~Kapitel 87~

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„Sowas könnt ihr nicht einfach behaupten! Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt, ihr scheiß Schlampen! Ich kann doch nichts dafür, wenn ihr so verzweifelt seid und durchficken lasst! Ich habe überhaupt nichts getan!", schrie er uns entgegen und ich wich einen Schritt zurück. 

Zwar wollte ich ihm gegenüber eigentlich keine Schwäche mehr zeigen, doch bisher hatte ich ihn nur von dieser herablassenden, gemeinen Art erlebt, nicht so aggressiv, wie er sich gerade zeigte. Wie immer stellte sich Peter leicht vor mich, damit Brandon gar nicht die Chance hätte, mir zu nah zu kommen.

„Was ist denn hier los?", ertönte die Stimme des Rektors und alle verstummten. Wir drehten uns in seine Richtung er warf mir einen strengen Blick zu. Wieder ertönte Brandons Stimme und ich wirbelte in die andere Richtung.

„Ihr seid doch alle völlig irre!", zischte er, drehte sich um und stapfte davon.

„Wir müssen mit Ihnen reden, Rektor Morita", sagte Betty neben mir und ich wurde unruhig. Ich wusste, dass ich mir das vorgenommen hatte, es nun durchzuziehen fiel mir trotzdem nicht leicht.

„Das glaube ich auch. In mein Büro", befahl er und ich drückte Peter einen kurzen Kuss auf die Wange, bevor ich mit Betty und dem anderen Mädchen unserem Rektor folgte.

„Warte, ihr seid jetzt so ganz offiziell kitschig? In der Öffentlichkeit?", hörte ich MJ fragen, als ich bereits einige Schritte gegangen war.

„MJ hör auf jetzt", murmelte Peter schüchtern und ein leichtes Grinsen schlich sich in mein Gesicht. Ja, so ganz offiziell kitschig traf es ganz gut.

Ich folgte den Mädels durch die Tür und wir standen unserem Rektor unsicher gegenüber.

„Also? Was ist da draußen vor sich gegangen? Und wieso passiert sowas ausgerechnet, sobald Sie wieder da sind Ms. Stark?", wollte er wissen und ich fühlte mich tatsächlich etwas angegriffen. Als ob es nun an mir läge, dass das Chaos in seiner Schule ausbrach.

„Entschuldigung? Das klingt beinahe wie ein Vorwurf, dass ich wieder hier bin", merkte ich an und hob eine Augenbraue.

„Könnten Sie mir einfach erklären, was da draußen vor sich ging?", bat er genervt und ging überhaupt nicht auf das ein, was ich zu ihm gesagt hatte.

„Rektor Morita, es ist etwas Schlimmes passiert und bisher hat sich niemand von uns getraut darüber zu sprechen", begann Betty.

„Und um was geht es? Setzt euch", bat er und zeigte auf die Stühle, die auf der anderen Seite seines Schreibtischs standen. Auch er nahm nun wieder Platz.

„Naja, es ist nicht so leicht darüber zu sprechen aber es geht um Brandon Cartwright", sprach sie weiter, worüber ich ziemlich froh war, denn ich spürte schon wieder, wie sich meine Kehle zuschnürte und ich unfähig war, etwas zu sagen.

„Was ist mit ihm?", hakte er nach.

„Wie Sie wissen, wurden diese Bilder von Taylor versendet. Das war Brandon", sagte sie und ich nickte eifrig.

„Ms. Stark, ich habe Ihnen schon einmal gesagt, dass ich darüber Beweise brauche", entgegnete er und ich zog verwirrt die Augenbrauen zusammen.

„Was denn für Beweise? Haben Sie sich diese Bilder mal angesehen? Sieht denn wirklich keiner, dass ich unter Drogen gesetzt wurde und überhaupt nicht in dieser Situation sein wollte. Sehe ich etwa aus, als hätte ich Spaß? Denken Sie wirklich ich würde versuchen mir das Leben zu nehmen, wenn dieses Bild nicht den schlimmsten Moment meines Lebens eingefangen hätte? Ich wurde so verdammt gedemütigt und bloßgestellt, das können Sie sich überhaupt nicht vorstellen!", zischte ich sauer. Ich hatte es satt, mich rechtfertigen zu müssen oder irgendjemanden davon zu überzeugen, dass es nicht meine Schuld war.

„Außerdem können wir das beweisen. Uns beiden ist nämlich dasselbe passiert", sagte Betty ebenfalls gereizt.

„Es wurden Bilder von euch angefertigt?", wollte er wissen und ich würde am liebsten über den Schreibtisch springen, ihn am Kragen packen und durchschütteln. So sehr konnte doch niemand auf der Leitung stehen, oder?

„Das wissen wir dummerweise nicht. Ich weiß es zumindest nicht. Ich habe nämlich immer alles getan, was er von mir verlangt hat", sagte das dunkelhaarige Mädchen neben mir. Bisher hatte sie es nicht geschafft, sich zu Wort zu melden, was ich verdammt gut verstehen konnte.

„Ich weiß es nicht aber er hat mir damit gedroht, dass er Bilder von mir hat, deshalb habe ich niemandem erzählt, was passiert ist", sagte nun auch Betty.

„Und was ist passiert?", hakte Rektor Morita nach.

„Wollen Sie nun wirklich, dass wir es aussprechen? Haben Sie es echt noch nicht verstanden?", wollte ich wissen.

„Brandon Cartwright hat uns alle unter Drogen gesetzt und dann dazu gezwungen mit ihm zu schlafen", sagte Betty und etwas in mir sagte, dass das nicht ausreichte. Hatte ich mich bisher immer davor gesträubt es auszusprechen, es überhaupt zu denken, war es mir jetzt nicht genug.

„Nein, wir haben nicht mit ihm geschlafen. Gezwungen hin oder her. Sag es, wie es ist. Brandon Cartwright ein Vergewaltiger. Das hat er mir angetan, den zwei Mädels und ich bin mir fast sicher, noch anderen", zischte ich, bevor ich meine Arme vor der Brust verschränkte und fest die Zähne aufeinanderbiss, um nicht in Tränen auszubrechen. 

Ich hatte es gesagt, ich hatte es nicht einmal umschrieben, sondern beim Namen genannt. Brandon Cartwright war ein scheiß Vergewaltiger und es war nicht meine Aufgabe, ihn vor dieser Bezeichnung zu schützen. Denn wenn sich jemand schämen sollte, dann er und nicht ich.

„Und ihr beiden könnte das so bestätigen?", fragte unser Rektor an die anderen zwei Mädels gerichtet. Betty antwortete mit einem überzeugten ‚Ja', das andere Mädchen nickte nur. 

Rektor Morita lehnte sich in seinem Sessel zurück, legte seine Arme auf die Stuhllehnen und sah uns hilflos und entrüstet entgegen. Eine Weile blieb es still, er wischte sich mit der Hand durch das Gesicht, musterte uns wieder, dann die Uhr, das ging eine gefühlte Ewigkeit so hin und her.

„Sie sollten damit zur Polizei gehen. Am besten alle drei zusammen", schlug er uns vor und ich sah ihm überrascht entgegen. Mr."Sie-haben-keine-Beweise" riet uns dazu zur Polizei zu gehen.

„Ich kann von hier nicht viel ausrichten. Ich werde das Gespräch mit Brandon und seinen Eltern suchen und ihn der Schule verweisen. Alles andere liegt außerhalb meines Machtbereichs", sprach er weiter und schien noch immer vor den Kopf gestoßen zu sein.

Ich hingegen war von seiner Reaktion ziemlich überrascht. Nach allem, was ich in der letzten Zeit von ihm zu hören bekommen habe, hatte ich nicht erwartet, dass er uns so einfach glaubte und Brandon noch dazu rauswerfen würde.

„Ja, das werden wir uns überlegen, denke ich", murmelte Betty und ich nickte zustimmen.

„Es tut mir sehr leid, was Sie durchgemacht haben und Ms. Stark ich möchte mich auch entschuldigen, dass ich Ihnen nicht geglaubt habe. Ich hoffe sehr, dass es Ihnen jetzt besser geht", sagte er noch an mich gerichtet und spielte damit vermutlich auf meinen längeren Krankenhausaufenthalt an.

„Danke, ich arbeite daran", war alles, was ich ihm dazu sagen konnte. Denn ich wollte ihm nicht einfach so verzeihen, dass er mir nicht geglaubt hatte. Er hatte mir ja nicht einmal richtig zugehört. Es gab mir zwar Genugtuung, dass er mir jetzt Gehör schenkte, aber auch nur, weil ich nicht allein hier war.

+++
Was sagt ihr zu der Reaktion des Rektors? Sollten die Mädchen zur Polizei gehen?


Es tut mir so leid, dass ich schon wieder vergessen habe, das neue Kapitel Freitag hochzuladen. So viel los gerade :)

Love you 3000, T.

Darkest Nights | Peter Parker FF Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt