Kathalena schien ein Gespür dafür zu bekommen, mir den Hals langsam und boshaft abzuschnüren.
Nicht nur, dass sie nach unserem vorgespielten Waffenstillstand öfters dafür sorgten, dass ich sie mit Adriano sehen musste. Nein. Sie hatte Leighton in ihren Bann gezogen und ihn komplett davon überzeugt, dass sie sich vom Studium kannten.
Sie hatte ihre Hausaufgaben gemacht, dass musste ich ihr lassen.
Wenn Leighton mir von ihr erzählte schien sie wie eine komplett andere Person zu klingen.
Aber das änderte rein gar nichts daran, dass es mir auf den Kopf drückte ihm nicht klar machen zu können, dass er sich mit dieser Frau nicht treffen sollte. Dass Kathalena Leighton um den Finger wickelte konnte ich für mich nicht vermerken. Leighton blieb ganz er selber, wenn wir uns über den Weg liefen und den Tag in der Wohnstube ausklingen ließen. An den Wochenenden hatte er Zeit für mich und ich Zeit für ihn.
Bis auf dass er ab und an einen genaueren Blick auf mein Handy warf oder mich genauer über meinen Arbeitstag ausfragte, hatte sich nichts geändert.
Meine tägliche morgenübelkeit schaffte ich reibungslos vor ihm zu verstecken.
Ich schlich mich ins Bad, sobald ich spürte, wie sich mir der Magen umdrehte.
Vor Adriano und im Büro war das keine leichte Sache. Zusätzlich bekam ich Bauchschmerzen, wenn ich daran dachte, dass ich Jacopos Mörder fest in den Händen hatte, aber mein ganzes Leben umschlagen würde, wenn ich die Bombe platzen ließ.
Adriano hatte ich von Domenicos und meiner Erkenntnis noch kein Ton gesagt. So lange er glaubte Kathalena sei aus Frieden gekommen, so lange war er noch sicher vor ihren Plänen. Insofern ihr nicht auf Anhieb danach war ein SWAT Kommando nach ihrem jüngeren Bruder zu schicken.
Domenico war der einzige, dem ich mich anvertraut habe.
Als ich ihm wirklich alles erzählt habe. So zusagen die Wahrheit über mein Leben vor Adriano und wie ich ihn kennengelernt hatte, da brauchte er ein Paar Minuten um nicht vom Hocker zu fallen.
Kommentieren tat er nichts, zu dem Fakt, dass ich Leighton hinterging und Adriano um den einen oder anderen wichtigen Fakt belog.
Seine Biographie war wesentlich bunter als meine und zu ihr hatte ich nie etwas bewertendes gesagt. Vielleicht zahlte er mir diesen Gefallen nun freundlicherweise zurück.
Vielleicht hätte er nach diesem Telefonat auch Adriano aus aufregung alles ausplaudern können.
Genausogut hätte ich auch Celine oder Cole alles erzählen können oder Monty.
Aber die beiden Jungs hatten damit zu tun Celine wieder aufzubauen, die ihr Gedächtnis überwiegent wieder hatte.
In der Gegenwart gab es noch ein paar kleine Hänger, aber die wurden in dem Moment, als wir sie darüber aufklärten.
Nichts destotrotz wollte ich Cole oder Celine nicht mit noch mehr Gewicht beladen, als dass sie sich wieder ins Leben finden musste. Monty wusste von meinen Ermittlungen nur das was er wissen sollte. Ich wollte damit ihn und die anderen beiden nicht die Zielscheibe auf den Kopf malen oder noch mehr sorgen bereiten.
Apropos sorgen. Mittlerweile musste ich mich unter weiten Pullovern verstecken von denen ich weniger hatte, als gedacht.
Offensichtlich hat meine Frauenärztin verpeilt mir zu sagen, dass sich ein Bauch bei Zwillingen schneller aufbläht und wächst, als im Normalfall. Nach fast drei Monaten fiel mein zusätzliches Gewicht somit erheblicher auf.
Da es fast November war fielen die vielen weiten Pullover nicht so sehr auf. Mir gefiel das lässige und dennoch elegante in der richtigen Kombination sogar.
Nachteile hingegen waren, dass Domenico mich während meiner Arbeit im Büro mit unzähligen Babybildern zuspamte, die er im Internet fand. Viel eher sollte er seinem Auftrag nachgehen irgendetwas um Kathalena zu finden, dass ihre Komplizen hinter Gittern brachte, aber nichts mit dem Mord zu tun hatte.
Aber seine Zeit investierte er offensichtlich darin meine Nerven auf Grundeis laufen zu lassen, wenn Adriano in meinem Büro wuselte und wissen wollte, wieso ich so entsetzt oder genervt auf meinen Bildschirm starrte.
Der ließ sich weniger Blicken, als sonst. Dafür verbrachten wir aber auch mehr Zeit außerhalb meines Arbeitsplatzes und das mit und ohne Kathalena.
Die Rettung sie um etwas anderes ausschalten zu können, ereilte mich in meinem Büro. Durch Domenico hatte ich ein paar Ansätze, aber ein Großteil würde auf mich und Domenico zurückzuführen sein. Ich heftete grade die abgeschlossene und erfolgreich beendete Akte um die Minsters weg, als mein Handy klingelte, mit einer unbekannten Nummer.
"Hi... ähm... hier ist Cady. Der Typ aus dem Magix. Ich sollte mich melden, wenn irgendetwas auffälliges passiert." meldete sich der Junge, der mich an dem Abend im Club übel angemacht hat und mir später die Kameraaufnahmen um Celines blutbad zeigte.
"Ja. Ich erinnere mich. Schieß los, was gibts?" wollte ich von ihm wissen und stolperte zurück zu meinem Platz, um zu Stift und Zettel zu greifen.
"Naja. Ich hab vor n paar Minuten so n komischen Typ gesehen. Der hatte nen Anzug an, sah nicht ganz westlich aus. Sonnenbraune Haut, dunkle Haare. Vielleicht Grieche oder Italiener oder sowas. Jedenfalls ist der zu Kath geeilt und mit ihm n paar andere Kerle, die Packete mit sich geschleppt haben." beschrieb er.
Der Mann, den er beschrieben hat könnte so ziemlich auf jeden Italiener oder Griechen passen, aber immerhin meldete er sich.
"Noch etwas?" harkte ich nach und tippte mit dem Stift auf das Papier.
"Ich war ja noch nicht mal fertig, Miss." donnerte er, vermutlich mit einem Schmunzeln auf den Lippen, so wie er sich anhörte.
"Ich sollte diese Packete auspacken und da drin war Stoff. Also Drogen. So ziemlich alles an Drogen, dass Sich vorstellen können. Koks, Crack, Ecstasy, Crocodile. Alles." schilderte er.
"Der Mann hat mir gedroht er macht mich kalt, wenn das raus kommt. Aber es ist mehr als mies zuzulassen, dass n paar Menschen an dem Zeug ihr Leben oder ihren Verstand verlieren." untermalte Cady mir in einem leidenden Ton.
"Sie mögen von mir keinen menschlichen Eindruck haben, aber ich will meinen miesen Anschlag auf Sie begleichen und dachte, dass is n gutes Ding." beteuerte er mir ohne einen Ton in der Stimme, der auf einen schlechten Witz hindeuten könnte.
Ich nickte seinen Versuch sich zu entschuldigen ab und bat ihn mir noch eine Hand voll Informationen zu geben, dass es für eine Razzia im Magix reichen würde, oder wenn nicht, dann minimal für eine Durchsuchung.
Cady gab durch, was ich brauchte. Namen, die er gehört hatte und die der Tellarmo Brüder fielen außerdem. Wo sich die Drogen aufhielten, wie viele Packete es waren und wie groß diese seien. Wo er sie verstecken musste und wer ihm gedroht hatte.
Bevor ich auflegte versicherte ich ihm, dass ihm vor Gericht nichts an Folgen drohen würde. Er solle sich von nun an vom Club fernhalten und sich einen besseren Job besorgen, als dort herumzulungern und Mädchen für alles zu spielen.
Cady nahm meinen Rat dankbar an und verabschiedete sich von mir.
Ich warf einen Blick auf die Uhr, überflog die wichtigsten Daten auf meinem Blatt und wuselte dann an Haylee vorbei aus meinem Büro.
Auf dem Flur steuerte ich das Büro von Mr. Chester an.
Mit Umwegen überzeugte ich ihn davon seine Kontakte bei der Polizei und dem Sonderkommando spielen zu lassen.
Ich händigte ihm die detaillierten beschreibungen von Cady aus, schob ihn auf die Schutzliste und verteidigte meinen Zug damit, dass sich im Magix neben den Drogen beweise um Giulanis Tod tummeln könnten. Vielleicht wäre es ein Griff ins nichts entgegnete mir mein Boss. Doch ich widersprach, meinte dass der Magix schon vor seiner Neueröffnung ein Tummelplatz für Drogen und kriminelle Organisationen war (eine Info von Domenico), doch seit Kathalena Giulani ihn mit den Tellarmos Übernommen hatte, gingen in diesem Viertel der Stadt mehr Fälle um Drogenmissbrauch und KO-Tropfen ein, als jemals zuvor.
Das überzeugte Mr. Chester und er tätigte seine Anrufe, drohte mir aber ich sei meinen Job los, sollte sich nichts von dem behaupten können.
Ich zuckte nur mit den Schultern, meinte ich habe meine verlässlichen Quellen und zog zurück in mein Büro.
Mit einem weiteren Blick auf die Zeit packte ich meinen Kram für heute zusammen und verabschiedete mich von meiner Assistentin, die durch einen geballten Block an Notizen stöberte.
"Was schaust du dir da an?" fragte ich sie und lehnte mich über ihren Schreibtisch.
Die Zeit für Neugier um meinen Schützling, die konnte ich mir nehmen. Celine hatte es selber noch nie mit der Pünktlichkeit und Cole schon gar nicht.
"Ich... das... das sind meine Aufzeichnungen für meine Prüfung." stammelte sie und mied es in meine Richtung zu schauen.
Nicht die glaubhafteste Lüge, aber ich war nicht in der Lage bloßzustellen, zumindest nicht sie.
"Prüfung?" spielte ich also mit.
Haylee nickte. "Ich mache ein Fernstudium für Rechtswissenschaften. Ich wollte es ihnen erst sagen, wenn ich zu den Prüfungen nächstes Jahr muss, aber jetzt, da Sie fragen, Kaileigh." druckste sie unbehagen und lächelte hervorgeholt.
Ich beschloss sie nicht auf die Folter zu spannen und ihre Lüge eine kleine Lüge sein zu lassen.
"Dann... hoffe ich dass du dich ausreichend und gut auf dein Prüfungen vorbereitest." gab ich ihr auf den Weg. "Das Recht ist nicht zu unterschätzen und das spüren wir hier jeden Tag."
Mit meinen verabschiedenden Worten winkte ich ihr zu und stürmte aus meinem Vorraum auf den Gang und von dem Gang in den Fahrstuhl, dann endlich aus dem Gebäude und zur Straßenbahn.
Im Eifer meines Rachegefechts gegenüber Kathalena realisierte ich jetzt erst nach und nach, dass mein Schlag gegen sie nach hinten los gehen könnte.
Sie wusste anscheinend alles über mich und hatte die Macht Adriano einen Mord anzuhängen, mit dem er absolut nichts zu tun hatte. Nebenbei könnte sie Leightons kleine heile Welt aus den Angeln heben und mich als das große böse Monster darstehen lassen.
Mein Triumph wich mir aus den Sinnen.
Aber sie konnte so einen Anschlag unmöglich auf meine Arbeit zurück führen. Im Magix gingen die Menschen und Arbeitskräfte ein und aus und so auch Leute wie Cady, die ganz neben bei das ein oder andere krumme Geschäft überhörten. Das er es bei mir meldete, das überraschte mich. Aber ich war ihm von ganzen Herzen dankbar, einen Angriffspunkt zu haben, der mir eben am Gewissen nagte.
Bis zum Stardust ein paar Stationen weiter, müsste ich diese aus dem Sinn bekommen.
Als Celine zu einem großen Gruppenmeeting vor ihrer und nach Montys Schicht geordert hatte, klang sie aufgeregt, fröhlich und wesentlich wacher, als in den Wochen, seit sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde.
Heute wäre seit langem ihr erster Arbeitstag und dessen Beginn wollte sie sich damit versüßen Monty, Cole, Adriano und mich dabei zu haben.
Nebenbei haderte sie in ihrer Einladung mit irgendeiner Überraschung herum, wollte mir die aber auf keinen Fall verraten.
Vor der letzten Station schmierte ich mir ein breites Lächeln ins Gesicht und zwang mich Kathalena, ihre Erpressung und die wohl schon laufende Razzia auszublenden.
Celine lebte, war wohl auf und wusste wieder über einen Großteil ihres Lebens bescheid. Heute würde sie ihren letzten Schritt in die Normalität anstreben und hatte etwas großes zu verkünden.
Ein Trauergesicht würde sie mir auf der Stelle so lange aus dem Gesicht schlagen, bis die blauen Flecken um meinen Mund ein Lächeln ergaben.
Vor dem Stardust sprang ich aus der Straßenbahn und lief die letzten Meter bis zu meinem heimischen Lieblingscafe.
In der Tat machte ich das letzte Teil des Treffens aus.
Adriano saß schon an unserem üblichem Stammplatz. Um ihn herum tummelten sich Monty, Celine und Cole.
Als ich durch die Tür kam, sprangen Celine und er auf.
Er erreichte mich vor ihr und zog mich in einen begrüßenden und sanften Kuss.
Ich lächelte, vergaß noch mehr von Kathalenas Erpessung und meinem unüberlegten Schlachtzug gegen sie.
Adriano machte es so einfach alles um mich herum auszuschalten, wenn wir unter uns oder mit unseren Freuden zusammen waren.
Für mich bedeutete er immer mehr eine Welt abseits meiner vier Wände mit Leighton.
"Du bist zu spät Principessa." murmelte er mir zu und schlang einen Arm um mich.
Ich rollte mit den Augen und blickte dann entschuldigend zwischen ihm und meiner besten Freundin hin und her.
"Mir ist etwas dazwischen gekommen, um das musste ich mich kümmern." erwähnte ich die halbe Wahrheit.
"So lange du mich in deinem Arbeitswahn nicht komplett vergisst, sei dir verziehen, Kai." hüpfte Celine auf und ab und begleitete mich an den gedeckten Tisch.
Monty hatte wohl vor dem Ende seiner Schicht die letzten Minuten unserer Ecke gewidmet.
Cole strahlte mich begrüßend an, Monty winkte ganz schlicht.
Celine fiel auf ihren Platz neben Cole und konnte keine Sekunde danach still sitzen.
Fragend blickte ich zwischen ihrem besten Freund und Adriano hin und her.
"Sie haben irgendetwas großes zu verkünden. Keine Ahnung was, aber die beiden wollten unbedingt auf dich warten." klärte Adriano mich auf und ließ mir vortritt mich auf meinen Platz zu lassen.
Er setzte sich neben mich und schob mir meinen Becher zu.
"Also was gibt es, dass ich mein Büro so stürmisch verlassen musste?" wandte ich mich an die beiden mir gegenüber.
Monty zog erwartend die Augenbraue hoch.
"Hast du überhaupt noch etwas zu tun nachdem du das mit den Nachbarn fertig hast?" wandte sich Adriano an mich und legte einen Arm über meine Schultern.
Ich lehnte mich an ihn an und besah ihn spöttisch. "Ich habe vielleicht noch den ein oder anderen Mord zu klären, während du dich mit deiner Schwester vergnügst und mich hängen lässt." säuselte ich ihm entgegen und stupste seine Nase.
Geschlagen seufzte er. "Das sind wichtige Gespräche okay? Und die bringen was. Colourfull blüht wieder auf." beteuerte er mir in vollster Überzeugung.
Ich biss mir auf die Wange. Ob er wusste, dass die Firma seines Vaters nur boomte aufgrung Kathalenas Drogengeschäfte? Sicherlich spielte das irgendeine Rolle dabei, dass das riesen Unternehmen nicht mehr im Minus herumlungerte. Gott wusste, was sie noch tat, um die Arbeit ihres von ihr getöteten Vaters so anzupassen, dass sie leichtes Spiel bei der Übernahme hatte.
"Bestimmt..." brummte ich.
Adriano merkte, dass Kathalena offensichtlich nur gute Miene zum Bösen spiel spielten. Das aller schärfste hinter dieser Rolle wusste er aber noch lange nicht. Und bis ich keinen richtigen Moment fand um ihm alles um Leighton und meine Schangerschaft zu stecken, plus was seine Schwester verbockt hatte, bis dahin musste ich zittern und er hoffen, dass wir uns nicht die Köpfe hinterrücks abhackten.
"Nimmt die Aufmerksamkeit mal n bisschen weg von euch. Ihr habt euch hier eingefunden, weil wir etwas zu sagen haben." mischte sich Celine ins Gespräch ein.
Monty schmunzelte. "Dann spann uns nicht so auf die Folter und mach den Mund auf."
Celine versengte ihren besten Freund mit ihrem Todesblick.
"Nimm mir nicht die Spannung, ich mach den Mund auf, wann ich will!" wetterte sie wie die rote Königin und donnerte die Hand auf den Tisch.
Cole griff sofort nach der Hand, nahm sie in seine und schob sie eilig unter den Tisch.
Verwundert bedachte ich die Geste, aber sagte keinen Ton dazu.
"Du musst in einer viertelstunde Arbeiten, ich will nach Hause und mit meinem Sohn skypen. Helena killt mich, wenn ich nicht rechtzeitig vor dem Bildschirm sitze." legte Monty ein und sah mit einem drängenden Blick auf die Uhr.
Cole seufzte. "Wir hätten einfach ne Rundmail schicken sollen."
Celine funkelte ihn an, als habe er ihr eben gestanden sie zu betrügen. "Nein! Weil das ist total unspektakulär und langweilig und ich will die Gesichter sehen, wenn sie erfahren, dass..." sie unterbrach sich und verzog ihre Lippen zu einem hämischen Grinsen.
"Dass du schwanger bist?" vervollständigten Monty und Adriano im selben unbeeindruckten Tonfall.
Cole und Celines Augen warfen sich sofort hinweisend auf mich. Ich ignorierte den faden Beigeschmack, dass mein Bauch langsam größer und meine Oberteile weiter wurden.
"Nicht jetzt, aber irgendwann bestimmt." lehnte Celine ab und hüpfte aufgeregt auf ihrem Stuhl hoch und runter.
So aufgeregt hatte ich sie das letzte mal gesehen, als sie mir vor meinem Urlaub mit Leighton die geplante Verlobung verheimlichen musste.
Vage erinnerte ich mich an die Geste eben von Cole zurück, wie schnell er nach Celines Hand gegriffen hatte, um sie vom Tisch zu schieben. Er hatte dabei nach ihrer linken gegriffen.
"Also..." Cole trommelte mit seinen Handen auf dem Tisch herum, als würde er einen Trommelwirbel spielen.
Dann ganz elegant und mit schwung hielt Celine uns ihre Hand vor die Nase, an der ein großer silberner klunker im Licht des Cafes funkelte.
Im gegensatz was Leightons rose Ring wirklich süß und dezent. Der von Celine war groß und auffällig und glitzerte in allen möglichen Farben, die der unsäglich teure Diamant zuließ.
"Cole und ich sind seit gestern Abend offiziell verlobt." quieckte sie hippelig und fuchtelte mit ihrer Hand so herum, dass der Diamant im ganzen Cafe reflektierte.
Monty und Adrianos Blicke sprachen Bände. Ich war überrascht, konnte mir es aber nach meinem Gedankengang selber zusammen fügen.
"Eigentlich hatte ich das später geplant, aber gestern hat sich einfach die gelegenheit dazu ergeben." Strahlte Cole und zog Celine zu sich um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben.
Die Augen der beiden leuchteten und strahlten genau das Glück und die Vorfreude aus, die ich damals bei Leighton gehabt haben musste. Weit bevor alles so sehr aus dem Ruder lief, dass ich mich wieder in Adriano verliebte und ich nun um ihn, Leighton und meine existenz erpresst wurde.
"Das ist, das ist wirklich..." ein warmes und weites Lächeln schlich sich auf meine Lippen.
"Gigantisch..." Monty deutete auf den Ring. "Dieser Ring ist gigantisch." betitelte er.
Adriano lachte hinter hervorgehaltener Hand. "Versuchst du damit irgendetwas zu kompensieren?" fragte er seinen besten Freund neckisch.
Cole ließ sich nicht aus seiner ruhigen Haut bringen und zeigte Adriano einfach nur gelassen den Mittelfinger.
"Ich freu mich für euch." schaffte ich meinen sinnigen Gedanken endlich zu formulieren.
Ich freute mich wirklich, nach allem was die beiden in den letzten Wochen überbrücken mussten, nach der Panik, die ich in Coles Gesicht gesehen hatte, nach dem glitzern in Celines Augen, wann immer sie mir von Cole erzählte.
Die beiden waren von Grund auf verrückt, aber wie geschaffen für einander. Immerhin musste es ein Zeichen sein, dass sie zwei Mal mehr als nur zwei Wochen miteinander aushielten und sich gegenseitig in ihren Charaktern ergänzten.
"Ich freue mich, dass du diesen Moment wertschätzt." bittersüß starrte sie von Adriano zu Monty und wieder zurück. Mich lächelte sie freudestrahlend an.
"Aber wäre es nicht gerechter gewesen, wenn ich deinen Ring ausgesucht hätte?" konnte ich mir in diesem Moment beim besten willen nicht verkneifen.
Cole kannte die Geschichte mit dem von Celine ausgesuchten Verlobungsring.
"Ich wollte nicht, dass sie mich zusammenschlägt." erwiderte er schmunzelnd. "Dafür darst du die Hochzeit organisieren." versprach er mir.
"Nichts da!" schritt Celine ein. "Dafür wird Kaileigh keine Zeit haben und außerdem ist es meine Hochzeit. Ich darf die planen wie ich will!" schimpfte sie aufgebracht und stampfte auf den Boden.
Monty lachte. "Wir suchen ihr Brautkleid aus, Kaileigh. Ich weiß auch schon wo."
Adriano unterstützte. "Ich kümmere mich um den Pastor. Ich hab gehört Domenico hat ne ziemlich skandalöse Trauung in meinen Reihen abgezogen."
"Meinst du die, wo er am Ende des Tages die Braut im Bett hatte?" stieg Cole ein.
Celines Augen weiteten sich geschockt. "Dieser Domenico wird mir immer unheimlicher." brummelte sie und schüttelte den Kopf.
"Ich will ihn kennenlernen." hauchte Monty ganz aufgeregt aus.
"Dann laden wir ihn zur Hochzeit ein." grinste Cole und klatschte in die Hände.
"Nein!" protestierte Celine lautstark.
"Du wirst ihn mögen, Celine. Er hat genau so einen an der Waffel wie du."
Jetzt sah sie mich mit ihrem Killerblick an.
Ich suchte hastig nach irgendetwas um die Situation wieder grade zu biegen. Zeitschindend schlüfte ich an meinem Becher und hamsterte mir einen Muffin vom Tisch.
"Wie hat er dir den Antrag gemacht?" nuschelte ich zwischen Schokokrümeln und Kirschstückchen.
Cole und Celine sahen sich wissend an.
"Wir haben uns ziemlich heftig gestritten." teilte Cole mit. "Sie hat mir vorgeworfen ne andere zu haben, weil ich in letzter Zeit so abwesend gewesen bin."
Die beiden blinzelten sich verliebt und ganz in ihrer eigenen Welt an und sahen dann zurück zu uns dreien.
"Jedenfalls hab ich den Ring bei mir, seit dem Vorfall im Club. Ich wollte Celine unbedingt einen Antrag machen, nachdem ich gesehen hab wie schnell das Leben sich ändern kann, wie schnell man es verlieren kann." Der Schrecken jener Nacht huschte durch seinen Blick.
"Ich hab ihn gestern gefragt, ob er mich überhaupt liebt, wenn er mich ansieht, als wäre ich ein Geist und dann ist er ausgerastet, meinte er hatte das eigentlich viel romatischer geplant und ist dann vor mir auf die Knie gefallen." übernahm Celine ganz gelassen und warf einen sehnsüchtigen Blick auf ihren Verlobungsring.
"Und danach sind wir..."
Adriano bretterte dazwischen. "Ich glaube den Teil könnt ihr uns ersparen." unterbrach er und warf einen weiteren Blick auf den großen leuchtenden Ring von Celine.
"Das Ding muss dich dein ganzes Vermögen gekostet haben." stellte er fest.
"Nicht mal nen Bruchteil, als alleiniger Erbe von der Kohle meines Paps." Cole zuckte mit den Augenbrauen.
"Über Geld spricht man nicht, auch wenn ich es nicht unattraktiv finde nach unserer Hochzeit offiziell Millionärin zu sein. Ich meine ich kann meine Hochzeit ohne Einschränkungen planen."
Celine war auf der Stelle wieder ganz in ihrem Element versunken. Eifrig malte sie uns allen ihre Traumkulisse aus.
Irgendwo an einem Strand, im Hintergrund Wellen so hoch wie Häuser und über all Sand so weiß wie Schnee und weich wie Seide.
Die Party wäre so klischeehaft und kitschig, wie in jedem zweiten Hollywood Film. Schlechte Emotionale Reden, das Brautstrauß werfen, ein romantischer Tanz nach dem anderen.
Aber ganz plötzlich hielt sie in ihrem munteren Reden.
Monty hatte bei Zeiten abgeschaltet, Cole verzog bei jeder teuren Idee schmerzhaft das Gesicht und Adriano rechnete im Kopf die Summe zusammen, die sein bester Kumpel nicht mal bis zu seinem Tod abbezahlen könnte, selbst mit seinem geerbten Vermögen.
Celines Augen verklärten sich, ließen nicht hinter ihre Gedanken blicken.
Ich erinnerte mich an dieses Gesicht. Das gleiche, dass sie hatte, als sie über den ersten Stolperstein ihres Gedächtnisses geklettert ist.
"Gott sei dank, sie ist still." rief Monty in den Himmel und formte die Hände so, als würde er um sein Leben beten.
Celine warf ihr einen finsteren Blick zu und fixierte mich, den unwürdevollen Ring an meiner Hand und dann wieder mich.
Adriano war viel zu beschäftigt mit den Millionen, die sich in seinem Kopf häuften, so wie mit der versteckten Schadenfreude, dass Coles Verlobte ihn Arm machen würde mit ihren detaillierten Vorstellung.
Mich dagegen graute es vor dem, was Celine durch den Kopf ging.
Ihre Gedankengänge hinter diesem Blick waren unvorhersehbar. In den letzten Wochen musste ich ihr oft einhalt gebieten, bevor sie etwas ausplauderte, dass für Niemandens Ohren bestimmt war. Damit meinte ich überwiegend die Tatsache, dass ich schwanger war. Nur dass sie dass beinahe vor Leighton ausplauderte, nicht vor Adriano.
Bis eben hatte sie diese Lücken unter unserer Anwesenheit auch nicht gehabt.
Monty und ich realisierten eine Millisekunde zu spät, was in Celine vorging, denn bevor wir Eingreifen oder sie Ablenken konnten, plauderte sie auch schon munter los.
"Apropos Verlobung und Traumhochzeit, wie laufen Leightons und deine Vorbereitungen so?"
Noch in dem Moment als Celine den Mund wieder schloss und die Reaktionen um sich Wahrnahm, merkte sie etwas grundauf falsches gesagt zu haben. Eines der Dinge, bei denen sie wusste, dass sie unter verschluss bleiben sollten, aber sie nicht mehr zuordnen konnte vor wem sie nichts plaudern durfte.
Im selben Augenblick schien die Zeit stehen zu bleiben.
In Zeitlupe weiteten sich Coles Augen so groß wie Melonen.
Adriano sah aus, als wäre er gegen eine Mauer gerannt.
Monty verbrannte Celine mit seinem Blick zu Asche und ich saß da und war zu gar nichts in der Lage.
"Was...?" harkte Adriano nach, seine grünen Augen fixierten nun den Ring, den ich aus Gewohnheit abnahm, wenn wir nur unter uns waren.
"Das... dass wustest du nicht?" Entschuldigend sah Celine zu mir.
"DAS..." brach Monty raus. "War eines der Dinge die du nicht gegenüber den beiden erwähnen solltest, sobald sie dir wieder in den Sinn kommen." erinnerte er Celine gehörig zu spät.
"Kaileigh, sag mir, dass das n Witz ist."
Adrianos Hand verschwand von meiner Schulter. Ich saß da, als hätte man mir einen Stock in den Rücken geschoben.
Meine Augen krallten sich an den Ring, der mir in den letzten Monaten mehr Fluch als Segen geworden ist.
"Kaileigh...!" Adrianos Stimme wurde mahnend.
"Kaileigh sag was! Ist das wahr? Du bist mit Leighton verlobt?"
Alles in mir streikte etwas zu sagen. Ich reagierte mal wieder so unangemessen und unpassend, wie ich es am besten konnte.
"Kai! Ich rede mit dir!" Adriano wurde lauter und rüttelte meine Schulter.
Ich rutschte von ihm weg und schlang meine Arme um mich.
Ohne einen Ton zu sagen blickte ich auf den Boden. Für Adriano Antwort genug.
"Sie ist mit ihm seit..." Monty preschte los und hielt Celine den Mund zu. "Du hast schon genug gesagt, Celine."
"Du bist mit ihm seit wann verlobt Kaileigh? Ist er der von dem du immer so schlecht geredet hast? Der dich in deinen Freiheiten so einsperrt?" stellte Adriano mich zu Rede.
Ich sah zu ihm, nahm mir fest vor etwas zu sagen, aber konnte den Kloß in meinem Hals nicht überwinden.
"Oder habe ich dich dazu gebracht ihn so zu sehen? Leighton ist ganz sicherlich nichts so. Ich weiß, wie ich ihn in Erinnerungen behalten habe und wie du ihn mir beschrieben hast. Er würde dich nie so behandeln. Kaileigh sag mir, dass es nicht wahr ist." Er schüttelte mich weiter, meine Lippen blieben versiegelt.
Ich konnte nicht Lügen, nur Informationen verdrehen oder vorenthalten, das wusste wir beide und mein Schweigen war somit Antwort genug für Leighton.
"Ich... ich wollte dir das alles sagen..." stammelte ich und unterdrückte die Tränen, die sich in mir hochkämpften.
"Gleich nachdem du in meinem Büro aufgetaucht bist. Ich wollte es dir entgegenschreien, dir klar machen, dass ich nicht zu haben bin, es nie war." sprudelten die Worte nur so aus mir heraus.
Monty und Celine deuteten mir nichts mehr zu sagen. Coles Reaktion hatte sich nicht verändert. Er starrte mich an, wie ein Alien.
"Wieso hast du es nicht? Ich hätte Rücksicht genommen. So wie damals. Da haben wir Leighton immer irgendwie unterbekommen und..."
"Es ging nicht." unterbrach ich Adriano.
"Ich wollte es, ich wollte meine Ruhe haben, aber es ging nicht. Du hättest nie angefangen normal mit mir zu reden."
Adriano hätte mich bis heute auf Distanz gehalten und kein Wort über private Dinge verloren.
"Selbstverständlich hätte ich dich auf Abstand gehalten. Verdammt du bist mit deinem besten Freund zusammen! Ihr seid verlobt und vermutlich habe ich dich wohl auch auf den Käse gebracht weder zu Heiraten noch Kinder zu haben."
Adriano sprang auf die Beine und raufte sich die Haare.
"Das hast du nicht." Meine Selbstbeherrschung nagte an mir, aber ich behielt die Überhand über meine Emotionen und meine Tränen. "Es wäre mir so oder so zu viel geworden. Ich mag es nicht in die Enge gedrängt zu werden, wenn es um Entscheidungen geht und du hast mir diese Freiheit gegeben und das habe ich so genossen. Das ich bei dir wieder zu mir werden konnte. Du hast nichts an meiner Meinung geändert." machte ich ihm klar.
Adriano schüttelte den Kopf, sah mich ebenfalls an wie eine Fremde.
"Aber Leighton... du...er... du hast ihn mit mir hintergangen, ihn betrogen, Kaileigh. Ich habe einen der Männer mental auf dem Gewissen, dem ich mit den meisten Respekt gezollt habe. Damals wie heute.
Weißt du in was für einem Licht mich das stehen lässt, was das eben mit mir gemacht hat?"
In seinen grünen sonst so wachen Augen glitzerten Tränen er Enttäuschung und der Schuld.
"Sie hat sich dafür so sehr verflucht, dass sie es dir nie sagen konnte, Adriano." stärkte Monty mir den Rücken. "Du bist nicht der einzige mit Schuldgefühlen."
Adriano ballte die Hände zu Fäusten und entspannte sie wieder.
"Ich fühle mich nicht schuldig, ich fühle mich, als hätte ich Blut an den Händen."
Die ersten Tränen liefen über meine Wangen und flehend sah ich zu Adriano.
"Es tut mir so leid, dass ich dir nichts gesagt habe. Adriano... ich..." meine Worte brachen mit weiteren Tränen weg.
Adriano zog an seinen Haaren und sah mich fassungslos und entkräftet an.
"Nein. Kaileigh mir tut es Leid, dass ich deinem Leben und einem alten Freund, einer alten Freundin, so viel Schaden zugefügt habe." Die Tränen in seinen Augen setzten sich in Bewegung.
"Du hast mir nicht geschadet. Im Gegenteil. Adriano, du hast mich leben lassen. Mir gezeigt wer ich wirklich sein kann und dafür liebe ich dich. Dafür habe ich dich schon damals geliebt."
Er wandte sein Gesicht von mir ab und blickte an mir vorbei aus dem Fenster.
"Und wie lange würdest du mich Lieben? Bis du es dir anders überlegst und es doch wieder mit Leighton angehen lässt?." wut und Eifersucht suchte seine Züge heim. Jetzt sah er seit Monaten genau wie der Mafioso aus, mit dem sich keiner Anlegen wollte. Seine Worte trafen mich auch genau so, als würde er mir eine Waffe an den Kopf halten, aber sie waren nicht wahr.
Ich liebte Leighton, doch mehr als meinen besten Freund. Damals war er für mich da, als ich ihn am meisten brauchte, irgendwann merkte ich, dass er mir gut tat, behielt dieses Gefühl bei, doch merkte seit Adrianos Ankunft, dass Leighton nur Platzhalter für das war, was ich mit Adriano jetzt haben könnte.
"Ich hab es damals schon gesehen und ignoriert, ihr beide seid wie füreinander gemacht und heute tut es mir leid, dass ich dich ihm weggeschnappt habe vor zehn Jahren und jetzt wieder."
Ich schüttelte heftig den Kopf und kämpfte mich auf die Beine.
Zielstrebig machte ich einen Schritt auf ihn zu.
"Leighton und ich sind nicht füreinander gemacht. Er war all die Jahre nur die Illusion des Lebens, das ich mit dir hätte haben können, wäre alles anders gekommmen." sprach ich meinen Gedanken klar aus, zumindest so klar, dass mich kein Schluchzen unterbrechen konnte.
Adriano lachte verletzt auf.
"In keinem Paralleluniversum wäre es dazu gekommen, dass wir dieses Leben geführt hätten, was Leighton dir geschenkt hat." redete er herunter.
"Im besten Fall wärst du jetzt auch tot. Im besten Fall hätten dich die Telarmos noch vor meinem Vater gekillt." fauchte er.
"Ich hätte dir nichts bieten können Kaileigh. Nichts außer Tod und Geld und Ansehen dass du nie haben wollen würdest und so anders ist das jetzt auch nicht."
Adriano trat einen Schritt zurück, ich einen vor.
Seine Augen sahen mich an, durchbohrten mich auf einen Funken Verstand, den ich laut seinem Gesichtsausdruck verloren hatte.
Celine und Monty verfolgten unseren Streit aus hoffenden und betenden Augen. Cole verstand noch immer nicht ganz was eben passierte.
"Du hast mir in den letzten Monaten so viel mehr geboten als das Adriano. Du hast mich wieder vervollständigt, mich daran erinnert, wie es ist wirklich zu lieben, ohne den Zwang ja und amen zu allem zu sagen. Du..."
Adriano unterbrach mich. "Ich habe dir nichts als Unheil gebracht, Kaileigh. Ich habe deine Beziehung zerstört. Eine Beziehung wie ich sie nie mit dir haben könnte. Ich habe dir die Chance auf das perfekte Leben genommen, von dem du damals so geträumt hast."
Er drehte sich.
"Es tut mir leid dich kontaktiert zu haben. Du hattest recht. Ich hätte mir einen anderen Anwalt suchen müssen und nicht ausgerechnet dich."
Wie angewurzelt stand ich da und starrte seinen Rücken an, als er ohne sich umzudrehen aus dem Stardust schlich.
Monty und Caleb sprangen hoch und eilten ihm hastig hinter her.
Mein Körper reagierte mit seiner blöden Überempfindlichkeit und zwang mich mit einem bitterlichen und erschütternden Heulanfall in die Knie.
Mein Herz brach. Meine Hoffnung brach. Adrianos Vertrauen zu mir brach.
Celine schoss zu mir und hielt mich, bevor ich komplett auf dem Boden aufschlug.
Von draußen konnte ich hören, wie Monty lautstark versuchte Adriano vom Gegenteil zu überzeugen, wie er ihn regelrecht anschrie wieder rein zu mir zu gehen und den scheiß zurück zu nehmen, den er mir unfairerweise entgegen geschmissen hatte.
Celine redete auf mich ein, das alles wieder gut werden würde.
Adriano würde mich verstehen, sobald wir uns in ruhe hinsetzten und ich ihm alles von Anfang an erklärte.
Doch es war nicht nur das, dass er mir nicht wirklich die Gelegenheit gegeben hatte mich so zu rechtfertigen, wie ich wollte, es war die Tatsache, dass er auch die alten Wunden wieder mit aufriss, mich die Bilder durchleben ließ, die ich damals hatte, als er gegangen ist und sich nie mehr gemeldet hat.
Ich liebte ihn, mehr als alles andere. Ich wollte ihn an meiner Seite, ihm alles erklären, den wirklichen Grund erklären, wieso ich den Mund nicht aufgemacht hatte. Er wusste ich war nicht gut in solchen Situationen die richtigen Worte zu finden, aber ich würde zu ihnen kommen, wenn man mir die Zeit und die Spontanität des Moments nahm.
Monty und Caleb kamen rein, ohne Adriano.
Von ihm hörte ich nur noch wie der Motor seines Wagens aufbrummte und dann im Straßenverkehr unterging.
"Ich geh ihm nach." beschloss Cole kurzerhand, schnappte seinen Autoschlüssel vom Tisch und eilte wieder aus dem Cafe.
Die Leute um uns betrachteten uns, als würden wir eine Kinofilmszene drehen, nur war das kein Film, sondern mein eigenes beschissenes Leben, das grade unter meinen Füßen wegbrach.
"Kai... scheiße, du musst dich beruhigen. Ihr werdet nen Weg finden. Denke an die Zwillinge, das ist gar nicht gut." Und das zweite große Geheimnis plauderte sie aus.
"Du bist schwanger?" Monty half mir während seiner verdutztheit zurück auf den Stuhl, bevor seine Augen auskullerten.
"Du bist..." Sein Kiefer fiel auf den Boden und er hielt sich den Mund zu.
"Ja, mach kein Drama draus, wir haben jetzt andere Probleme, Monty." brummte Celine und schob mir den Teller mit Kuchen zu.
"Du musst etwas essen, dein Körper ist überanstrengt und braucht irgendwas zum abarbeiten."
Ich schluchzte und schüttelte den Kopf. Ich brauchte keinen blöden Kuchen sondern Adriano und die Gelegenheit mich mit ihm auszusprechen, ihm zu sagen, dass ich ihm von ganz allein und freiwillig verfallen bin. Er hatte keine Schuld an meinem veränderten Blickwinkel gegenüber Leighton. Die Suppe habe ich mir ganz allein eingekippt und ich hätte sie so viel früher schon auslöffeln können.
Aber ich war so verblendet von der Illusion alles normal zu halten, dabei ist mein Leben genau dies in den letzten Monaten nicht gewesen.
"Kai... du bist schwanger? Seit wann? Von wem? Mit Zwillingen?"
Ich sackte auf meinem Stuhl in mir zusammen und besah den Kuchen vor meiner Nase wenig begeistert.
"Du dummes untaktvolles Nashorn, Montgomery!" wies Celine ihren besten Freund zurück und verpasste ihm einen Schlag auf den Hinterkopf.
"Sie sind von Adriano oder? Weil... naja... Leight ist ziemlich..."
Celine holte erneut aus.
"Es reicht! Wir haben grade ganz andere Probleme! Nämlich ein Wildgewordener Adriano auf dem Schlachtzug zu irgendetwas dämlichen!"
Ich konnte mir trotz meiner inneren Leere und der aufkommenden Scham nicht verkneifen den beiden ein Lachen zu zeigen.
Ganz egal wie ernst es auch wurde, die beiden bekamen es immer hin irgendetwas zu bringen, was mich wenigstens zum schmunzeln brachte.
"Das musste so oder so passieren, Celine. Ich hab es nicht anders verdient, als jetzt alles so reingedrückt zu bekommen." murmelte ich und legte eine Hand auf meinen Bauch.
Adriano wusste das schärfste neben Leighton noch nicht, vermutlich würde er es auch jetzt nicht mal mehr erfahren wollen, nicht mal einen Ton mit mir reden wollen.
"Das musste es nicht, es ist meine Schuld okay? Und sobald meine Schicht hier vorbei ist, fahre ich bei Adriano vorbei und schlage ihn grün und blau, wenn er dich nich anhört." versicherte sie mir und setzte sich auf den freien Platz neben mir.
"Was denkt ihr, wo er hin ist?" flüsterte ich, meine Stimme kaum am Tisch zu hören.
Monty schob auf den Kuchen zu sich herüber. "Vielleicht ins Hotel." vermutete er.
"Zum Flughafen." vermutete Celine.
Oder zu seiner dämlichen Schwester, wenn Kathalena nicht mit der Razzia oder Leighton zu tun hätte.
Ich sog die Luft ein und starrte zu dem Parkplatz, auf dem bis vor wenigen Minuten noch Adrianos weißer Jaguar stand.
"Sind es eineiige?" warf Monty in die Stille, nachdem sich Celine mit einer gigantischen Entschuldigung in ihre Schicht verabschiedet hat.
"Keine Ahnung." brummte ich, sah nicht in seine Richtung, hing in meinem plötzlich ganz leeren Kopf.
Ich war wie traumatisiert und wusste in einer halben Stunde oder vielleicht früher würde der Schob absetzen und ich wäre nichts außer ein noch schlimmer heulendes kleines Häufchen Elend.
"Aber ob es Mädchen oder Jungen sind?" harkte Monty aufgeregt nach. "Willow könnte echt n paar Spielkammeraden brauchen, fall er mal..."
Ich sah ihn aus verengten Augen an. Sein unegwöhnlicher Weg mich abzulenken klappte nicht so, wie er es sich vorgestellt hat.
Er stieß die Luft aus und raufte sie die Haare.
"Du weißt, dass ich der letzte bin, der dir um das alles hier Vorwürfe macht, Kai." erinnerte er mich.
Ich neigte den Kopf, wollte auf seine Worte erwidern, aber Cole kam völlig außer Puste ins Cafe zurück und schleppte sich zu unserem Tisch.
"Er ist weg! In Washington gibt es eine Herde weißer Jaguare." schnaufte er und warf seinen Autoschlüssel auf den Tisch zurück.
"Und ich glaube selbst wenn ich ihn erwischt hätte, wäre ich als Matsch auf der Straße gelandet. Es tut mir so Leid Kaileigh." bedauerte er seinen besten Freund nicht gefasst zu haben. "Geht es dir soweit gut? Den Zwillingen? Irgendwelche schmerzen?" harkte er besorgt nach und besah mich von oben bis unten.
"Du wusstest davon?!" Monty sprang Cole beinahe an die Gurgel.
"Heilige Scheiße." fluchte er.
"Noch mehr scheiße kann Kaileigh jetzt wirklich nicht gebrauchen."
Cole wurde ernst und sah Monty warnend an.
"Wenn du dich soweit fühlst, fahre ich dich nach Hause. Ich muss eh in die Richtung." legte Cole für mich fest und widmete sich dem Kuchen auf dem Tisch.
Ich nickte tonlos und versuchte die Stille in meinem Kopf so lange aufrecht zu erhalten, bis ich zu Hause auf dem Bett zusammenbrechen konnte, bis ich weinen und schreien und toben konnte, ohne dass man mich schief anstarrte.
"Dann los." drängte ich, sprang auf die beine, knickte weg und wurde von Monty aufgefangen.
"Dann mal nicht los. Dein Körper macht was er will, du sitzt jetzt hier mit uns, bis er wieder auf dich hört." wies Cole mir strikt an und schob den Kuchen zu mir.
Ich rollte mit den Augen und nahm mir ein Stück.
Celine fand sich in ihrer Arbeitskleidung und mit einem strengen und entschuldigenden Blick hinter dem Thresen im Cafe ein und begann die wartenden Gäste davor zu bedienen.
Eine halbe Stunde später fühlte ich mich körperlich in der Lage wieder auf eigenen Beinen zu tragen. Nichts desto trotz stützten Monty und Cole mich bis nach draußen.
Cole setzte mich auf seinen Beifahrerplatz ab und Monty verabschiedete sich mit einem einfachen Winken in die entgegengesetzte Richtung zu seinem Wagen.
In unangenehmen Schweigen fuhr Cole vom Parkplatz und drehte das Radio an.
Ich drehte es leiser, als irgendein ziemlich schlechter Chainsmokers Song im Radio lief, dessen Text meine Laune nicht zwingend in die Berge hob.
"Ey! Die sind gut!" protestierte Cole und reihte sich in die Straße ein.
In einer lockeren Handbewegung drehte er das Radio lauter.
Ich sah ihn finster an. "Der Text ist scheiße."
Geschlagen drehte Cole wieder leiser und rollte mit den Augen.
"Es gibt schlimmere Songtexte, weißt du Kaileigh? The Chainsmokers haben zwar nen miesen Namen, aber ihr immer gleicher Beat verkauft sich genau so gut wie jedes immer gleiche Super Mario spiel." Verglich er gekonnt und warf mir einen hinweisenden Blick zu.
Ich schmunzelte, das Radio blieb trotzdem leise, bis es zu den Nachrichten kam.
"Die Örtliche Polizeibehörte hat so eben in einer Pressekonferenz bekannt gegeben, dass am Vormittag im neuen Nobelclub Magix eine Drogenfahnung stattgefunden hat."
Ich ballte meine Hände zu Fäusten, Cole bremste mitten auf der Straße.
"Nach aktuellen Informationen gab es kurz vorher einen Anonymen Hinweis mit eindeutigen Bescheibungen wo sich das konfistierte Gut aufgehalten haben soll.
Angeblich wurden so viele Drogen sicher gestellt, die gereicht hätten die ganzen Staaten das Gehirn zu vernebeln."
Cole blinzele heftig und schüttelte den Kopf.
Hinter uns hupte es lautstark.
"Neben den Drogen gab es einige Festnahmen. Eine unter ihnen ist die von Flavio Telarmo. In Italien ist er einer der meistgesuchtesten und gefährlichsten Männer des Landes und ein bekannter Konkurrent des vor wenigen Monaten verstorbenen Jacopo Giulani. Von Flavios Bruder Salice Telarmo fehlt weiterhin jede Spur."
Coles Hände griffen sich am Lenkrad fest. Mir lief es eiskalt den Rücken herunter.
Ich hatte gehofft und gebeten, dass beide Brüder hinter Gittern kommen würden, dass man beide erwischte.
Wenn Kathalena nicht dämlich war, würde sie sich schneller als gedacht zusammen reimen können, wer hinter diesem Schlachtzug stand.
"Vor wenigen Wochen wurde eine unbekannte junge Frau im Magix niedergeschossen. Die Polizei geht davon aus dass..."
Cole schaltete das Radio aus und ließ den Motor wieder anspringen.
"Das... deshalb bist du zu spät zu uns gekommen, oder?" erkannte Cole und schüttelte ein weiteres mal den Kopf.
Stumm nickte ich, innerlich rasten alle Alarmanlagen auf mich ein.
"Du musst mich auf der Stelle nach Hause fahren und Adriano finden!" wies ich Cole hastig, aber bestimmt und noch einen Hauch beherrscht an.
Er zuckte zusammen und reagierte. Das Radio blieb aus.
"Sobald du mich abgesetzt hast, versuchst du ihn zu finden und irgendwo hin zu bringen, wo kein Mensch ihn finden kann!" raste ich meinen Befehl weiter herunter.
"Sobald du das gemacht hast, rufst du mich über irgendeine Telefonzelle an und gibst mir Bescheid, dass er in Sicherheit ist."
Panik rauschte durch mein Gehirn. Es würde nicht länger als Stunden dauern, eh Kathalena verstand was passiert war, wenn sie es nicht schon ahnte, da sie ihren Playboy brav aus der Schusslinie gezogen hatte.
"Kaileigh was zum...?" harkte er nach und preschte im Eiltempo über die Straßen.
"Du rückst ihn nicht raus und sagst niemanden wo er ist, nicht mal mir, verstanden?" ich blendete Coles ebenso panischen Ton aus.
"Was hast du gemacht? Wieso soll ich ihn verstecken!" forderte Cole mich zum reden auf.
Leighton!
Mein Gehirn sprang zu Leighton um.
Cole musste noch schneller fahren. Kathalena wusste wo ich wohnte, sie wusste mittlerweile zu viel über mich! Wenn ich pech hatte wusste Leighton somit auch zu viel über mich!
Wenn sie ihm nicht sogar noch schlimmeres angetan hatte.
"Fahr schneller!" schrie ich wie eine Furie durch den Wagen.
Cole straffte den Rücken und fluchte auf seiner Muttersprache, bevor er einen Gang zulegte und jedes Auto überholte, dass uns viel zu langsam erschien.
"Kaileigh, was ist passiert? Wieso zum Teufel soll ich Adriano wegbringen?"
Ich brauchte einen Moment um mich zu fassen, dann kam mir der nächste Namen in den Sinn.
"Auf den Weg zu Adriano rufst du Domenico an und sagst ihm er soll sich verschanzen und erst raus kommen, wenn ich mich bei ihm melde und..."
"Kaileigh!" Ich zuckte und verstummte aprubt.
"Du sagst mir auf der Stelle, was du verbockt hast und beruhigst dich!"
Meine Lippen zitterten, mein Kopf schaltete wieder um auf Leerlauf.
"Kathalena... sie... Salice..."
Cole nickte.
"Sie ist die Drahtzieherin richtig?"
Ich konnte ebenfalls nur mit dem Kopf nicken, bevor ich meine Worte wieder fand.
"Domenico und ich.... wir haben die beweise, dass... dass er und Kathalena sich nahe stehen und sie ihm eingetrichtert hat Jacopo umzubringen.
Seit dem erpresst sie mich damit Leighton zu sagen, dass ich von Adriano schwanger bin und Adriano hinter Gittern wandern zu lassen. Sie beobachtet mich irgendwie oder hat es zumindest. Sobald ich irgendetwas Adriano gegenüber erwähnt hätte..."
"...Wäre er sofort im Knast gelandet." beendete Cole und ließ im nächsten Augenschlag beinahe die Nadel aus dem Tachoglas springen.
"Wir müssen uns beeilen, Kaileigh. Heilige Scheiße!" fluchte er und bog im selben Moment mit quietschenden Reifen in meine Einfahrt ein.
Ich sprach aus dem Wagen, da stand er noch nicht mal richtig in der Parklücke.
"Du schaust nach Leighton." trug er mir nüchtern und sachlich auf.
"Und du nach Adriano und Domenico, dann meldest du dich bei mir, wie ich es gesagt habe." gab ich an ihn zurück, schmiss die Tür zu und sprintete so schnell wie noch nie in meinem Leben über den Parkplatz und ins Gebäude...
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Deadend
Romantizm"Was soll ich denn bitte machen, dass über dein Erscheinen von meinen Kollegen als Notfall gesprochen wird. Habt ihr mit Menschen gehandelt und ich soll Spuren verwischen? Habt ihr Gelder hinterzogen? Jemanden ausversehentlich mit einem gezielten Ko...
