„Ross ist so ein Engel." schwärmte Celine in höchsten Tönen von ihrer neuen großen Liebe und versenkte verträumt die Gabel in ihrem gemischten Salat.
Leighton und ich warfen uns wissende Blicke zu und wussten, dass dieser Engel nicht lange Flügel tragen würde.
In sieben Tagen fing sie an sich über ihn zu beschweren und in vierzehn Tagen hatte sie ihn auf einem Silbertablett abserviert und vergessen.
"Das war Liebe auf den ersten Blick, als wir uns letzte Woche begegnet sind. Ich glaube das wird was ernstes." blieb sie hoffnungslos überzeugt von ihrer neuen Flamme.
Leighton tat das, was ich versuchte seit zehn Minuten zu vermeiden. Er seufzte laut und schüttelte mit bitterer Miene den Kopf.
"Celine, das hast du schon bei wie vielen gesagt?" harkte er nach.
Verunsichert sackte sie in sich zusammen und spielte mit einer grünen Haarsträhne. „Oft. Aber ich bin mir wirklich sicher, Leight." wiederholte sie inbrünstig und sicher,
"Ross ist der Wahnsinn, er hat sonnenblonde Haare und das süßeste Lächeln überhaupt. Süßer als das von Monty oder von dir Leighton und bei euch beiden Punks mag das schon etwas bedeuten." beteuerte meine beste Freundin mit striktem herzförmigen Gesicht und mit einem Happen Salat im Mund.
Leighton zog an seinem Lippenpiercing und sah an sich herunter.
"Ich bin kein Punk." stritt er Stirn runzelnd ab und zuppelte an seinem schwarz-rot karierten offenem Hemd unter dem er ein altes Band T-Shirt trug was ihn in seinem Outfit zur Zielscheibe eines Punkklischee machte.
"Ich färbe mir nicht andauernd die Haare und ich höre komplett andere Musik als Monty." was nicht ganz richtig war.
Wir alle wussten, dass Leighton und Monty auf die gleiche Musik abfuhren und abrockten. Leightons Haare hatten tatsächlich noch nie einen Hauch Farbe gesehen.
Monty dagegen färbte sich monatlich die Haare. Celine sah dies immer als ihren Vorteil sich mit der restlichen Haarfarbe ein paar Strähnen zu klauen.
Ihre Haare waren dunkelbraun aber melliert mit Strähnen in den Farben des Regenbogens.
"Apropos. Wo steckt dein Punkpinguinbruder eigentlich? Ich habe ihn seit heute Morgen auf dem Schulhof nicht mehr gesehen." wechselte Celine das Thema zu Monty und ließ ihre Augen ausschweifen.
"Habt ihr die Neulinge schon gesehen? Richard hat gesagt, dass die beiden heute Morgen in den ersten Stunden eine ziemliche Show hingelegt haben."
Dieses Mädchen hatte die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfisches, wenn es nicht um das Thema ihrer großen Liebe oder um Jungs im Allgemeinen ging.
Leighton rollte bedient von dem Auftritt der neuen Mitschüler am Morgen mit den Augen und schob sich eine Pommes in den Mund.
Wiedermal überließ er mir das Antworten zu etwas, dass ihm nicht passte.
"Die beiden sind bei uns in Englisch und der eine von ihnen hat es geschafft Mrs. Cogant in den ersten Minuten seiner Anwesenheit zum Platzen zu bringen." trug ich Celine kurz zusammen.
Sie grinste von der einen zur anderen Wange „Da wäre ich zu gern dabei gewesen."
Sie erstach wieder ein Salatblatt und schob sich die Gabel in den Mund.
"Mich kotzt es an, dass wir kein Englisch mehr gemeinsam haben. Bei dir hab ich wenigstens noch etwas mitbekommen, aber jetzt werde ich untergehen, weil ich keinen Steber neben mir sitzen habe." Celine verzog das Gesicht zu einer Grimasse und verschluckte sich fast an ihrem Mittagessen.
"Dann musst du endlich mal aufpassen, damit du etwas mitbekommst." gähnte Leighton meinen Gedankengang und streckte sich.
In dem weißen Licht der Cafeteria saßen seine Augenringe noch tiefer, als in den Unterrichtsräumen in denen wir zuvor waren.
"Das werde ich wohl oder übel tun müssen. Denn nicht mal Monty sitzt bei mir mit drin. Jetzt sitze ich ganz allein am Lehrertisch. Das wird mein tot." jammerte sie weiter.
Ich biss von meiner Pizza ab, bevor ich auf ihre Worte kommentierte.
"Leighton und ich haben Glück. In Englisch sitzen wir in der zweiten Bank von vorn in der Wandreihe und in Kunst ganz hinten an den Fenstern." trug ich zusammen und bedachte meinen besten Freund mir gegenüber mit einem besorgten Blick.
Seine Pommes rührte er kaum an und seine Laune hielt sich den Tag über in Grenzen.
Von Leighton erwartete ich keine lauten Töne oder das Gespräch nach dem Sinn des Lebens, aber ihm machte etwas zu schaffen und es brauchte keinen Psychologen um herauszufinden, dass seine Eltern wieder in einen fatalen Streit verwickelt waren, der ihn zu sehr mitriss.
e"Ihr habt jedes Jahr Glück. Eure Stundenpläne sind fast identisch und ich sehe euch höchstens in den Pausen oder in Sport." Celine suchte in ihrem Salat herum und ließ die Gabel schließlich fallen.
"Der Mist wird auch immer schlechter!" Meckerte sie ihren unschuldigen Salat an und verschränkte die Arme. "In Filmen ist das Senior Jahr immer das was am besten Anfängt, meines geht den Bach herunter." sie warf die Arme in die Luft und lehnte sich neben mir auf der Sitzbank schnaubend nach hinten.
"Hast du denn keine Fächer mit Monty zusammen, habt ihr nicht vorher abgeglichen?" fragte Leighton und brachte sich dazu eine weitere Pommes zu essen.
"Ein paar ja, aber nicht so wie in den letzten Jahren." moserte sie. "Apropos, wo bleibt der verdammte Idiot eigentlich? Er hat mir versprochen pünktlich zur Mittagspause aufzukreuzen. Sein Arsch ist immer noch nicht..."
Celines Sprache und ihr Gesicht schliefen ein und besorgniserregend zuckten ihre Mundwinkel und Augenbrauen.
Sie gab ein leises schiefes quicken vor sich, das klang wie ein Meerschweinchen im Stimmbruch.
"Das Jahr wird doch nicht so übel, schau mal mit was für einem Hottie Monty ankommt." flüsterquietschte sie und zerrte aufgeregt an meiner Schulter herum.
Ich suchte nach Monty und sah, wie er eben die Schlange der Essensausgabe verließ und das mit niemand anderem als Arthur und Caleb.
"Monty, das ist nicht dein ernst." meckerte Leighton grimmig und wandte sich nun vollkommen seinen Pommes zu.
Er aß sie nicht weiter auf , aber starrte sie an, als würde er in ihnen irgendwo Beyoncé finden.
"Das sind die neuen? Die sind ja blanke Schönheiten." zischte Celine neben mir völlig aus dem Häuschen und wippte auf und ab.
"Das sind die neuen." jammerte Leighton fern ab jeder Sympathie für die beiden selbstbewussten Jungs.
"Wie heißt der mit der Lederjacke und dem süßen Hawaiishirt? Der ist ein wandelnder Engel!"
Hatte sie nicht noch vor zwei Minuten darüber geredet was ihr Ross denn für ein Engel sei?
"Das ist Caleb, der andere ist Arthur..." noch in meinem Satz fiel sie mir ins Wort.
"Caleb." sie säuselte seinen Namen, als wäre er der Leadsänger einer Boyband.
"Was ist mit Ross?" brachte Leighton das Fass zum kippen.
"Ross, wer ist Ross? Ich kenne nur Caleb." posaunte sie mit leuchtenden blauen Augen und selbstsicherem Lächeln.
Somit war ein weiterer Junge in ihrem Beziehungslebenslauf abgeschrieben und auf dem Silbertablett zum vergessen serviert.
So viel zum Thema der großen Liebe mit Ross.
Leighton bedachte mich mit einem Blick, der uns beiden klar machte, dass wir anfangen sollten uns um den Jungskonsum unserer besten Freundin sorgen zu machen.
Ich stimmte ihm stumm und einvernehmlich zu.
Beide sahen wir wieder zu Monty und beobachteten, wie sich Caleb an ihn wandte und mit ihm redete. An Arthurs Blick war zu erkennen, dass er mit seinem Kumpel so fertig sein musste, wie Leighton und ich mit Celine.
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Deadend
Romance"Was soll ich denn bitte machen, dass über dein Erscheinen von meinen Kollegen als Notfall gesprochen wird. Habt ihr mit Menschen gehandelt und ich soll Spuren verwischen? Habt ihr Gelder hinterzogen? Jemanden ausversehentlich mit einem gezielten Ko...
