~Kapitel 6~

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Ganz langsam lief ich auf das Waschbecken am anderen Ende des Raumes zu und hob vorsichtig den Blick, um mich in dem darüber hängenden Spiegelschrank anzusehen. Ein Keuchen entfloh mir und ich kniff verbittert die Augen zusammen. Danach musterte ich mich wieder und inspizierte jeden Millimeter meines Gesichts.

Mal ganz abgesehen von meiner Haut, die wesentlich blasser wirkte als an jedem anderen Tag und nun der Wand hinter mir glich, war meine komplette Schminke verwischt und meine Augen strahlten gleichzeitig so viel und gar nichts aus.
Sie hatten ihr Leuchten verloren und das war alles woran ich mich je festgeklammert hatte. Nichts konnte mir das Funkeln nehmen, absolut nichts, nicht einmal der Tod meiner Mutter hatte dies geschafft, denn ich wusste, dass es ihr nun besser ging, dort wo sie war.

Doch jetzt sah ich in den Spiegel, erblickte diese Hülle und musste mir diese eine verfluchte Tatsache eingestehen.
Vor wenigen Stunden, auf dieser beschissenen Party auf der ich nicht hätte sein dürfen, bin ich vergewaltigt worden. Mehrmals.

Mein Körper schmerzte und gleichzeitig fühlte ich mich betäubt, als würde das alles nicht passieren, es kam mir surreal vor. Ich steckte fest in dieser beschissenen Situation und fühlte mich so unglaublich machtlos und auch hilflos, dass ich nicht einmal wusste, was mein nächster Schritt sein sollte. Schließlich befand ich mich noch nie in einer derartigen Situation.

Ich wusch mir das Gesicht mit kaltem Wasser ab, um die Reste des Make-Ups loszuwerden.
War es das gewesen? Der Rock und das Make Up? Wäre mir das selbe passiert, hätte ich mich wie immer nur dezent geschminkt und die Hose angezogen? War ich verdammt nochmal selbst schuld daran?
Ich hätte mich auch gar nicht allein mit diesen Typen unterhalten sollen, sondern bei Liz bleiben.

Ein leises Klopfen an der Tür ließ mich aus meinen Gedanken schrecken. Ruckartig drehte ich mich um und wollte auf die Tür zulaufen, doch wieder durchfuhr mich ein Schmerz und ich zischte schmerzerfüllt auf.

"Taylor? Alles okay?", ertönte eine Stimme panisch von der anderen Seite der Tür. Das musste Peter sein.
Ich öffnete die Tür einen Spalt weit und blickte hindurch, um direkt auf seine Brust zu starren. Obwohl er nicht sonderlich groß war für einen Jungen, musste ich ein gutes Stück aufsehen, um in seine Augen sehen zu können.

"Äh.. D-das ist ein Pyjama von May, falls du.. dich umziehen willst", stammelte er und hielt mir ein rosanes Set entgegen, bevor er mir wieder unsicher in die Augen sah.

Lag es an ihm oder an mir? Würden mich die Leute ab jetzt immer so behandeln, als wäre ich eine Außerirdische? Sah er mich so an, weil er Mitleid hatte oder weil er sich vor mir ekelte?
Nur zu gerne würde ich ihn fragen, doch noch unpassender konnte der Moment wohl nicht sein. Außerdem würde außer ihm und May nie jemand erfahren, was in dieser Nacht passiert war.

"Danke", murmelte ich und nahm die Kleidung entgegen, wobei sich unsere Hände kurz berührten und ich erschrocken zurück wich. Ich sah überall  hin, außer zu Peter. Ich war ihm soviel schuldig und er hielt mich vermutlich einfach nur für eine dumme naive Schlampe.

"D-danke auch.. für..", begann ich unsicher und stotterte ordentlich, doch glücklicherweise unterbrach Peter mich, bevor ich mich noch mehr blamieren konnte.

"Kein Problem.. wirklich. Du- du kannst hier bleiben über Nacht. A-also nur.. wenn du willst. Ich kann dich auch nach Hause fahren!", sprach er plötzlich schnell und durchaus nervös, doch ich schüttelte hektisch den Kopf.

"Oh nein. Mein Dad weiß nicht.. dass ich .. auf dieser Party war. Er würde komplett durchdrehen und.. das ertrage ich gerade nicht", murmelte ich und begann mir augenblicklich panisch Gedanken darüber zu machen, wie ich das Wochenende überstehen sollte, ohne ordentliche Rückzugsmöglichkeit.
Denn das war, was ich wollte. Alleine sein und nie wieder rausgehen. Und auf der anderen Seite bekam ich Angst vor der Einsamkeit.

Darkest Nights | Peter Parker FF Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt