Anne POV:
Das Wasser plätscherte leise vor sich hin und die Sonne wärmte meine Haut. Lailany erzählte irgendwas von Sitten, Gebräuchen und... Salaten.
Wusstet ihr, dass es hier in Bruchtal über zweihundertfünfzig verschiedene Salatsorten gab? Naja, für mich erschien einfach alles grün.
„Anne, Anne, Anne, hast du mir überhaupt zugehört?", quatschte Lailany in meinen Tagtraum rein.
„Klar, du hast mir gerade von der königlichen Familie und ihren Lieblingskarotten erzählt.", sagte ich und im selben Moment wusste ich, dass ich irgendwann eingeschlafen sein musste, denn Lailany rastete richtig aus. Wenn man das bei einer Elbin überhaupt sagen konnte.
„Wie bitte? Das habe ich dir vor ungefähr zwei Stunden erzählt...", fauchte Lailany empört, aber ich hatte sie schon wieder verdrängt. Das war das Gute bei Elben, ihre Stimmen ähnelten so sehr der Natur und waren so warm, dass man sie schnell für Wind oder irgendetwas anderes halten konnte.
Können Stimmen der Natur ähneln?, überlegte ich und bemerkte wie Lailany sich die Haare raufte.
„Was hast du gesagt?", fragte ich und sie blieb stehen. Sie war...keine Ahnung wie ich es beschreiben sollte, aber sie sah aus als würde sie gleich platzen. Ich schielte zur Uhr, die auf dem Tisch stand und schätze, dass unsere gemeinsame Unterrichtsstunde jetzt vorbei war.
Das Lesen von Uhren hatte ich als aller erstes gelernt und das war auch das einzige, was ich seitdem behalten hatte.
„Okay, wenn du mir jetzt nichts weiter zu sagen hast, was hoch wichtig ist, geh ich jetzt, in Ordnung?", fragte ich, stand auf und verließ, ohne auf eine Antwort zu warten, den kleinen Raum, den die Elben hier wohl als Klassenzimmer nutzten.
„Anne!", hörte ich hinter mir jemanden rufen und als ich mich umdrehte wurde ich beinahe von drei klei-nen Elben umgerannt, die sich auf mich stürzten und gleichzeitig anfingen zu reden.
„Herr Elrond hat gesagt,...", „Kommst du mit, wir wollen...", „Anne, Anne, Anne! Der...", riefen sie durchei-nander und ich konnte nur Bruchstücke von dem verstehen, was sie eigentlich von mir wollten.
„Halt, halt, halt. Jetzt noch mal ganz langsam, was wollt ihr machen?", fragte ich und kurz holten die drei gleichzeitig Luft, um gleich darauf wieder alle los zu quatschen.
„Haben wir doch gerade gesagt, wir wollen...", „Ihr müsst besser zuhören,...", „Wir wollen in...", kam es von allen Seiten und ich musste beinahe schreien, damit die drei endlich aufhörten.
„Okay! Nenya, sag mir, was ihr machen wollt.", forderte ich die Jüngste der drei Elbenkinder auf und dann verstand ich endlich, was sie vorhatten.
„Wir wollen in den Wald, es ist so schönes Wetter und uns ist so langweilig. Herr Elrond hat gesagt, dass, wenn uns ein Erwachsener begleitet, wir gehen dürfen. Und dann haben wir ihn gefragt ob wir auch euch fragen dürfen, ob ihr mitkommen wollt, und Herr Elrond meinte, dass es okay wäre, also kommt ihr mit?", sprudelte die kleine Elbin hervor und ich überlegte, ob sie das alles in einen Satz gequetscht hatte oder irgendwann mal Luft geholt hatte.
„Klar komme ich mit. Ich muss nur noch kurz etwas hohlen.", sagte ich und musste lachen, als die drei mich umarmten und dann davon sprangen. Schnell ging ich zu meinem Zimmer, und holte meine Bratpfanne aus einer Schublade, nur zur Sicherheit. Ich stopfte sie in eine Tasche und lief dann zurück zu den dreien, die schon ganz aufgeregt waren. Als sie mich kommen sahen, sprangen sie davon und ich musste wieder lachen.
Ich folgte ihnen und musste im selben Moment an meine drei Freundinnen Lea, Emmi und Franzi denken. Franzi wäre wahrscheinlich mit ihnen um die Wette gerannt, auch mit Kleid. Lea wäre langsam neben mir hergegangen und würde den Saum ihres Kleides so hoch halten, dass man ihre Schuhe sehen konnte, alleine, damit sie nicht stolperte und Emmi wäre bestimmt alle zwei Meter stehen geblieben, weil sie nicht glauben könnte, dass mir hier in Mittelerde wären. Ich lächelte traurig, wurde aber mit einem Ruck wieder aus meinen Gedanken geholt. Naja, es war eigentlich eher ein Schlag als ein Ruck, aber egal. Jedenfalls, hatte ich gerade Bekanntschaft mit einem ziemlich dicken Ast geschlossen, auf den ich auch gut hätte verzichten können. Stöhnend rieb ich mir die Stirn und wusste sofort, dass ich morgen eine Beule haben würde.
„Anne, wo seid ihr?", hörte ich Nenya rufen und im nächsten Moment stand sie neben mir.
„Oh, habt ihr euch den Kopf gestoßen?", fragte sie.
„Die Äste sind hier wirklich sehr tief, da muss man sich schon mal ducken.", fuhr sie fort.
„Ach wirklich? Man, ich dachte, ich könnte wie ein Schlossgespenst einfach durch den Ast hindurch schweben.", sagte ich und machte dazu passende Bewegungen mit den Armen. Anilaya grinste und hüpfte davon.
„Duckt euch das nächste Mal!", rief sie noch, dann war sie weg. Brummend lief ich weiter und rieb mir die schmerzende Stelle an meinem Kopf. Ich folgte dem Lachen der drei Elben und blieb plötzlich abrupt stehen. Neben mir hatte sich etwas bewegt. Ich drehte mich nach rechts und starrte auf einen Busch, von dem ich wetten könnte, dass er sich eben bewegt hatte.
War wahrscheinlich nur ein Tier, überlegte ich und ging weiter. Auf einer Lichtung, über die ein kleiner Bach floss, blieb ich stehen und setzte mich ins Gras. Wieder bewegte sich neben mir etwas.
„Ich weiß, dass du da bist also komm raus.", rief ich und dann trat plötzlich ein Elb auf die Lichtung. Er hatte braune Haare, braune Augen und hatte etwas an sich, was mich an jemanden erinnerte. Genauer gesagt, an einen gewissem Herrn von Bruchtal. Er deutete eine Verbeugung an und lächelte mir süffisant zu. Dann bewegte sich etwas neben mir und erschrocken blickte ich dort hin. Genau derselbe Typ, mit genau denselben Haaren, genau denselben Augen und genau denselben Klamotten, deutete ebenfalls eine Verbeugung an und lächelte genau dasselbe Lächeln.
„Hä?", stieß ich erst total verständnislos hervor.
„Okay..., ich denke, meine Begegnung mit dem Baum, war doch gravierender als ich dachte.", überlegte ich laut und erhob mich wieder. Langsam ging ich rückwärts und beobachtete die beiden aus dem Augenwinkel. Am Rande der Lichtung schob ich mich schnell zwischen zwei Büsche, drehte mich dann um und rannte mit voller Wucht gegen den nächsten Baum.
„Autsch!", sagte ich und rieb mir die Stirn. Scheiß Bäume, dachte ich und streckte dem Übeltäter die Zunge raus.
„Die Bäume haben hier Augen und ein Herz, genauso wie ihr. Ihr habt ihn gerade beleidigt.", sagte jemand hinter mir und als ich vorsichtig über meine Schulter schielte, stöhnte ich genervt auf. Jetzt redete der auch noch!
„Geht weg, ihr seid nur Hirngespinste. Ich hab mir den Kopf wohl ziemlich doll...", sagte ich und schrak zurück, als einer der beiden plötzlich die Hand ausstreckte.
„Finger weg, ich habe eine Bratpfanne.", fauchte ich und zog meine Pfanne aus der Tasche. Wieso hatte ich das nicht schon früher gemacht? Drohend fuchtelte ich mit dem Ding vor mir herum und ging einen Schritt rückwärts, woraufhin ich gleich nochmal gegen einen Baum prallte.
„Ach, fuck!"
„Entschuldigt, wenn wir euch erschreckt haben, das war nicht unsere Absicht. Mein Name ist Elladan und das ist mein Bruder Elrohir.", sagte der Rechte und ich hätte ihm am liebsten einen Vogel gezeigt, als mir plötzlich etwas einfiel, und ich in lautes Gelächter ausbrach. Elladan und Elrohir waren die beiden Söhne von Elrond was ja allgemein bekannt war! Wie konnte ich nur so blöd sein?
„Habe ich etwas falsches gesagt?", fragte der Eine, bei dem ich schon wieder vergessen hatte, wer jetzt wer war. Schnell winkte ich ab. Ich stützte mich auf meine Bratpfanne und legte eine Hand auf den Baum.
„'Tschuldige...", schnaufte ich und versuchte mich wieder zu beruhigen. „Freut mich euch kennen zu lernen, mein Name ist Anne!" Elladan und Elrohir nickten und lächelten beide das gleiche Lächeln.
„Sollen wir euch mit zurück begleiten?", fragte Elrohir, aber ich schüttelte den Kopf. Oder war das Elladan? Ach, keine Ahnung...
„Ich muss noch ein paar Dinge erledigen, erst dann werde ich zurückgehen.", sagte ich und wollte schon gehen, als sich einer der beiden, ich glaube, Elladan, räusperte. Ich drehte mich wieder zu ihm um und zog eine Augenbraue hoch.
„Ja?", fragte ich.
„Falsche Richtung..."
Ich wurde hochrot und lief in die andere Richtung.
„Es wäre mir eine Ehre wenn ich euch begleiten dürfte. Dieser Wald birgt viele Gefahren.", sagte Elladan und ich musste schnauben. In diesem Wald gab es genauso viele Gefahren wie in einem rosa Wattetraum, was hieß GAR KEINE!
„Warum nicht?", sagte ich, zuckte mit den Schultern und ging weiter. Elladan folgte mir auf dem Fuße und ich hatte beinahe das Gefühl, dass er mich verfolgen würde. Und zwar überall hin.
Wir liefen eine Weile nebeneinander her, bis jemand von rechts aus einem Gebüsch auf Elladan zusprang und ihn fast umriss.
„Herr Elladan! Ihr seid wieder da, es war so langweilig ohne euch.", hörte ich eine Stimme quieken und Elladan lachte.
„Ich freue mich auch, dich wieder zu sehen, Nenya.", sagte Elladan und lächelte der kleinen Elbin zu.
„Ihr habt Anne schon kennen gelernt? Sie ist ein Gast eures Vaters und sie ist sehr nett.", schwärmte Anilaya und ich merkte wie mir die leichte röte ins Gesicht stieg.
„Du übertreibst.", sagte ich und bemerkte wie Elladan mich von oben bis unten musterte.
„Ich glaube, mein Vater hat ein sehr gutes Einschätzungsvermögen, wenn es um Menschen geht.", sagte er einschleimend und ich bekam auf einmal, ganz plötzlich einen extremen Hustenanfall.
„Geht es euch nicht gut?", fragte Elladan.
„Mir geht's gut.", sagte ich und musste mich abwenden, damit Elladan nicht merkte, wie ich die Augen verdrehte.
„Nenya, wo sind denn die anderen? Es müsste bald Essen geben.", sagte ich und sah Anilaya fragend an und schon war sie wieder weg.
Keine zehn Minuten später waren wir auf dem Weg zurück.
In Bruchtal lief ich auf mein Zimmer und verstaute meine Pfanne wieder in der Schublade. Dann nahm ich mir ein Buch und setzte mich auf mein Bett.
Keine dreißig Sekunden später schlug ich das Buch wieder zu und starrte an die Wand.
Warum sind Prinzen nur so komisch?, dachte ich und schloss die Augen.
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Vier Bekloppte in Mittelerde
Hayran KurguVier Bekloppte schaffen es das Leben in Mittelerde komplett umzukrempeln. Sie halten den krassesten Typen für schwul, spielen ihm Streiche, zerstören eine komplette Frisur und schießen andauernd Selfies. Sie machen mehr kaputt, als irgendwie zu hel...
