock prügelte ich wie eine Verrückte auf ihn ein. Na gut, ich war verrückt, aber ich meinte anders verrückt.
So gut es ging, versuchte ich den Stock in das stinkende Monster zu rammen und schaffte es schließlich auch. Ein Röcheln kam von ihm und Blut spritzte regelrecht aus seiner Kehle. Ich zog den Stock heraus und dort war ein großes Loch zu sehen.
Mein Blick huschte zu Gandalf, der mich dumm anstarrte. Er sah wahrscheinlich nicht alle Tage ein Mädchen aus einer anderen Welt, das einen Ork mit einem Stock zu Tode prügelte. Ich lächelte ihn an und sah die toten Orks um ihn herum. Kurz sah ich sie mir genauer an. Franzi hatte Recht gehabt, die sahen wirklich wie Bernd das Brot aus.
Ein Kreischen ertönte wieder. Die anderen Bernds schienen wohl auch gemerkt zu haben, dass wir nicht weg waren.
Wieder rannten wir los, doch dieses Mal liefen wir einen Sandweg entlang. Mein Atem ging stoßweise und ich riskierte einen Blick nach hinten. Die Monster verfolgten uns noch immer und schienen noch wütender zu werden. Sie hatten selbst gemerkt, dass wir drei ihrer Kameraden besiegt hatten.
Wir rannten und rannten und sie wollten einfach nicht locker lassen. Warum? Ich bin doch noch nicht lange hier und dann kommen gleich Orks?, fragte ich mich, doch für mehr Gedanken blieb keine Zeit, denn ich musste mich aufs Laufen konzentrieren.
Wie lange wir liefen? Keine Ahnung, ich hatte das Zeitgefühl verloren. Jedenfalls war die Sonne nicht mehr an ihrem Höchststand.
Meine Kräfte schwanden und ich wollte einfach nur noch sitzen und Pause machen. Innerlich schloss ich auch schon mit meinem Leben ab. Doch dann erschien am Horizont eine kleine Hütte. Dies war mein neuer Ansporn. Wenn wir diese Hütte erreichten, wären wir in Sicherheit. Höchstwahrscheinlich war das Beorns Hütte und das hieß, ein Platz zum Schlafen und etwas Warmes zu Essen.
„Gandalf... Ist das da vorne... Beorns Hütte?", fragte ich unter viel schnaufen und Luftholen.
„Ja", gab er nur knapp zurück und wir liefen weiter. Wir näherten uns der Hütte und auf einmal blieben die Orks stehen. Verängstigt machten sie kehrt und verschwanden recht schnell. Erleichtert atmeten der Zauberer und ich aus, bevor wir nachschauten, vor was sie weggerannt waren. 
Vor uns stand ein Riese, kein richtiger Riese, aber dieser Mann war sehr groß und er hatte die krassesten Augenbrauen, die man sich vorstellen konnte. Und ich fand Gandalfs Augenbrauen schon so toll, aber Beorns übertrafen seine um Längen. Der Hautwechsler musterte uns misstrauisch, erkannte dann aber den alten Mann, mit dem ich gekommen war.
„Seid gegrüßt, Beorn", begrüßte Gandalf ihn und er grüßte zurück. Dann musterte mich Beorn von oben bis unten. Er fand meine Kleidung wahrscheinlich sehr seltsam.
„Wer ist das?", wollte er mit rauer Stimme wissen.
„Das ist Emily. Ich bin mit ihr auf dem Weg nach Bree, wollte euch aber fragen, ob wir für ein paar Tage bei euch bleiben könnten.", erklärte Gandalf. Beorn nickte und grummelte etwas von: „Wie viel Besuch bekomme ich denn noch?", und ging vor. Ich bemerkte erst jetzt, dass wir schon sehr nahe an dem Haus waren, denn wir brauchten nur circa zehn Minuten, bis wir ankamen. Der große Mann bat uns hinein und betraten die Hütte. Drinnen roch es nach Essen und es war sehr gemütlich eingerichtet. Wir setzten uns an den Tisch und Beorn quatschte etwas mit Gandalf. Währenddessen sah ich mich etwas in dem Raum um. Auf einer Leine hingen eine Jogginghose und ein T-Shirt. Sehr verdächtig..., dachte ich, bevor ich eine Türklinke hörte. Nackte Füße patschten auf den Holzboden und ein Mädchen betrat den Raum. Ich musste nicht lange überlegen, um sie zu erkennen.
Sofort sprang ich auf und fiel besagter Person um den Hals.
„Emmi!", rief sie und wir umarmten uns glücklich. Wir fingen dann beide gleichzeitig an zu reden: „Gott ich hab dich so vermisst, du glaubst gar nicht, was alles passiert ist!", sagte Franzi. Ich erwiderte nur: „Das glaub ich dir sofort, aber du musst dir anhören, was ich erlebt habe und übrigens coole Klamotten."
Sie lachte und wieder umarmten wir uns. Gandalf meinte, dass wir uns viel zu erzählen hätten und im Nebenraum reden und essen könnten, während er etwas mit Beorn besprach. Er sagte auch, dass Franzi uns begleiten sollte und ich nur von ihr erzählt hätte. Verwundert meinte sie, dass es sehr seltsam wäre, wenn ich mit ihm so viel geredet hätte, da ich auf Fremde nie wirklich zuging. Ich bedachte sie mit einem Gandalf-ist-gar-kein-Fremder-ich-kenne-ihn-wahrscheinlich-besser-als-er-sich-selbst-Blick und wurde etwas rot. Beorn reichte uns zwei Schüsseln und wir gingen in den Nebenraum. Dort setzten wir uns ins Stroh und erzählten, was passiert war. Ich erzählte von meiner Flucht vor den Orks, dem Kampf mit dem Stock und wie Beorn uns gefunden hatte. Im Anschluss zeigte ich ihr die Kamera mit den Bildern vom Düsterwald. Wir wollten uns den unbedingt mal von innen ansehen. Im Kampf gegen den Ork hatte ich die Kamera voll vergessen und nahm mir vor beim nächsten Mal ein Bild zu machen.
Wir redeten noch den restlichen Tag, bis Gandalf uns auftrug, schlafen zu gehen, da wir morgen früh raus mussten.
Na toll, wieder kein ausschlafen aber naja, dafür bin ich in Mittelerde!

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt