Kapitel 94

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Sie haben keine neue Nachricht erhalten

Meine Nerven drehten langsam durch. Ich hatte mir sogar einen Wecker gestellt um nachzusehen ob Rose mir während der Nacht irgendetwas geschickt hatte, aber bekam nicht eine einzige Nachricht.

Es war schwer beruhigt zu schlafen... Warum war sie einfach weg und wieso meldete sie sich bitte nicht?

Ich weiß, Rose war schon zwanzig und erwachsen genug um selbst die Entscheidungen zu treffen, aber wenn man so etwas wie ich durchmachen musste, dann wurde man automatisch nervös.

Rose war normalerweise nicht so. Wir schrieben jeden Tag, hauptsächlich weil uns langweilig ist und es einfach amüsant ist... aber wenn sie doch wusste, dass sie für längere Zeit weg war, warum gab sie mir nicht Bescheid?

Nachdenkend lag ich da und starrte in die Leere Dunkelheit. Es war relativ still, nur selten hörte man hupende Autos oder wie eine Autotür zugeschlagen wird. Mein Fenster war offen und der leichte Wind ließ meine Vorhänge hin und her wehen, als die Nacht zum Tag wurde...

Ich wollte aber nur ein was hören und ein was sehen... Das Vibrieren und das Aufleuchten meines Handys. Ungeduldig wälzte ich mich in meinem Doppelbett hin und her, versuchte jegliche Schlafposition aus, aber wurde kein Stück müde. Ich malte mir aus, wo Rose gerade war und was sie machte... Hatte sie Spaß, war sie gelangweilt, oder krank?

Warum schrieb sie nur nicht?!

Die Nerven zu behalten war nicht wirklich meine Stärke, gutes Argument um zu rechtfertigen, warum ich um sechs Uhr Früh aufstand, mich umzog, schnell etwas aß und aus der Wohnung schlich. Ich hielt es nicht länger aus,... vielleicht war Rose ja schon wieder da und nur müde von der ganzen Arbeit oder dem Notfall, was auch immer es war...

Ich hoffte es zumindest.

Ich schrieb unterwegs Jane und Luke nicht, dass ich unterwegs war und nicht wusste, wann ich wieder kam... Ich hatte es komplett vergessen... auch wenn es einfacher war als sie aufwecken und ihnen Bescheid geben zu müssen... Die beiden waren unangenehme Personen wenn es um ihren Schlaf ging.

Ich nahm weder Taxi noch Bus, ein morgendlicher Walk tat gut und beruhigte etwas meine Nerven, die mittlerweile viel zu verrückt spielen...

Jede rote Ampel brachte mich zum fluchen, jeder Fahrradfahrer, der mich überholte, machte mich aus Ehrgeiz noch ein Stück schneller. Alles was mein Tempo veränderte, hasste oder liebte ich und das ungeduldige Ich in mir machte es mir nicht sonderlich einfach.

Nach einer viertel Stunde kam ich endlich in Rose Straße an und joggte eher den Rest zu der einen bestimmten Hausnummer. Von außen war kein brennendes Licht zu erkennen, was mich die ganzen Stufen hoch sprinten ließ.

Hoffentlich war ich nicht zu früh... oder zu spät... oder doch irgendwie beides?

Ich klopfte gegen die weiße Eingangstür und wartete ungeduldig, dass sie endlich aufging und ich Rose mit einem kleinen Lächeln vor mir stehen hatte.

Ich wartete und klopfte nochmal, nur um weiter dort warten zu müssen...

Sie war nicht da, außer sie war unter der Dusche, aber um halb sieben Frühs? Dass sie schlief war auch nicht wirklich eine Option, Rose schlief nicht tief, sie wachte oft wegen den kleinsten Geräuschen auf und mein Klopfen hätte sie mit Sicherheit nicht überhört...

Wo war sie um diese Uhrzeit nur?

Ich verlor meine Geduld, griff in meine Tasche und suchte nach den Schlüsselbund. Rose hatte mir vor ungefähr zwei Wochen einen Schlüssel zu ihrer Wohnung gegeben und meinte, dass ich egal zu welcher Uhrzeit und egal unter welchen Bedingungen jederzeit zu ihr konnte. Bisher hatte ich noch nicht wirklich einen Grund gehabt ihn zu benutzen,... aber heute hatte ich definitiv einen.

Ungeduldig drehte ich den Schlüssel, bis die Tür leise Klick machte und aufsprang. Alle Lichter waren aus, nur das schwache Licht der aufgehenden Sonne schien durch die ganzen Fenster und Glasscheiben durch.

„Rose?" Rief ich ihren Namen und schloss die Tür hinter mir. Ich bekam keine Antwort.

„Rose?" Versuchte ich es nochmal, während ich in ihrer Wohnung herumlief um nach ihr zu sehen.

Nichts.

Seufzend ging ich hoch, noch eine kleine Hoffnung habend, dass sie eventuell schlief.

Tat sie nicht.

Alles war ordentlich und nichts war aus seinem Platz... Ich hatte ein wahnsinnig ungutes Gefühl. Das letzte Mal, als sowas hier vorgekommen war, ist ungefähr zwei Monate her gewesen.

Rose war ebenfalls urplötzlich ohne viel Information gegangen. Hatte sich genau wie jetzt einfach für einen unbestimmten Zeitraum von der Arbeit frei genommen... und meldete sich auch einfach nicht.

War Rose wieder bei ihm?

Aber warum jetzt? Er hatte sich für eine längere Zeit nicht gemeldet und genau jetzt, wo Rose und ich solche Fortschritte machten, holte er sie sich wieder?

Warum hatte sie mir nicht Bescheid gesagt?!

Mit zittrigen Händen holte ich mein Handy aus der Tasche und wählte Rose Nummer.

Bitte, sie musste ran gehen!

Das letzte Mal ist Rose fast gestorben, wer sagt, dass dieser Kerl sie dieses mal nicht endgültig dazu trieb?

Mailbox.

Es würde kein Sinn machen ihr auf die Mailbox zu sprechen, sie hörte sie so oder so nicht ab, also wählte ich ihre Nummer einfach nochmal, nochmal und nochmal.

Keine Ahnung, wie lang ich in ihrer Wohnung aufgebracht hin und her lief und sie durchgehend anrief.

Hätte sie abgenommen, hätte sie mich nur Schluchzen hören... Der Gedanke, dass ihr erneut etwas zugestoßen sein könnte und ich nichts dagegen gemacht hatte, zerriss mich innerlich.

Sie musste in dem Moment durch die Hölle gehen und ich war nicht bei ihr, half ihr da nicht raus, sondern wartete, bis sie an ihr Handy ging.

Wie konnte ich es nicht eher bemerken?!

Es vergingen Stunden in denen ich immer wieder weinend zusammenbrach und weiterhin versuchte sie zu erreichen.
Es vergingen Stunden, die so qualvoll langsam verstrichen und alles um mich herum vergessen ließen.

Ich wollte wissen, wo Rose war.
Ich wollte glauben, dass sie wirklich wegen einem Notfall weg und nicht momentan um ihr Leben Ringen musste.
Ich wollte sehen, dass es ihr gut ging und sie nicht in einem Zustand war, der einem wünschen ließ endlich tot zu sein.
Ich wollte hören, dass es ihr Leid tat mir solche Sorgen gemacht zu haben.

Ich wollte sie einfach bei mir haben.

Aber sie war weg... und ich hatte keine Ahnung wo sie war.

Nach endlos langen Stunden, schlief ich erschöpft in Rose Bett ein. Ich hatte keine minimale Kraft mehr meine Augen noch irgendwie aufzuhalten, oder meine Finger dazuzubekommen noch einmal ihre Nummer zu wählen...

Ich hoffte, dass ich aufwachte und alles nur ein Traum war. Ich hoffte, dass ich aufwachte und Rose neben mir lag. Ich hoffte es so sehr...

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