38 | strange feeling

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Abwartend lag ich in meinem Bett. Immer wieder fragte ich mich, ob meine Entscheidung wirklich richtig war oder nicht. Je länger ich nachdachte, desto mehr Gründe fielen mir ein, warum es eine gute Idee war.

Erstens: Yoongi war nicht böse, die Insassen waren es. Es war seine Natur, gegen die er nun einmal nicht ankam.

Zweitens: Wir konnten nicht beurteilen, ob der Mann, der in drei Tagen entlassen werden sollte, wieder jemanden vergewaltigte oder ermordete. Yoongi schon, heißt, er beschützte zumindest ein Leben, indem er eines nahm.

Drittens: Vielleicht funktionierte das wirklich wie in Death Note und es würde immer weniger Kriminelle geben.

Viertens: Es bestand eine 75% Chance, dass ich Gefühle für ihn hatte, obwohl ich diesen Grund nicht wirklich einsehen wollte. Schließlich kannte ich ihn nicht wirklich lange, obwohl ich fast alles Wissenswertes über ihn wusste. War es einfach so etwas wie Liebe auf den zweiten Blick?

Ein weiterer Gedanke über den ich stundenlang philosophieren könnte, aber irgendwann wurde es mir zu blöd. Eigentlich würde ich gerne mit Jimin darüber reden, aber der hatte keine Zeit und ich war gerade nicht in der Stimmung dafür, ihm alles zu erzählen, also probierte ich mein Glück bei Seokjin. Wenn ich mich richtig erinnerte, hatte er Nachtschicht und sollte noch knappe zwei Stunden frei haben.

Zum Glück ging er gleich ran, als ich ihn anrief.

"Taehyung? Bist du schwanger oder warum rufst du mich an?"

"Nein, ich brauche deinen Rat", meinte ich verzweifelt.

"Geht es um deinen Yoongi?" Wenn er vor mir stünde, könnte ich sehen, wie er mit den Augenbrauen wackelte.

Ich seufzte. "Ja."

"Schieß los."

"Also, anfangs war er ja ein totales Arschloch und ich konnte ihn nicht ausstehen, aber in den letzten paar Tagen war er immer so nett und süß und ich weiß gar nicht, was ich fühlen soll", jammerte ich.

"Wird dein Herz schneller, wenn er irgendetwas bestimmtes macht oder sagt? Oder wenn er einfach nur anwesend ist?", wollte er wissen.

"Sag bloß ich bin herzkrank. Dafür habe ich keine Nerven."

"Taehyung, du bist doch keine dreizehn mehr! Reiß dich zusammen. Bist du etwa zum ersten Mal verliebt? Du bist doch sonst immer so selbstsicher. Zieh morgen einfach das eine süße Outfit an und flirte, was das Zeug hält. Darin bist du ein Profi", ermutigte Jin mich.

"Meinst du echt? Ich fühle mich neben ihm wie ein Bottom, aber so richtig."

"Dann ändere das! Auch wenn du das sagst, als wäre es etwas Schlechtes, ich glaub an dich. Du kannst das, sei einfach du selbst. Fighting!" Er legte auf. Typisch Seokjin.

"Dir auch 'nen schönen Tag noch", murmelte ich. Ich legte mein Handy auf das Nachtkästchen und drehte mich um. War das wirklich Liebe? Jin musste es ja wissen, er war quasi ein Experte darin.
Doch bevor ich lange darüber nachdenken konnte, hörte ich, wie jemand auf meinem Fensterbrett landete.

Natürlich war es Yoongi. "Wir haben auch eine Tür, das weißt du hoffentlich. Und geh dir die Füße waschen, ich will nicht wissen, wo du überall hingetreten bist", befahl ich ihm.

Ohne Widerstand tat er dies, ehe er sich zu mir auf mein Bett setzte. "Das eben vorhin...", setzte er an, doch ich unterbrach ihn.

"Alles gut, ich wusste schließlich, worauf ich mich einließ. Ist wenigstens alles gut gegangen?"

Erleichtert atmete er aus. "Mehr oder weniger. Es waren drei ausgewachsene Männer nötig, um meinen Durst zu stillen, aber ich habe brav einen auf Kira gemacht und nur die getötet, die sich nicht ändern wollten."

"Gut. Mach das meinetwegen so oft, wie du es brauchst. Aber reduziere es auf das Minimum, heißt mach es nur wenn du merkst, dass du bald wieder umkippst", erklärte ich.

Leicht verwirrt sah er mich an. "Sagst du das nur, weil du schlecht gelaunt bist, oder meinst du das wirklich so?", hakte er nach.

"Meinst du, ich habe mein Leben aufs Spiel gesetzt, weil ich schlechte Laune habe?"

"Hoffentlich nicht", meinte er. "Iss was, damit du wieder glücklich bist."
Yoongi stand auf und ging, doch bevor er die Tür hinter sich schloss, drehte er sich zu mir und sagte: "Du könntest mich öfter an den Boden pinnen." Mit einem Zwinkern verließ er den Raum.

"Na warte, ich zeig dir, wie man jemanden richtig anpinnt", murmelte ich, wohlwissend, dass Yoongi es hören konnte.

hunted || taegiWo Geschichten leben. Entdecke jetzt