Smaug, der Schreckliche

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Anne POV:
Erst sah ich nur eine tiefe Dunkelheit, die sich vor mir auftat, doch langsam gewöhnten sich meine Augen an das dämmrige Licht. Die Zwerge stürzten sofort alle zur Tür und jeder versuchte sich vorzudrängeln. Ich verdrehte die Augen und sagte: „Jungs, kommt mal runter. Das ist nur eine Tür!"
Lea kicherte leise und Thorin warf uns einen Blick zu, der gleichzeitig wütend und entsetzt war, dann lachte meine Freundin nicht mehr. Jetzt musste ich aber grinsen und ließ mich auch nicht von dem Zwergenkönig aufhalten.
„Irgendwann werdet ihr beide noch heiraten, du wirst schon sehen", sagte ich leise zu Lea und sie wurde mal wieder sofort knallrot.
„Never! Nur, wenn du zehn Kinder hast", entgegnete sie schnell und ich lachte.
„Vergiss es!"
Die Zwerge hatten sich jetzt endlich alle mehr oder weniger durch die Tür gequetscht, wobei ich anmerken muss, dass Bombur einmal stecken geblieben ist, und jetzt waren wir endlich dran.
„Wir betreten jetzt diese heiligen Hallen! Engelschor, bitte!", sagte ich und Lea machte sehr, sehr schief: „Hhhaaa!"
„Flatsch! Engel auf die Fresse geflogen und vom Himmel gefallen", unterbrach ich ihren *hust* wunderbaren *hust* Gesang und sie sah mich beleidigt an.
Okay, um jetzt mal den nötigen Ernst in die Sache hier zu bekommen, hielten wir den Mund als wir durch über die Türschwelle traten. Wir kamen in einen Gang und man merkte sofort, dass hier schon lange niemand mehr gelüftet hatte. Trotzdem war es ziemlich kühl im Inneren des Berges.
Aber lange hielt der epische Moment nicht an, weil ich fast wieder angefangen hätte zu lachen, als ich sah, wie Balin heulte, während Thorin fast mit dem Stein kuschelte.
„Sieh mal!", sagte Lea leise und voller Ehrfurcht und zeigte nach oben. Ich folgte ihrem ausgestreckten Finger und erblickte das in den Stein gehauene Bild mit dem Thron und darüber dem Arkenstein.
„Hier liegt das siebte Königreich, Heimat von Durins Volk. Möge das Herz des Berges alle Zwerge vereinen, um diese Heimat zu verteidigen", las Gloin die Runen vor, die das Bild einrahmten.
„Der Königsthron", erklärte Balin dem kleinen Hobbit und dieser fragte: „Und was ist das darüber?"
„Der Arkenstein", sagte ich mit gruseliger Stimme, aber leider konnte das Bilbo nicht einschüchtern.
„Und was ist das?"
„Das ist der Grund, Meisterdieb, warum du hier bist", mischte sich jetzt auch noch Thorin ein, der schon halb verborgen in den Schatten stand. Bilbo warf uns einen etwas ängstlichen Blick zu und schluckte schwer.
„O-okay, ich mach das...", versuchte er sich selbst zu überzeugen. Meine Freundin umarmte ihn zum Abschluss noch einmal und flüsterte ihm ein: „Ich weiß, dass du das schaffst!", zu. Sie hatte genauso ein Verhältnis zu dem Hobbit, wie Franzi zu Dwalin und ihm schien das wirklich ein bisschen Mut zu
machen. Balin begleitete ihn noch etwas weiter in den Berg hinein und man hörte sie noch leise miteinander reden, bis der weißhaarige Zwerg wieder zurückkam.
Dann entstand eine lange Stille.
„Und, was machen wir jetzt?", fragte ich nach einer Weile fröhlich, doch Thorin macht leider nicht mit und knurrte nur: „Warten."
„Alter Spielverderber", grummelte ich und fühlte mich sichtlich gemobbt von ihm. Wir brauchten dringend wieder Franzi, damit Thorin jemandem zum Streiten hatte.
Alle liefen wieder aus dem Berg raus, und machten es sich vor der Tür auf der kleinen Felsplatte gemütlich, so gut es eben ging. Bombur fing sogar an, etwas zu kochen, was ich irgendwie ziemlich fehl am Platz fand. Ich meine, Bilbo kämpfte da drinnen gerade um sein Leben und wir veranstalteten hier ein Kaffeekränzchen! Aber die meisten hatten eh keinen Hunger, weil sie viel zu angespannt waren.
Na toll, jetzt ist mir langweilig...
Mit Lea konnte ich eh nicht mehr rechnen, weil sie sich leise mit Thorin unterhielt und da würde ich sie mit Sicherheit nicht mehr so schnell wegbekommen. Nachdenklich trommelte ich mit den Fingern auf meine Knie und wie von selbst wurden daraus irgendwann dann unsichtbare Tasten, auf
dem ich ein Lied übte. Mein Klavier vermisste ich definitiv. In Bruchtal hatte es so etwas Ähnliches gegeben, aber Bruchtal war ja jetzt auch schon gefühlte tausend Jahre her.
Und schon waren meine Gedanken wieder bei Elladan. Ich hätte nicht an die Elben denken sollen, verdammt! Ich dudelte leise vor mich hin und versuchte meine Gedanken wieder wichtigeren Dingen zu zuwenden...erfolglos.
Man, das ist gar nicht gut, dass Bilbo da so alleine drin ist, dachte ich und fuhr mir mit den Fingern durch die Haare. Dann trommelte ich mit den Fingernägeln auf den Stein, was einen immer gleich bleibenden dumpfen Ton erzeugte.
„Anne, jetzt beruhige dich doch bitte mal. Das wird schon gut gehen...und bitte hör damit auf, das nervt.", sagte Dwalin, doch ich sah auch ihm die Anspannung an. Ich hörte auf, auf den Fels zu klopfen und wippte stattdessen mit dem Fuß. Tja, das war auch nicht viel besser, denn jedes Mal, wenn mein Fuß auf den Boden aufschlug, erzeugte das einen Ton.
„Anne, bitte.", sagte jetzt auch Balin und genervt erhob ich mich von meiner Felsplatte.
„Okay, lasst uns was spielen.", sagte ich und sofort wurde laut diskutiert welches Spiel wir denn spielen sollten.
„Wie wäre es mit 'Ich sehe was, was du nicht siehst'?", schlug plötzlich einer vor und ich stöhnte auf. Alle waren hell auf begeistert und sofort begann es wieder mit „Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist grau"-„Stein!", die etwas neuere Variante war nicht die Antwort Stein sondern Fels, was meiner Meinung nach TOTAL originell war. Habt ihr den Sarkasmus gehört? Ich tigerte herum und versuchte alles andere aus zu blenden. Gerade als ich zum gefühlten tausendstem Mal Stein hörte, flippte ich aus.
„Ja, es ist ein Stein. Oh, und lasst mich raten, es wird wieder ein Stein sein. Genau wie die verfluchten letzten fünfhundert Male!", fauchte ich und alle guckten mich verdutzt an.
„Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist weiß!", knurrte ich und setzte mich wieder auf meinen Felsen.
„Weiß?", fragte Ori und sah sich suchend um.
„Nein, weißt du. Eigentlich wollte ich pink sagen...natürlich weiß!", fauchte ich und sprang wieder auf. Alles, was sich auf der Reise bei mir angestaut hatte, brach jetzt aus. Die Wut darüber, wie der Bürgermeister von Seestadt uns behandelt hatte, oder Thranduil. Der ach so tolle Thranduil...Meine Besorgnis um Bilbo, der ganz alleine mit einem riesigen Drachen in einem Berg fest saß und meine Trauer darüber, dass ich Elladan hatte zurück lassen müssen.
„Ich geh da jetzt rein.", knurrte ich und rannte auf die Tür zu.
„Anne, nein!", hörte ich die anderen rufen, doch ich war bereits im Berg und rannte den langen dunklen Gang hinunter und in diesem Moment erbebte der Berg. Ich stolperte, stürzte und schürfte mir am rauen Stein die Hände auf.
„Was war das?", hörte ich gerade noch so von draußen einen der Zwerge fragen.
„Das mein Junge, war ein Drache.", antwortete Balin und ich lehnte mich mit dem Rücken gegen die Wand. Eine Träne rollte mir über die Wange und ich wischte sie mit dem Handrücken weg, doch immer neue nahmen ihren Platz ein. Eine Weile saß ich still in der Dunkelheit und weinte leise nur für mich.
Doch plötzlich ging ein Ruck durch meinen Körper und ich sprang auf.
Ich muss Bilbo helfen!, dachte ich und dieser Gedanken trieb mich voran durch die dunklen verlassenen Gänge. Rutschend blieb ich stehen, überwältigt von dem was ich sah, und blickte mich staunend um. Gold. In Mengen, wie man sie sich nur in seinen kühnsten Träumen vorstellen konnte. Ja, ich kannte den Film, aber er konnte nicht Mal ansatzweise die Pracht und Menge dieses Schatzes zeigen. Der gewaltige Schatz von Thror.
„Ich töte, wo ich will und wann ich will. Mein Panzer ist wie Eisen. Keine Klinge kann mich durchdringen.", fauchte Smaug und ich blieb wie erstarrt stehen. Ich wagte es nicht mich zu bewegen, oder auch nur zu atmen.
„Es ist Eichenschild, der dreckige Zwerg und Thronräuber. Er hat euch geschickt, er will den Arkenstein. Nicht wahr?", hörte ich Smaugs Stimme wieder an mein Ohr dringen. Nur, dass er nicht in meiner Nähe war. Seine Stimme wurde nur hundertmal lauter durch die Hallen getragen, sodass man sie überall hören konnte. Ich rannte los, folgte den Geräuschen und der Stimme und dann sah ich ihn endlich. Sein Panzer war rotbraun und seine Augen funkelten im Schein des Schatzes golden. Smaug.
„Nein! Nein, nein. Ich weiß nicht, wovon du sprichst.", hörte ich nun auch die Stimme des kleinen Hobbits und entdeckte ihn auch gleich darauf zu Füßen des Drachen unter einer großen Steinplatte versteckt, die von mehreren Pfeilern gehalten wurde und von wo mehrere Treppen in alle möglichen Richtungen führten.
„Bemüh dich nicht es abzustreiten. Ich habe seine üblen Absichten schon vor langem erahnt. Doch das ist bedeutungslos.", fauchte Smaug und senkten seinen Kopf zu Bilbo runter. Smaug wusste ganz genau, wo er war und die ganze Sache machte ihm schon beinahe Spaß...nein, es machte ihm Spaß.
„Eichenschilds Unternehmung wird scheitern. Die Dunkelheit bricht herein. Sie dringt in jeden Winkel des Landes.", fuhr Smaug fort. Er fauchte leise und es hörte sich fast an wie ein Lachen. Mir jagte eine Gänsehaut über den Rücken und ich zitterte leicht.
„Man Ben, wenn du wüsstest, wie eindrucksvoll du in Wirklichkeit bist...", murmelte ich und meinte damit Benedict Cumberbatch, den Schauspieler von Smaug.
Schritt für Schritt arbeitete ich mich näher an Bilbo und den Drachen heran und versuchte so leise wie möglich zu sein.
„Du wirst benutzt, Dieb, der im Schatten wandelt. Du bist nichts weiter, als ein Mittel zum Zweck. Der Feigling Eichenschild hat den Wert deines Lebens abgewogen und es als wertlos erachtet.", säuselte Smaug und ich nutze diesen Moment und hechtete hinter einen Pfeiler.
„Nein...Nein, du lügst!", brüllte Bilbo und dann sah er mich. Ich bedeutete ihm, Smaug nicht zu verraten, dass ich da war und er nickte.
„Was hat er dir versprochen?", fragte Smaug „Einen Anteil am Schatz? Als würde er ihm gehören. Ich werde mich von keiner einzigen Münze trennen, keinem einzigen Stück davon."
Man Thorin wenn du schon zitieren musst, dann doch bitte richtig. Es heißt keinem einzigen Stück, nicht keinem noch so kleinem Stück!, dachte ich und verfluchte den Zwergenkönig schon mal für das, was er in Zukunft tun würde. In diesem Moment rannte Bilbo los. Zehn...fünf...drei...doch kurz bevor er den Arkenstein erreicht hatte, der die ganze Zeit dort drüben auf dem Boden gelegen hatte, sauste Smaugs Schwans durch die Luft und warf den kleinen Hobbit von den Füßen. Er flog durch die Luft mitsamt dem Arkenstein und einem Haufen Gold und landete dann hart auf dem Boden.
„Meine Zähne sind Schwerter, meine Klauen sind Speere, mein Flügelschlag ist ein Wirbelsturm...", fauchte Smaug und folgte dem kleinen Hobbit, der jetzt am Boden lag. Eigentlich hätte er schon längst wieder auf den Füßen stehen müssen, doch er schaffte es einfach nicht.
„Komm schon, Bilbo.", flüsterte ich, doch Bilbo war immer noch zu benommen von seinem Aufprall.
„Und dein Gehirn ist so groß wie ein Staubkorn!", rief ich und Smaugs Kopf schnellte zu mir herum.
„Noch ein Besucher?", fragte er und ich winkte ihm zu. Smaug hob die Lefzen hoch und es erinnerte mich schon beinahe an ein Grinsen. Ein ziemlich hässliches Grinsen, muss man hinzufügen.
„Ich geh dann mal zu Bilbo.", sagte ich und deutete auf den kleinen Hobbit. Schnell lief ich los, packte Bilbo, als ich bei ihm ankam und zog ihn hoch.
„Ein Mensch. Bist du auch hier um meine Pracht zu bewundern?", fragte Smaug, doch ich hörte die Ironie in seiner Stimme. Er richtete sich auf und in diesem Moment entdeckte der kleine Hobbit den Platz, an dem die Schuppe fehlte.
„Es ist also wahr. Der Schwarze Pfeil hat sein Ziel gefunden.", hauchte er.
„Was hast du gesagt?", brüllte Smaug und zusammen wichen ich und der Hobbit zurück.
„Ich sagte nur, dass dein Ruf dir vorauseilt, Smaug du Turanischer. Wahrlich, niemand kommt dir gleich in dieser Welt.", sagte Bilbo und wich ehrfürchtig noch ein paar Schritte zurück.
„Aber auch nur in deiner Welt.", murmelte ich und Bilbo flüsterte: „Das ist jetzt nicht sehr hilfreich."
Und dann sah er den Arkenstein. Er lag ihm beinahe schon zu Füßen und leuchtete in den verschiedensten Farben. Sein Blick schien davon gefangen und mit einem weiteren Fauchlachen meinte Smaug: „Es lockt mich beinahe, ihn dir zu lassen. Und sei es nur, um zu sehen wie Eichenschild leidet." Smaugs Augen funkelten bösartig und mir lief ein Schauer über den Rücken.
„Zu sehen, wie es ihn zerstört. Zu sehen, wie es sein Herz verseucht und ihn in den Wahnsinn treibt. Aber lieber nicht.", fuhr Smaug fort und zog sich in den Schatten zurück.
„Ich warte dann da hinten auf dich.", murmelte ich und lief schon mal los Richtung Ausgang, weil ich kein Bock hatte gegrillt zu werden.
„Unser kleines Spiel endet hier. Sag mir also, Dieb, was wünscht du dir für einen Tod?", fragte der Drache und ich rannte los. Plötzlich brüllte er los und ich vermutete, dass Bilbo gerade vor seiner Nase verschwunden war. Und dann spürte ich die Hitze. Sie versenkte meine Kleidung und meine Haare und ich fühlte mich in den Moment zurück versetzt, als meine Küche explodiert war. Gerade noch rechtzeitig rannte ich die Treppen hoch und konnte mich hinter der nächsten Ecke verstecken. Dann tauchte auch noch Bilbo wieder neben mir auf und zusammen liefen wir weiter in die Richtung, aus der wir gekommen waren. Zurück zur geheimen Tür, die uns einst den Weg hier rein gestattete.
„Hast du den Stein?", keuchte ich und Bilbo sah mich verlegen an.
„Okay, blöde Frage, ich weiß, dass du ihn hast.", flüsterte ich und der kleine Hobbit riss die Augen auf.
„Sag nichts.", murmelte ich, denn ich hatte gerade Thorin entdeckt, der mit offenem Mund auf das viele Gold hinunter starrte. Und dann entdeckte er uns. Wir hechteten die letzten Treppenstufen hoch und ich blieb keuchend stehen.
„Ihr lebt!", rief er, aber ich sah keine Freude in seinem Blick.
Hey, das war das erste Mal, dass er auch an mich oder die anderen gedacht hat.
„Aber nicht mehr lange.", keuchte Bilbo und lief zu Thorin.
„Hast du den Arkenstein?", fragte Thorin und Bilbo zögerte.
„Der Drache kommt."
„Leute, könnt ihr euch Mal ein bisschen beeilen? Thorin, du sagst jetzt: 'Den Arkenstein!' und setzt deinen Lieblingsblick auf und dann sagst du Bilbo: 'Wir müssen hier raus.' und dann willst du Bilbo abstechen, Thorin, und dann kommt...", denn in diesem Augenblick sah ich ihn schon das zweite Mal an diesem Tag.
„...Smaug!"

Vier Bekloppte in MittelerdeGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt