68 | mistrust

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"Taehyung", hörte ich eine Stimme sagen, "du musst aufwachen." Hatte ich verschlafen?

Verwirrt rieb ich mir die Augen und sah auf die Uhr. Mein Wecker hatte gar nicht geklingelt, obwohl er genau jetzt abgehen hätte müssen. Vielleicht hatte ich einfach vergessen, ihn zu stellen.

"Nur fünf Minuten", murmelte ich und verkroch mich wieder unter der Bettdecke. Aufstehen war immer das Schlimmste am Morgen.

Nach exakt fünf Minuten wurde ich wieder geweckt. Ich liebte Yoongi zwar, aber er war schlimmer als mein Wecker. Bevor er noch irgendetwas anderes sagen konnte, legte ich meine Hand vor seinen Mund, damit er still war. "Sei froh, dass es du bist, sonst hätte ich dich bereits gegen die Wand geschmissen."

"Zu deinem Handy bist du auch nie so gemein", nuschelte er gegen meine Hand.

"Das kann auch nur von Glück sprechen, dass ich es brauche, sonst hätte das keinen Tag hier überlebt."

Gähnend stand ich auf und ging direkt ins Badezimmer. Auf Kaffee hatte ich heute keine Lust, warum auch immer. Selbst Yoongi sah mich verwirrt an, schüttelte dann aber nur den Kopf und murmelte etwas unverständliches.

Da ich mich ziemlich schnell fertig gemacht hatte, konnte ich mich noch für eine gute Viertelstunde auf die Couch legen. Mein Freund lehnte sich von hinten über die Rückenlehne nach vorne und sah mir direkt ins Gesicht. "Was bist du denn so müde in letzter Zeit?", fragte er leicht besorgt.

"Ich bin gar nicht wirklich müde, ich strebe nur nach der für mich kleinsten potentiellen Energie", antwortete ich mit den Schultern zuckend.

"Dazu müsstest du dich aber auf die Straße legen."

"Klugscheißer", sagte ich und versuchte mir ein Grinsen zu verkneifen, was mir aber offensichtlich nicht gelang.

Yoongi lehnte sich nach vorne und drückte mir einen Kuss auf die Lippen, ehe er sich von der Couch abstieß und sich im Badezimmer verzog. Das hieß, ich hatte doch nur noch knapp fünf Minuten, bis ich wieder aufstehen und zur Arbeit laufen musste. Keine Ahnung was heute los war, ich hatte einfach absolut keine Motivation für irgendetwas. Hoffentlich legte sich das noch im Laufe des Tages.

Glücklicherweise gab es auch nicht sonderlich viel zu tun. Hier und da erledigte ich Papierkram, zwischendurch las ich mir den ein oder anderen Artikel durch, den man mir zuschickte. Jimin stattete mir auch noch kurz einen Besuch ab, ließ sich danach aber nicht mehr blicken. Ein ganz normaler Tag eben.

Gegen Mittag aber bekam ich eine Nachricht. Sie stammte von Seokjin. Er meinte, er müsse mich wegen dem einen Mord im Wald sprechen und das am besten persönlich. Eigentlich wollte ich sie weg drücken und ignorieren, doch irgendetwas in mir sagte, dass er sich nicht wegen der Arbeit mit mir treffen wollte, also machte ich mich auf den Weg ins Krankenhaus.

Als ich dort ankam, bemerkte ich schnell, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Wortlos zog er mich in einen leeren Raum und schloss die Tür hinter uns.

"Warum hast du mich wirklich hier herbestellt?", fragte ich direkt.

"Weil das wahrscheinlich die einzige Möglichkeit ist, das zwischen uns zu klären. Hör zu, bevor du irgendwas sagen kannst, ja, ich habe scheiße gebaut und ich bereue alles, was ich gesagt oder getan habe. Wirklich. Deswegen tu ich mir den ganzen Scheiß auch überhaupt an, weil ich dir vertraue und wenn du sagst, Yoongi ist keine Gefahr, dann hast du wohl recht", sprudelte es nur so aus ihm.

Seufzend schüttelte ich den Kopf. "So, und jetzt noch einmal von vorne."

"Also, Namjoon hält mich quasi gefangen und ich hatte deshalb keine Chance, mit dir zu reden. Aber ich sehe meinen beschissenen Fehler ein und es tut mir unheimlich leid, was ich dir und auch deinem Freund angetan habe", erklärte er noch einmal.

"Ja schon gut, komm auf den Punkt", meinte ich leicht zynisch. "Warum machst du nicht einfach Schluss mit ihm, wenn er doch so toxisch ist?"

"Ich kann nicht, das lässt er nicht zu. Er isoliert mich komplett. Wenn er draufkommt, dass wir hier sind, dann wars das mit mir. Zudem bleibe ich freiwillig, damit euch nichts zustößt, vor allem Yoongi."

"Warum verteidigst du ihn plötzlich, wo du ihn doch erst vor kurzem noch töten wolltest?", hakte ich nach. Das Ganze wirkte ziemlich suspekt. Ich kannte Namjoon persönlich, und auch wenn ich nach der Aktion absolut keine Empathie für ihn übrighatte, konnte ich mir kaum vorstellen, dass er so etwas tun würde.

"Wie gesagt, wenn du ihm vertraust, sollte ich es auch, das sehe ich ein. Außerdem habe ich zufällig erfahren, dass Namjoon nebenberuflich Vampire jagt und glaub mir, du willst nicht wissen, was er mit ihm anstellen würde, wenn ich ihn nicht täglich davon abhalten würde."

"Und wie kann ich mir sicher sein, dass ich dir vertrauen kann?"

Seokjin atmete tief ein und wieder aus. "Weißt du noch, als ich dir die Frage vor zehn Jahren gestellt habe?"

Ich nickte leicht. "Weißt du auch noch, was du mir damals gesagt hast?"

"Tu's einfach", antwortete ich nach kurzem Überlegen. "Aber da habe ich nicht dein Vertrauen gebrochen gehabt, sondern es versucht zu gewinnen."

"Ich weiß. Kannst du es nicht trotzdem versuchen?"

Innerlich kämpfte ich mit mir selbst. Einerseits wollte ich ihm verzeihen, auch wenn ich auf jeden Fall noch Abstand am Anfang bräuchte, aber andererseits hat er all mein Vertrauen genommen, gebrochen, gegen die Wand geklatscht und anschließend ertränkt.

Aber was, wenn das wirklich wahr war? Dann musste ich ihn doch irgendwie unterstützen, oder etwa nicht?

hunted || taegiWo Geschichten leben. Entdecke jetzt