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Zwei Verrückte und eine Verfolgung

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Emmi POV:
„Ach", seufzte ich und ließ mich auf dem kalten Boden nieder. Die Sonne hatte uns schon lange verlassen und der leuchtende Mond strahlte mit seinem kaum wahrnehmbaren Licht auf uns herab. Meine drei Freundinnen machten es mir nach und nun hockten wir zu viert auf der kühlen Erde, während der undankbare Zwergenkönig irgendwelche Befehle von sich gab.
„Kili, Fili und Bombur, ihr kümmert euch um das Essen, der Rest baut ein Lager auf.", rief er den anderen zu. Uns interessierte das reichlich wenig, weshalb wir einfach sitzen blieben und in die Ferne starrten, also ich zumindest. Hoffentlich meinte er uns nicht, auch mit dem Aufbau des Lagers, wir waren fix und alle. Doch zu früh gefreut, denn gerade als wir 'ne Runde quatschen wollten, kam dieser Stinkstiefel an getrampelt und baute sich in seiner vollen „Größe" vor uns auf.
„Müssen wir etwa auch beim Lager helfen?", maulte Franzi direkt los, doch die Antwort verblüffte uns.
„Nein, müsst ihr nicht."
Als sich dann aber noch ein hinterhältiges Grinsen auf sein Gesicht schlich, rutschte uns das Herz in die Hose.
„Ich habe eine viel bessere Idee: Ihr vier werdet Holz für ein Feuer sammeln gehen und an eurer Stelle würde ich mich beeilen, denn ohne Holz können Bombur, Kili und Fili nicht kochen.", sagte er, doch sein Grinsen verging ihm nicht. Franzi neben mir stieß einen erschrockenen Laut aus und schlug sich die Hände vor den Mund, bevor sie begann Lea, welche ebenso neben ihr saß, wie verrückt durchzuschütteln.
„Wir müssen jetzt sofort Holz holen!!!!!", brüllte sie rum und wir versuchten sie zu beruhigen, was aber so gut wie gar nicht klappte. Bei Essen verstand sie keinen Spaß mehr.
Spöttisch wies Thorin in die Richtung eines alten, dunklen Waldes, der irgendwie gruselig rüberkam, aber ich fand das toll, nur die anderen nicht.
„Müssen wir da wirklich rein?", versuchte sich Anne aus der Affäre zu ziehen, doch Thorin und Franzi waren unbarmherziger denn je.
„Ja!", sagten beide und Anne ließ den Kopf hängen.
„Also gut Leute, auf geht's, sonst flippt Franzi noch richtig aus.", bestimmte ich und lief als erstes in den Wald hinein.
„Man Emmi, du weißt, dass du die einzige bist, die so'ne Sachen mag, mach das doch allein.", nörgelte Lea, jedoch lief sie schnell zu mir, da Thorin mal wieder seinen Todesblick aufgesetzt hatte.
„Haha, ihr hättet eure Gesichter sehen sollen, wie ängstlich ihr wart!", lachte ich vor mich hin, als ich mir den Bauch hielt.
Beleidigt verteidigte sich Lea: „Kann ja nicht jeder einfach so in einen dunklen Wald latschen und somit Thorins Todesblick entkommen..."
„Doch kann jeder, man muss es nur wollen", antwortete ich ihr mit dummen Grinsen im Gesicht und wir gingen weiter.

*Bald schon hatten wir einiges an Holz gesammelt und konnten kaum noch welches auf unseren Armen tragen. So machten wir uns wieder auf den Weg zu den Zwergen.
„Ähm Leute", begann ich, „sind wir hier nicht gerade schon gewesen?"
„Joa, und was jetzt?", fragte Franzi und wir schüttelten alle ratlos den Kopf. Wir Vier grübelten, doch keiner von uns hatte eine Idee, also tat ich das einzig logische für mich, natürlich mit Franzi besprochen. Also stellten wir uns nebeneinander, legten das Holz weg, holten tief Luft und...
„THORIN DU DOOFZWERG, WIR HABEN UNS VERLAUFEN! ALSO BEWEG DEINEN KÖNIGLICHEN ARSCH HIER HER UND BRING UNS WIEDER ZURÜCK! SONST SCHREIEN WIR DEIN TIEFSTES GEHEIMNIS SO LAUT RAUS, DASS ES JEDER IM UMKREIS VON ZEHN KILOMETERN HÖREN KANN!"
Anne und Lea fielen fast um vor Lachen und wir setzten ein siegessicheres Gesicht auf, als wir einen tiefen Wutschrei hörten, gefolgt von lauten, immer näher kommenden Flüchen.
„Oh oh", machten wir alle gleichzeitig, als ein paar Zweige zerbrochen wurden, von nur einer einzigen Person, welche wutentbrannt auf uns zu lief.
„Ach du Scheiße", ließ jede von uns verlauten und Anne, Franzi und ich versteckten uns hinter Lea, mit der Begründung, dass sie das regeln sollte, was sich letzten endes als Fehler offenbarte. Diese verschränkte nämlich nur die Arme vor der Brust und sah ihn immer noch wütend an.
„So, hier bin ich und jetzt macht hurtig!", keifte er uns an und wir taten, was er sagte. Das auf dem Boden abgelegte Holz, war schnell wieder aufgesammelt und er führte uns sicher zurück. Wir brachten das Holz schnell zu den drei Köchen und entschuldigten uns für die lange Wartezeit, jedoch nicht bei Thorin, bei dem bedankten wir uns auch nicht, seit der Sache mit Lea war der bei uns, besonders bei Lele, unten durch.
Erwartungsvoll starrte der König uns an und wir schauten ihm mit gleichgültiger Mine in die Augen.
„Was?!", pampte ich ihn an und er verzog das Gesicht.
„Wie wäre es mit einem Dank, oder einer Entschuldigung?", knurrte er, gerade als wir gehen wollten und abrupt schnellten wir zurück. Lea und Anne blieben im Hintergrund, doch Franzi und ich traten ganz nah an sein Gesicht heran und sagten auffällig ruhig: „Sich bei dir entschuldigen? Hast du sie noch alle? Lea hat dir unzählige Male geholfen, und hat sich kein einziges Mal beschwert und nun verlangst du eine Entschuldigung oder ein Danke? Nur über unsere Leichen und nur wenn du dich bei ihr mal erkenntlich zeigst, klar?"
Unsere kleine Auseinandersetzung blieb jedoch nicht unbemerkt, denn alle Augen ruhten auf uns und manche beteten schon für uns. Aber immerhin hatte sich mal jemand getraut diesem Stinkstiefel die Meinung zu geigen. Mit gespielt tussenhaftem Verhalten drehten wir uns um und gingen wieder zu unserem Platz, setzten uns und taten so, als wäre nichts gewesen.
„Das war doch jetzt nicht nötig oder?", beschwerte sich Lea, „ich hab so schon Probleme mit dem und ihr macht das nur noch schlimmer. Was ist eigentlich mit dir Emmi, sonst traust du dich nie und jetzt auf einmal?"
„Ja, ist in Gobbicity irgendwas da unten passiert?", mischte sich Anne ein und auch Franzi bat mich zu erzählen.
Ein freudiger Ausdruck legte sich auf meine Züge und ich begann zu erzählen: „Also, das war soo..."

*Flashback*
„Ahhhh!", hallte mein Schrei an den kalten Wänden der unterirdischen Stadt wieder, während ich in den Abgrund stürzte, in den eigentlich nur Bilbo fallen sollte. In Gedanken spielte sich mein bisheriges Leben ab und ich verabschiedete mich bei meinen Freunden und meiner Familie, die ich nicht mehr wiedersehen würde. Doch wollte mich das Schicksal mal wieder eines besseren belehren, denn mit einem dumpfen Aufschlag kam ich unten auf dem Boden auf und jegliche Luft wurde aus meinen Lungen gepresst. Es dauerte einige Augenblicke, bis mein Atem wieder startete, und von oben hörte ich eine mir bekannte Stimme rufen: „Emmi, bist du tot?"
Mühsam rappelte ich mich wieder auf und musste unter Schmerzen feststellen, dass das gar nicht so einfach war.
„Jaaaaa!", rief ich nach oben in die Dunkelheit und rieb mir meine schmerzenden Stellen.
„Dann ist ja gut", kam eine Antwort und danach herrschte verräterische Stille, welche durch einen erneuten lang gezogenen Schrei unterbrochen wurde. Geschrien hatte nur eine Person, doch unten kamen zwei Körper an. Einen Aufschrei unterdrückend wich ich einige Schritte zurück und versteckte mich hinter einer Wand, jedoch konnte ich gerade so die Szene, die sich mir bot, verfolgen.
Auf einem kleinen Floß kam eine Gestalt an das Ufer und inspizierte den Gobblin-Körper, um ihn dann zu verschleppen und zu verspeisen. Als das Vieh sich dagegen wehrte, wurde es kurzerhand mit einem Stein bewusstlos geschlagen und auf einen Felsvorsprung gezogen, auf welchem es erneut zu kämpfen begann. Der erneut erlittene Schlag führte dieses Mal jedoch zum sofortigen Tod des Gobblins. Bei dem Geräusch von brechenden Knochen konnte ich mir ein Lächeln nicht verkneifen, ehe ich mich auf leisen Sohlen zu Bilbo aufmachte, der gerade den Ring gefunden hatte.
„Bilbo?", flüsterte ich zu ihm und er drehte sich zu mir. Um ehrlich zu sein hatte ich erwartet, dass er sich zu Tode erschrecken würde, doch dem war nicht so. Erleichtert lächelte er mich an und nahm eine meiner Hände, um zu überprüfen, ob ich echt war, oder er einfach nur auf den Kopf gefallen war. Glücklicherweise erkannte er meine Echtheit und wir tauschten uns kurz aus, was passiert war. Leise und unauffällig kommunizierten wir, bis unser Gespräch durch den Gesang eines ehemaligen Hobbits unterbrochen wurde. Als ich die Worte, mehr gekrächzt als gesungen, hörte, musste ich einfach grinsen, da wir das Lied auswendig konnten. Also eigentlich nur ich, aber Lea konnte es auch so gut wie. Wir wussten nicht, ob dieser Song schon einen Namen hatte, also tauften wir ihn einfach: Frischer Fisch Song.
Das Kreischen, des noch immer lebenden Gobblins riss mich aus meinen Erinnerungen und das Schlagen von Stein auf einen Körper durchzog die errungene Stille, bis nur noch das Zerreißen von Haut, Fleisch und Sehnen, sowie das Brechen von Knochen zu hören war. Laute Schmatzgeräusche drangen an unsere Ohren und man konnte sehen, wie ein kleines Rinnsal Blut an dem Vorsprung hinab ins Wasser lief. Neugierig betrachtete ich die mir da gebotene Szene und verzog nicht ein einziges Mal, so wie Bilbo, das Gesicht, wenn Gollum seine Zähne erneut in das zähe Fleisch schlug und bald in ein Wimmern ausbrach. Anscheinend war ihm das noch nicht genug, und er hatte noch Hunger. Ein erstickter Laut drang durch Bilbos Kehle und lenkte die leuchtenden blauen Augen des gefolterten Wesens in unsere Richtung. Er schnaubte und kroch langsam von dem Fels hinunter, auf sein Floß zu und paddelte gemächlich zu uns rüber. Angstschweiß lief dem Hobbit über die Stirn, doch ich stand ganz gelassen da, freute mich innerlich sogar irgendwie, ihn endlich zu treffen. Auf ein Mal verschwanden die strahlenden Augen in der Dunkelheit, nur der rasselnde Atem der Kreatur war zu hören, wenn auch ganz leise.
Bilbo schreckte zurück, zog ,das noch namenlose, Stich aus seiner Scheide und richtete es auf den abgemagerten Körper. Er wich erschrocken zurück, hatte Angst vor der Klinge, die ihm entgegen gestreckt wurde.
Gollum schlich um uns herum, auf der Suche nach einem toten Winkel und murrte unverständliche Worte vor sich hin. In Gedanken schwelgend bemerkte ich den weiteren Verlauf von Bilbo und Gollum nicht weiter und hörte erst wieder zu, als sie die Spielregeln festmachten und zu rätseln begannen.
„Was hat Wurzeln, die keiner sieht,
ragt höher als Bäume
und Wipfelsäume,
wächst nie und treibt nicht
und reicht doch ins Licht?"
Der Hobbit musste nicht lange überlegen und haute die Antwort selbstsicher heraus. Ich kannte die Antwort natürlich auch, ich kannte alle Rätsel auswendig, aber ich wollte dem kleinen Halbling noch ne Chance geben.
„Berg...ja, ein Berg", beantwortete er das Rätsel und stellte auch gleich ein neues.
„Zweiunddreißig Schimmel in einem roten Schloss.
Erst mampfen sie,
dann stampfen sie
und dann stehen sie regungslos."
Murrend überlegte Gollum und sang springend: „Zähne", und freute sich.
„Wir sind dran", zischte er und dachte nach.
„Schreit ohne Stimme,
fliegt ohne Schwingen,
beißt ohne Zahn,
murmelt und pfeift.
Kein Mund hat's getan."
„Der, der Wind", antwortete ich und stand auf. In meinem Gedächtnis kramte ich nach einem Rätsel aus dem Buch und entschloss mich für das, welches eh das nächste gewesen wäre.
„Ein Schloss, zu dem kein Schlüssel passt,
trägt in sich eine goldene Last."
Gollum schlich wieder um uns herum, immer mit einem gewissen Abstand, da das Schwert noch immer vor seiner Nase gehalten wurde. Er drehte sich um, um zu überlegen und sein Gesicht wandelte sich von Anstrengung, zu unbändiger Freude, die Antwort gefunden zu haben.
„Eier", rief er aus und lachte.
Jetzt kam mein Lieblingsrätsel und ich freute mich riesig darauf, auch wenn das bedeutete, gleich gejagt zu werden.
„Etwas, das alles und jeden verschlingt.
Baum der rauscht, Vogel der singt,
frisst Eisen, zermalmt den härtesten Stein,
zerbeißt jedes Schwert, zerbricht jeden Stein,
streckt Könige nieder, schleift ihren Palast,
trägt mächtigen Fels fort, als leichte Last."
Die Stimme Gollums klang dunkel in meinen Ohren wieder und ich hatte das Gefühl, die Luft würde erdrückend wirken. Bilbo rieb sich den Kopf, suchte nach der Antwort und hatte sie nach einiger Zeit immer noch nicht gefunden. Erst als Sméagol unwissend den Hinweis gab, leuchtete es ihm ein.
„Zeit ist um!"
„Zeit...", flüsterte er, „Aber natürlich, die Antwort ist Zeit!"
Flüche entsprangen dem Munde Gollums und er sagte gefasst, aber vor Wut bebend: „Gut, letzte Frage."
„Was habe ich in meiner Tasche?", sprach Bilbo, den Ring, welchen er wahrscheinlich aufgenommen hatte, als ich Gollum beim Essen zusah, in seiner Tasche wendend. Die Frage wiederholte er noch ein Mal laut und gewährte Gollum drei Versuche.
Alle drei riet er falsch und war erbost, als Bilbo ihm die richtige Antwort nicht verraten wollte. Er war wütend, wollte uns trotz der Abmachung ins ewige Verderben schicken und ging auf uns los. Schnell rannten wir auf dem Kies um die Ecke, an spitzen Steinen vorbei und durch enge Passagen hindurch. Dadurch, das ich in Sport auch nicht gerade schlecht war, nicht so gut wie Franzi, aber annehmbar, war ich schneller als der Hobbit, und erreichte den Ausgang, während er noch an dem Schlupfloch fest hing und Gollum immer näher kam. Die Zwerge rannten auch schon an mir vorbei. Die Zwerge, Gandalf und meine Freundinnen bemerkten mich nicht, aber ich gedachte auch nicht daran, sie zu rufen, sondern auf Bilbo zu warten, sodass wir gemeinsam zu den anderen gehen konnten.
Das klägliche Wimmern Sméagols war von drinnen zu hören und ein Luftzug streifte mich. Bilbo fiel vor mir hin, wobei ihm der Ring vom Finger rutschte und er mich erschrocken ansah. Ich tat so, als hätte ich ihn gerade erst bemerkt, sodass er nicht auf die Idee kam, ich wüsste von dem Ring. Wir freuten uns, es geschafft zu haben und beeilten uns zu der Gemeinschaft, welche wir auch recht schnell fanden, aber Bilbo mit unangenehmen Fragen bombardiert wurde.
*Flashback ende*

„...und den Rest kennt ihr ja", beendete ich meine Erzählung.
Mittlerweile hingen meine Freundinnen fast an meinen Lippen und schauten mich begeistert an, so als würde ich ihnen eine Lagerfeuergeschichte erzählen.
„Echt, das hast du alles erlebt?", fragte Franzi mit vollem Mund und ich antwortete ihr, nachdem ich den letzten Rest meiner Suppe verschlungen hatte: „Jo."
„Okay, das reicht nun aber.", mahnte Gandalf vom Lagerfeuer her und wir schreckten auf.
„Morgen müssen wir früh aufstehen, da wäre es besser, wenn ihr nun schlafen geht."
Alle stimmten gähnend zu und wir legten uns in unsere provisorischen Betten.
„Gute Nacht, Leute!", sagte ich im Halbschlaf.
„Gute Nacht", „Nacht", und, „Nachti!", kam es auch von Franzi, Lea und Anne. Kurz darauf driftete ich auch schon ins Traumland ab und träumte von meinem aufregendem Abenteuer in Gobblincity.

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt