Verwirrende Gefühle

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Franzi POV:
Okay,  jetzt hatte ich echt keinen Bock mehr. An meiner Kleidung klebte Blut,  von meinem Schwert tropfte Blut, selbst in meinen Haaren war Blut.  Stinkendes, schwarzes, klebriges Orkblut. Ich brauchte ganz dringend  eine heiße Dusche und ein Stück Seife. Am besten die von Beorn.
„Man  Franzi, weißt du nicht, dass man Orkblut nicht zum Duschen benutzt?",  fragte Emmi, die wie durch ein Wunder nicht mal einen kleinen Spritzer  abbekommen hatte.
„Naja,  ich dachte es könnte gut für die Haare sein.", witzelte ich und  batschte Emmi mit meiner blutverschmierten Hand auf die Wange, wo ein  großer dunkler Fleck zurückblieb.
„Iiiih!", kreischte Emmi und wischte sich über die Wange, machte es aber eigentlich nur noch schlimmer.
„Ich  frag mich, wie Leggi das macht.", sagte ich und deutete auf den  Elbenprinzen, der mit perfekter Frisur, perfekter Kleidung und einer  perfekten Haltung mitten im Raum stand. Emmis Augen wurden groß und sie  seufzte leise.
„Mittelerde an Emmi! Du weißt schon, dass du ihn anstarrst, oder?", fragte ich und riss meine Freundin aus ihrem Tagtraum.
„Stimmt  überhaupt nicht.", widersprach Emmi und wurde rot wie eine Tomate. Ich  zog als Antwort nur eine Augenbraue hoch und musterte sie von oben bis  unten. Dann drehte ich mich um und entdeckte Kili, der zusammen gekrümmt  auf dem Boden lag.
„Er hält nicht mehr lange durch.", sagte Oin gerade und blickte zu Tauriel auf.
„Wo bleibt eigentlich Bofur?", flüsterte Emmi leise in mein Ohr.
„Der müsste jeden Moment hier sein.", antwortete ich und blickte zur Tür.
„Tauriel.",  sagte Legolas und sah Tauriel auffordernd an. Sie blickte zwischen  Legolas und Kili hin und her und schien sich entscheiden zu müssen, ob  sie lieber ihrem Verstand oder ihrem Herzen folgen sollte. Während alle  im Raum Tauriel beobachteten, schaute ich zu Legolas, der wie durch ein  Wunder meinen Blick erwiderte. Ich sah ihn fragend an und für einen  kurzen Moment hatte ich das Gefühl sein Blick würde zu Emmi huschen und  dann wieder zu mir. Ich kniff leicht die Augen zusammen.
Hatte ich mir das gerade nur eingebildet?
Doch dann drehte Legolas sich um und verschwand.
„Meiner  Meinung nach könnten wir diese Elben-Schnepfe auf den Mond schießen",  murmelte Emmi leise und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Ne,  ich wette, selbst da würde sie Freunde finden und dann eines Tages  steht sie vor deiner Tür und hat ne Gruppe Aliens im Gepäck. Ich würde  sie lieber zu den Orks schießen. Da wird sie langsam und qualvoll in  kleine Stücke gehackt...", sagte ich und Emmi fing an zu grinsen.
„Gute  Idee.", antwortete sie und grinste. Ich drehte mich zu Tauriel um und  beobachtete, wie sie Kili einen Blick zuwarf und sich dann von ihm weg  drehte. Sie lief zur Tür und gerade als sie raus getreten war, kam Bofur  die Treppe hoch, die grüne Pflanze fest in der Hand. Ich hörte nicht,  was die beiden sagten, aber ich wusste es und als Tauriel sich umdrehte,  das Kraut in der Hand, stöhnte ich auf.
„Och ne..."

*
Sorgfältig  wusch Tauriel das Königskraut oder Aty-... keine Ahnung was sie da  gesagt hatte, in einer Schüssel mit Wasser, die sie von Tilda bekommen  hatte, und wandte sich dann an die Zwerge. Bofur, Oin und Fili hatten  den vor Schmerz stöhnenden Kili auf den Tisch gelegt und versuchten ihn  dort so gut wie möglich festzuhalten. Ich hatte mich waschen können und  hatte meine Sachen wieder angezogen, die ich von zu Hause mitgebracht  hatte. Ich hatte sie bei Beorn eingesteckt und beglückwünschte mich  gerade selber, dass ich so toll gewesen war, sie bis hier her zu  schleppen. Meine anderen Sachen hingen jetzt im offenen Fenster, Sigrid  hatte sie für mich gewaschen und dort zum Trocknen aufgehängt.
„Haltet  ihn fest.", sagte Tauriel und ging um den Tisch herum in Position. Sie  packte sein Bein und betrachtete die Wunde, die der vergiftete Pfeil  hinterlassen hatte. Kili sah aus wie ein Gespenst. Sein Gesicht war weiß  und seine Augen waren ganz trüb. Auch wenn es niemand sagte, wusste  jeder im Raum, dass Kili sterben würde, wenn Tauriel jetzt nichts tat.  Und dann begann Tauriel mit ihrem seltsamen Gesang. Ich packte Emmis  Hand, als ich sah, wie Tauriel die nassen Kräuter auf Kilis Wunde  drückte und mit ihrem Sprechgesang fort fuhr.
Kili  schrie auf vor Schmerz und Sigrid eilte zur Hilfe und packte das andere  Bein des Zwerges. Ich ließ Emmis Hand los und packte Kili ebenfalls. Er  wand sich unter unseren Griffen, schrie vor Schmerz auf und blickte  dann zu Tauriel. Seine ruckartigen Bewegungen wurden weniger und dann  lag er ruhig da, den Blick auf Tauriel gerichtet. In seinen Augen  strahlte sie jetzt wie ein Engel und plötzlich war ich froh, dass  Tauriel hier war. Ich war froh, dass sich Peter Jackson eine Figur  ausgedacht hatte, die Kili das Leben retten sollte, die ihn lieben  sollte, obwohl er ein Zwerg und sie eine Elbin war. Sein Atem wurde  ruhiger und dann verlor er das Bewusstsein.
Ich ließ ihn los und hatte plötzlich das dringende Bedürfnis Tauriel zu drücken. Man, komm mal wieder runter, dachte ich und schüttelte den Kopf.
„Ich brauch jetzt einen Schnaps.", sagte ich und drehte mich suchend um.
„Franzi, was hatten wir abgemacht? Keinen Alkohol mehr!", sagte Emmi und warf mir einen scharfen Blick zu.
„Schön! Dann will ich jetzt einen Tee.", sagte ich und verdrehte die Augen.
„Will  noch jemand einen?" Oin nickte dankend und auch Sigrid und Tilda  schienen nichts gegen einen Tee zu haben, also ging ich in die Küche,  die gleich nebenan war und setzte eine Kanne Wasser auf den Herd. Mit  den Zutaten wurde es etwas schwieriger und Sigrid half mir dabei, aber  dann gab es für alle Tee. Egal, ob jemand gewollt hatte oder nicht.
Ich verteilte gerade die Tassen, als Emmi zu mir trat und sich eine Tasse nahm.
„Alles okay mit dir?", fragte sie und blickte mich besorgt an.
„Ja,  alles okay.", erwiderte ich und machte ein bisschen Zucker in meinen  Tee. Honig war hier selten, was eigentlich schade war, denn der von  Beorn war der Wahnsinn gewesen. Emmi musterte mich noch einen Moment und  ging dann zu Sigrid und Tilda, die eine der beiden Bänke wieder  hingestellt und sich darauf gesetzt hatten. Ich griff nach einer  weiteren Tasse und reichte sie an Tauriel weiter, die sie mir mit einem  dankenden Lächeln abnahm.
„Danke.",  sagte ich nach einem kurzen Zögern und lächelte Tauriel freundlich an.  Sie erwiderte mein Lächeln und ging dann wieder zu Kili, um seine Wunde  zu säubern und zu verbinden. Jetzt stand neben meiner, nur noch eine  einzige Tasse, die ich vorsichtig hoch hob und dann zum letzten brachte,  der noch keinen Tee hatte.
„Hier.", sagte ich und reichte Fili seinen Tee.
„Danke.",  sagte er und nahm den Tasse entgegen. Ich wollte mich schon umdrehen,  als Fili meinen Namen sagte. Ich drehte mich wieder zurück und guckte  Fili an. Er hatte seine Tasse abgestellt und ich bemerkte erst jetzt,  dass er leicht zitterte.
„Singst  du bitte etwas für mich?", fragte er mich. Ich guckte ihn völlig  verdutzt an und öffnete schon den Mund um irgendwas zu sagen, aber Fili  hielt mich auf.
„Ich  weiß, dass du singen kannst. Nicht so, wie, wenn du Thorin ärgern  willst, oder aus Spaß mit deinen Freundinnen singst. Sondern, wenn du  richtig singst. Ich habe dich gehört, damals auf dem Weg nach  Beutelsend, als du nur für dich gesungen hast. Also bitte, sing etwas.  Nur für mich.", sagte Fili und ich konnte nur nicken.
„Tausend Wege.
Rast unterm Sternenzelt.
Tausend Orte.
Dein ist die ganze Welt.
Folg den Sternen,
zieh mit dem Tross hinaus.
Frei sein, gleich sein,
im fahrenden Volk zu Haus.

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt