Anne POV:
„Abend?"
„Sinye."
„Baum?"
„Ähm, galadh."
„Waldgeist?"
Ich blies die Wangen auf. Waldgeist...Waldgeist...Verdammt, wie hieß das noch mal auf Elbisch?
„Qea?", wagte ich vorsichtig einen Versuch. Lailany sah bei meiner Antwort so aus, als würde sie sich gleich von der Brücke stürzen, auf der wir standen.
„Nein! Qea ist das Gemüse!", es war offensichtlich, dass die Elbin keine Geduld mehr mit mir hatte. Ich hämmerte mir mit der geschlossenen Faust gegen meine Stirn, als würde das bewirken, dass ich die richtige Antwort wusste.
„Ähm...", sagte ich gedehnt.
„Ich hab's gleich...Warte..."
Lailany schnaubte. Sie versuchte mich jetzt schon seit zwei Stunden lang mit neuen elbischen Wörtern voll zu prügeln. Meine Konzentration hatte schon längst bye bye gesagt, was die Elbin wohl nicht verstand.
„Ha, ich habs! Saura!", ich grinste triumphierend. Lailany fasste sich kurz an die Nasenwurzel und holte tief Luft bevor sie antwortete.
„Saura wird es ganz bestimmt nicht sein. Das heißt übelriechend, was du jetzt langsam mal wissen solltest. Tavaron ist der Waldgeist, Anne. Tavaron", seufzte sie.
„Ach, das ist doch so ähnlich...", winkte ich schnell ab und war im nächsten Moment wieder ganz woanders.
„Was war noch mal der Himmel?"
„Menel. Und du schweifst schon wieder ab, Anne. Wir waren gerade bei dem Baumtag."
„Jaja, Baumtag, Waldgeist, blablabla. Du hast schon viel zu lange überzogen, ich brauch auch Mal ein biss-chen Freizeit!"
„Du hast den ganzen Tag lang Freizeit gehabt. Wenn du in Bruchtal bleiben willst, musst du damit klar kom-men, dass hier auch Bildung erwartet wird", konterte meine „allerbeste Freundin" gleich zurück.
„Wer hat denn gesagt, dass ich hier bleiben will?", sagte ich entnervt. „Vielleicht habe ich dieses Kaff hier auch langsam mal satt, schon mal daran gedacht?"
Ich wusste, dass ich das lieber hätte nicht sagen sollen, doch langsam hatte ich auch keinen Bock mehr auf das ständige Rumgekeife der Elbin, die jetzt ziemlich fassungslos neben mir stand.
„Das hast du gerade nicht gesagt, oder?!", sagte sie gefährlich leise mit einem vor Wut verzerrtem Gesicht.
„Doch hab ich und jetzt geh ich erstmal etwas Essen. Ich hab nämlich einen Mordshunger."
Mit diesen Worten lief ich einfach an ihr vorbei und ließ sie wütend stehen. Nachdem ich von der Brücke runter war und um die Ecke bog, breitete sich ein zufriedenes Lächeln auf meinem Gesicht aus. Eigentlich war das so gar nicht meine Art, aber irgendjemand musste ihr doch mal die Meinung sagen oder? Ganz in meine Gedanken versunken, merkte ich erst gar nicht, dass ich in jemanden rein gelaufen war. Erst als sich jemand räusperte, blickte ich auf.
„Elrohir!", sagte ich und der Elb gegenüber grinste.
„Knapp daneben, ist auch wieder vorbei. Elladan", korrigierte er mich. Ich überging sein Kommentar einfach und fing nochmal an, als würde ich ihn das erste Mal begrüßen.
„Elladan! Du schon wieder!"
Jetzt grinste er noch breiter.
„Ja, ich schon wieder. Wo wolltest du denn hin?", fragte er interessiert. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass er mir in den letzten Tagen immer hinterher lief, nur um dann in mich hinein zu laufen und dann zu fragen wo ich hin wollte oder wie es mir denn ginge.
„Ich wollte etwas Essen", beantwortete ich seine Frage.
Er blickte kurz zum Himmel und prüfte anhand des Sonnenstandes wie spät es war.
„Es gibt eh bald essen, das lohnt sich jetzt nicht mehr. Ich hab auch eine viel bessere Idee. Kannst du rei-ten?"
Sofort wich alle Farbe aus meinem Gesicht.
„Was? Nein!"
„Das ist nicht schlimm. Dann bringe ich es dir jetzt bei."
„Aber ich will gar nicht!"
Ich protestierte weiter, doch der Elb schob mich einfach in Richtung Ställe und überhörte meine vielen Versuche, mich aus dieser Sache heraus zu ziehen.
„Also, welches Pferd kann ich dir denn geben...", überlegte er laut vor sich hin und schritt die vielen Boxen ab, während er mich hinter sich her zog.
„Gar keins?", machte ich einen Vorschlag.
„Ach, quatsch...Ai!"
„Hä? Ai?", fragte ich verwirrt.
„Oh, kennst du das noch gar nicht? Ai heißt so viel wie, siehe da!"
„Und was soll ich da sehen?"
„Na, das Pferd. Ich weiß, welches Pferd du nimmst!"
Er deutete auf die Box neben sich und erst sah ich gar nichts. Doch als ich näher heran trat, bemerkte ich ein winziges, graues Pony, das in einer Ecke stand und döste.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst", sagte ich und sah ihn zweifelnd an, während er sich schlapp lachte. Oh man, das war sowas von ein schlechter Witz gewesen.
„Haha, ja, jetzt haben wir alle eine Runde gelacht. Kann der Herr jetzt mal zu Potte kommen?", sagte ich ohne zu lächeln.
„Ach, komm schon. Gib zu, das war echt witzig! Jetzt lach doch mal!"
Ich verdrehte die Augen. Was Humor war, musste ich den Elben, glaube ich, noch mal beibringen. Das war ja mal so überhaupt nicht witzig. Ich zwang mich zu einem kurzen, gekünsteltem Lachen, womit er sich zu meiner Verwunderung wirklich zufrieden gab und dann gingen wir endlich weiter.
„Ach, weißt du. Wir nehmen einfach mein Pferd. Das ist am einfachsten."
Ich nickte zustimmend und er schickte mich schon einmal zu der Lichtung vor, wo ich reiten lernen sollte. Also setzte ich mich auf einen umgestürzten Baumstamm und wartete auf den Elben. Dieser kam dann auch nach einer Viertelstunde ganz lässig an geritten und ich verdrehte erstmal die Augen gen Himmel. Aber wenn ich mir das Pferd genauer ansah, konnte man deutlich sehen, dass Elladan zu den etwas reicheren Männern hier gehörte. Er hatte eine edle, weiße Stute mit silberner Mähne, die aufgeregt tänzelte, da sie sich endlich wieder bewegen durfte. Das Pferd schnaubte übermütig und machte einen kleinen Sprung. Sofort rutschte mein Herz in die Hose, oder eher gesagt ins Kleid. Wie sollte ich jemals auf so ein Viech rauf kommen, ohne, dass es mich sofort abwarf?
„Das ist Niquesse.", sagte Elladan stolz und schwang sich aus dem Sattel.
„Niquesse?", wiederholte ich stockend, die Aussprache fand ich immer noch total schwer.
„Ja, Niquesse, das heißt Schneeflocke. Eigentlich ist das Quenya und nicht Sindarin, aber ich wollte einen besonderen Namen...Also, wollen wir anfangen?"
Ich nickte vorsichtig. Eine andere Wahl hatte ich jetzt eh nicht mehr.
*
„Ha, hast du das gesehen, Elladan?", rief ich stolz über die ganze Lichtung hinweg.
„Ja, das machst du schon ganz gut, aber schlag ihr nicht immer so die Hacken in den Bauch, ein leichter Schenkeldruck reicht."
Ich nickte und trieb Niquesse nun vorsichtiger an. Ich saß zwar noch ein bisschen wackelig auf ihrem Rücken, aber für den Anfang war ich laut Elladan ein Naturtalent. Nur beim Traben wurde ich immer hin und her geschleudert, sodass ich lieber erstmal nur im Schritt ritt. Ich fasste die Zügel kürzer und zog sie leicht nach hinten, damit das Elbenpferd stehen blieb. Elladan joggte zu mir und tätschelte Niquesse Hals.
„Gut, versuch jetzt noch einmal zu Traben."
Ich sah ihn zweifelnd an und er nickte mir aufmunternd zu.
Okay, ich schaff das schon, versuchte ich mich selbst anzufeuern. Dann trieb ich das weiße Pferd mit einem leichten Schenkeldruck an und sofort lief Niquesse vorwärts. Nach ungefähr zehn Metern drückte ich meine Hacken noch einmal in ihre Flanke und Niquesse fiel in einen leichten Trab. Auch wenn das als Außenstehender immer alles so einfach ausgesehen hatte, Traben war für einen Anfänger verdammt schwer und das bekam auch ich jetzt zu spüren. Wie ein nasser Sack hing ich im Sattel und wurde so stark hin und her geschleudert, dass ich fast ein Schütteltrauma bekam.
„Oh, Gott!", schnaufte ich und versuchte mich so hinzusetzen, dass ich nicht wie ein Känguru über die Lichtung hüpfte.
Und dann passierte es...
Plötzlich huschte ein Eichhörnchen über die Lichtung, Niquesse erschrak und brannte mit mir auf dem Rücken durch. Das Pferd schoss in einem Höllentempo auf die Bäume zu und ich befürchtete das Schlimmste. Vielleicht wäre es in diesem Moment schlauer gewesen, einfach irgendwie von dem Tier ab zuspringen, aber daran dachte ich natürlich nicht.
Im nächsten Augenblick sah ich noch ein Gewirr aus Blättern und dann knallte ich volle Kanne, ganz Filmreif mit der Stirn gegen einen dicken Ast. Mir wurde kurz schwarz vor Augen und ich lag im nächsten Moment auch schon am Boden.
„Anne? Anne, bist du verletzt?"
Elladan kniete neben mir und rüttelte an meiner Schulter. Ich murrte, konnte aber nicht antworten, da sich alles um mich herum drehte. Ich hielt mir den schmerzenden Kopf und setzte mich stöhnend auf.
„Mein Kopf...", klagte ich nur.
„Rühr dich nicht von der Stelle. Ich fange Niquesse ein und dann reiten wir sofort zurück nach Bruchtal", sagte er besorgt und war schon verschwunden. Ich kniff die Augen zusammen, damit der Schwindel endlich verschwand.
Das wird ne schöne Beule geben...
Nach kurzer Zeit tauchte Elladan wieder auf und stützte mich, während ich zu Niquesse taumelte. Dann versuchte ich irgendwie auf das Pferd rauf zu kommen, was nicht wirklich klappte.
„Warte, ich helfe dir."
Bevor ich protestieren konnte, hatte der Elb schon seine Hände auf meine Hüfte gelegt und mich auf das Pferd gehoben. Dann schwang er sich selber hinter mich in den Sattel, griff um mich herum, packte die Zügel und trieb das Pferd mir einem kurzen Befehl auf elbisch an.
Im fliegendem Galopp ritten wir zurück nach Bruchtal. Ich lehnte mich mit dem Rücken an Elladan und schloss die Augen, damit ich alles um mich herum nicht mehr sehen musste.
„Das ist alles meine Schuld. Ich hätte dich niemals alleine auf Niquesse setzen sollen", murmelte der Elb nah an meinem Ohr, aber mehr zu sich selbst.
„Schon gut, ich hätte auch besser aufpassen sollen", entgegnete ich trotzdem, ohne die Augen zu öffnen. Wahrscheinlich machte er sich jetzt furchtbare Vorwürfe.
Als wir endlich bei Elrond ankamen, ging es mir schon etwas besser. Der Schwindel war fast verschwunden und nur noch meine Stirn pochte. Elladan holte kaltes Wasser, damit ich meine Stirn kühlen konnte, während mich Elrohir nach weiteren Verletzungen untersuchte. Dann kam auch noch ihr Vater und gab mir irgendetwas Ekliges zu trinken, das ich mit viel Gesicht verziehen runter würgte.
Elrond sprach leise mit Elladan und nach seinem Gesicht zu urteilen, schimpfte der Herr von Bruchtal mit seinem Sohn. Ich überlegt kurz etwas zu sagen, ließ es dann aber doch bleiben. Die sollten das unter sich ausmachen.
„Da hat mein Bruder ja ganze Arbeit geleistet", grinste Elrohir und ich verdrehte die Augen.
„Morgen werde ich bestimmt wie ein Einhorn aus sehen..."
„Das würde ich zu gerne sehen!"
„Untersteh dich! Und wehe du lachst!"
Als Antwort grinste der Elb nur und ließ mich dann alleine. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass Elrond und Elladan ebenfalls verschwunden waren. Eigentlich wollte ich noch einmal mit Elladan reden, ich wollte nicht, dass er sich die Schuld an dem Unfall gab. Er konnte ja auch nichts dafür, dass das Eichhörnchen gerade dann über die Lichtung springen musste, während ich auf Niquesse ritt. Ich seufzte und legte mich auf das große Bett in meinem Zimmer. Ich musste nicht lange die Decke anstarrten, da ich schnell einschlief. In meinem Traum tauchte immer wieder ein Gesicht auf, dass von braunen, langen Haaren umrahmt war.
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Vier Bekloppte in Mittelerde
FanficVier Bekloppte schaffen es das Leben in Mittelerde komplett umzukrempeln. Sie halten den krassesten Typen für schwul, spielen ihm Streiche, zerstören eine komplette Frisur und schießen andauernd Selfies. Sie machen mehr kaputt, als irgendwie zu hel...
