Und schon wieder laufen

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Emmi POV:

Ich beobachtete das Boot mit Franzi und den Zwergen Richtung Erebor, bis es am Horizont immer kleiner wurde und irgendwann gar nicht mehr zu sehen war.
Der Nagellack steckte in meiner Hosentasche und erinnerte mich an meine Mission, Legolas tat mir jetzt schon leid, aber es musste sein. Ich drehte mich zu dem Elbenprinzen um und bemerkte, dass er mich beobachtet hatte. Hitze schoss in meine Wangen und ich sah schnell weg.
Warum muss das immer mir passieren?, fragte ich mich im Stillen.
„Können wir los?", fragte Tauriel, die bereits neben Leggis Pferd stand und wartend mit der Fußspitze auf den Boden tippte. Und dabei sah sie immer noch so verdammt elegant aus...
„Wir brauchen ein weiteres Pferd", meinte Legolas.
„Meines wird uns nicht alle drei tragen können."
Ich nickte, während die rothaarige Elbin seufzte und schließlich machten wir uns auf die Suche nach einem Pferd, was meiner Meinung nach in diesem Chaos total aussichtslos war.
Doch dann hatten wir ziemlich schnell...okay, nach zwei Stunden...ein mittelgroßes, dunkelbraunes Pony ergattert, das niemand mehr brauchte.
„Dann können wir jetzt los", sagte Tauriel und wollte schon auf den weißen Schimmel steigen.
„Ich kann nicht reiten", murmelte ich leise, sodass Tauriel mich nicht hören konnte, als Legolas mir die Zügel in die Hand drücken wollte. Die blauen Augen des Elben funkelten belustigt und noch während er mich ansah, redete er mit seiner Elbinfreundin auf seiner Sprache. Diese stieg wieder ab, nahm sich etwas mürrisch guckend die Zügel, die Leggi in der Hand hielt und ging dann weg.
„Danke.", flüsterte ich leise.
Der Elbenprinz lächelte leicht, führte mich dann zu seinem Pferd und half mir beim Aufsteigen. Ich setzte mich hinter ihn in den Sattel, so wie ich es schon von Franzi kannte und machte mich auf einen weiteren Ritt gefasst, bei dem ich fast sterben würde.
„Ihr solltet euch festhalten", sagte Legolas über seine Schulter hinweg zu.
Ich wedelte erst ein bisschen unsicher mit den Händen in der Luft rum, ziemlich unentschlossen, wo ich sie hinlegen sollte, bis Leggi meine Hände nahm und sie um seine Hüfte legte. Und ihm schien das offensichtlich nicht viel auszumachen.
Aber das Beste war Tauriel auf dem Pony, die ein Gesicht zog, als hätte sie auf eine Zitrone gebissen.
„Folg uns", befahl der Elbenprinz und schon galoppierten wir los, vorbei an Menschen, die entweder weinten oder noch brauchbare Dinge aufsammelten, weiter an verbrannten Resten der Häuser von Seestadt, die von den Wellen an den Steinstrand gespült wurden und dann hinein in die Wildnis von Mittelerde.

*

Die Sonne stand schon so tief am Himmel, dass nur noch ein paar Stahlen den Weg erhellten, dem wir folgten. Wir hatten längst den Wald verlassen, der um einen Teil des Sees gewachsen war und waren über eine weite Ebene galoppiert. Während beide Pferde immer schneller wurden, klammerte ich mich fester an Legolas, um nicht so wie Anne damals im Matsch zu landen. Ich hasste reiten.
Langsam fiel Tauriel mit ihrem Pony zurück, da das Tier bald nicht mehr konnte.
„Legolas, wir müssen eine Pause machen!", rief ich gegen den Wind und er blickte sich um. Wenn wir im Auto gesessen hätten, wären wir schon längst irgendwo gegen gefahren, so oft, wie er immer nicht nach vorne guckte.
Der blondhaarige Elb nickte und ließ dann sein Pferd langsamer werden.
„Wir rasten in dem Wald dort drüben", entschied er, als Tauriel uns eingeholt hatte und sie stimmte ihm zu. Die Pferde trabten zu dem kleinen Wäldchen rüber, welches eher eine Baumgruppe war. In ihrem Schutz stiegen wir ab und Tauriel reichte mir die Zügel ihres Ponys und ging dann einfach weg.
„Hey!", rief ich ihr nach und erntete einen Blick von Legolas.
„Seid leise, wir dürfen kein Aufsehen erregen und entdeckt werden", sagte er und führte sein Pferd zu einem Baum. Ich folgte ihm und versuchte ihm jeden Schritt nachzumachen. Außer beim Absatteln, dort musste er mir helfen, weil ich irgendwie zu doof war.
„Danke", sagte ich am Ende und zusammen gingen wir zu dem kleinen Feuer, das Tauriel unterdessen angemacht hatte.
„Und was gibt es zu essen?", fragte ich und setzte mich auf eine der drei Decken, die um das Mini-Lagerfeuer lagen.
Ich hatte vielleicht gedacht, dass es irgendwas krasses gab, aber Pustekuchen. Am Ende reichte Tauriel dann irgendwas rum, was nach Salat mit Karottenstückchen oder so aussah und ich entschied mich lieber dafür, etwas von dem Lembas zu essen, das es dazu gab. Doch dann holte Tauriel auch noch kleine, dunkelrote Erdbeeren hervor, auf die ich mich sofort stürzte. Sie schmeckten noch süßer, als die, die ich kannte.
Legolas wollte die erste Nachtwache übernehmen und endlich konnte ich mich hinlegen und für ein paar Stunden ausruhen. Das Schwimmen in dem eiskalten Wasser steckte mir noch immer in den Knochen und stundenlang im Sattel zu sitzen, hatte auch nicht gerade dazu beigetragen, dass ich mich gut fühlte.
Doch lange konnte ich nicht schlafen, zumindest fühlte es sich nicht so an. Denn eine leise Stimme holte mich wieder zurück in die Realität. Es war der Elbenprinz, der leicht an meiner Schulter rüttelte und flüsterte: „Emily, es sind nur noch ein paar Stunden bis Morgengrauen. Du übernimmst jetzt die letzte Wache."
Ich nickte gähnend und rieb mir den Schlaf aus den Augen, bevor ich mich aufrichtete.
„Und was soll ich machen, wenn irgendjemand kommt?"
Legolas überlegte kurz, was nebenbei gesagt ziemlich süß aussah, und antwortete dann: „Schreien."
„O-okay", sagte ich etwas verlegen und versuchte dann für den Rest der Nacht meine Augen offen zu halten.

*

„Hier", rief Tauriel und warf mir etwas zu, was ich ungeschickt auffing. Es war ein Apfel und ich sah sie fragend an.
„Dein Frühstück", erklärte sie und biss dann ernsthaft in ein Lembas-Stück, um dazu dann auch noch ein paar der letzten Erdbeeren zu essen. Ich sah sie böse an und konnte kurz ein hinterhältiges Lächeln über ihr Gesicht huschen sehen. Dieses Miststück.
„Ich mach die Pferde fertig und du weckst Legolas", befahl sie und stand dann auf. Ich sah zu dem Elben hin, der noch schlief, da er fast die ganze Nacht lang Wache gehalten hatte. Am Horizont stieg langsam die Sonne auf und ließ den leichten Tau auf dem Gras trocknen. Ich überlegte eine Weile rum, wie ich Leggi am besten wach machen konnte und hatte dann eine Idee.
Ich lief zu ihm hin und rüttelte einmal kräftig an seiner Schulter.
„Legolas! Legolas, schnell! Wach auf!"
Besagter fuhr sofort hoch und sah sich kurz etwas desorientiert um. Seine hellblonden Haare waren ein kleines bisschen verwuschelt und seine eisblauen Augen funkelten mich an.
„Was? Werden wir angegriffen?"
Ich kicherte und sagte: „Viel schlimmer!"
Leggi griff schon nach seinem Bogen und versuchte immer noch zu kapieren, was hier vor sich ging. Ich zeigte nach oben.
„Der Baum da hat'n Blatt verloren."
Als ich dann sein Gesicht sah, lachte ich los.
Er warf mir nur einen mahnenden Blick zu, konnte sich aber ein kleines Grinsen nicht verkneifen.
„Spätestens, wenn du auf dem Pferd sitzt, wirst du nicht mehr lachen."
Ich hörte sofort auf und wollte gerade etwas sagen, als uns Tauriel mal wieder unterbrach.
„Seid ihr jetzt fertig? Dann können wir ja weiter.", sagte sie etwas verbissen und ich fragte mich, wieso sie so angepisst war. Ich dachte, sie liebte Kili, aber was wollte sie dann noch von Legolas? Jedes mal, wenn ich mit ihm sprach, wollte sie es verhindern.
„Natürlich", sagte Leggi und war sofort wieder ernst.
Schnell packten wir die restlichen Sachen zusammen und ich musste mich wieder hinter Legolas in den Sattel hieven.
Doch weit kamen wir nicht, als Tauriel von hinten rief: „Legolas! Halt an, irgendwas ist mit meinem Pferd nicht in Ordnung."
Der weiße Schimmel wurde langsamer, bis der Elbenprinz abstieg, mir die Zügel in die Hand drückte und sagte: „Warte hier."
Dann lief er zu Tauriels Pony und tastete kurz die Beine ab. Währenddessen saß ich völlig verspannt auf seinem Pferd und hoffte einfach mal, dass es jetzt nicht losrennen würde.
„Das eine Gelenk ist geschwollen, wir müssen laufen", seufzte Leggi und Tauriel verdrehte genervt die Augen.
„Das dauert doch viel zu lange, dann kommen wir nie an!"
„Wir haben keine andere Möglichkeit", entgegnete er und lief wieder zurück zu mir. Doch dann sagte die rothaarige Elbin etwas, was ich wirklich nicht erwartet hätte: „Wieso lassen wir das Menschenmädchen nicht einfach hier? Sie ist doch eh nur eine Last."
Meine Kinnlade klappte runter und ich sah sie empört an.
„Na, hör mal...", wollte ich anfangen, doch Legolas fuhr mir dazwischen.
„Wir werden sie mitnehmen. Ich habe versprochen auf sie aufzupassen, Tauriel!"
Dann fügte er noch etwas auf elbisch hinzu, wobei seine Stimme einen scharfen Unterton hatte und kurz schienen die beiden zu diskutieren. Ich hätte gerne gewusst, was sie sagten, aber in Bruchtal sprachen die Elben irgendwie ganz anders und da hatte ich ja schon fast gar nichts verstanden, trotz Elrohirs und Elladans Unterricht.
Am Ende sah Tauriel beleidigt weg und Legolas wandte sich zu mir und hielt mir eine Hand hin.
„Komm, wir werden ein Stück laufen."
Ich ergriff etwas zögerlich seine warme Hand und er half mir vom Pferd, bis ich vor ihm stand. Kurz sah er mir in die Augen und wollte schon etwas sagen, doch dann schüttelte er kaum merklich den Kopf, ließ meine Hand wieder los und wandte sich ab.
Ich sah ihm verwirrt zu, als er die Zügel seines Pferdes nahm und los lief.
„Was stehst du hier noch rum, lauf weiter", zischte Tauriel und stolzierte an mir vorbei. Ich streckte ihr die Zunge raus, was sie aber leider nicht mehr sah und folgte ihr dann. Das könnte ja noch echt spaßig mit ihr werden.
Wir liefen also ein paar Stunden und stiegen dann wieder auf die Pferde, als die Schwellung bei dem dunkelbraunen Pony zurück gegangen war. Im Laufe des Tages wurde es immer kälter und als ich schon drei Jacken übereinander an hatte, konnte ich in der Ferne endlich den Gundabad-Berg sehen.  

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt