23 | shopping

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"Wie lange brauchen wir hier?", wollte Yoongi wissen. Er wirkte sehr nervös und aufgebracht, obwohl wir nur einkaufen gingen. Vielleicht waren ihm hier zu viele Menschen und entweder hatte er Hunger, er litt an einer Sozialphobie oder es war beides.

"Weiß ich nicht. Ist alles gut oder muss ich Angst haben? Du wirkst verspannt", meinte ich vorsichtig. Um ehrlich zu sein wollte ich nicht unbedingt dabei sein, wenn er sich nicht mehr unter Kontrolle halten konnte.

"Mal sehen."

Wow, die Antwort beruhigte mich total. Ich konnte mir jetzt zu hundert Prozent sicher sein, dass ich nicht beim Einkaufen draufgehen würde. Warum genau tat ich mir das nochmal an? Mittlerweile war ich mir selber nicht mehr ganz sicher. Zum Glück hatte ich zwei Taschen dabei, eine davon gab ich ihm. "Hol dir so viel Kaugummi wie du willst, wenn du sonst etwas brauchst pack es auch ein. Wenn du fertig bist oder sonst etwas ist, komm wieder zu mir. Renn nicht weg. Wir teilen uns jetzt nur auf, damit wir schneller sind. Alles klar soweit?"

"Ja, ich bin ja nicht dumm", murmelte er und verdrehte die Augen. Kopfschüttelnd ging ich in die andere Richtung und packte alles Mögliche in meine Tasche. Es tat gut, wieder einmal Zeit für sich zu haben, selbst einkaufen war irgendwie befreiend. All meine Gedanken konzentrierten sich darauf, was ich heute Abend kochen würde, welche Snacks ich zum Film essen würde und nicht, wer wohl als nächstes stirbt. Zwar war es hier ziemlich laut, trotzdem konnte ich meine innere Ruhe spüren. Den Kopf frei bekommen. Viel zu lange saß ich jetzt an dem Fall dran, doch endlich war er gelöst, wenn auch nicht offiziell.

Die Frage war, wie löste ich mein Problem mit Yoongi? Schließlich konnte ich ihn nicht einfach mitnehmen, geschweige denn alleine zu Hause lassen. Vielleicht sollte ich mir für die nächste Woche komplett frei nehmen, immerhin hätte ich es verdient. Kurz überlegte ich, entschied mich dann aber dafür. Gut, dann wäre das auch schon beschlossen.

Gemütlich lief ich die verschiedenen Gänge entlang, als plötzlich irgendwo ein Glas auf dem Boden fiel und kaputt ging. Im ersten Moment hatte ich mich nur erschreckt, doch dann fing ein kleines Kind an zu weinen und in meinem Kopf spielten sich bereits schreckliche Bilder ab. Mit schnellen Schritten lief ich in die Richtung, in der wahrscheinlich das Glas kaputt ging um sicher zu stellen, dass sich niemand verletzte. Oder schlimmeres.

Glücklicherweise war Yoongi nicht dort und ich sah auch kein Blut. Nur eine Mitarbeiterin, die die Scherben beseitigte

Beruhigt atmete ich aus und setzte meinen Einkauf fort, doch als ich um die Ecke ging um mir eine Packung Chips zu holen, sah ich ihn. Die Hände waren zu Fäusten geballt und sein Blick war gesenkt, trotzdem erkannte ich seine Augen.

Mein Herz fing an zu rasen und ich wusste nicht mehr was tun, außer zu gehen. Immerhin hatte ich so ziemlich alles, was ich brauchte, also lief ich auf ihn zu und zog ihm seine Kapuze über, ehe ich ihn am Handgelenk nahm und mitziehen wollten, doch er hielt mich zurück.

Wie angewurzelt blieb er stehen. Ich sah ihm an, dass er sich anstrengte, aber ich wusste nicht warum. Er drückte die Augen zusammen und öffnete sie wieder und siehe da, sie kehrten zu ihrer ursprünglichen Farbe zurück. "Ich kann das nicht lange halten", zischte er.
Ich nickte und packte ihn wieder am Arm. "Einfach nicht sprechen", meinte ich. Solange er den Mund nicht öffnete, sah er aus wie ein Mensch.

So schnell wie möglich legte ich alle Sachen auf das Fließband während Yoongi sie wieder einpackte. Ich bezahlte alles und wir rannten schon fast zum Auto.

Alsoentspanntes Einkaufen konnte man das nicht nennen.

hunted || taegiWo Geschichten leben. Entdecke jetzt