"Was ist so wichtig, dass ich jetzt noch kommen muss?", fragte ich gereizt.
"Deinem Yoongi geht's super. Er kann nach Hause."
"Wo soll er bitte hin? Jin, er hat nicht mal ein Dach über dem Kopf."
"Das ist es ja. Also beweg deinen Arsch hier her und zwar schnell, sonst helfe ich dir nicht mehr", meinte der Ältere nun auch gereizt.
"Schon gut Mama, bin unterwegs." Ich musste lachen. Jin wäre die perfekte Mutter, wenn er nicht gerade ein Mann und single wäre.
"Lass das. Bis in zehn Minuten." Er legte auf, aber ich konnte hören, dass er auch grinsen musste.
Mit Yoongi musste ich sowieso noch unter vier Augen reden, da bot sich die Gelegenheit eigentlich ganz gut, auch wenn ich lieber nach Hause gehen würde. Da es nicht so weit von hier aus war, konnte ich es gemütlich nehmen. Ich glaube so viel wie heute bin ich schon lange nicht mehr im Auto gesessen, ich bevorzuge es zu laufen oder mit dem Bus zu fahren. Ist umweltfreundlicher.
Jin wartete schon ungeduldig auf mich, obwohl ich sogar nur neun Minuten gebraucht habe. "Da bist du ja. Warum siehst du so fertig aus?" Gute Frage. Wer würde nicht so aussehen, nachdem man erfahren hat, dass Vampire in der Stadt leben? Ich konnte es ihm aber nicht sagen, zumindest noch nicht. Er hatte für so etwas schlichtweg nicht die Nerven.
"Wo ist er?", wollte ich wissen.
"Zimmer 236. Vielleicht schläft er, ihm geht es zwar gut, müde ist er aber trotzdem noch."
Mit einem Nicken verschwand ich in das besagte Zimmer, wo er zum Glück alleine lag. Er schlief nicht, was mich auch wundern würde.
"Oh hallo, was machst du denn hier?", fragte er mit den unschuldigsten und süßesten Augen der Welt, aber mich kriegt er damit nicht.
"Ich hoffe du weißt, dass wir hier unter Beobachtung stehen. Nicht direkt, aber sollte mir etwas passieren, wirst du dafür bezahlen, verstehst du?", meinte ich in einem gefährlichen Ton.
"I- Ich verstehe nicht-" "Oh doch und wie du verstehst!" Wieder schnitt ich mir in den Unterarm. Diesmal tiefer als zuvor, sodass mein Blut über meinen Arm floss.
Yoongis Augen färbten sich blutrot und wie bei Jaemin kamen seine langen und spitzen Fangzähne zum Vorschein. Es war kaum zu glauben, dass der süße Junge vor einer Minute zu einem Monster mit Psychogrinsen wurde.
"Und wenn ich alle von euch töten muss, ihr werdet mich niemals kriegen", lachte er finster. "Wie hast du es herausgefunden?"
"Du hast dich selbst verraten. Jaemins Abstand zwischen seinen Zähnen war länger als deiner. Meine Wunden und die aller anderen sind etwa drei Finger breit, deine vier. Ich hatte die Vermutung, dass er einer war, weil er der einzige mit Blut im Körper war. Schätze, du konntest sein Blut nicht trinken, oder?"
"Gut gemacht. Aber nein, das kann keiner."
"Warum hast du ihn dann überhaupt umgebracht? Du hattest keinen Grund dazu!", meinte ich entsetzt und zornig.
"Sagen wir so, ich dachte mir, ein zweiter hier in der Stadt würde mir ganz guttun, damit die Spuren auf ihn gelenkt werden und nicht auf mich. Aber als ich ihm seine Menschlichkeit raubte, brennte er vor Wut. Wir können von Anfang an kontrollieren, ob wir jemanden nur aussaugen oder gleich zu einem von uns machen wollen. Rate mal was passiert, wenn ein Vampir einen anderen ein zweites Mal 'verwandeln' will", erzählte er.
"Er stirbt."
"Genau. Ich wurde zuerst gebissen, aber je länger du auf dieser Erde bist, desto mehr Gift braucht man, um einen zu töten. Jaemin war gerade einmal zwei Tage alt."
"Wie alt bist du denn?"
"23 oder 1348, such dir eins aus", meinte er gelassen. "Ich bin noch relativ jung im Vergleich zu manch anderen."
Je mehr dieser Mann, nein, dieses Monster redete, desto schlechter wurde mir. Man sah es mir wahrscheinlich deutlich an, aber ich versuchte trotzdem stark zu bleiben.
"Wenn du nicht sterben willst, dann kommst du besser mit."
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hunted || taegi
Fanfiction"Es war schon fast zu ruhig. Normalerweise hörte ich immer irgendwelche Tiere oder Insekten auf dem Weg, doch diesmal war keine Spur davon zu entdecken. Mein Bauchgefühl sagte mir auch, dass etwas nicht stimmte, aber ich konnte nicht sagen, was fals...