Das Geschenk

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Anne POV:
Es schien alles so unwirklich.
Die Sonne, die am Himmel immer weiter nach unten kroch. Das verwüstete Schlachtfeld. Die vielen Toten, die trauernden Familien, die Verletzten...
Doch der Kampf war vorbei, wir hatten es geschafft..
Aber ich hatte keine Zeit mich darüber zu freuen, weil ich voller Sorge um Elladan war. Der Heiler hatte gesagt, er war stabil und würde es schaffen. Trotzdem hatte ich noch Angst.
Der Elb schlief jetzt und da ich nicht im Weg rumstehen wollte, lief ich überall herum und versuchte zu helfen, wo es nur ging. Bisher hatte ich niemanden von den anderen gesehen, aber ich hoffte, dass sie alle lebten... Nein, sie mussten leben.
Über mir zogen die Adler ihre Kreise. Durch sie hatten wir die Oberhand gewonnen und konnten die Orks zurückschlagen. Ich wollte mir lieber nicht ausmalen, was passiert wäre, wenn sie nicht gekommen wären. Ich sah ihnen nach, wie sie immer kleiner wurden, bis ich nur noch ein paar kleine, dunkle Punkte am Horizont erkennen konnte.
Jeder Muskel in meinem Körper schmerzte, während ich in Thal die Gassen entlang lief, die gesäumt von Toten waren. Ich suchte nach Überlebenden, die übersehen worden waren, doch bis jetzt hatte ich niemanden gefunden. Mupfel hüpfte hinter mir her und tschipte immer mal wieder. Jedes Mal, wenn er auf dem Boden aufkam, hatte ich das Gefühl ein Erdbeben würde die Welt erschüttern. Aber so wusste ich wenigstens immer, dass er noch bei mir war.
Als ich um die nächste Ecke bog, kam ich auf einen größeren Platz, in dessen Mitte ein alter, kaputter Brunnen stand. Ich überlegte kurz, wie es hier wohl früher ausgesehen hatte, bevor Smaug kam, verwarf den Gedanken aber schnell wieder, als ich einen Elben mit weißblonden Haaren entdeckte. Er schritt gerade um einen Berg aus Fell am Boden herum, was ich gerade so noch als Hirsch erkennen konnte. Sein Blick war kalt und ausdruckslos.
Ich überquerte mit Mupfel im Schlepptau den Platz und blieb neben Thranduil stehen. Gemeinsam blickten wir auf das tote Tier, bis ich fragte: „Hattet ihr viele Verluste?"
„Ich habe viele meiner besten Krieger verloren.", entgegnete er, sah mich dabei aber nicht an und starrte immer noch in die leeren Augen des Hirsches. Ich fragte mich kurz, was er hier überhaupt noch machte, sprach es aber nicht laut aus.
Mupfelchen flatterte leise mit seinen Flügeln und plötzlich kam mir ein Gedanke.
„Vielleicht kann ich euch ja etwas zur Entschädigung bieten. Zwar seit ihr der unausstehlichste Elb, den ich kenne...", bei diesen Worten sah er mich kurz böse an und ich redete schnell weiter: „...aber das da tut mir leid. Und da uns Mupfel ja jetzt nicht mehr beschützen muss, kann er ja bei euch im Düsterwald leben...Und wehe, ihr sagt nein. Das war gerade ein Friedensangebot!"
Der Elbenkönig warf erst mir, dann der kugelrunden Eule einen misstrauischen Blick zu, doch Mupfel gurrte einmal und jumpte zu ihm hin, um Thrandi leicht mit dem Schnabel anzutippen. Dieser wurde dabei fast von ihm umgeworfen, aber dann strich er etwas zögerlich über die weichen, weißen Federn.
„Und ich nehme es an", antwortete er und ich lächelte erleichtert. Vielleicht war der blonde Elb ja doch nicht so schlimm.
„Gut, ich geh dann mal weiter", sagte ich und wollte meinen Weg schon fortsetzen, drehte mich dann aber nochmal zu ihm um.
„Habt ihr irgendwo die Zwerge gesehen oder die Mädchen?"
Er schüttelte den Kopf und ich zog kurz eine Grimasse, bevor ich weiter lief. Dieses Mal ohne Mupfelchen.

*„Wie geht's dir?", fragte ich leise, als Elladan langsam die Augen aufmachte.
„Die Wunde schmerzt, aber es geht", antwortete er und versuchte zu lächeln.
„Soll ich nochmal einen Heiler holen?", meinte ich besorgt, doch er schüttelte nur den Kopf. Ich griff nach seiner Hand und drückte sie kurz.
„Hast du die anderen gefunden?"
Ich schüttelte so wie er gerade eben den Kopf und dann schwiegen wir eine Weile. Ich holte ihm noch etwas Wasser und dann schlief er wieder ein. Ich war ebenfalls hundemüde und fühlte mich so, als wäre ich einmal von einem Laster überfahren worden sein, aber ich erlaubte es mir nicht die Augen zu schließen. Es gäbe hier eh kein Platz, wo ich mich hinlegen könnte, weil alles voller Verletzter war. Eine Halle im Erebor hielt notdürftig als Krankenlager her, doch es gab so viele Verwundete, dass manche in den Gängen lagern mussten. Ein weiteres großes Problem war ebenfalls, dass es zu wenig Heiler gab. Die Feindseligkeiten zwischen Elben, Zwerge und Menschen waren für eine kurze Zeit vergessen und alle halfen sich gegenseitig, obwohl man ziemlich deutlich sah, dass die Elben und Zwerge versuchten unter sich zu bleiben. Ziemlich überrascht war ich deshalb auch, als plötzlich Beorn hinter mir stand. Ich hätte nicht gedacht, dass er überhaupt hier her kommen würde, wo er doch immer so feindselig gegenüber...ja, eigentlich allem war.
„Anne, ich bin froh, dich unversehrt zu sehen", sagte er und ich lächelte ihn an. Der große Mann setzte sich neben mich auf den Boden und ich bemerkte eine große Wunde an seinem Arm, die aber bereits versorgt war.
„Ist das der Elb?", fragte er mit einem Kopfnicken auf Elladan und ich bejahte es. Ich hatte immer so viel von ihm erzählt, dass sogar Beorn es mitbekommen hatte.
„Ein Pfeil hat ihn getroffen, aber die Heiler sagen, die Wunde wird gut verheilen. Es hätte auch viel schlimmer sein können."
„Was ist mit Emmi, Franzi und Lea?"
Sofort spürte ich wieder die Angst, die in mir hoch kroch.
„Ich weiß es nicht. Ich habe sie schon gesucht, aber nicht gefunden", seufzte ich und Beorn legte für einen Moment seine große Hand auf meine Schulter.
Mein Blick schweifte durch die Halle auf der Suche nach meinen Freundinnen, aber natürlich waren sie nicht hier. In meinen Augenwinkeln blitzte etwas rotes auf und Tauriel erschien auf der Bildfläche. Sie hielt sich die Nase, die offensichtlich blutete und ich konnte es nicht verhindern, dass ich mich darüber freute.
Als sie mich entdeckte, verengte sie die Augen zu Schlitzen und lief auf mich zu. Ich richtete mich auf und auch der Hautwechsler erhob sich.
„Das hat mir deine Freundin angetan!", schrie sie schon von Weitem und die Leute in der Nähe drehten sich zu ihr um.
„Tja, da hatte sie wohl einen guten...", fing ich an, kam aber nicht weit, da die rothaarige Elbin plötzlich außer sich vor Wut auf mich losgehen wollte. Instinktiv zuckte ich zurück und im letzten Moment stellte sich Beorn in ihren Weg. Ich dachte schon, dass sie jetzt stehen bleiben würde, doch sie war wirklich so dumm und wollte ihn mit bloßen Händen angreifen. Die Elben und Menschen um uns herum fingen an zu tuscheln, doch schon bevor jemand eingreifen konnte, lag Tauriel am Boden. Beorn hatte sie nur einmal umstoßen müssen.
Sofort eilten ein paar Elben herbei und umringten sie.
Gerade wollte ich mich wieder Elladan zu wenden, als ich etwas am Boden entdeckte. Ich lief hin und bückte mich.
Das kann jetzt nicht wahr sein...

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt