59 | acceptance

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"Nein man, er ist clean. Absolut", hörte ich ihn sagen.
"Ja, ich bin mir sicher." - "Ich habe es selbst erlebt und du doch auch, ich verstehe nicht, warum du da so 'n Drama draus machst."

Alles in mir sagte mir, dass ich weitergehen und nicht hinhören sollte, aber der nächste Satz warf mich komplett aus der Bahn.

"Hör zu, er ist mein bester Freund und wenn er ihm vertraut, dann mach ich das auch! Er ist ein korrekter Kerl, trotz seiner... Vergangenheit. Aber wenn du lieber deinem Lover als deinem eigenen Gefühl vertraust, dann bitte." Mit diesen Worten legte er auf.

Er wusste es, daran bestand kein Zweifel. War ja klar, dass Seokjin seine Klappe nicht halten konnte.

Mit gemischten Gefühlen zog ich Jimin, der mich noch immer nicht bemerkt hatte, am Handgelenk mit in mein Büro und schloss es hinter uns. "Wie viel weißt du?", wollte ich wissen.

"Bro erschreck' mich doch nicht so", sagte er. "Keine Ahnung ob ich nun viel weiß oder nicht. Grobe Kenntnisse würde ich sagen. Jin ist nicht wirklich ins Detail gegangen."

"Definiere grobe Kenntnisse."

"Ich weiß, was er ist, und dass er für die Morde zuständig ist. Aber das war's eigentlich auch schon", gestand er.

"Und wie kommt es, dass du davon weißt?", hakte ich nach.

"Vorgestern habe ich ihn zufällig auf der Straße getroffen und er sah völlig aufgelöst aus, also hab ich mit ihm geredet und dann ist ihm das herausgerutscht. Einerseits tut es ihm leid, was er gesagt hat, aber er traut Yoongi immer noch nicht", erklärte er mir.

Meine innere Wut wurde mit jedem Wort größer. Konnte Jin nicht einmal seinen gottverdammten Mund halten und seine Nase aus den Angelegenheiten anderer heraushalten? War das wirklich zu viel verlangt?

Jimin schien zu bemerken, wie wütend ich war. "Wie gesagt, er scheint korrekt zu sein und du vertraust ihm, also stört mich das nicht. Natürlich ist es ein wenig seltsam zu wissen, dass jemand so knuffiges wie Yoongi so viele Leben auf dem Gewissen hat, aber grundsätzlich ist es nichts anderes wie wenn wir Tiere töten um sie zu essen, glaube ich jedenfalls. Der größere Schock war eher, dass ich erfahren habe, dass Vampire existieren, aber den hab ich schon verarbeitet, also ist alles wieder in Ordnung."

Leicht fassungslos sah ich ihn an. "Du akzeptierst ihn also?", vergewisserte ich mich. Zur Bestätigung nickte er und erleichtert umarmte ich in. "Danke."

"Nichts zu danken. Ich werde erst dann wütend, wenn er dir weh tut, aber ich glaube, das weißt du bereits", meinte Jimin lachend. "Ihr zwei seid halt schon übelst süß zusammen, das muss man euch lassen." Er verließ wieder mein Büro und ich machte mich auch an die Arbeit.

Mir fiel ein riesiger Stein vom Herzen. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass er es so locker nimmt. Klar, es würde sicher noch ein paar komische Momente geben, aber all die Sorgen von gestern waren weg und ich konnte endlich wieder beruhigt sein.

Yoongi hatte recht, der Tee war wirklich nichts, was man gerne freiwillig trank, aber Übel muss Übel vertreiben. Zwar tankte ich dadurch ein wenig Energie - das Zeug war wirklich ein Wundermittel - aber trotzdem fiel es mir unheimlich schwer, mich zu konzentrieren. Ständig rutschten meine Gedanken vom eigentlichen Thema ab oder ich vergaß, wo ich gerade dran war.

Zu meinem Glück passierte auch heute nicht viel, zumindest war von all dem nichts Relevantes für mich dabei. Es war leicht frustrierend, dass so überhaupt nichts los war, aber gerade jetzt wo ich krank war kam mir das gerade recht. Spätestens in zwei Tagen aber könnte ich ruhig wieder etwas zu tun haben.

Der Tag war zwar zäh, verging dann aber doch relativ schnell. Jimin kam einmal vorbei und zwang mich, zumindest ein Brot zu essen, was ich auch nur ihm zuliebe tat. Um ehrlich zu sein hatte ich absolut keinen Appetit, ich wollte einfach nur schlafen.

Pünktlich verließ ich das Gebäude und sah, dass Yoongi schon auf mich wartete. Leicht lächelnd ging ich auf ihn zu und gab ihm einen Kuss, ehe wir gemeinsam nach Hause liefen.

hunted || taegiWo Geschichten leben. Entdecke jetzt