Taehyungs point of view
Dieser Zustand war komisch. Ich hörte und spürte alles, aber ich konnte nichts sehen. Irgendwie gruselig. Generell war alles plötzlich so anders. Dinge rochen anders, ich nahm alles anders wahr und achtete auf Sachen, die mir vorher nie aufgefallen sind. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen, aber das war okay. Schließlich hatte ich jetzt doch alle Zeit der Welt.
Als wir wieder zu Hause waren, war ich immer noch nicht wach, deswegen musste Yoongi mich hochtragen. In der Wohnung legte er mich dann auf unserem Bett ab, aber nach zehn weiteren Minuten war ich wieder auf den Beinen.
"Oh man, wie schaffst du es, so viel Energie zu haben", murmelte ich, während ich mich zu Yoongi ins Wohnzimmer gesellte. Er lag mit Yeo auf seinem Bauch auf der Couch und streichelte den kleinen Kater.
"Das kommt alles noch, keine Sorge", meinte er ruhig. Irgendwie hörte er sich erschöpft an, aber ich konnte nicht sagen, warum. "Wie geht es dir?"
"Ich weiß nicht", antwortete ich. "Eigentlich ganz gut, schätze ich. Fühlt sich alles noch ein bisschen seltsam an."
Verständnisvoll nickte er und meinte, dass es alles eine Sache der Zeit wäre und ich mich daran noch gewöhnen würde. Ehrlich gesagt machte ich mir da keine Gedanken. Was passiert ist, ist passiert und man kann es nicht rückgängig machen, da jetzt ein großes Drama draus zu machen brachte auch nicht viel. Ich akzeptierte die Situation einfach, viel mehr konnte ich sowieso nicht machen.
Jedoch hatte ich das Gefühl, dass Yoongi ein Problem damit hatte, auch wenn ich nicht ganz verstand warum. Also doch schon, ich wusste, welche Vorwürfe er sich selbst machte, aber ich konnte einfach nicht begreifen, warum er das tat. Er hatte alles gegeben und irgendwo war es auch meine Schuld, dass es so kam, wie es kommen musste. Warum also fühlte er sich so schlecht? Hoffentlich wurde das in den nächsten Tagen besser, denn ich wollte ihn nicht direkt darauf ansprechen. Bestimmt brauchte er nur etwas Zeit, um die Geschehnisse des heutigen Tages zu verarbeiten.
Ich setzte mich neben ihn und starrte Löcher in die Luft. Die Zeit schien einfach nicht zu vergehen und mir war verdammt langweilig. Da Yoongi ziemlich fertig wirkte, wollte ich ihm seine Ruhe lassen, doch ihm schien aufgefallen zu sein, dass ich nicht wusste, was tun, also setzte er sich auf und schaute mir in die Augen. "Wenn du zu viel Zeit hast, versuche einmal, deine Maske aufzusetzen", schlug er vor. "Eigentlich ganz einfach. Funktioniert sozusagen alles mit deiner Gedankenkraft."
"Heißt, ich muss es mir nur vorstellen?", hakte ich nach.
"Eigentlich schon. So funktioniert alles, es geht dabei größtenteils ums Multitasking. Manche Sachen erfordern mehr Konzentration als andere. Wenn du zum Beispiel gleichzeitig deine Maske aufgesetzt haben musst und jemandem etwas per Telepathie mitteilen willst, muss die Maske automatisch ablaufen, deswegen ist es wichtig, dies gleich am Anfang zu erlernen", erklärte er mir.
Machte eigentlich auch Sinn. Sofort fing ich an, mich damit zu beschäftigen. Tatsächlich war es nicht sonderlich schwer, sie aufzusetzen, aber sie zu halten und nebenbei andere Dinge zu machen verbrauchte mehr Energie als erwartet. Bei Yoongi sah das immer so leicht aus, aber der hatte auch schon jahrelange Übung darin.
Als ich den Dreh so halbwegs heraushatte, stand er auf und holte das Schachbrett aus dem Schrank. Er wusste, dass ich verdammt schlecht darin war, deswegen entschied er sich auch dafür. Gegen ihn hatte ich keine Chance, wenn ich mich nicht voll konzentrierte, deswegen blieb kaum Zeit über, um an die Maske zu denken, doch es klappte sogar halbwegs.
Wir verbrachten die halbe Nacht damit und es wurde auch nicht langweilig, im Gegenteil. Plötzlich schien es mir sogar Spaß zu machen.
Wassich wohl noch so alles verändert hatte?

DU LIEST GERADE
hunted || taegi
Fiksi Penggemar"Es war schon fast zu ruhig. Normalerweise hörte ich immer irgendwelche Tiere oder Insekten auf dem Weg, doch diesmal war keine Spur davon zu entdecken. Mein Bauchgefühl sagte mir auch, dass etwas nicht stimmte, aber ich konnte nicht sagen, was fals...