Celine und Caleb trotteten Arthur hinter her, wie zwei verwirrte Kücken.
Beide sahen in verschiedene Richtungen und in beiden Gesichtern spielte sich etwas völlig verschiedenes ab.
Calebs Augen wurden von tiefen Augenringen geziert, die mit jedem Schritt, den er in Leightons und meine Richtung machte, immer dunkler wurden.
Seine Lippen hatte er zu einer schmalen Line zusammengepresst. Die braunen und sonst so wachen Augen sahen beinahe traurig und niedergeschlagen auf den Boden.
Die Hände hatte er zur ausnahme mal nicht um Celine geschlungen, sondern in den Taschen seines Parkas versteckt.
Celine hingegen tappte mit erhobenem Haupt vor ihm.
Sie wirkte nicht ganz auf den Gleisen, aber mehr bei Verstand als ihr Freund.
Ihre kunterbunten Haare hatte sie zu einem unordentlichen Dutt zusammengedreht, etwas was so gar nicht zu ihr passte.
Celine achtete auf ihr Aussehen und dieser Dutt verriet, dass etwas nicht stimmen konnte.
Arthur, der den Zug auf den Schulhof anführte blinzelte mich verzweifelt und hilflos an und zog mich in einen kurzen Kuss, in dem er ohne Erfolg versuchte mir durch Gedankenübertragung zu vermitteln was passiert sei.
Leighton begrüßte Arthur mit dem selben Handschlag, wie er ihn mit Monty immer zustande brachte. Caleb wich mit einem traurigen Lächeln aus und versteckte sich scheu hinter Arthur.
Verwundert zog ich die Augenbrauen hoch.
Celine hingegen zupfte an ihrer Jacke herum und würdigte Caleb keines Blickes.
"Was ist da wieder los?" murmelte ich Arthur so leise zu, dass sein bester Freund mich nicht hören sollte.
Arthur druckste und Leighton sah sich mit zweifelnden Blicken um.
"Ihr hängt euch mal nicht in den Armen? Gehts euch gut? Bin ich jetzt nicht mehr der einzige Single unter uns?" witzelte er scherzhaft und bekam von Celine und Caleb mörderische Blicke zugeworfen.
"Du bist gleich der einzige Tote unter uns, wenn du nicht die klappe hältst." brummte Celine.
Ich riss die Augen auf.
Das Gespräch mit Caleb vom Vortag plätscherte auf mich ein.
Hatte er Celine von seinen und Arthurs Plänen erzählt? Wenn ja, dann hatte Caleb überhaupt noch Glück dass er stehen konnte.
"Sagen wir es so..." flüsterte Arthur mir zu. "Caleb hat ziemlich Mist gebaut."
Da Arthur dieses neckische Lächeln auf den Lippen hatte, musste es nichts weltbewegendes sein, was Celine und Caleb erschüttert hatte.
Erleichtert seufzte ich auf. Caleb hatte ihr noch nicht das Herz gebrochen.
Neben meinen Sorgen, wie ich Arthur um sein Zukunftsproblem und die geschobenen Lügen von ihm ansprechen sollte, wollte ich nicht unbedingt Seelsorge für Celine spielen.
"Und was für Mist? Muss ich Friedensverhandlungen einleiten?"
Arthur machte den Mund auf, doch wie Monty und Helena stießen zu uns. Schnell zählten sie eins und eins zusammen.
Monty war der erste, der den gedachten Gedanken aussprach.
"Halt mal. Hier stimmt etwas nicht."
Er sah mit dem selben verdutzten Blick zwischen Celine und Caleb hin und her, wie Leight und ich zuvor.
"Wieso fressen sich die beiden nicht auf? Hab ich was verpasst? War die große Liebe doch nicht die von der ihr beiden so geträumt hat?"
Celine und Caleb blekten sich die Zähne, als würden sie Monty und sich gegenseitig gleich blutig und wütend auseinanderreißen wollen.
"Ich hab nichts falsch gemacht und nein wir gehen keine getrennten Wege." rechtfertigte sich Caleb dann jedoch und machte einen Schritt hinter Arthur hervor.
"Na das ist doch schon mal ein Anfang." murmelte ich und straffte den Rücken.
Celine schnaubte und zog neben Leighton eine Augenbraue hoch.
"Du hast nichts falsch gemacht? Du bist ein einziger gewaltiger Fehler!" paffte sie ihren Freund an und stemmte die Hände in die Hüften.
"Ich? Es war überhaupt ein Fehler auch nur daran zu denken, dass dir das gefallen könnte!" plärrte Caleb an seine Freundin gerichtet.
"Kommt runter." Helena wagte es zwischen die leere der beiden zu treten und sah beide besänftigend an.
"Was auch immer passiert ist..." ich positionierte mich neben Helena.
"Ich bin mir sicher, dass wir das ohne große Komplikationen klären können." Als würde ich auf zwei Wilde Tiere einreden, hielt ich meine Stimme leise und ruhig.
"Dazu müssten wir vielleicht erstmal wissen was überhaupt passiert ist." stocherte Leighton sehr untaktvoll dazwischen und klatschte in die Hände.
"Genau, ne Bombe kann man auch nicht entschärfen, wenn man nicht weiß wo sie ist." setzte Monty hinter her.
Arthur hielt sich den Kopf und murmelte ein verlorenes "Um Gottes Willen" kurz bevor Celine und Caleb beinahe über Helena und mich her fielen.
"Dieses verdammte Arschloch hat mir nen Promantrag gemacht!" schimpfte Celine los.
"Sie hat keinen verdammten Sinn für Menschenwürde!" wütete Caleb gleichzeitig.
Unabgesprochen wandte ich mich an meine beste Freundin. Helena übernahm Caleb und redete ganz ruhig auf ihn ein, dass das alles ein Missverständis sei.
"Ein Promantrag ist doch super." Ich verstand Celines Problem absolut nicht.
Klar mitte Februar war vielleicht noch ein bisschen zu zeitig dafür, aber lieber früher als nie.
Doch Celine sah das ganz und gar nicht so.
"Das ist nicht super, weil der totaler Scheiß war! Komplett unromantisch und dämlich!"
Hinter mir grummelte es bei Caleb und Helena.
"Totaler Scheiß? Mein Antrag war unromantisch und kompletter scheiß"
Caleb stampfte mit den Füßen auf den Boden. "Ich fahre mitten in der Nacht mit nem Fahrrad durch die Pampa bis zu dir, besorge mir von Arths Tante nen alten Ghettoblaster, lasse Time of my Life vor deinem Fenster laufen und frage ob du mit mir zu Prom willst und ich bin unromantisch?" spie er die Streitursache auf.
"Romantisch? Nein." Monty zog die Stirn kraus.
"Peinlich? Definitiv." ergänzte Leighton.
Die beiden Jungs teilten einen High Five und lachten.
"Sehr unförderlich, wirklich." brummte Helena.
"Das war unromantisch! Meine Mutter hat geschlafen, wenn die wach gewesen wäre, dann wärst du tot. Tot! Außerdem..."
Ich hielt Celine an den Schultern zurück, so dass sie nicht zu Caleb durch konnte und Gott weiß was mit ihren Fäusten und seinem hübschen Gesicht gemacht hätte.
"Außerdem was? Ich riskiere meinen Kopf für dich und du plärrst mich dafür an, das ich mir etwas einfallen lassen habe? Dein Ernst? Und deine Mutter? Ich wäre schneller weg gewesen, als die mich gesehen hätte."
Calebs Stimme brach. So verletztlich klang er erst gestern, als er sich Gedanken um Celine und sich gemacht hatte.
"Du hast immer gejammert, dass du so nen richtig schmierigen Antrag haben willst. Du hattest ihn und dann war er dir noch nicht genug? Was willst du? Soll ich vor dir auf dem Schulhof auf die Knie gehen und um deine Seite zur Prom anhalten?"
Celine schien blind für den verletzten Funken in Calebs Augen zu sein und richtete sich auf.
"Alles wäre besser gewesen als diese peinliche Show vor meinem Fenster." fauchte sie, riss sich von mir los und eilte zum Schulgebäude.
Monty und Leighton hielten sich die Hände vor den Mund, um nicht in kichern auszubrechen.
Etwas anderes hätte ich von den beiden nicht erwartet.
Wenn sie sich selber stritten, brannte die Welt und wenn sich andere fetzten, dann konnten die beiden Dummköpfe darüber nur lachen.
"Da hat Romeo seine Julia auf dem Balkon doch nicht kriegen können." riss Monty einen weiteren Spruch, der eher Caleb-Niveau hatte.
Arthur fakelte nicht lange, hob die Hand und verpasste Monty eine Schelle auf den Hinterkopf, so wie er es immer bei Caleb machte, wenn ihm etwas besonders dummes zwischen den Zähnen hervorblubberte.
"Ich bekomme das wieder in den Griff."
Aufbauend sah ich zu dem am Boden zerstörten Caleb, küsste Arthur eilig und bat ihn meine Tasche mit sich zu nehmeb, für den Fall dass ich mit Celine die ersten Stunden blau machen musste, um ihr Hirn wieder richtig anzuschließen.
Ich stürmte ihr hinterher und musste mir ein auflachen verkneifen.
Würde Arthur sich für mich so ins Zeug legen, ich wüsste gar nicht ob ich überhaupt noch am Leben wäre oder träumen würde.
Einer ihrer anderen Hampelmänner, die sie zuvor hatte, die hätten so etwas nie zustande bekommen. Caleb riss sich den Arsch für sie auf und so bedankte sie sich?
Hatte sie noch alle?
"Was zum Teufel!" fiel ich sie an, als ich sie auf der Treppe zu fassen bekam und sie mit mir von dort weg zog.
"Zum Teufel kannst du Caleb scheren." fauchte sie und riss sich von mir los.
Ich atmete tief durch und überlegte genau wie ich dieses Gespräch jetzt führen würde.
Dad hatte mir mal erzählt, dass es nichts bringen würde mit aufgebrachten Menschen lange um den heißen Brei herumzureden. Man musste sie direkt drauf ansprechen, was sie so aufregte, dann würden sie vielleicht noch mehr ausrasten, aber es bestand die gute Chance, dass sie selber sahen dass ihre Wut eigentlich nichts war über das man sich aufregen musste.
"Also, Caleb fragt dich zur Prom aus und du scheißt ihn zuammen?" stieß in die aufgerissene Wunde.
Celine ballte die Hände zu Fäusten, doch sagte nichts.
"Halt..." Ich hielt inne. "Lass mich das anders formulieren. Dein Seelenverwandter fragt dich vor deinem Fenster mit einem der schmierigsten und romantischten Songs der Filmgeschichte, ob du mit ihm vor Prom gehen willst und du machst ihn zur Schnecke?"
Celine zuckte und funkelte mich vernichtend an.
"Es war halt nicht das, was ich mir vorgestellt habe."
Auf einmal klang sie, als habe sie Caleb nicht das Herz in tausend Teile zerfetzt.
"Und außerdem war es zu früh. Es sind noch nichtmal die Karten im Umlauf und die Prüfungen durch."
Ich riss die Augen auf, dachte sie würden mir aus den Höhlen fallen.
"Dir ging es um das Timing?"
Das musste doch ein Witz sein, jetzt wo sie so gruselig ruhig klang und nicht mehr so, als würde sie wie eine Furie durch die Decke gehen.
"Nicht nur. Ich will... ich weiß nicht..." Celine stockte und presste die Lippen zusammen.
"Du willst was? Offensichtlich nen Disneyreifen Promantrag? Wir Leben in der Realität, hier kann man leider nicht einfach zurück spulen und die Szenerie so drehen, wie man sie haben will."
Ich klang angepisster, als ich wollte, aber mit meinen Worten redete ich schneller, als ich denken konnte.
Celine wusste nicht mit was für einer Last ihr Freund lebte, vermutlich wollte er für sich ausgleichen, ihr nicht sagen zu können, dass er vielleicht nach dem Abschluss nicht bei ihr bleiben konnte.
Das war seine Art sich nach dem Gespräch mit mir für sich selbst und für seine ungesagten Dinge ihr gegenüber zu entschuldigen und sie schmetterte ihn so ab.
"Ich will mir einfach noch nicht Gedanken darum machen, dieses Schuljahr zu beenden." sprach Celine ihren angefangenen Satz aus.
"Im Gegensatz zu dir habe ich noch keinen Plan, was mich nach der Schule erwarten wird. Ich habe nicht das Geld genüsslich Jura zu studieren. Ich kann es mir nicht leisten, Kaileigh."
Wut und verzweiflung gliterte durch ihre Augen.
"Das hat Caleb damit aufgerissen. Die Tatsache, dass ich keine Ahnung habe, wie es nach diesem Abend weitergehen soll, Kaileigh. Deshalb bin ich sauer auf ihn."
Ich biss die Zähne zusammen und konnte sie gut verstehen.
Sie hatte es nie einfach. Ihr einziger vertrauter Grad war ihre Großmutter. Ihre Mutter war das reinste Desaster, vermutlich würde sie nicht mal wissen, dass ihre Tochter in ihrem letzten Schuljahr stand.
"Calebs Antrag war wundervoll. Aber das Timing aktuell für mich nicht gut." wiederholte sie und drehte sich auf dem Absatz um.
Eilig verschwand sie in der Schule.
"Und was hat sie gesagt?"
Caleb tauchte wie abgesprochen hinter mir auf und legte mir eine Hand auf die Schulter.
Ich seufzte und ließ die Schultern sinken.
"Schlechtes Timing." murmelte ich Celines Erklärung.
Ich drehte mich zu ihm um.
Die anderen waren mit ihm gekommen.
Arthur sah mit verzogenem und schätzendem Gesicht Celine hinter her.
Calebs Augen funkelten enttäuscht und am Boden zerstört.
Monty und Leighton verkniffen sich unter mahnenden blicken von Helena die ein oder andere makarbere Bemerkung der Situation gegenüber.
"Sie fand den Antrag gut. Aber du hättest noch etwas warten sollen."
Ich tätschelte Caleb die Schulter und lächelte ihn aufbauend an. "Rede mit ihr. Sie hat ähnliche Probleme mit ihren Plänen." murmelte ich ihm so leise zu, dass Arthur uns nicht hören konnte.
Caleb blinzelte den Schmerz aus seinen Augen und baute sich auf.
Augenblicklich war er wieder er selbst und verloren war die Unsicherheit und die Schüchternheit.
Er murmelte irgendetwas italinisches vor sich hin, winkte uns dann zu und rannte ins Gebäude.
Arthur nahm meine Hand in seine und verblieben mit Monty, Helena und Leighton schlug ich ebenfalls den selben Weg ein.
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Deadend
Romansa"Was soll ich denn bitte machen, dass über dein Erscheinen von meinen Kollegen als Notfall gesprochen wird. Habt ihr mit Menschen gehandelt und ich soll Spuren verwischen? Habt ihr Gelder hinterzogen? Jemanden ausversehentlich mit einem gezielten Ko...
