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Mein Magen knurrte. Mein Arbeitskollege gab mir den Rat: „Vielleicht solltest du doch mal was frühstücken." „Ja, das mache ich", beschloss ich und ließ Jakob alleine im Zimmer zurück. Er konnte sich schon irgendwie beschäftigen. Ich trottete nach unten in den Speisesaal. Filip war mir auf dem Weg entgegengekommen, hatte mich kurz gegrüßt und war dann weitergelaufen. Als ich unten ankam, stach mir sofort eine Person ins Auge: Elias Ellefsen à Skipagøtu! Na wunderbar!

Neben ihm saß Tomas - sein neuer Bestie. Am Nebentisch ließen es sich Harald, Peke und Bammbamm schmecken. „Kann ich mich zu euch setzen?", fragte ich meinen Ex-Freund. Dieser nickte sofort. Ich legte Handy und Zimmerkarte ab, dann ging ich zum Buffet. Mit vollem Teller kehrte ich schließlich zurück zu den beiden Handballern, die eher schon in den Endzügen ihres Frühstücks waren.

„Gut geschlafen?", wollte Tomas von mir wissen. Ich zuckte mit den Schultern. Ich hatte zwar geschlafen, aber dieses Dreieck mit Elias und Karl hatte mich bis in meine Träume verfolgt. „Hatte schon bessere Nächte", fügte ich meinem Schulterzucken hinzu. „Dule hat heute so laut geschnarcht", beklagte sich Elias. Vom Nebentisch hörte ich Peke sagen: „Davon kann ich ein Lied singen! Mein lieber Kollege hier", er deutete auf Patrick Wiencek, „der hat heute Nacht auch die Wände zum Wackeln gebracht!" „Hoffentlich nur durchs Schnarchen und nicht durch andere Vergnügungen", lachte Harald nun auf. „Ja, zum Glück nur das", verharmloste der Kreisläufer und klopfte seinem Freund lachend auf die Schulter. Dieser nahm diese ganze Diskussion hier mit Humor. Das Lachen nutzte ich, um Elias zu fragen: „Können wir später kurz reden? Alleine?" „Ja", bestätigte er kurz und knapp. Nun wandten sich alle wieder ihren Tischen zu und aßen weiter. Gerade kamen Dule und Samir in den Speisesaal. Sie nahmen an unserem Tisch Platz. „Guten Morgen!" Wir mussten schmunzeln, als wir Dule sahen. Gerade eben erst hatte Elias noch von ihm erzählt.

„Nachher Kaffee?", fragte der Kroate in die Runde und brachte uns schon wieder zum Lachen. „Was?", fragte er ertappt. „Naja", lachte Peke vom Nebentisch, „Du hältst gerade einen frischen Kaffee in der Hand und sprichst schon vom nächsten." „Ihr wisst doch, was ich meine", brummte er. Natürlich wussten das alle. Sogar ich! Trotzdem war es einfach zu komisch. Samir beruhigte ihn: „Dule, ich bin beim Kaffeetrinken später dabei!" „So nämlich!", strahlte er Mittelmann und genoss seine erste Tasse Kaffee von vielen.

„Gehen wir hoch?", fragte Elias mich nach dem Essen. Tomas war ebenfalls fertig und zu dritt verließen wir den Speisesaal. Der Torhüter der Zebras bog als erstes ab. Sein Zimmer war ganz vorne. „Schreiben wir später mal? Will kurz noch zu Jakob gehen", sagte ich zu Elias. „Ich kann dir schreiben, wenn Dule und die anderen aufbrechen. Dann kannst du zu mir rüberkommen. Ist wahrscheinlich am besten so. Ich will eh nicht mit denen Kaffeetrinken gehen", schlug er vor. Dem stimmte ich zu. Wieder winkten wir uns zum Abschied zu.

Es ging mir jetzt schon deutlich besser, als ich Jakob gegenübertrat. „Die Jungs gehen nachher Kaffeetrinken. Kannst gerne mit, wenn du magst. Ich bleibe hier." „Ich schaue mal. Wollte mir eigentlich Stuttgart bisschen anschauen, ich war hier noch nie", meinte er. „Wie du magst. Wollte es dir bloß sagen. Außerdem müssen wir ja nicht jede Sekunde des Tages aufnehmen, oder? Wichtig wird später das Spiel werden", überlegte ich. „Sehe ich genauso", stimmte er mir zu.

„Was war vorhin los? Willst du reden?", bot er mir an, nachdem ich Zähne geputzt hatte. „Weiß nicht, ob ich reden will", seufzte ich und wir setzten uns beide auf das Bett. „Du musst nicht", lächelte er. „Bin mit meinen Gefühlen gerade ziemlich hin- und hergerissen... Karl oder Elias... oder beide", gestand ich, ohne arg viel mehr Preis zu geben. „Beide?", hakte er nach. „Warum nicht?", setze ich ihm entgegen. „Das kann nicht gutgehen. Am Ende liebt einer den einen immer mehr", versuchte er mir zu vermitteln. Mmh. Vielleicht hatte er recht. „Wie kommt es eigentlich, dass du Elias wieder datest?" „Wir daten uns nicht", stellte ich klar. Daraufhin wollte Jakob wissen: „Was ist das dann zwischen euch?" „Das versuche ich doch gerade herauszufinden", klagte ich. „Und was ist aus Karl geworden?" „Den liebe ich auch", gestand ich kleinlaut. „Klingt kompliziert", schlussfolgerte mein Kollege. Dem stimmte ich zu: „Das ist es."

Sweet LiesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt