06 | stranger

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Um ehrlich zu sein war es ziemlich entspannend, nach gefühlt 700 durchgelesen Artikeln und einem rauchenden Kopf mal draußen an der frischen Luft zu sein. Ich brauchte keine fünf Minuten, bis ich beim Bäcker war, wo ich mir zwei belegte Brötchen und ein Schokoladen Croissant für Jimin gekauft habe. Der wird sich sicher darüber freuen. Es war ziemlich voll, deswegen saß ich mich auf die nächstbeste Bank, um mein Essen zu verspeisen. Ich fragte den jungen Mann, der darauf saß, ob ich mich auch hinsetzen dürfe und er nickte. Draußen war es einfach zu angenehm, da wollte ich nicht gleich wieder zurück in mein stickiges Büro.

Genüsslich aß ich meine Brötchen, doch der Fremde löste in mir ein gewisses Unbehagen aus. Die Stille zwischen uns ließ mich auch nicht wohler fühlen, eher im Gegenteil. Eigentlich machten mir Situationen wie diese nichts aus, aber dieser Mann war irgendwie seltsam. Mir tat es leid, dass ich so über ihn dachte, deswegen versuchte ich ein Gespräch aufzubauen, um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Außerdem hatte ich dieses komische Gefühl, dass ich mit ihm reden muss, sonst würde ich etwas Wichtiges verpassen.

"Schönes Wetter heute, nicht?", fragte ich. Der Fremde nickte nur, er war also nicht sehr gesprächig.

"Sind sie öfter hier?" Wieder nickte er nur. Nach einer kurzen Schweigepause stellte er dann eine Frage.

"Warum reden Sie mit mir?" Seine Stimme war ziemlich tief, aber sie hatte etwas anziehendes, so als würde man ihm am liebsten Tag ein Tag aus zuhören.

"Naja ich dachte, ein bisschen Gesellschaft ist immer gut", log ich. "Störe ich Sie?"

Er schüttelte den Kopf. "Nein, alles gut, vielleicht tut mir sozialer Kontakt nach so langer Zeit ja gut."

Das hörte sich irgendwie traurig an, deshalb beschloss ich, mit ihm in Kontakt zu bleiben. Ich streckte meine Hand aus. "Kim Taehyung", stellte ich mich vor. Zögernd nahm er sie und sagte dann "Min Yoongi". Ich schenkte ihm ein Lächeln und meinte, ich müsse dann los. Yoongi meinte, er müsse auch wieder gehen, deswegen trennten sich unsere Wege erst an der Kreuzung. Wir verabschiedeten uns voneinander und ich ging wieder zurück in mein Büro.

Jimin wartete schon auf mich und ich drückte ihm das Croissant, welches ich schon fast vergessen hatte, in die Hand. Verwundert aber dennoch dankbar nahm er es an und wir setzten uns an meinen Schreibtisch.

Da sich meine Laune erheblich verbessert hatte, erzählte ich Jimin alles, was gestern geschah. Mein Freund hörte mir aufmerksam zu. Als ich fertig war, meinte er, dass ich mir das alles nur einbilden würde.

"So wie du das erzählst, hört sich das nach einem... Vampir an, der dein Blut will. Oder ein Geist? Vielleicht war es auch ein Werwolf", lachte mein Gegenüber und machte dabei irgendwelche Gesten, die so aussahen, als würde er mich fressen wollen.

"Sehr witzig, Jimin. Wie würdest du reagieren, wenn du nachts in der Dunkelheit von irgendwem angegriffen wirst? Außerdem habe ich Beweise. Schau", entgegnete ich und zeigte ihm die kleinen Wunden an meinem Hals. "Es ist wirklich passiert. Glaubst du mir jetzt?"

Jimins Augen weiteten sich. "Ach du heilige...", murmelte er, "Wir müssen sofort zu Seokjin"

hunted || taegiWo Geschichten leben. Entdecke jetzt