„Nein!" Mahnte ich Leighton und versuchte mit meinen Essstäbchen seine Finger zu erwischen. „Das sind meine Frühlingsrollen!"
Er fluchte als ich seinen Finger einklemmte. Ich angelte mir eine der letzten Frühlingsrollen und schob sie mir in den Mund.
Celine besah uns mit hochgezogener Augenbraue, Monty belächelte uns als wäre dies ein normaler Abend unter Freunden. Das war es auch. Leighton und ich hatten uns bei Celine und Monty einquatiert.
Zum Abendessen hatten wir Chinesisch bestellt, nebenbei lief eine alte Serie auf Netflix, die uns zum Essen als Unterhaltung diente.
Wären Celines kritische Blicke nicht, dann könnte ich diesen Abend in vollster Ruhe genießen.
Adriano war so unglaublich überdimensional klug gewesen und hatte Cole von unserem Fehtritt erzählt. Da Celine es nicht leiden konnte, wenn jemand mehr wusste als sie, hatte sie aus Cole herausgefoltert und wusste nun dass Adriano und ich uns geküsst hatten. Celine hat mir Stundenlang Vorträge darüber gehalten was es für mich und mein Leben bedeutet, wenn Leighton von allem Wind bekommt und das alles auf was ich mit ihm hingearbeitet hatte dann weg wäre. Das ich versucht hatte klar zu machen, dass mir diese Küsse am Arsch vorbei gingen, das war ihr egal.
Sie hatte durch Cole die halbe Wahrheit erfahren, nämlich nur das Adriano und ich uns nach dem tanzen geküsst hatten und ich nicht vorher schon ahnen konnte, was er vor hatte oder dass ich ihm eine verpasst hatte, bevor ich ihn küsste.
Unter ihrer Anweisung musste ich meine Bewegungen und Gesten gegenüber Leighton so natürlich halten, als wäre der letzte Mittwoch nie passiert, als wäre Adriano nie aufgetaucht. Sie hatte mir klar und deutlich eingetrichtert, dass ich mich nicht an Adriano verbrennen sollte, jetzt wo ich nach zehn Jahren dabei war mir ein wunderbares Leben mit Leighton aufzubauen.
Als hätte ich genau das nicht auch vorgehabt.
Als würde ich Adriano nach den definitiv Küssen im Park hinterher rennen und mich an ihn schmeißen.
Verdammt ich bin verlobt! Ich bin eine erfolgreiche Anwältin! Da kann ich mir nicht leisten das alles durch einen Mafioso einreißen zu lassen, der meint sich für etwas besseres halten zu müssen.
Adriano hatte ich verziehen, doch das bedeutete nicht, dass ich ihn so nah an mich heran ließ, wie in den Wochen zuvor.
In den letzten beiden Tagen hatte ich nur das nötigste mit ihm geredet.
"Kaileigh?" Monty fuchtelte mit seinen Pikachu Essstäbchen vor meinen Augen herum und deutete mit hochgezogener Augenbraue zu meinem Verlobten.
Ich blinzelte verdattert und schielte den Stäbchen nach zu Leighton, der mich kauend betrachtete.
"Du hast nicht mitbekommen, wie sich Leight deine letzte Frühlingsrolle geklaut hat?" fragte er mich lachend und schüttelte den Kopf.
Celine lachte auf und ließ sich in den Sessel zurückfallen.
"Scheinst ein bisschen neben der Spur zu sein." säuselte sie provozierend und legte den Kopf schief.
Ich biss die Zähne zusammen.
"Das bin ich wirklich." murmelte ich wahrheitsgemäß.
"Gut das ich nicht der einzige bin, dem das aufgefallen ist." mampfte Leighton und deutete mit seiner Gabel auf mich. Ich klaute mir einen Happen Nudeln von seinem Teller.
Er bekam es nicht mit und blickte stattdessen zu Celine.
"Außer in den letzten beiden Tagen, da hatten wir seit langem mal wieder unseren Spaß." vermerkte Leighton und zwinkerte mir zu.
Ich zuckte mit den Schultern.
Ich hatte versucht Adriano aus meinen Kopf zu verbannen und mich auf die Verlobung mit Leighton zu konzentrieren. So wie darauf nach unserem kleinen Streit alles ins Ruder zu bringen. Das hatte mich heute Nachmittag dazu verleitet, dass ich mir eine dieser Hochzeitszeitungen ansah, , die sich in unserer Stube stapelten. Begeistern konnte ich mich nicht.
"Erspart uns die Details, bitte." spuckte Monty mit einem Reißball im Mund.
Leighton legte einen Arm um meine Schultern und zog mich an sich.
"Wir hatten auch nicht vor welche auszurollen." schmunzelte ich und gab Leighton einen Kuss auf die Wange.
Er zog den Kopf zur Seite, so dass meine Lippen auf seinen landeten und wir uns kurz küssten.
Eine Berührung die für mich zu etwas zwanghaften wurde, mir einzureden, dass es zu unserer Beziehung gehöre sich zu küssen. Das tat es auch, aber es hatte seinen Reiz verloren, ein wenig. Auch wenn ich Leighton liebte.
"Freut mich, dass ihr euch nach eurem kleinen Streit wieder vertragen habt." pflichtete Celine bei und klatschte in die Hände. Ich küsste Leighton als Bestätigung erneut und er antwortete ihr für uns beide.
Eine halbe Stunde später lag der Kram vom Chinesen in der Küche und wurde durch Chipstüten, Schokolade und einem ganzen Stapel Taschentüchern ersetzt.
Da unser traditioneller Filmabend bei Celine und Monty stattfand mussten wir als große Eröffnung König der Löwen schauen.
Obwohl Leighton den Film seit seiner Kindheit hunderte male gesehen haben musste, weinte er immer Rotz und Wasser, als Mufasa stirbt und Simba aus der Savanne flüchtet.
Neben ihm sitzend reichte ich ihm ein Taschentuch nach dem anderen und bedachte ihn mit einem wehleidigen Blick. Leighton hatte in den letzten Jahren nur geweint, wenn wir König der Löwen sahen. Es erinnerte mich jedes mal an den gebrechlichen und verletzlichen Leighton von der High School.
Celine hing den ganzen Film über an ihrem Handy und so wie sie andauernd grinste oder kicherte konnte sie sich nur mit einem schreiben, Cole.
Immerhin bedeutete dies, dass sie mich nicht finster ansehen und meine Überzeugung prüfen konnte mit Leighton auf dem Sofa zu kuscheln. Das sie erfahren hatte, dass es zwischen ihm und mir wieder prächtig ließ, sollte ihr Misstrauen schwinden lassen.
Die eine Hand von Leighton war ständig damit beschäftigt seine Tränen zu trocknen, die andere streichelte behutsam und liebevoll meinen Arm oder verschränkte sich mit meinen Fingern, damit er ab und an meine Hand küssen konnte.
"Leute!" Mitten im Film stoppte Monty plötzlich. Er fasste sich hin und weg an den Kopf.
"Ich weiß woher Disneys Idee für König der Löwen kommt!" verkündete er.
Celine sah von ihrem Handy auf, begutachtete Leighton und mich zufrieden und blickte dann mit hochgezogener Augenbraue zu Monty.
"Dann schieß los. Ich will weiter schauen." kommentierte Celine trocken.
"Du schaust eh nicht und schreibst dir nur mit deinem Co... Cody." Monty fing sich bevor es zu spät war.
"Stimmt nicht und jetzt spucke deine Vermutung aus." polterte Celine grob. Sie beugte sich nach vorn und legte ihr Handy auf den Tisch.
"Also..." Monty räusperte sich dramatisch und richtete sich seinen Pullover.
"Ich habe die Vermutung, dass Konig der Löwen die Kinderfreundliche Variante von Hamlet ist."
Leighton und ich prusteten los.
"Was rauchst du bitte Monty?" kommentierte Celine trocken.
Doch Monty blieb todernst. „Nur den handelsüblichen Tabak." beantwortete er nüchtern. „Aber das ist mein totaler Ernst! Ich meine Simba wäre Hamlett und Timon und Pumba Horatio nur mit gespaltener Persönlichkeit. Scar ist Hamlets Onkel und Nala Ophelia, nur dass sie nicht den Verstand verliert." verband Monty König der Löwen mit dem sehr blutigen Shakespear Drama.
"Du weißt schon wie Hamlet ausgeht oder?" harkte Leighton nach und runzelte die Stirn. „Natürlich, deshalb meine ich ja, dass König der Löwen wesentlich kinderfreundlicher ist." grinste er überzeugt.
Wider meinem Willen schlich sich Adriano in meinen Kopf.
Musste er denn dann auch sowas wie ein Neuzeit-Hamlet sein?
Sein Vater wurde umgebracht, nur weiß er nicht von wem. Cole als sein bester Freund unterstützt ihn ohne zu zögern und mit größtem Vertrauen und ich bin Ophelia die nach und nach ihren Verstand verliert und von Glück reden kann noch nicht in den Fluss gefallen zu sein.
Ich spannte mich neben Leighton an, als mir bewusst wurde mit wem ich mich eben im Bezug zu Adriano verglichen hatte.
Ophelia und Hamlet liebten sich, konnten aber auf anraten ihres Vaters nicht zusammen sein und Hamlet musste seine Liebe im Wahnsinn verstecken.
"Du siehst aus als hättest du einen Geist gesehen, Kai." flüsterte Leighton mir zu und küsste meine Wange.
Diese kleine kurze Berührung, die ich sonst immer so süß und geborgen fand, erstach mich nun wie tausend Messer.
"Genau. So wie Hamlet den von seinem Vater." murmelte ich halb zum Witze reißen aufgelegt und wollte plötzlich nur noch aus Leightons Armen entweichen.
Es war der ungünstigste Moment ausgerechnet jetzt an die Küsse mit Adriano zu denken und dieses verräterische prickeln in meinem Magen, welches mich im Nachhinein an unser erstes Date zurückerinnerte.
Damals war alles noch so unschuldig und einfach, wenn man Leightons persönliche Kriese zu diesem Zeitpunkt aus dem Spiel ließ.
Aber zumindest an diesem einen Abend war für Adriano und mich alles einfacher.
Ohne das ich es mitbekommen hatte, hatte ich mich tatsächlich aus Leightons Arm geschält und saß wenige Zentimeter auf Abstand zu ihm.
Celine hatte meinen plötzlichen Stimmungswechsel mitbekommen und blickte mich fragend an, unterbrach ihre Hamlet-Diskussion mit Monty jedoch nicht.
Leighton rückte näher zu mir und legte meinen Kopf auf seine Schulter und seinen Arm um mich. Was sich vor wenigen Minuten normal und geläufig angefühlt hatte, erschien mir genauso gezwungen wie jeder der einzelnen Küsse und Nächte mit ihm in den letzten Tagen.
Verzweifelt zwang ich mein Gewissen auf Hochtouren mir meinen Fehler zu verziehen.
"Können wir weiter schauen?" warf ich in den Raum und lehnte mich nach vorne, zum einen um von Leighton los zu kommen und zum anderen, um die Fernbedienung von Monty zu klauen.
Ungefragt und trotzt laufender Diskussion von Monty und Celine ließ ich den Film weiter laufen und zwang mich dazu in Leightons Armen zu versinken.
Entspannen konnte ich mich neben ihm nicht mehr und viel besser wurde es auch nicht, als er mich darauf ansprach, dass er mitbekommen hatte wie ich durch die Zeitungen in der Stube gestöbert habe.
Was ich heute ohne weitere Bedenken gemacht hatte, fiel mir genau so schwer auf die Füße wie die letzten Wochen mit Adriano.
"Ich... die haben mich angelächelt." stammelte ich auf Leightons Frage. „Hast du wenigstens etwas interessantes gefunden? Unsere Traumkirche, unser Ziel für die Flitterwochen?" fragte er mich interessiert aus.
Ich presste die Zähne zusammen und schüttelte den Kopf. „Noch nicht. Ist außerdem alles zu teuer." redete ich mich hadernd heraus und wollte doch nur wieder König der Löwen schauen ohne an Adriano denken zu müssen oder über Hochzeiten zu reden.
Doch Leighton konnte nicht aufhören. Er musste weiter und weiter über seine große Traumhochzeit reden und Monty auch noch mit aufmischen.
"Also da Celine die Ringe für die Verlobung ausgesucht hat, hat Kaileigh mir versprochen die für eure Hochzeit auszusuchen." erinnerte Monty sich breit grinsend.
Celine lächelte, doch es erreichte ihre Augen nicht.
Ich wusste, dass sie merkte dass ich mich neben Leighton nicht wohl fühlte und mich das Thema der Hochzeit in die Enge trieb.
Dabei sollte ich voller Eifer mitreden. Jedes kleine Mädchen träumte von einer solchen Hochzeit, wie Leighton sie sich ausmalte, doch mir erschien diese als ein blanker Alptraum.
"Ich finde ihr solltet erst mal halblang machen." brachte Celine Leighton und Monty in ihrem Planungswahn wieder auf den Boden. „Leight, Kai, ihr seit sicherlich noch eine ganze Weile verlobt, lasst euch mit der Planung doch Zeit." redete sie langsam und klar auf meinen Verlobten ein und sah mich dabei mahnend an. „Und Montgomery, die Ringe werden sicherlich nicht deine Aufgabe werden." nahm sie Monty seine Vorstellung von Hochzeitsringen die aussahen wie aus Herr der Ringe.
Leighton und Monty nahmen das ganze locker auf und zogen gespielt einen Schmollmund.
Ich lachte leise und drückte Leightons Hand.
"Celine hat recht. Wir haben noch Ewigkeiten Zeit unsere Hochzeit zu planen." flüsterte ich Leighton zu und spürte wie in mir minimal Normalität einkehrte.
„Stimmt." Leighton küsste meine Wange.
Unwohl rutschte ich neben ihm herum. „Vielleicht sollten wir warten, bis wir Kinder haben. Dann müssen wir uns um keine Blumenkinder kümmern." schlug er stattdessen strahlend vor.
Kaum waren Adriano und Hochzeit fast abgeschlossen da schlich sich die Kinderplanung in den Mittelpunkt.
Jegliches Gefühl sich neben Leighton normal zu fühlen verpufft.
"Wir können uns auch die Kinder von deiner Cousine leihen." überlegte ich seufzend. „Ich bin mir sicher Sierra wäre hin und weg die beiden in süßen Kleidern und mit Blumen zu sehen." redete ich ihm mit Magenschmerzen aus, versuchte ich zumindest.
"Aber stell dir unsere eigenen kleinen Blumenkinder vor, wie sie dir den Weg zum Altar verschönern und uns den Weg aus der Kirche." Leighton hatte alles perfekt vor seinen Augen.
"Leute... Mir wird das langsam zu viel Hochzeitsplanerei und da ich für die Ringe raus bin ist das auch nichts mehr was mich zu interessieren hat." räusperte sich Monty und stand in einem Schwang vom Sofa auf. „Ganz typisch für dich." lachte Leighton und trommelte mit seinen Fingern auf meiner Schulter herum.
"Sobald etwas für dich uninteressant wird, willst du es vom Tisch haben." zog er seinen besten Freund auf.
Monty zog eine Augenbraue hoch. „Redest du von Celines Männerverbrauch oder von mir?" Monty begriff Celine mit einem makaberen Kommentar mit ein.
Die griff nach dem nächstbesten Kissen und schmiss es Monty an den Kopf.
"Mit Cody bin ich mittlerweile seit anderthalb Monaten zusammen, falls du es nicht mitbekommen hast. Das ist die erste Beziehung seit zehn Jahren die nicht nach drei Wochen uninteressant wird."
Anerkennend zog Leighton die Augenbrauen hoch und verzog das Gesicht.
"Dann scheint er dich mächtig auf Trapp zu halten."
Bitter lächelte Celine. „Allerdings, das tut er." säuselte sie. „Willst du ihn uns vielleicht mal vorstellen?"
Celine sog die Luft ein und setzte ein verspieltes Grinsen auf.
Monty ergriff gekonnt vor ihr das Wort. „Du willst Cody nicht kennenlernen. Er hat genau so eine Meise wie Celine, nicht wahr Kai?"
Musste Monty mich auch noch in die Sache mit reinziehen?
Sollten sich meine drei Schicksalsprobleme den ganzen Abend aneinander reihen, würde ich mich Kopfüber vom Balkon stürzen.
"Allerdings. Cody ist das perfekte Abbild von Celine." suchte ich eilig und überzeugend meine Worte zusammen. „Wie kommt es, dass du ihn kennst und ich noch nicht?" harkte Leighton an mich gerichtet nach. Er suchte dann den Blick von Celine und Monty.
Wir drei sahen uns gegenseitig nach Hilfe suchend an.
Die Situation war heikel. Keiner von uns durfte etwas falsches über Cole sagen.
"Ich geh rauchen. Das hatte ich schon vor einer ganzen Weile vor." entzog Monty sich gekonnt einer möglichen Aussage.
"Leight kommst du mit?" eine Frage die Monty immer an meinen Verlobten stellte, doch Leighton lehnte heute zum ersten mal seit einer ganzen Weile ab.
Ich stattdessen sah meine Gelegenheit diesem Teufelskreis unter Celines prüfenden Blicken, Leightons Armen, Adriano, Hochzeit und Kindern zu entkommen.
"Ich komm mit." etwas zu überschwänglich schob ich Leightons Arm von meiner Schulter und stand auf meinen Beinen. Überrascht verzog Monty sein Gesicht.
"Ich brauche frische Luft... mir... mir ist es zu warm hier." ruderte ich unter erwartungsvollen Blicken mit meinen Worten.
In den ganzen acht Jahren in denen Monty nun rauchte, hatte ich ihm nicht einmal frewillig Gesellschaft dabei geleistet.
Doch heute musste ich von Leighton und Celine wegkommen.
"Na dann." Monty klatschte in die Hände und zog mit mir hinter ihm durch die Stube in die Küche.
Er sammelte sich seine Zigarettenschachtel und ein Feuerzeug zusammen. Ich verschwand vor ihm auf den kleinen Balkon.
Der Komplex von Monty und Celine ist nur wenige von dem entfernt, in dem Leighton und ich unsere Wohnung hatten. Von hier aus konnte ich zu unserem Balkon schauen und erkennen, das ich das Licht in der Stube angelassen hatte, bevor wir gegangen sind.
"Du kommst sonst nie mit mir raus." erkannte Monty, als er hinter mir auftauchte und sich eine Zigarette anzündete.
Ich nickte nur und sah weiter in den Sonnenuntergang.
"Hast du wieder Stress mit Leight?" harkte Monty nach.
Ich schüttelte den Kopf und stieß die Luft aus. „Das hat sich offensichtlich geklärt."
Schweigen brach aus.
"Celine hat mir erzählt was passiert ist." verriet Monty plötzlich. Er stelle sich neben mich ans Geländer.
"Du... du solltest vor Leighton vielleicht langsam mal auspacken, Kai." schlug er mir vor und sah mich besorgt an. „Also neben der Sache dass du noch nicht Heiraten oder Mutter werden willst ich meine... ich glaube du weißt was ich meine." umschrieb er grob, dass er ganz klar von dem Kuss mit Adriano Bescheid wusste.
Toll das zum Thema beste Freundin, die die ganz großen Geheimnisse für sich behalten sollte.
"Genau das hat Celine auch gesagt. Aber für euch ist das alles scheinbar so einfach.
Ach ich hab da einfach mal einen anderen geküsst. Am besten reden wir das unter den Tisch und vergessen es danach."
Es war das erste Mal überhaupt, dass ich mehr oder Weniger die Situation von Mittwoch ansprach, dass ich es überhaupt von selbst in den Mund nahm.
"Sie macht sich sorgen. Leight und Celine haben recht, als sie meinten, dass du in letzter Zeit neben der Spur bist. Vor Leighton kannst du es auf die Arbeit schieben, aber Celine ist klar, dass dich Adriano so aus der Bahn haut und das seit er wieder aufgetaucht ist und seit... naja du weißt ja."
Ich erlebte Monty wirklich selten so ernst, wie eben und irgendwie machte mir es angst, wie viel er über die letzten Wochen mitbekommen hatte und wusste.
"Sie muss sich keine Sorgen machen. Ich bin verlobt." Mit der Hand zeigte ich in die ungefähre Richtung der Wohnstube und sah überzeugt zu Monty.
"Leighton und ich haben uns nicht umsonst durch die Scheiße gekämpft um nun hier zu stehen und zu sagen, dass wir irgendwann über eine Hochzeit und Kinder reden können."
Monty zuckte mit den Schultern und pustete den Rauch aus.
"Eine Hochzeit und Kinder die du offensichtlich nicht haben willst."
„Die ich..." ich hielt inne und schüttelte den Kopf.
"Du verstehst das nicht." brummte ich und sah in die Straßen hinab.
Mitten in der Stille schob sich Adriano in meinen Kopf.
Ich erinnerte mich daran, als ich ihn das erste mal gesehen habe und von seinem Selbstbewusstsein komplett in den Bann gezogen wurde.
Ich erinnerte mich daran, wie ich ihn vor einigen Wochen in seinem Hotelzimmer von neuem begegnet bin und wie er bei seinem ersten Auftauchen mein ganzes Leben in die Hand genommen hatte und mir so vieles schwerer machte, als es eigentlich war.
"Kann ich auch eine?" schneller als ich denken konnte, hatte ich gesprochen und deutete mit dem Kinn auf die Zigarette in Montys Hand.
Er zögerte, aber schüttelte den Kopf.
"Du hast vielleicht ein paar mächtige Probleme um dich herum, aber das ist noch lange kein Grund um mit dem Rauchen anzufangen." argumentierte er.
Ich sollte Erkenntnis bekommen und einsehen, dass er recht hatte, aber ich hasste es nicht im Recht zu stehen.
"Dann muss dein Grund deine Gesundheit aufs Spiel zu setzen wesentlich schlimmer sein, als ein überschwänglicher Verlobter der nur noch Hochzeit und Kinder im Kopf hat, während man selbst davon eingeengt ist und zu allem überfluss auch noch der verhängnisvolle Ex auftaucht, der einen komplett aus der Bahn reißt." beschrieb ich meine derzeitige Lage grob und provozierend.
Monty zog an seiner Zigarette und stieß die Luft aus.
"Dein Verlobter wird mich dafür umbringen." blubberte er und verstaute die Zigarette am Aschenbecher auf dem kleinen Tisch.
"Ich werde dich umbringen, wenn du ihm das verrätst." konterte ich und verschränkte die Arme vor der Brust, als Monty nach der Zigarettenpackung auf dem Tisch griff und mir eine Zigarette herauszog.
Geübt zündete er sie an und händigte sie mir aus.
"Bist du dir sicher, dass deine Probleme das wirklich wert sind?" vergewisserte er sich, bevor ich die Zigarette zwischen meine Finger nahm.
Mein Ich, dass die letzten Zehn Jahre an Leightons Seite verbracht hat und nie über etwas anderes als ihn nachgedacht und immer das richtige getan hat weigerte sich nach Strich und faden die Zigarette wirklich anzunehmen, geschweige den überhaupt danach zu fragen.
Das Ich, dass über die letzten Wochen Hand über mich erlangt hatte. Das ich, das begonnen hatte neben Leighton an einen anderen Mann zu denken, dass begonnen hatte Chaos zuzulassen verzehrte sich danach etwas zu machen was mir den Hauch einer ruhigen Sekunde geben konnte.
Wenn ich mich richtig erinnerte, war es genau das was Rauchen bezwecken sollte, den Kopf leer zu bekommen und an nichts zu denken.
Genau das war dann wohl auch meine Motivation nicht länger zu denken und mir die Zigarette einfach zwischen die Lippen zu schieben und einzuatmen. Wenn auch nicht zu tief.
"Kaileigh, du hast echt ne komplette Meise." betitelte Monty mich und schüttelte fassungslos den Kopf. Ich stieß die Luft aus und war komplett eingehüllt im Rauch.
"Wieso hustest du dir nicht die Seele aus dem Leib?" Monty riss die großen braunen Hundeaugen auf und sah mich an wie ein Alien.
"Ich hab genügend gelesen um zu wissen, dass man beim rauchen nicht zu tief einatmen soll, damit der Rauch nicht in den Rachen kommt." erklärte ich Monty und fand es verwundernd wie dieses komische Gefühl und dieser eigenartige Geschmack mich weder anekelten noch störten.
Da war nichts was mich abschreckte. Auf eine ganz eigenartige Weise fühlte sich dieser Zug richtig an.
"Würde ich es nicht besser wissen, hätte ich gesagt, du hast schon mal geraucht."
Ich schüttelte den Kopf.
"Bis eben hab ich noch nie daran gedacht." gab ich offen und ehrlich zu und setzte erneut an.
Diesmal wagte ich einen etwas kräftigeren Zug und konnte spüren wie es bis in mein Gehirn qualmte und meine Gedanken ausräucherte.
Ich schloss die Augen und atmete wieder aus.
"Kaum zu glauben." hörte ich Monty lachen und öffnete meine Augen wieder. „Du kannst dir durchs lesen aneignen, wie man richtig zu rauchen hat."
Ich nickte. „Vorzüge eines fotografischen Gedächtnisses" grinste ich und langte an Monty vorbei um die Asche von der Zigarette zu tupfen.
"Irgendwie wirkst du tatsächlich entspannter, als in den letzten Wochen." witzte Monty und besah mich bedauernd.
Traurig, dass es mit mir schon so weit kommen musste, dass ich mein unnötiges Wissen über das Rauchen wirklich einmal anwenden musste.
"War dann wohl doch keinen Fehler mir die Zigarette auszuhändigen." säuselte ich und zog erneut an ihr, pustete den Rauch wieder auf und fühlte mich als könnte ich sorgenlos über den Wolken tanzen und komplett abschalten.
"Das wird sich erst zeigen, wenn Leighton oder Celine davon mitbekommen." murmelte Monty und ließ die Schultern hängen. „Du weißt, dass die beiden gar nichts davon halten." Er deutete mit seinen Augen auf die Zigarette zwischen meinen Fingern.
"Ich bin erwachsen, was sollen sie machen? Mir Hausarrest geben? Das wäre Freiheitsberaubung und Einschränkung des freien Willens." ratterte ich eifrig herunter.
"Dann müssen meine Eltern aber eine Menge Haftstrafen auf dem Konto haben." lachte Monty erheitert und fuhr sich durch die Haare.
"Du hast Hausarrest bekommen? Daran kann ich mich gar nicht erinnern."
Und das mochte bei mir etwas heißen, wenn ich mich nicht an etwas erinnern konnte.
"Das war bevor ich euch kennengelernt habe.
Also bevor du dich damals mit den älteren Schülern angelegt hast und Leighton und ich in Musik zusammengearbeitet haben." erklärte er mir und blickte in die Ferne.
"Ich habe Schule gehasst und deshalb oft geschwänzt oder Mist nach dem Unterricht gemacht.
Bevor ich an die Middle School bin. Ich war ein richtiger kleiner Punkpinguin.
Hab das Auto vom Direktor eingeseift mit Schlagsahne oder meinen Klassenlehrer ein Nagelbrett auf den Stuhl gelegt." erinnerte er sich seufzend zurück.
"Wow." mehr konnte ich nicht sagen. Ich wusste das Monty es nicht einfach hatte, bevor er bei uns Anschluss gefunden hatte, aber dass er so darauf reagierte überraschte mich wirklich.
"Der Hausarrest hat mir eigentlich gar nichts gebracht, bis auf dass ich keine Play Station mehr spielen durfte. In der Zeit hab ich angefangen die Gitarre und den DJ Kram von meinem Vater interessant zu finden. Das wurden dann meine einzigen Freunde."
"Und dann kamen wir." führte ich seine Geschichte fort und breit lächelnd nickte er. „Dann kamt ihr. Und ich habe mich das allererste mal willkommen und aufgehoben gefühlt." bestätigte er.
Bis jetzt hatte ich selten wirklich vertraut und unter vier Augen mit Monty geredet.
Das mochte auf jeden Fall davon kommen, dass wir gemeinsam auf dem Balkon rauchten. Sonst redeten wir immer nur ganz locker und scherzhaft miteinander. Wirklich ernst unterhielten wir uns selten, obwohl ich ihn mit zu meinen besten Freunden zählte und das seit über zehn Jahren.
Ein wenig merkwürdig, wenn man bedachte wie lange wir uns kannten, jetzt vermeidlich das erste mal wirklich miteinander zu reden.
"Sag mal was macht ihr hier so lange?" Celine stand auf einmal an der Balkontür.
Grade so schaffte ich es den Rest der Zigarette zwischen meinen Fingern fallen zu lassen, so dass sie nicht sehen konnte, was ich gewagt hatte aus verzweiflung zu tun.
Ich bereute es nicht mal geraucht zu haben.
"Wir reden nur." erfasste Monty das Wort für mich und schielte mich kurz an, als hätte ich den Verstand verloren einen Zigarettenstummel ein Hochhaus runter fallen zu lassen.
Aber die Luft war feucht und den halben Tag über hatte es geregnet. Es würde sicherlich nichts anbrennen.
"Ihr redet aber schon ziemlich lange, dafür dass du nur eine Zigarette rauchen wolltest." zweifelte Celine an und beäugte uns als würde sie ahnen, was ich getan hatte.
"Ich habe sie genossen, damit meine Lunge noch langsamer und qualvoller stirbt und du mich noch etwas länger ertragen musst." flötete Monty mich Rücken deckend.
Celine stiefelte zu uns auf den kleinen Balkon und zog eine Augenbraue hoch.
"Ich könnte dich einfach hier runter stürzen und meine Ruhe haben..."
Etwas zu überarrangiert fiel ich meiner besten Freundin ins Wort. „Das wäre Mord und in Washington Höchststrafe."
"Dazu wollte ich grade kommen." Celines Ton senkte sich und wie ein Hund hob sie ihre Nase und schupperte in meine Richtung.
"Sag mal Kaileigh hast du sie noch alle?!" Sie zog die Balkontür hinter sich zu und sah mich fassungslos an.
"Fängst du jetzt auch schon mit dem scheiß an?" fuhr sie mich an und schüttelte mich an meinen Schultern.
"Mit was?" stellte Monty sich unwissend.
Celine wandte sich an ihren besten Freund und schnippste ihn gegen den Kopf.
"Frag das noch so blöd!" zischte sie. „Du hat geraucht!" beschuldigte sie mich und drehte sich wieder zu mir.
Ich schüttelte den Kopf. „Ganz sicherlich nicht." log ich ohne mit der Wimper zu zucken und hinderte mich daran defensiv meine Arme vor der Brust zu verschränken.
"Doch. Ich bin doch nicht blöd. Aus deiner Richtung kommt die selbe Todesfahne, wie aus Montys." redete sie sich ein.
Ich biss die Zähne zusammen. „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass sich in der Nähe eines Rauchers alles andere seinem Geruch anpasst. Somit kann ich klar sagen, dass ich durch Monty nach Rauch rieche und nicht dadurch das ich geraucht habe." schmiss ich mit Fakten um mich und hoffte dass sie nicht weiter auf ihrer wahren Anschuldigung stehen blieb.
"Das will ich für dich hoffen." brummte sie. „Du gehst aber jetzt dennoch auf direktem Weg ins Bad, sprühst dich von oben bis unten mit Deo ein und putzt dir drei mal die Zähne mit doppelter Menge an Zahnpasta."
Sie zweifelte an der Wahrheit meiner Worte, so wie daran dass ich überhaupt noch etwas für Leighton fühlte.
"Wie du willst." gab ich nach und schob mich an ihr vorbei.
Widerstand hätte mich nur noch verdächtiger gemacht und ich hatte den Hauch einer Hoffnung, dass Celine vielleicht wirklich von mir dachte, dass ich nicht geraucht hatte.
Komischer weise fühlte ich mich nicht schlecht dafür auch noch meiner besten Freundin dreist ins Gesicht zu lügen.
Das sollte ein Anstoß sein etwas in meiner Denk- und Verhaltensweise zu ändern. Vielleicht sollte ich mich endlich dazu ringen mit Celine über das geschehene zu reden, ihr die Wahrheit zu erzählen und sie nicht das glauben zu lassen, was sie von Cole erfahren hatte.
Doch ich nahm es hin.
Ich nahm es hin, dass sie mich Sonstwas beschuldigte, dass sie mich überprüfte ob ich auch nicht von Leighton abkam, dass sie nur die hälfte von allem wusste.
Ich nahm es hin meine beste Freundin anzuschwindeln und sie Gott weiß was über mich denken zu lassen.
Durch ihre und Montys Wohnung stürmte ich ins Bad und schlug die Tür zu.
Auf einen Schlag wurde ich Wütend und hatte keinen Grund dazu.
Oder doch? Wenn ich an den ersten Tag nach meinem Urlaub dachte und alles was ab da an passierte, dann hatte ich einen Haufen Gründe wütend zu sein.
Das Ich im Spiegel blickte mich an, wie eine vertraute Fremde.
Zum aller erstem mal konnte ich nun von mir sagen, dass man mir meine neunundzwanzig Jahre ansah und das machte mir angst.
Also nicht mein Alter, mehr die Tatsache, dass man mir ansah, wie betagt ich war.
Ich raufte meine dunklen Haare und sog die Luft ein.
Der Rausch vom Rauchen verflog und langsam kehrte all der Stress wieder in mein Hirn zurück, all die Gewissensbisse, die ich in den letzten Minuten verdrängen konnte.
Etwas in mir flüsterte mir zu, dass ich es bereuen sollte eine Zigarette angerührt zu haben, die andere Seite in mir, die neue die das Chaos magisch anzog, die redete mir diese Reue aus.
Laut dieser Seite war es etwas gutes mich einmal vergessen zu lassen und die Beklommenheit abzulegen, die sich an mich geheftet hatte.
Kopfschüttelnd griff ich nach dem Becher mit den unbenutzten Zahnbürsten und suchte mir eine heraus.
Gehorsam kam ich Celines Bitte nach mir mehrmals die Zähne zu putzen.
Ich war mir sicher, sie hatte erkannt das ich log, doch wollte mir dafür später den Arsch aufreißen, wenn mein unschuldiger und unwissender Verlobter nicht in der Nähe hockte und darauf wartete mich wieder in seine Arme nehmen zu können.
Was war das außerdem, das so abfällig über Leighton und unsere Verlobung dachte?
Ich wollte so nicht über ihn denken, selbst wenn wir es in den letzten Wochen nicht immer einfach hatten und ich meine Macken ihm gegenüber entwickelt hatte mich vor ihm zu verstecken.
Mich sollte der Gedanke in seinen Armen zu liegen dennoch beruhigen.
Aber seit Wochen hatte mich nichts mehr so beruhigt wie diese eine Zigarette eben.
Sorgsam putzte ich die Zahnbürste ab und sprühte mich danach von oben bis unten mit einer beinahe giftigen Menge an Deo und Parfüm ein, bevor ich mit schweren Schritten das Bad wieder verließ.
Celine stand hinter der Tür und erschreckte mich zu Tode.
"Wir müssen reden." meinte sie kalt und auffordernd.
"Ich habe nicht geraucht." konnte ich mir denken, dass sie darauf hinaus wollte.
Doch sie schüttelte den Kopf.
"Das meine ich nicht. Ich glaube dir, wenn du sagst, dass du nicht geraucht hast. Du wärst echt nicht der Typ dazu."
Innerlich lachte ich auf. Bis vor wenigen Tagen dachte ich auch noch nicht daran, dass ich der Typ Frau war, der in der Lage war andere Männer schlagen zu können.
"Ich meine die Sache mit Adriano." spezifizierte Celine sich und lehnte sich gegen die Wand im Flur.
"Was gibt es da zu reden?" lachte ich bitter. „Wir reden kaum noch, sehen uns nicht an und arbeiten auf ganz geschäftlicher Ebene miteinander."
"Das ist mir zu Ohren gekommen, aber dennoch. Du solltest wirklich darüber reden. Über das was da passiert ist."
Ich warf die Arme in die Luft und hatte meine Mühe mich ruhig zu halten.
"Da ist nichts passiert. Er hat mich geküsst, ich hab ihn dafür eine verpasst und... und bin gegangen."
Celine zog eine Augenbraue hoch. „Da hab ich aber etwas ganz anderes gehört. Nach deiner legendären Ohrfeige hast du ihn erneut geküsst Kaileigh." zischte sie so, dass uns Monty und Leighton nicht hören konnten.
"Und das hat dich genau was anzugehen?"
Ich kniff die Augen zusammen und wollte wider meinem inneren lauten Schreien nach Klärung für das was ich Adriano gegenüber in diesem Moment gefühlt hatte, nicht mit ihr darüber reden. „Das da auf dem Sofa dein Verlobter liegt, der anfängt sich die Schuld an deiner Distanzierung zuzuschieben."
Mit der Hand deutete Celine auf die Wohnstube und plüsterte sich im Reden auf.
"Er denkt, dass du ihm ausweichst, weil du ihn weder liebst, noch ihn heiraten oder Kinder haben willst. Er hat mir eben erzählt, dass er anfängt es zu bereuen sich mit dir verlobt zu haben." aufgebracht fuchtelte sie vor mir herum.
Ich sah an ihr Vorbei zu Leighton, den ich vom Flur aus auf dem Sofa sitzen sah.
Konzentriert blickten seine blauen Augen auf den Fernseher.
Seine goldenen Locken thronten um sein disneyprinzenhaftes Gesicht.
"Dich hat meine Beziehung doch auch nicht interessiert, als du für Adriano meine Schuhe ausgesucht hast, also höre auf jetzt so zu tun, als würde es für dich das Ende der Welt bedeuten, sollte Leighton und mir etwas dazwischen kommen." presste ich hervor und riss meinen Blick wieder von Leighton los, da es in meinem Herz zu sehr stach ihn unwillentlich zu verletzen.
Mit meinen Worten rieb ich Celine nicht grade Honig um den Mund. Sie hatte sicherlich etwas anderes von mir erwartet. „Es geht hier nicht um mich, Kaileigh!" sie stampfte auf den Boden. „Außerdem steht schon lange etwas zwischen Leighton und dir. Das ist zum einen Adriano und zum anderen die Tatsache, dass du nicht Klartext mit ihm reden kannst."
Ich raufte mir die Haare.
"Genau! Ich geh jetzt einfach zu Leighton und erzähle ihm alles was passiert ist, seit er mir den Ring auf den Finger gesteckt hat. Am Ende habe ich mich dann um zwei Morde zu kümmern."
Mein Ton wurde eine Stärke lauter.
"Oh Gott. Du bist echt dämlich."
Celine hielt sich den Kopf. „Ich rede davon, dass du ihm endlich selber ins Gesicht sagen sollst, dass du dich aktuell noch nicht so weit fühlst Hochzeit und Kinder zu planen. Mehr verlange ich nicht, aber irgendetwas was Leighton wieder aufbaut, was ihm wieder Hoffnung mit dir gibt."
Sie flehte beinahe darum, aber irgendwie wollte mich dies nicht erreichen.
Ich wusste, dass Leighton mich verstand, ich wusste dass er es mit mir gemeinsam verschieben würde, aber ich wollte mir diese Idylle im Kopf behalten, dass es eine Sache gab, in der wir uns nicht einig waren.
Ich wollte mir beibehalten, dass ich genau deshalb Sauer auf ihn werden konnte, um mich von ihm abzuschotten.
Regelrecht nutzte ich seine Wünsche aus, drehte ihnen den Hals um und schob die Schuld dafür Leighton in die Schuhe. Indirekt machte es so vieles einfacher, aber mein schlechtes Gewissen ihm damit wirklich weh zu tun und ihm noch viel mehr zu verheimlichen, das nahm so dennoch nicht ab.
"Ich versuch es ihm beizubringen." gab ich Celines gequassel nach, auf der anderen Seite wollte ich Leighton wirklich nicht antun, dass er unsere Verlobung bereut.
Ich liebte ihn und die letzten Jahre hatte sich das nie geändert, nur wurden wir noch nie auf so eine krasse Probe gestellt, bei der ich ihn seit Wochen anlügen musste, auf Abstand zu ihm ging und einen anderen Mann küsste.
Eine Probe. Das musste es sein, dass mir das Schicksal in Form von Adriano aufgab.
Ich musste Leighton beweisen wie viel er mir bedeutete, in dem ich Adriano überwand und wir danach unseren Plänen nachgehen konnten.
Ohne einen weiteren Wortwechsel zog ich in die Wohnstube ab und kuschelte mich neben Leighton.
Ich musste diese Probe bestehen, der Welt, mir, und vor allem Adriano zeigen, dass ich Leighton liebte und wir zusammen gehörten.
Doch keiner hatte mir gesagt, dass eine Probe damit verbunden war, dass sich andauernd ein anderes Gesicht in mein Hirn schlich, sobald ich mit Leighton redete, ihn küsste oder andere vertraute Dinge mit ihm tat.
Keiner hatte mir gesagt, dass Adriano sich so stur in meinen Kopf einpflanzte und mich immer wieder dazu verführte die Probe nicht zu bestehen.
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Deadend
Romance"Was soll ich denn bitte machen, dass über dein Erscheinen von meinen Kollegen als Notfall gesprochen wird. Habt ihr mit Menschen gehandelt und ich soll Spuren verwischen? Habt ihr Gelder hinterzogen? Jemanden ausversehentlich mit einem gezielten Ko...
