"Es.. es ist wirklich okay.. ", stammelte ich weiter, doch sie ließ nicht ab von mir.
"Hör auf damit. Ich möchte wissen, wer hierfür verantwortlich ist", antwortete sie streng und hielt meine Schulter fest. Möglicherweise damit ich nicht davon rannte, denn genau das wollte ich gerade tun. Wie jedes mal, wenn es schwer wurde. Ich rannte einfach weg. Heute schien das jedoch aussichtslos.
"N-niemand.. uh..", stotterte ich weiter.
Was sollte ich denn auch sagen? Wie sollte ich etwas, das ich seit Monaten geheim hielt nun einfach so aussprechen? Ich brachte es nicht einmal über mich, diese Worte in den Mund zu nehmen. Es widerte mich an. Ich widerte mich an.
"Niemand? Hör mal, vielleicht kannst du deinem Vater etwas vormachen, mir jedoch nicht. Ich sehe dir genau an, was mit dir los ist", sagte sie und endlich wurde ihre harte Miene etwas weicher. Ich wusste, dass genau ihre Strenge mich aus diesem Tagtraum.. Flashback.. Panikattacke.. was auch immer es war, geholt hatte. Trotzdem wirkte ihr sanftes Gesicht beruhigender auf mich.
Ich schloss die Augen. Atmete tief durch. Und dann..
"Ich war auf dieser Party", begann ich schweren Herzens "eine Senior Party. Dad weiß nicht, dass ich dort war". Nat nickte mir aufmunternd zu.
"Keine Sorge, ich verspreche deine Worte sind bei mir sicher", versicherte sie mir.
"Aber dann.. ich hab einfach das Bewusstsein verloren. Sie haben etwas in meinen Becher gemischt und.. und dann...", mit diesem Satz konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Und es war ein sehr sehr hässliches Weinen. Eines, das es unmöglich machte zu atmen und das die Augen unangenehm Pochen ließ. Am liebsten würde ich schreien.
"Wer.. war es?", hakte sie weiterhin nach und schien damit bereits zu wissen, wovon ich sprach.
"Sie.. sie gehen auf die selbe Schuld. Ich muss ihnen jeden Tag gegenübertreten Nat. Das ist doch der Grund, wieso ich mich selbst verteidigen können muss", schluchzte ich "Ich ertrage das nicht nochmal", ich schüttelte panisch den Kopf.
"Weiß irgendjemand davon?", wollte sie wissen und ich nickte zögerlich. Wieso die Einzelheiten auslassen, die Katze war doch sowieso aus dem Sack.
"Peter", antwortete ich "er war da in der Nacht. Hat mich gefunden", erzählte ich stockend. "Ich habe einfach noch nicht die Kraft es Dad oder Pepper zu erklären. Es ist viel zu kompliziert", ich biss mir fest auf die Lippe.
"Peter also? Das ist der Grund, wieso ihr euch so nahesteht?", fragte sie und ich nickte. Nunja, es war der Auslöser. Der Grund war ein ganz anderer.
"Er hat mich gerettet. Das tut er jeden Tag", murmelte ich und der Gedanke an ihn zauberte mir sogar jetzt ein leichtes Lächeln ins Gesicht. Nat beobachtete mich einen Moment lang.
"Du liebst ihn", merkte sie an, als wäre es das einfachste auf der Welt. Erschrocken starrte ich sie an. Doch je länger ich ihrem sicheren Gesichtsausdruck standhielt, desto offensichtlicher wurde es.
"Ich glaube schon", flüsterte ich und brachte damit Nat zum Grinsen.
"Weißt du, ich bin wirklich froh, dass er da ist und dir durch all das durchhilft. Er ist ein guter Kerl, das weiß ich", sagte sie "und glaub mir, ich weiß wie es sich anfühlt, wenn dir jemand etwas wegnimmt, von dem du dachtest, dass es nur dir allein gehört. Wenn du irgendwann darüber reden möchtest.. dann bin ich gerne für dich da", sagte sie sanft und ich konnte lediglich nicken.
Sie atmete tief durch, trotzdem sah ich eine große Wut in ihr hervorkommen. Das verstand ich, wahrscheinlich wäre ich genauso wütend, würde mir jemand so etwas erzählen. Nur konnte ich leider nicht genauso sehr für mich selbst einstehen, wie für andere.
"Das weiß ich sehr zu schätzen. Es gibt nur einige Dinge die ich noch regeln muss, bevor ich es meinem Dad erzählen kann. Ich bin dazu noch nicht bereit", erklärte ich und sie nickte.
"Ich respektiere das. Und du kannst mir vertrauen. Ich werde nicht einfach zu deinem Vater rennen und ihm irgendetwas erzählen. Ich verletzte dein Vertrauen nicht", sicherte sie mir zu und ein Stein fiel mir vom Herzen.
Außerdem kam ein Stück Hoffnung zurück. Denn Nat wusste nun, was mit mir los war. Sie wusste, wieso ich dieses Training brauchte und würde mich nun ganz sicher nicht hängen lassen. Die Hoffnung, ich könnte eine genauso starke Frau wie sie werden, kam so langsam zurück.
Ich würde das alles schon hinbekommen. Jedem kamen ab und an Aufgaben im Leben zu, von denen man dachte, man könnte sie nie tragen. Und jeder konnte es irgendwie schaffen. Ich würde keine Ausnahme davon sein. Ich würde kämpfen, jeden verfluchten Tag, wenn es nötig war. Und egal wie lang, schmerzhaft und kräftezährend dieser Kampf auch sein mochte, am Ende würde ich ihn gewinnen. Zwischen dem Tod und dem Gewinnen lag für mich rein gar nichts mehr. Ich würde kämfpen bis zu meinem letzten Atemzug. Ich wollte mein Leben zurück. Meine Freude, mein Strahlen, meine Lust auf dieses Leben. Und ich würde es mir zurückholen.
Vielleicht war ich noch lange nicht so stark und geübt wie Nat oder Wanda oder Pepper oder all die anderen starken Frauen da draußen. Doch der erste Schritt begann im Kopf. Wenn ich eine Gewinnerin sein wollte, dann würde ich das auch schaffen.
"Woran denkst du?", wollte Nat wissen.
"Wieso?", hakte ich nach.
"Weil du gerade angefangen hast zu grinsen. Denkst du an Peter?", wollte sie wissen und ich schüttelte den Kopf. Ich hatte ausnahmsweise nicht an Peter gedacht. Es war der Gedanke an mich selbst und meine Stärke, der mich zum Lächeln gebracht hatte.
"Ich habe nur daran gedacht, dass ich vielleicht doch eines Tages eine so starke Frau wie du sein könnte", gab ich offen zu. Nat legte den Kopf schräg und lächelte ebenfalls sanft.
"Wie ironisch, dass ich gerade noch daran gedacht habe, was für eine starke junge Frau du doch bist. Du siehst das jetzt noch nicht und fühlst dich vermutlich ganz klein und hilflos. Doch eines Tages wirst du sehen, dass die wahre Stärke von innen kommt und das nichts mit irgendeiner Kampfkunst zutun hat. Du wirst begreifen, dass du jeden Tag aufs neue eine absolute innere Stärke beweist. Du hast es bis hierhin geschafft, nicht alle Menschen kommen zu diesem Punkt. Und so traurig das ist, so sind es doch meistens die grausamen Dinge im Leben, die uns zu starken Persönlichkeiten machen", erzählte sie und ich starrte sie gebannt an.
Hatte sie gerade wirklich angedeutet ich sei stark?
"Ich.. ich weiß nicht was ich sagen soll", gab ich ehrlich zu, denn ihre Worte hatten mich völlig überrascht und mitten ins Herz getroffen.
"Nichts natürlich, das würde meinen einzigartigen Monolog zerstören", scherzte sie und schaffte es damit, mich in dieser ernsten Situation zum lachen zu bringen.
"Wann trainieren wir wieder?", wollte sie wissen. Diese einfache Frage löste so viel Glück in mir aus. Sie wollte mich weiter trainieren. Ich durfte weiter lernen, wie man sich verteidigte.
"Vielleicht übermorgen?", schlug ich vor und sie nickte. Wir beschlossen also übermorgen um die selbe Zeit herum zu trainieren. Und ich musste zugeben, dass ich mich darüber freute.
++++
Es ist raus, eine weitere Person ist eingeweiht. Ich lass das einfach mal so stehen. Gute Nacht meine Lieben.
Love you 3000,T.
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Darkest Nights | Peter Parker FF
FanficIch dachte ich sei nur eine Nebenrolle im Leben anderer. Ich dachte niemand würde mich wahrnehmen. Dabei brauchte es nur eine verhängnisvolle Party und nichts war mehr, wie es sein sollte. Plötzlich spielte ich die Hauptrolle. Eine Rolle, mit der...
